DGUV Information 209-054 - Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in der Me...

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Abschnitt 5.4, Sonstige Bereiche
Abschnitt 5.4
Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in der Metallindustrie (bisher: BGI 805)
Titel: Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in der Metallindustrie (bisher: BGI 805)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 209-054
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 5.4 – Sonstige Bereiche

5.4.1
Ersthelfer und Sanitätspersonal

Betriebliche Ersthelfer

Bei der ersten Hilfe handelt es sich nicht um eine berufliche Tätigkeit im Sinne einer Heilbehandlung, die nur von einem Arzt oder ärztlich ausgebildetem Personal durchgeführt werden darf, sodass durch die Leistung der ersten Hilfe keine höhere Infektionsgefährdung angenommen wird.

Der Ausschuss für Biologische Arbeitsstoffe (ABAS) hat daher die Tätigkeit des betrieblichen Ersthelfers der Schutzstufe 1 zugeordnet; dementsprechend sind die allgemeinen Hygienemaßnahmen der TRBA 500 anzuwenden.

Umfassende Informationen zur ersten Hilfe im Betrieb finden sich in der BG-Information "Erste Hilfe im Betrieb" (BGI 509), siehe unten.

Die Maßnahmen der arbeitsmedizinischen Vorsorge nach § 15 BioStoffV gelten entsprechend § 9 BioStoffV nicht; somit sind im Regelfall auch keine Schutzimpfungen erforderlich.

Im Einzelfall können jedoch aufgrund des Ergebnisses der Gefährdungsbeurteilung, z.B. bei erhöhtem Unfallgeschehen im Betrieb (Kontrolle des Verbandbuches), weiter gehende Schutzmaßnahmen einer höheren Schutzstufe (z.B. Hepatitis-B-Impfung) erforderlich sein.

Sanitätspersonal

Im Zuge der Erste-Hilfe-Maßnahmen oder bei Untersuchungen kann es zu engem Kontakt mit den zu untersuchenden oder verletzten Arbeitnehmern und auch zu direktem Kontakt mit Blut und anderen Körpersekreten kommen.

Dabei kann eine Infektionsgefahr bestehen, wenn der zu untersuchende oder verletzte Arbeitnehmer mit einem Krankheitserreger (z.B. Hepatitis B/C oder HIV) infiziert ist.

Gefährdungsbeurteilung

Der Umgang mit infizierten Menschen im Rahmen von Erste-Hilfe-Maßnahmen, medizinischen Behandlungen oder Untersuchungen stellt eine nicht gezielte Tätigkeit mit biologischen Arbeitsstoffen dar.

Unter Berücksichtigung einer vernünftigen Wahrscheinlichkeit sind die infektiösen Organismen der höchsten Risikogruppe, mit denen ein zu untersuchender oder verletzter Arbeitnehmer infiziert sein könnte, das HI-Virus (HIV) oder das Hepatitis-B- bzw. -C-Virus (HBV, HCV).

Die o. g. Viren sind in die Risikogruppe 3** eingestuft. Die Doppelsternkennzeichnung weist auf ein eingeschränktes Infektionsrisiko durch diese Viren hin, da sie nicht über den Luftweg übertragen werden.

Darüber hinaus kann natürlich auch ein Kontakt zu anderen Infektionserregern im Rahmen der durchzuführenden Rettungsmaßnahmen bestehen (z.B. über Kontakt zu Erbrochenem oder Fäkalien).

Maßnahmen

In der BG-Information "Erste Hilfe im Betrieb" (BGI 509) finden sich umfassende Informationen zur ersten Hilfe: Der Verbandkasten (BGI 509, Anhang 1) enthält Einmalhandschuhe, die einen Schutz bieten vor Infektionen, die durch Blut oder Körpersekrete Verletzter übertragen werden können. Weiterhin kann durch geeignete Einwegschutzkleidung, wie Kittel, Mundschutz, Kopfhaube (BGI 509, Anhang 2) ein Körperkontakt zu potenziell infektiösem Material vermieden werden.

Die Untersuchung von verletzten Arbeitnehmern muss mit der im medizinischen Bereich ohnehin üblichen Hygiene von entsprechend ausgebildetem Sanitätspersonal durchgeführt werden.

Weiter gehende Regelungen enthält die TRBA/BG-Regel "Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege" (BGR 250).

Arbeitsmedizinische Vorsorge

Betriebssanitätern ist eine arbeitsmedizinische Vorsorge anzubieten, es sei denn, nach der Gefährdungsbeurteilung und aufgrund der getroffenen Schutzmaßnahmen ist nicht von einer Infektionsgefährdung auszugehen.

Rückschlüsse über ein erhöhtes Unfallgeschehen mit schwer wiegenden Verletzungen und der daraus resultierenden Möglichkeit von blutübertragbaren Infektionen kann beispielsweise das Verbandbuch geben.

Sind in einer werkseigenen Ambulanz Rettungssanitäter bzw. Rettungsassistenten eingesetzt, so ist für dieses Personal eine verpflichtende arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung bzgl. Hepatitis-B- und -C-Viren vorgesehen, unter den folgenden Expositionsbedingungen:

Tätigkeiten, bei denen es regelmäßig und in größerem Umfang zu Kontakt mit Körperflüssigkeiten, -ausscheidungen oder -gewebe kommen kann; insbesondere Tätigkeiten mit erhöhter Verletzungsgefahr oder Gefahr von Verspritzen und Aerosolbildung.

PersonalSchutzstufeArbeitsmedizinischeVorsorgeuntersuchungSchutzimpfung
Ersthelfer1keinekeine
Betriebssanitäter1
oder aufgrund einer Gefährdungsbeurteilung
2
Schutzstufe 1:
keine
Schutzstufe 1:
keine
Schutzstufe 2:
Pflicht (HBV/HCV)
Schutzstufe 2:
Angebot (HBV)
Rettungssanitäter
Rettungsassistent
2Pflicht (HBV/HCV)Angebot (HBV)

Das Aufgabenspektrum des Betriebsarztes ist vielfältig und kann sich von der Beratung über Untersuchungen bis hin zur ärztlichen Erstversorgung erstrecken. Die Gefährdungsbeurteilung für die Tätigkeit des Betriebsarztes muss daher individuell erfolgen.

Weitere Informationen enthält das Merkblatt "Risiko Virusinfektion" (M 612/613) der BG für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege, Hamburg (http://www.bgw-online.de).

5.4.2
Archive

Beschreibung

In Archiven, Depots oder Magazinen kann es aufgrund baulicher Mängel (siehe Abschnitt 5.5.4) oder mangelnder Sauberkeit zu einem Schimmelpilzbefall von Archivmaterial kommen. Bei allen Untersuchungen in Archiven wurden die ubiquitär (überall) vorkommenden Gattungen Aspergillus, Alternaria, Mucor und Penicillium gefunden, die vornehmlich Allergien auslösen können.

Darüber hinaus können Sporen bildende Bakterien (Actinomyceten) gefunden werden, die ebenfalls über ein sensibilisierendes Potenzial verfügen.

Gefährdungsbeurteilung

Einzelheiten zum Thema und zu den erforderlichen Maßnahmen enthält die TRBA 240 "Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten mit mikrobiell kontaminiertem Archivgut". Die Arbeiten werden in der Regel der Schutzstufe 1 zugeordnet, erfordern aber aufgrund der im Vordergrund stehenden sensibilisierenden Wirkungen einen erhöhten Aufwand bei den Schutzmaßnahmen.

Maßnahmen

Zur Vermeidung von Gesundheitsgefährdungen der Beschäftigten sind Schutzmaßnahmen erforderlich, die zunächst darauf abzielen müssen, einen Schimmelpilzbefall gar nicht erst entstehen zu lassen. Die Bausubstanz muss regelmäßig auf Feuchteschäden im Außen- und Innenbereich der Archive, Depots oder Magazine geprüft werden.

Nach TRBA 240 sollte die Raumtemperatur bei 18 C 1 C und die relative Luftfeuchtigkeit bei 50 % 5 % liegen. Aus mikrobiologischer Sicht wären noch niedrigere Werte wünschenswert, dies widerspräche dann jedoch dem derzeitigen Arbeitsstättenrecht.

Staubablagerungen sollten durch die Raumgestaltung minimiert werden. Übermäßige Erwärmung durch starke Sonneneinstrahlung ist zu vermeiden. In den Räumen ist für ausreichenden Luftwechsel zu sorgen. Weiterhin sind die Räume und Einrichtungen regelmäßig zu reinigen.

Ist Aktenmaterial einmal befallen (Bild 5-16), kann nur noch eine durch ein Fachunternehmen durchgeführte Dekontamination helfen, einerseits den ansonsten schnell fortschreitenden Zerfall aufzuhalten und andererseits die Gesundheit der Beschäftigten zu schützen.

Um die Ursachen der Feuchteschäden zu beseitigen und so einem erneuten Befall vorzubeugen, muss eine Sanierung der Bausubstanz erfolgen.

Bild 5-16: Schimmelpilzbefallener Aktenordner

5.4.3
Holzbearbeitung

Beschreibung

Auch im Bereich der Metallindustrie wird gelegentlich eine Holzbearbeitung durchgeführt. Beispiele hierfür sind die Fertigung von Holz-/Metall-Verbundprodukten (z.B. Treppen, Gerüste) oder der Fahrzeugbau (Bahnwaggons, Lkw).

Darüber hinaus werden oft minderwertige Hölzer bei der Herstellung von Transportverpackungen (Bild 5-17) und zur Ladungssicherung verwendet. Aufgrund der geringen Anforderungen an die Qualität dieser Hölzer kann gerade hier eine Gefährdung durch Pilzbefall auftreten.

Bild 5-17: Herstellung von Transportverpackungen

Holz ist ein Naturprodukt, das unbehandelt bei einer gewissen Feuchtigkeit zwangsläufig einem mikrobiellen Abbau unterliegt. Vor allem frisches Rund- und Schnittholz mit einer hohen Restfeuchte (> 25 %) oder frei bewitterte Holzflächen werden bevorzugt von holzverfärbenden, so genannten Bläuepilzen (z.B. Aureobasidium pullulans) oder anderen Moderfäuleerregern (z.B. Chaetomium globosom) befallen. Daneben kann bei der unsachgemäßen, feuchten Lagerung von Holz ein Schimmelpilzbefall auftreten.

Gefährdungsbeurteilung

Wird kontaminiertes Holz unter Staubentwicklung (Sägen, Schleifen usw.) verarbeitet, können Pilzbestandteile, Sporen oder Toxine in die Atemluft gelangen.

Die Bearbeitung von befallenem Holz kann zu hohen Gesamtkeimzahlen (über 100 000 KBE/m3) in der Atemluft führen.

Grundsätzlich können damit auch gesundheitliche Beeinträchtigungen, beispielsweise allergisch bedingte Atemwegserkrankungen, einhergehen. In der Vergangenheit sind diese jedoch nur als Einzelfälle aufgetreten.

Soweit ausschließlich Holz verarbeitet wird, das nicht mit Pilzen (oder Bakterien) befallen ist, unterliegt die Tätigkeit nicht der BioStoffV.

Werden Hölzer verarbeitet, die von Mikroorganismen befallen sind, handelt es sich um eine nicht gezielte Tätigkeit im Sinne der BioStoffV. Die Holz besiedelnden Pilze sind im Allgemeinen keine Krankheitserreger für den Menschen (Schutzstufe 1); bei der Festlegung von Schutzmaßnahmen stehen aber die sensibilisierenden Eigenschaften im Vordergrund.

Besonders problematisch sind Hölzer für Transportverpackungen, die aus Gründen des Schädlingsbefalls wärmebehandelt wurden (Kerntemperatur von 56 C für mindestens 30 Minuten gemäß IPPC-Standard ISPM Nr. 15). Hier bestehen seit 2002 neue internationale Vorschriften für den Handel mit Verpackungen aus Vollholz.

Da die Öfen in der Regel nicht belüftet sind, trocknet das Holz während der Behandlung nicht, sondern wird gleichmäßig durchfeuchtet. Bei derart behandeltem Holz ist häufig ein erheblicher Schimmelbefall zu erkennen (Bild 5-18).

Bild 5-18: Schimmelpilzbefallenes Palettenholz

Maßnahmen

Um eine Gefährdung von Beschäftigten auszuschließen, sollten Maßnahmen ergriffen werden, die einen Pilzbefall des Holzes und damit eine Exposition gegenüber biologischen Arbeitsstoffen von vornherein vermeiden:

  • Das zu verarbeitende Holz muss bereits ab Sägewerk in einwandfreiem Zustand gelagert und geliefert werden. Im Betrieb ist durch trockene Lagerung bzw. niedrige Luftfeuchte und gute Lüftungsverhältnisse Pilzwachstum auf Hölzern zu vermeiden.

  • Auf die Verarbeitung von Hölzern, die sichtbar mit Pilzen befallen sind, sollte verzichtet werden.

  • Bei Wärmebehandlung gegen Schädlingsbefall sollte das Holz durch guten Luftaustausch des Ofens während des Prozesses getrocknet werden.

Wenn die o. g. Punkte beachtet werden, sind keine weiteren Maßnahmen nach BioStoffV notwendig. Die aufgrund von stofflichen oder mechanischen Gefährdungen bei der Holzverarbeitung ohnehin notwendigen Schutzmaßnahmen sind natürlich unabhängig davon einzuhalten.

Ist die Bearbeitung von verschimmeltem Holz unumgänglich (z.B. Entfernen von verschimmelten Transportverpackungen angelieferter Waren), sollten mindestens die Maßnahmen entsprechend TRBA 500 ergriffen werden.

Werden Pilzsporen vermehrt in die Atemluft eingetragen, sollten mindestens P2-Atemschutzmasken getragen werden.