DGUV Information 203-025 - Gestaltungsregeln für Siebdruckmaschinen (bisher: BGI...

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Abschnitt 3.4, Maschinen mit fahrbarem Anlegetisch als Druck...
Abschnitt 3.4
Gestaltungsregeln für Siebdruckmaschinen (bisher: BGI 837)
Titel: Gestaltungsregeln für Siebdruckmaschinen (bisher: BGI 837)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 203-025
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 3.4 – Maschinen mit fahrbarem Anlegetisch als Druckbasis

Bei dieser Bauart fährt die Druckbasis aus der Druckmaschine und dient als Anlegetisch, so dass die Bedienperson von außen den Bedruckstoff anlegen kann. Anschließend wird die Druckbasis zum Drucken wieder eingefahren. Das Entnehmen erfolgt manuell (Halbautomat), nachdem der Anlegetisch wieder ausgefahren ist oder automatisch über Transportbänder und Greifersysteme (Dreiviertelautomat).

Abb. 17: Dreiviertelautomat mit fahrbarem Drucktisch

I.
Bau und Ausrüstung

a)
Mechanische Sicherheit

Quetsch- und Scherstellen, die bei der Bewegung des Druckwerkes gebildet werden:

  • Druckwerk/Maschinengestell

    • Für Arbeiten bei vollständig angehobenem Druckwerk, der so genannten "Putzstellung", muss durch Betätigung eines zusätzlichen Stellteiles ein unbeabsichtigtes Ingangsetzen der Maschine und damit Absenken des Druckwerkes verhindert sein. Unabhängig davon muss durch technische Maßnahmen das Druckwerk sicher in jeder oberen Position gehalten werden.

    • Die Gefahrstellen zwischen bewegtem Druckwerk und feststehendem Maschinengestell/Druckbasis müssen durch Schutzeinrichtungen gesichert werden. Hierfür bieten sich Schaltleisten, feste Verdeckungen und verriegelte Schutzeinrichtungen an. Die Wahl der geeigneten Schutzeinrichtung muss das Einlegen bzw. die Entnahme des Drucksiebes berücksichtigen.

Quetsch- und Scherstellen, die durch die Bewegung der Rakel gebildet werden:

  • Rakelhalterung/Maschinengestell

  • Rakelfassung/Umsteuerung für Rakel

  • Rakelfassung/Maschinengestell

  • Drehpunkt Rakelfassung

    • Die Gefahrstellen, die durch die Bewegung der Rakel gebildet werden, müssen durch die Einhaltung von Mindestabständen in Höhe von 25 mm (Fingersicherheit) vermieden werden. Können diese Mindestabstände zwischen bewegten Maschinenteilen nicht eingehalten werden, muss die Sicherung der Gefahrstellen durch trennende Schutzeinrichtungen oder Kraftbegrenzung der bewegten Teile auf max. 150 N erfolgen.

    • Die Gefahrstellen, die an den Rakelantriebselementen (Ketten-, Zahnriemenräder) gebildet werden, müssen durch feste Schutzeinrichtungen gesichert sein.

Quetsch-, Scher- und Stoßstellen, die durch die fahrbare Druckbasis (Drucktisch) gebildet werden:

  • Druckbasis/Maschinengestell

  • Druckbasis/Druckformaufnahme

  • Druckbasis/Druckform

    • Die Stoßgefährdung muss durch eine der folgenden Maßnahmen gesichert sein:

      • Unterbindung des Zugangs zum Gefahrbereich durch eine mit dem Antrieb verriegelte Stange (Ketten aus Kunststoff sind nicht zulässig). Diese muss so angebracht sein, das z.B. bei unbefugtem Über- oder Unterklettern keine weitere Gefährdung entsteht. Der Positionsschalter muss so angebracht werden, dass er bei Rücklauf des Tisches in der Endstellung leicht löst. Zwischen Tisch und Stange muss ein Mindestabstand von 120 mm verbleiben.

      • Anbringung einer schaltenden Schutzleiste auf der Stirnseite der fahrbaren Druckbasis. Diese ist so zu gestalten, dass der Ausweichweg größer ist als der Anhalteweg der Druckbasis.

      • Schaltmatten, die den Aufenthalt im bzw. das Hineingreifen in den Gefahrbereich sichern bzw. verhindern.

    • Die Quetsch- und Scherstelle zwischen Maschinengestell/Drucktisch muss durch eine der folgenden Maßnahmen gesichert sein:

      • Überlappende Gestaltung von Drucktisch und Maschinengestell.

      • Auskleiden mit Blechabdeckungen zur Vermeidung des Eingriffs (Voraussetzung ist ein minimaler Abstand zwischen Blechabdeckung und Unterkante Drucktisch von max. 6 mm).

b)
Elektrische und pneumatische Ausrüstung/Steuerung

  • Die elektrische Ausrüstung der Maschine muss gemäß EN 60204-1 ausgeführt sein. Dazu zählt unter anderem:

    • Es muss ein abschließbarer Hauptschalter vorhanden sein, bei einem Anschlussstrom bis 16 A ist eine Steckverbindung ausreichend.

    • Die Bedien- und Stellteile müssen in deutscher Sprache oder mit eindeutigen Symbolen in Funktion und Wirkung gekennzeichnet sein.

    • Vakuumgebläse und Motoren müssen mit einem Überstromschutz ausgerüstet sein.

    • Die elektrische Anschlussleitung muss mit einer wirkungsvollen Zugentlastung ausgestattet sein.

  • Die pneumatische Ausrüstung der Maschine muss, sofern vorhanden, gemäß EN 983 ausgeführt sein.

  • Fußschalter für das kraftbetätigte Absenken der Druckformaufnahme müssen gegen unbeabsichtigtes Auslösen gesichert sein, z.B. durch eine Überdeckung.

  • Bei Verwendung einer Schaltleiste zur Sicherung der Schließbewegung der Druckformaufnahme müssen an jeder Stelle der Betätigung mindestens zwei Positionsschalter gleichzeitig ansprechen. Diese müssen der EN 60947-1-5 entsprechen.

  • Damit die Schutzeinrichtungen nicht auf Dauer durch Schwingungen der Maschine oder ähnliche Einflüsse unwirksam werden, müssen die Positionsschalter bzw. Lichtschranken gegen Lageänderung gesichert werden, z.B. durch Verstiften oder Verschrauben ohne Langlöcher. Verschraubungen müssen gegen Selbstlockern gesichert werden, z.B. durch Federscheiben, Zahnscheiben, Verkleben der Verschraubung.

  • Die sicherheitsrelevanten Teile der elektrischen bzw. elektronischen Steuerung müssen einfehlersicher (entsprechend Kategorie 3 nach EN 954-1) ausgeführt sein.

  • Die sicherheitsrelevanten Teile der pneumatischen bzw. hydraulischen Steuerung müssen entsprechend Kategorie 1 der EN 954-1 ausgeführt sein.

c)
Explosionsschutz

  • Es dürfen keine Arbeitsstoffe, z.B. Farben, Reiniger, Sieböffner, mit einem Flammpunkt < 40 C verwendet werden. Ist dies nicht möglich, sind Maßnahmen zum Explosionsschutz zu ergreifen. Auf einem Schild an der Maschine ist darauf hinzuweisen.

  • Die Teile der Maschine müssen miteinander elektrisch leitfähig verbunden sein.

  • Die Maschine muss elektrostatisch geerdet aufgestellt werden.

  • Das Versprühen von brennbaren Lösemitteln, z.B. Sieböffner, ist wegen der Aerosolbildung zu vermeiden. Darauf ist in der Betriebsanleitung hinzuweisen.

d)
Emissionen / Absaugung

  • Eine direkte Absaugung (vor allem oberhalb des Siebes) an der Maschine selbst ist nicht sinnvoll, da dadurch Probleme beim Drucken entstehen können. Eine gezielte Luftführung in Verbindung mit einer geregelten, nicht zu starken Absaugung kann aber die Emissionen senken. Da bei dieser Maschinenbauart die Anlage von außen erfolgt, ist auch eine Kapselung in Form einer Haube möglich. Hierbei ist aber auch zu beachten, dass keine zu starke Absaugung installiert wird. Außerdem ist darauf zu achten, dass leicht erreichbare Öffnungen zum Nachfüllen von Farbe vorhanden sind. Emissionen können auch durch gezielte Maßnahmen im Arbeitsumfeld verringert werden.

  • Hinweise hierzu finden sich unter Abschnitt II. "Betrieb" Buchstabe c) "Emissionen/Lüftung".

Abb. 18: Luftführung in der Maschine

Abb. 19: Dreiviertelautomat mit Haube

e)
Ergonomische Grundsätze

  • Die Arbeitshöhe ist - gegebenenfalls mit Podesten oder durch Höhenverstellbarkeit - in Relation zur Reichweite der einzustellenden bzw. anzulegenden Teile so anzupassen, dass eine Bedienperson entsprechend den ergonomischen Anforderungen günstig arbeiten kann. Die günstigste Arbeitshöhe beim Arbeiten im Stehen zum Anlegen von Druckbögen ist 95 bis 105 cm.

  • Die Stellteile sind so anzuordnen, dass sie von einer Bedienperson während des Arbeitsvorgangs leicht erreicht werden können (vorzugsweise in einer Höhe zwischen 0,7 m und 1,2 m bis max. 1,9 m).

  • Der Fußschalter ist beweglich zu gestalten, damit während des Arbeitsvorgangs durch eine mögliche Haltungsänderung eine entspannte Fußstellung erreicht werden kann.

  • Ist die Maschine auch darauf ausgelegt, dass im Sitzen gearbeitet werden kann, ist eine ausreichende Beinfreiheit konstruktiv zu gewährleisten.

f)
Benutzerinformation

  • Folgende Angaben müssen deutlich erkennbar und dauerhaft an der Maschine angebracht sein:

    • Name und Anschrift des Herstellers,

    • CE-Kennzeichnung,

    • Bezeichnung der Serie oder des Typs,

    • ggf. Fabrikationsnummer,

    • Baujahr,

    • zulässiger Flammpunkt der Arbeitsstoffe.

  • Die Kennzeichnung kann durch ein Typenschild erfolgen, das deutlich erkennbar und dauerhaft an der Anlage angebracht wird, z.B. geschraubt, genietet oder lösemittelbeständig geklebt.

  • Die Betriebsanleitung muss entsprechend EN 292 Teile 1 und 2 die erforderlichen Hinweise zum sicheren Transportieren, Aufstellen, Betreiben, Rüsten, Instandhalten und Beheben von Störungen enthalten. Die sicherheitstechnischen Einrichtungen an der Maschine müssen ausführlich beschrieben und z.B. durch Übersichtszeichnungen und Fotos ergänzt werden.

  • Die Betriebsanleitung ist dem Betreiber in deutscher Sprache mitzuliefern. Bei einem Hersteller aus dem Ausland ist zusätzlich zur deutschen Version eine Betriebsanleitung in der Originalsprache beizufügen. Ausführliche Hinweise zum erforderlichen Inhalt der Betriebsanleitung enthält Anhang 2.

  • Die Beschriftungen an der Maschine (Funktion der Stellteile und evtl. Sicherheitshinweise) müssen, sofern nicht als textlose Bildzeichen dargestellt, in deutscher Sprache ausgeführt sein.

  • Gemäß prEN 1010-2 sind in Betriebsanleitungen für Siebdruckmaschinen zusätzlich folgende Angaben zu machen:

    • Hinweise auf die zulässigen Farben, Lacke, Wasch- und Lösemittel (zulässiger Flammpunkt) sowie für die Raumlüftung am Aufstellungsort der Maschine.

    • Hinweis, dass die Maschine vor dem Arbeiten zwischen Siebdruckrahmen und Maschinengestell, z.B. Siebreinigung, durch Betätigen, z.B. eines Betriebsartenwahlschalters, gegen unbeabsichtigten Anlauf gesichert werden muss.

    • Können verschiedene Siebgrößen verwendet werden, muss die Betriebsanleitung Hinweise auf eine entsprechende Einstellung der Endanschläge enthalten, so dass immer ein Mindestabstand von 25 mm zwischen Rakel und Siebrahmen vorhanden ist.

    • Soweit die Quetschstelle zwischen Rakel und Sieb bzw. Drucktisch aus drucktechnischen Gründen nicht gesichert werden kann, muss in der Betriebsanleitung der Hinweis auf die Restgefahren, z.B. beim Nachfüllen der Druckfarben, enthalten sein.

    • Die Betriebsanleitung muss auf die Restgefahren hinweisen, die entstehen, wenn der Rakelantrieb ohne eingesetztes Sieb oder mit kleinerem Sieb in Gang gesetzt wird.

II.
Betrieb

a)
Dokumentation

  • Die EG-Konformitätserklärung muss vorliegen.

  • Die Betriebsanleitung muss im Betrieb an geeigneter Stelle ausliegen.

b)
Einweisung

  • Die Beschäftigten sind anhand der vom Hersteller zur Verfügung gestellten Unterlagen einzuarbeiten und regelmäßig zu unterweisen. Hierzu kann eine zusätzliche Einweisung durch einen Beauftragten des Herstellers sinnvoll und notwendig sein.

  • Eine schriftliche Betriebsanweisung mit folgenden Inhalten ist anhand der vom Hersteller bereitgestellten Unterlagen zu erstellen:

    • Betriebsspezifische Bedienhinweise.

    • Hinweise, welche Druckfarben, Lacke, Lösemittel bzw. der Anlage verwendet werden dürfen und

    • welche Verwendungsbeschränkungen bestehen.

c)
Emissionen/Lüftung

  • Bei entsprechender Belastung der Raumluft ist eine bauseitige Abluftanlage möglichst im hinteren Bereich der Druckmaschine in Bodennähe zu installieren. Gegenüberliegend von der Bodenabsaugung ist bauseits eine Frischluftzufuhr zu gewährleisten. Die so entstehende "Querstrombelüftung" ist in ihrer Leistung der Raumgröße anzupassen. Zugluft ist dabei zu vermeiden.

    Abb. 20: Lüftung im Bereich Dreiviertelautomat mit abgesaugtem Stapeltrockner

  • Die bedruckten Bögen können entweder einem Durchlauftrockner zugeführt werden oder werden in einem geeigneten Stapeltrockner zum Trocknen abgelegt. Zur Absaugung der Lösemitteldämpfe und der Beschleunigung der Trocknung sind Stapeltrockner im hinteren Bereich mit einer Absaugung auszustatten. Diese Absaugung kann entweder an den Stapeltrockner fest angebracht werden oder frei im Raum stehen (als feste oder bewegliche Installation). Da ein Großteil der Emission während des Beladevorgangs eines solchen Stapeltrockners entsteht, muss die Absaugung schon während dieses Vorgangs wirksam sein. Absaughauben in der Art einer "Garage", die den komplett beladenen Stapeltrockner aufnehmen, sind unzureichend.

  • (Heiz-)Lüfter, die hinter den Stapeltrockner gestellt werden und die lösemittelbelastete Luft in Richtung Bedienperson blasen, sind unzulässig.

d)
Wartung/Instandhaltung

  • Die regelmäßige Wartung, insbesondere der Sicherheitseinrichtungen, ist gemäß den Anweisungen des Herstellers in der Betriebsanleitung durchzuführen.

e)
Prüfungen

  • Die Sicherheitseinrichtungen der Maschine müssen in regelmäßigen Zeitabständen, mindestens einmal jährlich, auf ihre Funktionsfähigkeit geprüft werden.

  • Eine weitergehende sicherheitstechnische Prüfung der Steuerung durch einen Sachkundigen, wie sie für Maschinen mit betriebsmäßig regelmäßigem Eingriff in Gefahrstellen vorgeschrieben ist, entfällt bei diesen Maschinen.