DGUV Information 209-056 - Gefährdungen in der Kraftfahrzeug-Instandhaltung (bis...

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Abschnitt 6, Unterweisung
Abschnitt 6
Gefährdungen in der Kraftfahrzeug-Instandhaltung (bisher: BGI 808)
Titel: Gefährdungen in der Kraftfahrzeug-Instandhaltung (bisher: BGI 808)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 209-056
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 6 – Unterweisung

Die Zahl der meldepflichtigen Unfälle hat sich in den vergangenen Jahren ständig verringert.

Zurückzuführen ist diese erfreuliche Bilanz überwiegend auf eine verbesserte Sicherheitstechnik, wie die statistischen Auswertungen der Unfallursachen eindeutig beweisen.

Danach haben nur noch ca. 20 % eine technische Ursache, die übrigen 80 % sind Organisations- und Verhaltensmängeln zuzuordnen.

EG-Richtlinien, umgesetzt in nationale Verordnungen, garantieren eine weitgehend sichere Technik. Hält sich ein Hersteller nicht an die Vorschriften, kann er, ggf. auch durch Auflagen, dazu verpflichtet werden.

Sehr viel schwieriger ist es, das Verhalten der Beschäftigten zu beeinflussen. Sicherheitswidrige Verhaltensweisen führen nicht zwangsläufig zu Unfällen, sodass sich aus dem Bewusstsein heraus "Es passiert ja nichts" sicherheitswidrige Gewohnheiten entwickeln.

Aufgaben des Unternehmers sind es demzufolge

  • zu verhindern, dass sich bei Beschäftigten, die erstmalig eine bestimmte Tätigkeit ausführen, sicherheits- und gesundheitswidrige Gewohnheiten entwickeln und

  • "gestandene" Beschäftigte ggf. zu sicherheits- und gesundheitsbewussten Gewohnheiten zu motivieren.

Die Erzielung eines nachhaltigen Erfolges setzt voraus, dass der Unternehmer selbst erkannt hat, dass der Arbeitsschutz neben allen anderen Unternehmenszielen gleichrangige Bedeutung hat und durch sein Verhalten auch den Beschäftigten bewusst wird, wie wichtig diese Thematik für das Unternehmen ist.

Was kann getan werden?

Als eine gute Möglichkeit bietet sich an, regelmäßig mit den Beschäftigten Gespräche über das Thema Sicherheit und Gesundheitsschutz zu führen.

Aus einer Vielzahl von staatlichen und berufsgenossenschaftlichen Vorschriften und Regeln ergibt sich die Verpflichtung, Beschäftigte regelmäßig arbeitsplatzbezogen zu unterweisen.

Das heißt, der Unternehmer oder ein von ihm beauftragter Vorgesetzter soll mit den Beschäftigten Gespräche über die an dem jeweiligen Arbeitsplatz zu erwartenden Gefährdungen führen.

Die BG-Information "Sicherheit durch Unterweisung" (BGI 527) kann für die Vorbereitung und Durchführung eine wertvolle Hilfe sein. In dieser Schrift sind u.a. praxiserprobte Unterweisungsmethoden beschrieben, z.B. der Vortrag, das Lehrgespräch, die Gruppenarbeit, aber auch das Arbeitssicherheits-Kurzgespräch.

Für Berufsanfänger oder Beschäftigte, die eine Aufgabe mit neuen Gefährdungen übertragen bekommen, ist eine Kombination aus Vortrag und Lehrgespräch die geeignete Form, um auf bestimmte sich aus der jeweiligen Tätigkeit ergebenden Gefährdungen hinzuweisen und gleichzeitig bereits vorhandene Erfahrungen der Beschäftigten mit einzubeziehen.

Für eine wiederkehrende Unterweisung bietet sich ein Arbeitssicherheits-Kurz- bzw. -Lehrgespräch an. Das gesteckte Ziel ist, sicherheitswidrige Gewohnheiten nicht entstehen zu lassen bzw. vorhandene zu sicheren Gewohnheiten zu verändern.

Eine Voraussetzung zum Erfolg ist, dass der Unterwiesene die besprochenen Themen möglichst lange Zeit im Gedächtnis behält.

Zur Information:

Lernende behalten im Gedächtnis durchschnittlich etwa

  • 20 % von dem, was sie nur gehört haben,

  • 30 % von dem, was sie nur gesehen haben,

  • 50 % von dem, was sie gehört und gesehen haben,

  • 70 % von dem, was sie selbst gesagt haben

    und

  • 90 % von dem, was sie mitdenkend erarbeitet und selbst ausgeführt haben (sog. aktives Lernen).

Das Arbeitssicherheits-Kurz- bzw. -Lehrgespräch nutzt diese Erkenntnis, indem die Beschäftigten unmittelbar in die Beurteilung ihrer Arbeitsplatzsituation einbezogen werden.

Folgendes methodisches Vorgehen hat sich für das Arbeitssicherheits-Kurzgespräch bewährt:

  1. 1.

    Thema setzen: z.B. Arbeiten an Bearbeitungszentren, Reifenmontage, Arbeiten am Pkw-Kraftstoffsystem usw.

  2. 2.

    Die mit diesen Arbeiten betrauten Beschäftigten in einem separaten Raum, z.B. Aufenthaltsraum, versammeln.

  3. 3.

    Beschäftigte zur Arbeitssicherheit in diesem Bereich nach folgender Vorgehensweise befragen und Antworten und Ergebnisse auf vorbereitetem Papier festhalten (Bild 6-1).

    • Welche Probleme/Gefahren gibt es in Ihrem Arbeitsbereich?

    • Was kann passieren?

    • Welche Schutzmaßnahmen können getroffen werden (geordnet nach Technik, Organisation, Personenverhalten)?

Bild 6-1: Muster für Flipchart

Vorteile dieser Methode sind:

  • Der Unterweisende (Unternehmer oder Vorgesetzte) fungiert überwiegend als Moderator.

  • Die Unterwiesenen fühlen sich nicht als "Belehrte" und identifizieren sich, da die Ergebnisse von ihnen erarbeitet wurden, mit den Ergebnissen.

  • Die genannten Gefährdungen erhalten durch die Eigennennung eine stärkere Bedeutung, gleichzeitig steigt die Eigenverantwortung zum Einhalten der Verabredungen.

Es hat sich bewährt, einen schriftlichen Nachweis über die Teilnahme an der Unterweisung zu führen. Die Bedeutung der Unterweisung wird dadurch aufgewertet.

  1. [1]

    Marstedt, G., Müller, R.: Schriftenreihe "Gesundheit - Arbeit - Medizin", Band 19, Bremerhaven 1998

  2. [2]

    Sonderheft der Maschinenbau- und Metall-Berufsgenossenschaft "Gefährdungs- und Belastungsanalyse in Kleinbetrieben" (GBAK), Düsseldorf 1999