DGUV Information 203-023 - Ergonomie an Näharbeitsplätzen Ratgeber für die Praxi...

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Abschnitt 2.2, 2.2 Wie soll der Näharbeitsplatz konstruktiv ...
Abschnitt 2.2
Ergonomie an Näharbeitsplätzen Ratgeber für die Praxis (bisher: BGI 804-2)
Titel: Ergonomie an Näharbeitsplätzen Ratgeber für die Praxis (bisher: BGI 804-2)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 203-023
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 2.2 – 2.2 Wie soll der Näharbeitsplatz konstruktiv gestaltet sein?

2.2.1
Nähmaschinengestell

2.2.1.1
Höhenverstellung

Die Höhe der Nähebene 1 , in der das zu verarbeitende Produkt genäht wird, soll in Abhängigkeit von der Körpergröße und der Nähaufgabe einstellbar sein. In stehender Körperhaltung liegt die Nähebene naturgemäß deutlich höher als in sitzender Körperhaltung.

Als Grundlage der Arbeitsgestaltung dienen Körpermaße, die in so genannten Perzentilen festgelegt werden. Das 5. Perzentil beschreibt den Bereich der Körpermaße, den 5 % der Personen der Allgemeinbevölkerung unterschreiten, das 95. Perzentil ist der Bereich, den 5 % überschreiten. Gestaltet man Arbeitsplätze für den Bereich des 5. bis 95. Perzentils, so hat man die Körpermaße von 90 % dieser Personengruppe berücksichtigt.

Es wird empfohlen, Näharbeitsplätze nach den in DIN 33402-2 "Ergonomie-Körpermaße des Menschen - Teil 2: Werte" festgelegten Maßen für die gesamte deutsche Bevölkerung auszulegen. Mit der Einbeziehung des Bereichs zwischen dem 5. und dem 95. Perzentil ist sichergestellt, dass Menschen mit Körpergrößen zwischen 150 cm und 185 cm und durchschnittlichen Proportionen an Näharbeitsplätzen arbeiten können.

Zur Anpassung der Arbeitshöhe an die individuellen Körpermaße wurde bisher nach dem derzeitigen marktüblichen Stand der Technikfür Näharbeitsplätze ein Verstellbereich des Tischgestells von 760 - 1.250 mm angeboten.

Nach den Forschungsergebnissen sind an kombinierten Sitz-/Steharbeitsplätzen mit den üblicherweise vorliegenden mittleren bzw. hohen Sehanforderungen folgende größere Verstellbereiche zu empfehlen, um sowohl kleinen als auch größeren Personen eine angepasste, entspannte Körperhaltung beim Nähen zu ermöglichen (siehe Tabelle 1).

Über diese Höhenverstellbereiche hinausgehende besondere und sicher seltene Anforderungen bedürfen spezieller Anfertigungen.

"Anleitungen zur Einstellung der Tischhöhen in Abhängigkeit von den betrieblichen Rahmenbedingungen und Sehanforderungen" sind im Anhang II dargelegt.

Die Abbildungen 1a, b und c zeigen die empfohlenen Höhenverstellbereiche für ergonomisch optimierte Sitz-, Steh- und kombinierte Sitz-Steh-Näharbeitsplätze (Flachbettnähmaschine).

Verstellbereiche in mm fürSitzenStehenKombiniert Sitzen und Stehen
Abstand Fußboden zu Nähebene 1700 - 1.000900 - 1.450700 - 1.450

Tabelle 1: Höhenmaße (Verstellbereiche) für Näharbeitsplätze

1

In der Nähebene wird das Nähgut geführt, transportiert und genäht (Oberfläche der Stichplatte). Bei Flachbettnähmaschinen ist die Nähebene identi sch mit der Arbeits tischebene, bei Säulennähmaschinen liegt sie über der Tischebene.

Abb. 1a: Maximale und minimale Höhe der Nähebene (entspricht bei Flachbettnähmaschinen der Arbeitstischhöhe) bei Nähtätigkeit im Sitzen für eine große Person (185 cm, sehr hohe Genauigkeitsanforderung, kleiner Sehabstand) und eine kleine Person (150 cm, geringe Genauigkeitsanforderung, großer Sehabstand)

 

Abb. 1b: Maximale und minimale Höhe der Nähebene (entspricht bei Flachbettnähmaschinen der Arbeitstischhöhe) bei Nähtätigkeit im Stehen für eine große Person (185 cm, sehr hohe Genauigkeitsanforderung, kleiner Sehabstand) und eine kleine Person (150 cm, geringe Genauigkeitsanforderung, großer Sehabstand)

 

Abb. 1c: Höhe der Nähebene (entspricht bei Flachbettnähmaschinen der Arbeitstischhöhe) an kombinierten Sitz-/Steh-Näharbeitsplätzen: Maximalwert für eine große Person im Stehen und niedrigste Höhe für eine kleine Person im Sitzen

Für Arbeitsplätze, an denen verschiedene Personen arbeiten oder abwechselnd sitzend oder stehend genäht wird, ist eine einfach, schnell und stufenlos bedienbare Höhenverstellung vorteilhaft (Vorgehensweise siehe Anhang IIa und IIc).
Bewährt hat sich die elektro-mechanische Höhenverstellung, deren Bedienelemente im Greifraum (sowohl im Sitzen als auch im Stehen) bequem zu betätigen sind (siehe Abb. 2a und 2b).

Abb. 2a: Näharbeitsplatz mit elektromechanischer Arbeitstischhöhenverstellung

 

Abb. 2b: Bedienelemente der elektromechanischen Höhenverstellung

Für Näharbeitsplätze, die nur selten in der Höhe an einzelne Personen angepasst werden müssen, kann eine manuelle Verstellmöglichkeit ausreichen.

Abb. 2c: Nähmaschinengestelle mit Höhenverstellmöglichkeit mittels Handkurbel

Die bisherigen Aussagen bezogen sich auf höhenverstellbare Nähtische mit einem Fußschalter fester Bauhöhe am Boden.

Manchmal erfordert es der Fertigungsprozess, z.B. bei verketteten Arbeitsvorgängen, die Höhe der Nähtische einheitlich auf eine Höhe festzulegen.

Bei konstanter, also fest vorgegebener Tischplattenhöhe, kann die Anpassung an unterschiedlich große Personen auch mit einem höhenverstellbaren Fußschalter realisiert werden (siehe Kap. 2.2.3.1).

Eine Anleitung zur Festlegung einer konstanten Tischhöhe findet sich in Anhang IIb.

Abb. 3a: Näharbeitsplatz im Sitzen bei fester Tischhöhe (1.000 mm) mit großer und kleiner Person, bei letzterer mit höhenverstellbarem Fußschalter

 

Abb. 3b und 3c: Höhenverstellbarer Fußschalter in unterer (b) und oberer (c) Position

2.2.1.2
Tischneigung

Um bei präziser Nahtführung, z.B. Kappnähten, die Sicht zu verbessern, sollte die Tischplatte neigbar (zwischen 0 bis -10) sein (siehe Abbildung 4b und 5).
Durch eine in Blickrichtung abfallende Tischneigung ist eine bessere Einsehbarkeit gewährleistet und die Schattenbildung durch das Nähmaschinengehäuse reduziert. Zusätzlich werden Zwangshaltungen im Oberkörper sowie im Schulterund Nackenbereich gemindert.

Abb. 4a: Eingeschränkte Einsehbarkeit des Näh- und Wirkbereichs, insbesondere hinter Nadel und Nähmaschine infolge Sichtfeldabdeckung durch Nähmaschinenarm

 

Abb. 4b: Verbesserte Einsehbarkeit durch geneigte Tischplatte

 

Abb. 5: Geneigte Tischplatte mit Armauflagen
rechts oben: günstige Arbeitsposition
rechts unten: gute Einsehbarkeit

2.2.1.3
Bein- und Fußraum

Bei Näharbeit im Sitzen muss ausreichend freier Bein- und Fußraum vorhanden sein.

Von der Tischvorderkante aus gemessen ist eine Beinraumtiefe von mindestens 450 mm sicherzustellen (siehe Abbildung 6).

Abb. 6: Mindestmaße für Fuß- und Beinraum beim Sitznäharbeitsplatz
(* Bezugsebene für die Maßangaben ist die Tischvorderkante)

Die Breite des Beinraumes sollte beidseitig der Nadel je mindestens 350 mm, also insgesamt 700 mm betragen.

Im Sitzen bedarf es wegen der Länge der Füße und des Fußschalters zusätzlich einer Fußraumtiefe von 250 mm. Zusammen mit der oben angeführten Beinfreiraumtiefe von 450 mm ergeben sich als gesamte Bein- und Fußraumtiefe 700 mm ab Tischvorderkante.

Die Höhe des Fußraumes soll wegen der Höhe von Fußschalter und Fuß selbst 250 mm betragen. Deswegen darf die Unterkante der Gestelltraverse (Querverstrebung) nicht tiefer als 250 mm über dem Boden angebracht sein.

Die Höhe des Beinraumes kann aus den in Kapitel 2.2.1.1 in Tabelle 1 angegebenen Höhenmaßen des Tischgestells abgeleitet werden und sollte nicht durch nach unten ragende Einbauten eingeschränkt sein. Es sind mindestens 700 mm Höhe erforderlich.

Die Montage von Bauteilen, z.B. Antrieb, Bedienelemente, Schubladen, die unter der Tischplatte in den Beinraum ragen, soll vermieden werden. Auch zur Vermeidung von Zwangshaltungen sind Kniehebel als Stellteil nicht ratsam.

Ein ausreichender Beinraum ermöglicht es der Näherin, mit den Beinen soweit unter den Nähtisch zu rücken, dass ein stärkeres Vorbeugen des Oberkörpers vermieden wird.

Je eingeengter der Beinraum ist, desto wahrscheinlicherwird bei gleichen Sehanforderungen eine stärkere Rückenneigung bzw. -krümmung und damit höhere Wirbelsäulenbelastung.

Abb. 7a und b: Negativbeispiele mit Einengung des Beinraumes unter dem Tisch durch Einbauten

 

Abb. 7c, d und e: Negativbeispiele - Aufnahmen von Näherinnen:
stark vorgebeugte bzw. gekrümmte und verdrehte Haltung des Oberkörpers, da die Tischhöhe zu niedrig und die Fußschalter nicht weit genug nach vorne unter dem Tisch angebracht sind.

Bei reinen Steharbeitsplätzen ist eine Fußraumtiefe von 250 mm ab Tischvorderkante für die Füße und evtl. Betätigungseinrichtungen (siehe Abbildung 8) vorzusehen.

Abb. 8: Mindestmaß für Fußraum beim Stehnäharbeitsplatz

Die Höhe des Fußraumes soll 250 mm betragen.

Mit folgenden Gestaltungsmaßnahmen kann der Beinraum vergrößert werden:

  • Anbauteile
    Bei elektrisch geregelten Antrieben die störende Steuereinheit versetzen oder drehen.

  • Versorgungs- und Wartungseinheiten (z.B. Regelventile, Pneumatik, Materialzufuhreinrichtungen) Solche Bauteile sollten außerhalb des erforderlichen Beinraumes angebracht werden.

  • Auch Ablagefächer und Schubkästen sollten außerhalb des Beinraumes angebracht, aber gut im Greifraum erreichbar sein.

  • Die Ausblasrichtung von Ventilen sollte nicht zum Beinraum weisen.

Abb. 9: Freier Beinraum: Alle störenden Maschinenelemente wurden nach außen verlegt.

2.2.2
Tischplatte

2.2.2.1
Größe, Form und Oberfläche

Die Tischplattengröße orientiert sich primär an der Größe des Nähgutes. Die Abmessungen und Form sollen die Arbeitsvorgänge, z.B. Ablage und Bearbeitung des Nähgutes, wie auch die Anpassung bzw. Verkettung mit den Betriebsabläufen sicherstellen. Deshalb ist die Angabe eines Standardmaßes für die Länge und Breite der Tischplatte nicht möglich.

Der Abstand Nadel - Tisch-Vorderkante beeinflusst Arm- und Kopfhaltung der arbeitenden Person. Je größer der Abstand von der Nadel zur Tisch-Vorderkante ist, desto wahrscheinlicher wird bei gleichen Sehanforderungen eine stärkere Nacken bzw. Rückenkrümmung und damit höhere Wirbelsäulenbelastung.

Die erforderliche Tischfläche links vor und neben der Nähmaschine (ggf. mit Armauflage, siehe folgendes Kapitel) hängt von der Größe des Nähgutes ab. Rechts vor der Nähmaschine sollte der Abstand zwischen Nadel und Tischvorderkante (bzw. Schnittkante einer ggf. angebrachten Armauflage) ca. 120 mm betragen, damit die rechte Hand im Bereich um die Nadel gut zugreifen kann (siehe auch Abb. 13a).

Die Oberfläche der Tischplatte soll blendfrei, pflegeleicht, hell und strukturiert (nicht glatt) sein.

Abb. 10: Tischplatte (variables Ausmaß, ohne Armauflagen) in Draufsicht mit Abstand Tischplattenvorderkante bis Nadelmitte () und Greifraum der Person (grüne Radien)

 

Abb. 11: Tischplatte für Großteile

2.2.2.2
Armauflagen

Auflagen für Ellenbogen und Unterarm ermöglichen die Reduzierung ungünstiger Belastungen der Schulter-Arm-Muskulatur beim Sitz- und Stehnäharbeitsplatz. Die fehlende Möglichkeit, Ober- und Unterarm auf der Tischfläche abstützen zu können, bewirkt eine hohe Muskelbelastung und führt zu frühzeitiger Ermüdung.

Zudem drohen beim Auflegen der Unterarme an der Tischplattenvorderkante (z.B. von Flachbettnähmaschinen) Druckstellen an der Unterarmstreckseite.

Abb. 12a: Arbeitshaltung an einer Säulennähmaschine:
Belastung durch frei gehaltene Arme (Haltearbeit) mit der Folge häufiger Schulter-Nackenbeschwerden

Abb. 12b: Gefahr von Druckstellen an den Unterarmstreckseiten und Einschränkung der Hand-Arm-Bewegungen durch die Tischvorderkante einer Flachbettnähmaschine

In Abhängigkeit von Nähmaschinentyp und Nähaufgabe sind unterschiedliche Ausführungen von Armauflagen zu empfehlen. Die folgenden Abbildungen sind beispielhaft und an die betrieblichen Gegebenheiten anzupassen.

Bei Flachbettnähmaschinen, bei denen die Nähebene der Tischebene entspricht, sind in der Neigung verstellbare Armauflagen, die an der Tischplatte befestigt sind, empfehlenswert (siehe Abbildungen 13a und 13b).

Abb. 13a: Tischplatte mit Flachbettnähmaschine (grau) incl. Nähmaschinenbett (graue Linie) in Draufsicht mit Armauflagen und Greifraum (grüne Radien); belastungsärmere, bessere Zugriffsmöglichkeit (* Abstand möglichst 30 mm)

 

Abb. 13b: Armauflagen für Flachbettnähmaschine - Seitenansicht

Die an die Nähaufgabe anzupassende Schnittachse von Tischplatte (in der diese ausgesägt wird) und Armauflage(n) ist möglichst nahe (ca. 30 mm Abstand, * in Abb. 13a und 15b) an die Ausschnittkante des Nähmaschinenbettes zu legen. Bei Flachbettnähmaschinen liegt die Schnittachse für die rechte Armauflage parallel zur Nähmaschinenachse. Die linke Armauflage kann nach Bedarf in einem schrägen Winkel zur Tischvorderkante angebracht werden (insbesondere bei Kleinteilen, siehe Abb. 13a). Bei größerem Nähgut kann die Arbeitsfläche des Tisches und die Armauflage für den linken Arm dem erforderlichen Platzbedarf angepasst werden (siehe Abb. 11).

Durch eine kürzere Tischplatte kommt die Kante zwischen Nähtisch und Armauflage(n) in den Bereich der Handgelenke (Handwurzelknochen) der Näherin. Dies erlaubt eine günstigere, belastungsärmere Handhaltung mit besserer Zugriffsmöglichkeit im Bereich um die Nadel. Die richtige Neigungseinstellung (abwärts, 0 bis ca. -10) ist erreicht, wenn beim Nähen Unterarmmuskulatur und Ellenbogen großflächig aufliegen (siehe Abb. 5 und 13b).

Abb. 14: Armauflagen an einer Flachbettnähmaschine

Bei Säulennähmaschinen sind vom Arbeitstisch unabhängig einstellbare Armauflagen zu empfehlen, da die Ebenen, in denen sich Hand und Arm bewegen, produkt- und tätigkeitsabhängig variabel sind. Die Armauflagen sollten flexibel gelagert sein und die Armbewegungen in alle Richtungen unterstützen (siehe Abbildungen 15a-d). Bei Bedarf können die Auflagen auch gepolstert sein.

Abb. 15a: Säulennähmaschine mit Armauflagen vorne am Tisch, Schemazeichnung seitlich

 

Abb. 15b: Zwei unterschiedlich höhenverstellbare und flexibel neigbare Armauflagen an einer Säulennähmaschine

 

Abb. 15c: Körperhaltung bei abgestützten Armen an einer Säulennähmaschine

 

Abb. 15d: Detailbild, verstellbare Armauflage

2.2.3
Bedienelemente

2.2.3.1
Fußschalter

Grundsätzliche Anforderungen an einen Fußschalter sind:

  • Verschiebbarkeit bzw. freie Positionierbarkeit auf dem Fußboden,

  • für reine Steh- und kombinierte Sitz-Steh-Arbeitsplätze möglichst flache, waagerechte Trittfläche (siehe Abb. 16, links),

  • für reine Sitzarbeitsplätze, leicht geneigte Trittplatte (8-12 Grad, siehe Abb. 16, rechts)

  • Leichtgängigkeit (Betätigungskraft maximal 60 N, Rückstellkraft maximal 15 N),

  • Mindestmaße (für einfüßige Betätigung): Breite 150 mm Tiefe 300 mm.

Die Regelung der Geschwindigkeit der Nähmaschine bei Fußschaltung mit Pedalen (siehe Abbildung 16) sollte wegabhängig durch Betätigung des Vorfußes erfolgen. Weitere Funktionen sollten über die Bewegung der Ferse ausgelöst werden.

Abb. 16: Skizzen von Fußschaltern:
(links) waagerechter Wippschalter für stehende oder kombinierte Arbeitsplätze
(rechts) geneigtes Pedal für sitzende Tätigkeit

Ausführungen von Fußschaltern in Form von Pedalen zeigen die Abbildungen 17 und 18.

Abb. 17: Mobiler, höhenverstellbarer Fußschalter mit geneigter Trittplatte für Nähen im Sitzen

 

Abb. 18: Frei am Boden positionierbarer Fußschalter für Zweifuß-Betätigung im Stehen

Bei Nähen im Sitzen und fest eingestellter Tischplattenhöhe kann die Anpassung an unterschiedlich große Personen auch mit einem höhenverstellbaren Fußschalter umgesetzt werden.

Ein Höhenverstellbereich von ca. 250 mm sollte vorhanden sein.

Bei Nähen im Stehen mit Fußschalter sollte ein fester Stand in gleicher Höhe auf beiden Beinen möglich sein.

Neben Pedalen (siehe Abbildung 17) gibt es auch Systeme, bei denen die Auslösung durch Veränderung des Körperschwerpunktes erfolgt (Sensormatte, siehe Abbildung 19a).

Abb. 19a: Sensormatte zur Fußbetätigung

Fußschalter (Pedal, Matte u.a.) sollten so positioniert sein, dass

  • mit beiden Füßen auf gleichem Niveau stehend

  • die Maschine möglichst abwechselnd, d.h. links und rechts gesteuert werden kann. Das längerfristige Stehen auf einem Bein sollte vermieden und mit anderen Tätigkeiten unterbrochen werden.

Steht keine Sensormatte zur Verfügung, sondern muss mit einem Pedal für Einfuß-Bedienung gearbeitet werden, ist es ratsam für den ruhenden bzw. passiven Fuß einen Höhenausgleich zur Verfügung zu stellen (siehe Abb. 19b).

Abb. 19b: Höhenausgleich durch Fußmatte

Die gilt sowohl für das Arbeiten im Stehen als auch im Sitzen.

2.2.3.2
Sonstige Bedienelemente

Die Stellteile und Anzeigen der Nähmaschine sollten gut erreichbar und gut sichtbar angebracht sein.

Günstige Greifräume, also Bereiche, die für häufiges schnelles Erreichen mit beiden Händen geeignet sind, zeigen die Abbildungen 20a und 20b. Die häufigsten und wichtigsten Arbeitsvorgänge sollten im idealen Greifraum bzw. im Arbeitszentrum durchgeführt werden. Dies ist der Bereich, den die Hände überwiegend durch Unterarmaktivitäten erreichen können.

Abb. 20a: Günstiger Greifraum am Näharbeitsplatz

 

Abb. 20b: Maße des Greifraumes in normaler Arbeitshöhe
(aus BGI 523); Nadel ()

In Abbildung 20b sind folgende Zonen mit Ziffern gekennzeichnet:
1 = Arbeitszentrum: Beide Hände arbeiten nahe beieinander, Bereich um die Nadel.
2 = erweitertes Arbeitszentrum: Beide Hände erreichen alle Punkte dieser Zone.
3 = Einhandzone: Zum Lagern von Teilen und Werkzeugen, die mit einer Hand oft gegriffen werden.
4 =erweiterte Einhandzone: Äußerste noch nutzbare Zone, z.B. für seltener benötigte Arbeitsmittel.

Knieschalter sollten zur Vermeidung von Zwangshaltungen möglichst vermieden und durch Funktionen der Fußschalter ersetzt werden.

Abb. 21a und b: Anordnung von Stellteilen und Anzeigen;

  1. a)
    Steuerungskasten ungünstig unter der Tischplatte angebracht;
  2. b)
    auf Tischplatte besser einzusehen und zu erreichen.

2.2.4
Materialzuführung und Nähgutablage

Nicht nur die Nähtätigkeit, sondern auch Materialbereitstellung und Nähgutablage müssen berücksichtigt werden.

Deshalb sollten entsprechend der eingestellten Höhe der Nähebene anpassbare Einrichtungen für Materialbereitstellung und Nähgutablage vorgesehen werden, die geeignet sind, den Näharbeitsplatz mit dem vorhandenen Transportsystem zu verknüpfen.

Abb. 22: Höhenanpassbare Materialbereitstellung

2.2.5
Arbeitsstuhl

An Näharbeitsplätzen haben sich Arbeitsdrehstühle nach DIN 68877 bewährt. Die folgenden Einzelaspekte sind gerade auch bei Näharbeiten von Vorteil.

Ein Drehstuhl erleichtert Tätigkeiten, in denen Material bereitgestellt oder abgelegt werden muss, ebenso das Hinsetzen und Aufstehen.

Höhenverstellbarkeit:

Große wie kleine Personen müssen am Näharbeitsplatz gut sitzen und die Sitzhöhe in Abhängigkeit von Körpergröße und Sehabstand einstellen können. Normalerweise reicht ein Höhenverstellbereich der Sitzfläche von 420 mm bis 550 mm aus.

Die Rückenlehne soll

  • verstellbar in der Höhe (Verstellbereich von mindestens 60 mm empfohlen)

    und

  • Tiefe (neigungsverstellbar: 15 nach vorne und 25 nach hinten) sein.

Wichtig ist, dass die Rückenlehne in der vorderen Sitzhaltung - die gerade beim Nähen häufig eingenommen wird - den Bereich der Lendenwirbelsäule ausreichend abstützt.

Sitzfläche

Eine Sitzflächenneigung um maximal 5 nach vorne wird empfohlen. Hierdurch wird das Arbeiten in der vorderen Sitzhaltung und die natürliche Aufrichtung der Wirbelsäule begünstigt.

Eine Synchronmechanik erleichtert dynamisches Sitzen. (häufiges Wechseln zwischen vorderer, mittlerer und hinterer Sitzhaltung). Dies fördert die Durchblutung und entlastet die Wirbelsäule durch gleichmäßige Druckverteilung auf die Bandscheiben.

Die Synchronmechanik passt die Neigung der Sitzfläche und der Rückenlehne bei Gewichtsverlagerung automatisch der Sitzhaltung an und sollte so gestaltet sein, dass

  • die Andruckkräfte der Rückenlehne individuell einstellbar,

  • beim dynamischen Sitzen keine Relativbewegungen zwischen Stuhl und Bekleidung auftreten (Hemdauszieheffekt)

    und

  • sich die Sitzvorderkante beim Zurücklehnen nicht nach oben bewegt (kein Abheben der Füße).

Feste Armstützen am Arbeitsstuhl sind bei Nähtätigkeiten nicht zu empfehlen, da sie Bewegungen behindern können.

Am Arbeitstisch angebrachte, individuell einstellbare Armauflagen unterstützen die Arme und reduzieren statische Belastungen (siehe Kapitel 2.2.2.2).

Die Verwendung von Stühlen mit Rollen ist dann möglich, wenn beim Betätigen des Fußschalters relativ geringe Kräfte nötig sind und der Stuhl dadurch nicht weggeschoben wird. Wenn die Fußbetätigungseinheit flach ist und in ausreichender Entfernung zum Stuhl unter dem Arbeitstisch positioniert werden kann, kommt es zu keiner Beeinträchtigung durch Gleiter oder Rollen des Arbeitsdrehstuhls.

"Alternative Stuhlmodelle" ohne Rückenlehne können für Näharbeiten nicht empfohlen werden. Es besteht die Gefahr, dass dabei die überwiegend vordere Sitzhaltung dauerhaft eingenommenen wird. Die mit dieser einseitigen Körperhaltung verbundenen Nachteile (Bandscheibenbelastungen, statische Belastungen im Hals-, Schulter-Nackenbereich, keine Entspannungsmöglichkeit durch Zurücklehnen des Oberkörpers) wiegen mögliche Vorteile nicht auf.

2.2.6
Beleuchtung/Sehanforderungen/Sehfeld

Abb. 23: Anordnung der Näharbeitsplätze parallel zur Fensterfront

Die optimale Beleuchtung am Näharbeitsplatz ist abhängig von

  • Farbe und Helligkeit des Nähgutes und des Fadens,

  • den Tätigkeiten am Arbeitsplatz und dessen Umgebung.

Grundbeleuchtung

Die Grundbeleuchtung, z.B. durch Deckenleuchten, sorgt an allen Arbeitsplätzen für ausreichende Helligkeit (mindestens 500 Lux nach DIN EN 12464-1) im Arbeitsraum. Die Deckenleuchten sollten parallel zur Fensterfront angebracht sein. Zu hohe Kontraste (Helligkeitsunterschiede) sind zu vermeiden.

Nähmaschinen sollten so aufgestellt sein, dass die Hauptblickrichtung der Beschäftigten parallel zur Fensterfront verläuft. Einfallendes Sonnenlicht blendet so nicht direkt.

Arbeitsplatzbeleuchtung

Bei der Verwendung von Zusatzleuchten sollte deren Helligkeit geregelt werden können (Dimmer), weil Nähgut und Faden je nach Farbe und Oberfläche das Licht unterschiedlich stark reflektieren oder absorbieren.

Zu hohe Beleuchtungsstärken der Arbeitsplatz- oder Nadel-Beleuchtung verursachen starke Helligkeitsunterschiede auf dem Arbeitstisch und erschweren die Sehaufgabe.

Die Mindestbeleuchtungsstärken sind prinzipiell abhängig von der Tätigkeit, sollten aber einen Wert von 750 Lux nicht unterschreiten (DIN EN 12464-1).

Sehabstand und individuelles Sehvermögen

Näharbeit ist mit erhöhten Sehanforderungen verbunden.

Abhängig von der Detailgröße des Nähgutes ergeben sich unterschiedliche Sehabstände zwischen 200 mm (Ziernähte bei der Lederverarbeitung) bis zu 500 mm (technische Textilien). Hierzu siehe "Genauigkeitsanforderungen" in den Tabellen im Anhang II.

Altersbedingte Veränderungen des Sehvermögens, wie z.B. die Zunahme der Blendungsempfindlichkeit und der erhöhte Lichtbedarf, sind bei der Auslegung der Arbeitsplatzbeleuchtung zu berücksichtigen.

Falls erforderlich, ist eine Anpassung der individuellen Sehhilfe (Brille) an die jeweilige Nähtätigkeit nötig.

2.2.7
Umgebungsbedingungen

Benachbarte Arbeitsplätze mit Lärmemissionen sollten von Näharbeitsplätzen abgetrennt bzw. abgeschirmt sein.

Die klimatischen Umgebungsbedingungen sollten der Näharbeit angepasst sein. In Abhängigkeit von der körperlichen Belastung bei der Nähtätigkeit muss eine gesundheitlich zuträgliche Lufttemperatur vorliegen (z.B. 17-20C); Näheres regeln Arbeitsstättenverordnung und zugehörige Richtlinien.

Zugluft, z.B. durch Belüftung oder auch durch Maschinenventilatoren bzw. Absaugungen, sollte nicht auf die Person einwirken.

Die Luftgeschwindigkeit sollte weniger als 0,2 m/sec. betragen.