DGUV Information 213-018 - Papierherstellung und Ausrüstung Sichere Maschinen un...

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Abschnitt 3.8, Treppen, Maschinentreppen, Steigleitern
Abschnitt 3.8
Papierherstellung und Ausrüstung Sichere Maschinen und Anlagen Teil 1 Gemeinsame Anforderungen (bisher: BGI 860-1)
Titel: Papierherstellung und Ausrüstung Sichere Maschinen und Anlagen Teil 1 Gemeinsame Anforderungen (bisher: BGI 860-1)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 213-018
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 3.8 – Treppen, Maschinentreppen, Steigleitern

Als sicherer Zugang zu einem Arbeitsplatz wird die Treppe gefordert, deren Steigungswinkel zwischen 30 und 45 liegt. Nähere Angaben sind EN ISO 14122-3 zu entnehmen. Wichtige allgemeine Forderungen an die Treppe - wie auch an die Maschinentreppe - sind:

  • gleiche Steigung h (s)1 über die gesamte Treppenlänge

  • gleicher Auftritt g (a)2 über die gesamte Länge

  • die Gleichung 600 ≤ g + 2h ≤ 660 (Schrittmaßformel 2s + h = 63 3 cm)3 muss eingehalten werden.

Bild 15 Zum Arbeitspodest am Poperoller führt eine normgerechte Treppe.

Bei der Auslegung von Treppen und Maschinentreppen muss der Konstrukteur beachten, dass auf den Gebäudezeichnungen meist das Rohbaumaß angegeben ist. Die Treppe steht aber auf den nachträglich aufgebrachten Fliesen oder auf Estrich, so dass die unterste Stufenhöhe leicht zu niedrig werden kann. Für solche Fehler kann aber nicht die Ausnahme aus EN ISO 14122-3 Abschnitt 5.3 in Anspruch genommen werden, die die Verringerung der Steigung (Stufenhöhe) innerhalb eines Treppenlaufs um bis zu 15 % zulässt.

Ist zu Arbeitsplätzen an Maschinen der Papierherstellung und Ausrüstung aus betriebstechnischen Gründen ein Zugang in Form einer Treppe nicht machbar, darf die Maschinentreppe mit einem Steigungswinkel von > 45 bis 70 gewählt werden. Nur wenn auch dies nicht realisierbar ist, darf eine Stufenleiter oder eine Steigleiter mit Flachsprossen verwendet werden. Dabei ist jedoch zu bedenken, dass zum Besteigen von Leitern, die steiler als 70 sind, beide Hände zum Festhalten benötigt werden und deshalb Gegenstände wie Werkzeuge, Hilfsmittel zum Reinigen oder Maschinenteile nicht mitgeführt werden können.

Führen Maschinentreppen, Stufenleitern oder Steigleitern im rechten Winkel auf Arbeitsbühnen und Laufstege zu, so ist an der Geländerunterbrechung eine nach innen öffnende, selbstschließende Tür als Absturzsicherung anzubringen (Bild 16), wenn die mögliche Absturzhöhe mehr als 2,0 m beträgt. Maschinentreppen nach EN 1034-1 dürfen abweichend von EN ISO 14122-3 ohne Zwischenpodest bis zu einer Höhe von 4,0 m eingesetzt werden.

Bild 16 Ein selbstschließender Türbügel sichert die Geländerunterbrechung, die durch den Anschluss der Maschinentreppe entsteht.

Lässt es sich nicht vermeiden, dass Bauteile der Maschine den freien Durchgang auf weniger als die in EN 1034-1 Abschn. 5.5.6 geforderten 0,60 m einengen (Bild 17), so muss mindestens ein Durchgang von 0,40 m verbleiben sowie das einengende Teil gepolstert und gelb/ schwarz gekennzeichnet werden. Besser als sichern ist jedoch: Engstellen vermeiden!

Bild 17 Ein Anschlussstutzen engt den Durchgang auf weniger als 0,60 m ein. Er muss noch gepolstert und gelb/schwarz gekennzeichnet werden, wenn sich die Anstoßgefahr nicht beseitigen lässt.

Was für die Breite gilt, gilt auch für die Höhe. Überall, wo Menschen arbeiten müssen und auf dem Weg dorthin, muss eine freie Durchgangshöhe von mindestens 2,0 m vorhanden sein.

Ist dies in Einzelfällen aus konstruktiven Gründen nicht möglich, sind die Anstoßstellen zu polstern und zu kennzeichnen (EN 1034-1 Abschnitt 5.5.9). Vielleicht ist aber auch ein kleiner Umweg zumutbar und der Zugang in den nicht anstoßgefahrfreien Bereich kann verwehrt werden.

Laufstege und Podeste müssen sicheres Arbeiten gewährleisten. Gerade im Nassbereich ist es wichtig, einen Bodenbelag auszuwählen, der rutschhemmend ist, sich aber auch leicht reinigen lässt. Falls Gitterroste nicht in Frage kommen, z.B. bei Querlaufstegen über die gesamte Breite einer Papiermaschine, weil Tropfen vom Laufsteg auf die darunter befindliche Bahn vermieden werden müssen, sollten bei Verwendung geschlossener Beläge Ablaufrinnen vorgesehen werden und durch Gummiprofile die Rutschhemmung erhöht werden.

Häufige Ursache für Unfälle sind Stolpergefahren. Durch entsprechende Gestaltung von Fußleisten an den Übergängen von Treppen auf Laufstege, von Aussparungen in Laufstegen für Leitungsdurchführungen oder um Walzenlager im Fußbereich können Stolperstellen weitgehend vermieden werden. Das Ausfüllen eines Ausschnittes im Gitterrost ist in jedem Fall günstiger als das Anbringen einer Umrandung mit einer Fußleiste.

Bild 18 Aussparung mit Formteil

Stolpergefahren können auch durch die Durchbiegung von nebeneinander liegenden Elementen von Bodenbelägen entstehen, z.B. Gitterrosten. EN ISO 14 122-2 legt in Abschnitt 4.2.4.3 fest, dass der Höhenunterschied nicht mehr als 4 mm betragen darf; das bedeutet, bei mehr als 4 mm wird schon von Stolpergefahr ausgegangen. Arbeitsbühnen im Anwendungsbereich der EN 1034-1 müssen nach Abschnitt 5.5.1 für eine Flächenbelastung von 5000 N/m2 ausgelegt sein. Abweichend davon darf die Flächenbelastung nach Abschnitt 5.3.1 der EN 1034-5 3000 N/m2 betragen, wenn die Betriebsanleitung den Hinweis enthält, dass auf den Arbeitsbühnen und Laufstegen keine schweren Maschinenteile abgelegt werden dürfen.

Herumliegende Schläuche führen immer wieder dazu, dass Mitarbeiter umknicken, fehltreten oder hängen bleiben. Die Verletzungsfolgen reichen von Verstauchungen, Bänderdehnungen, Bänderabrissen bis zu Knochenbrüchen. Solche Folgen sind vermeidbar, wenn geeignete Schlauchaufhängungen oder -aufrollungen zur Verfügung stehen. Bevor jedoch ein Druckluft- oder Wasseranschluss an einer Maschine installiert wird, sollte sehr sorgfältig überlegt - oder noch besser: der Operator gefragt - werden, wo denn gereinigt oder weggeblasen werden muss. Je kürzer der Schlauch ist, um so größer wird die Bereitschaft des Mitarbeiters sein, ihn nach der Benutzung wieder ordnungsgemäß aufzuhängen.

Bild 19 Von einem aufgehängten Schlauch geht keine Stolpergefahr aus.

Bild 20 Die Schlauchaufrollung ist die bessere Lösung. Das Schlauchende sollte aber nicht auf dem Boden liegen.

Besser als die Aufhängung ist eine Schlauchaufrollung (Bild 20): nach der Benutzung genügt ein kurzer Zug am Schlauch, um die Arretierung zu lösen, und schon rollt sich der Schlauch auf; der Mitarbeiter muss ihn lediglich ein wenig führen.

Bild 21 Handbetätigte Ventile liegen in ca. 5 m Höhe. Der Zugang wird bei Bedarf über eine Anlegeleiter erfolgen. Diese sollte jedoch eingehängt werden können, so dass sie gegen Wegrutschen gesichert ist.

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Bezeichnungen in den Klammern entsprechen den alten Normen DIN 18064 und 31003

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Bezeichnungen in den Klammern entsprechen den alten Normen DIN 18064 und 31003

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Bezeichnungen in den Klammern entsprechen den alten Normen DIN 18064 und 31003