DGUV Information 213-718 - Empfehlungen Gefährdungsermittlung der Unfallversiche...

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Abschnitt 6.3, 6.3 Brand- und Explosionsschutz
Abschnitt 6.3
Empfehlungen Gefährdungsermittlung der Unfallversicherungsträger (EGU) nach der Gefahrstoffverordnung Verpackungstief- und Flexodruck mit Lösemittelfarben (DGUV Information 213-718)
Titel: Empfehlungen Gefährdungsermittlung der Unfallversicherungsträger (EGU) nach der Gefahrstoffverordnung Verpackungstief- und Flexodruck mit Lösemittelfarben (DGUV Information 213-718)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 213-718
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 6.3 – 6.3 Brand- und Explosionsschutz

Wichtig ist die Erstellung eines Brand- und Explosionsschutzkonzeptes. Die Maßnahmen sind in folgender Rangfolge zu ergreifen (siehe Gefahrstoffverordnung § 11):

  • gefährliche Mengen oder Konzentrationen (siehe TRGS 722) von Gefahrstoffen vermeiden,

  • wirksame Zündquellen vermeiden,

  • schädliche Auswirkungen verringern.

Das Brandschutzkonzept umfasst insbesondere folgende Maßnahmen:

  • Baulicher Brandschutz, z. B. Einteilung in Brandabschnitte und Anordnung von Rettungswegen

  • Anlagentechnischer Brandschutz, z. B. Brandmeldeanlagen, Rauchabzugsanlagen, Löschanlagen, Feuerlöscher

  • Organisatorischer Brandschutz, z. B. Flucht- und Rettungswegepläne, Brandschutzbeauftragte und Brandschutzordnung

  • Abwehrender Brandschutz, z. B. Zugänglichkeit für die Feuerwehr, Aufstell- und Bewegungsflächen, Löschmittelversorgung

Das Explosionsschutzkonzept umfasst insbesondere folgende Maßnahmen:

  • Ermittlung der Bereiche, in denen eine explosionsfähige Atmosphäre entstehen kann,

  • Beurteilung der Explosionsgefahr in den ermittelten Bereichen,

  • Einteilung der Bereiche in Ex-Zonen,

  • Festlegung und Durchführung von Schutzmaßnahmen.

Wird bei der Gefährdungsbeurteilung festgestellt, dass die Bildung einer gefährlichen explosionsfähigen Atmosphäre nicht vermieden werden kann, sind die explosionsgefährdeten Bereiche in Zonen einzuteilen und die erforderlichen Schutzmaßnahmen festzulegen und zu dokumentieren (siehe Muster-Explosionsschutzdokument im Anhang 5).

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Siehe "Gefahrstoffverordnung - GefStoffV"

Zur Umsetzung der notwendigen Maßnahmen aus dem Brandschutz- und Explosionsschutzkonzept gehört die regelmäßige Unterweisung der Beschäftigten. Themen für die Unterweisung sind u.a.:

  • Arbeitsmittel, Schutzsysteme, Regel- und Sicherheitseinrichtungen entsprechend den in Betriebsanweisungen festgelegten Fristen prüfen,

  • brennbare Flüssigkeiten außerhalb der Ex-Zonen und außerhalb der Verkehrswege nur in den, für den Fortgang der Arbeit erforderlichen Mengen am Arbeitsplatz bereit halten,

  • Brandschutztüren und Rettungswege freihalten,

  • Wartung und Einstellung von elektrostatischen Systemen zur Druckunterstützung und zur Bahnentladung,

  • Maßnahmen gegen elektrostatische Aufladungen, z. B. Einsatz und Verwendung von Erdungsklemmen,

  • nur zugelassene (z. B. vom Hersteller) Ersatzteile verwenden

  • keine großflächige Fußbodenreinigung mit Lösemitteln,

  • konsequentes Tragen ableitfähiger Sicherheitsschuhe (ESD-Schuhe) in explosionsgefährdeten Bereichen der Zone 1.

6.3.1
Vermeidung oder Einschränkung gefährlicher explosionsfähiger Atmosphäre

Die Bildung gefährlicher explosionsfähiger Atmosphäre soll sicher verhindert oder eingeschränkt werden durch z. B. Absaugungen und/oder lüftungstechnische Maßnahmen. Um dieses zu erreichen, werden die Flexodruckmaschinen bzw. Tiefdruckrotationen mit einer automatischen Absaugung betrieben.

Im Bereich des Druckwerkes zwischen den Druckwerksseitenwänden, im Bedienungsgang zwischen den Druckwerken, im Bereich der Farbwanne, des Farbtanks und des Vorratsbehälters und der Materialbahn besteht Zone 1. Lediglich direkt oberhalb des Farbspiegels liegt Zone 0 vor.

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Siehe DGUV Regel 113-001, Anlage 3, "Beispielsammlung zur Einteilung explosionsgefährdeter Bereiche" [25].

Die bei der Produktion anfallenden Lösemitteldämpfe werden direkt über dem Trockner auf der Materialeinlauf- und -auslaufseite abgesaugt und einer Abluftbehandlungsanlage zugeführt. Durch Sensoren in den Abluftkanälen werden dabei ständig die Lösemittelkonzentrationen überwacht.

Es muss sichergestellt werden, dass die Lösemittel nur bestimmungsgemäß verwendet werden (nicht zur Reinigung großer Flächen, wie z. B. Fußböden). Gebrauchte, mit Lösemittel kontaminierte Putzlappen werden gesammelt und in verschließbaren Behältern gelagert. Die Wiederaufbereitung bzw. Entsorgung erfolgt über einen entsprechenden Fachbetrieb. Farb- und Lösemittelbehälter sind dicht geschlossen zu halten. Die Lagerung ist nur in gut durchlüfteten Räumen zulässig.

Aus dem Farbvorratsbehälter abgepumpte Farbe ist in ableitfähigen und entsprechend gekennzeichneten Farbbehältern zu transportieren und bereitzustellen. Der Transport der Behälter muss stehend und gegen Umfallen und Auslaufen gesichert erfolgen. Die kurzzeitige Bereitstellung an der Maschine muss außerhalb der Ex-Zonen der Maschinen und außerhalb der Transportwege erfolgen. Bei Transport und Bereitstellung sind die Kannen mit Sprengringen zu sichern und diese nur beim unmittelbaren Verbrauch der Farbe zu entfernen.

Verschüttete oder ausgelaufene Farbe ist umgehend mit Putztüchern aufzunehmen, die verschmutzten Putztücher werden in verschließbaren Behältern gesammelt. Der Restschmutz auf Fußboden und Maschinenteilen wird mit lösemittelfreien Reinigungsmitteln beseitigt.

6.3.2
Vermeidung der Entzündung gefährlicher explosionsfähiger Atmosphäre

Wirksame Zündquellen wie heiße Oberflächen, Flammen, mechanisch erzeugte Funken, elektrostatische Entladung oder elektrische Betriebsmittel sind zu vermeiden.

Wichtige Maßnahmen gegen gefährliche elektrostatische Aufladung sind:

  • Erdung aller leitfähigen Teile,

  • das Herstellen von Erdkontakt bei ableitfähigen Teilen,

  • die Flexodruckmaschinen/Tiefdruckrotationsmaschinen sind in den Potenzialausgleich (elektrostatische Erdung) einzubeziehen und durchgehend zu erden, so dass elektrostatische Aufladungen vermieden werden,

  • Vermeidung von größeren aufladbaren, isolierenden Kunststoffoberflächen,

  • Einsatz von (vorzugsweise) aktiven oder passiven Ionisatoren vor Erreichen des ersten Druckwerkes,

  • Einsatz von ableitfähigen Sleeves (Ableitwiderstand auf der Oberfläche < 106 Ohm), siehe auch BG-Infoblatt-Nr. 453 "Sleeves im Flexodruck mit Lösemittelfarben" [27],

  • Entladung der Papier- oder Folienbahn auslaufseitig in der Mitte zwischen Ablöselinie vom Presseur und der ersten Umlenkrolle und - falls notwendig - zusätzlich vor Eintritt in das Druckwerk bzw. Auftragswerk,

  • Arbeitsschritte, wie z. B. Rühren, Umpumpen oder Dispergieren werden nur in leitfähigen und geerdeten Behältern durchgeführt,

  • bei der Befüllung und Entleerung von Behältern ist die Strömungsgeschwindigkeit in der Rohrleitung begrenzt, ein Verspritzen der Flüssigkeit wird z. B. durch Unterspiegelabfüllung oder durch eine Füllrohrführung bis zum Boden bei der Kopfbefüllung oder mit Ablenkplatte bei der Bodenbefüllung vermieden.

Grundsätzlich müssen Geräte und Einrichtungen, die eine potentielle Zündquelle darstellen, außerhalb des explosionsgefährdeten Bereichs angeordnet werden. Geräte, die in explosionsgefährdeten Bereichen betrieben werden, müssen für die jeweiligen Zonen geeignet und zugelassen sein und den Anforderungen der 11. ProdSV [28] sowie Richtlinie 94/9/EG und 2014/34/EU (ATEX) entsprechen [29].

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Siehe "Richtlinie 94/9/EG des Europäischen Parlaments und des Rates" ab 20.04.2016 Richtlinie 2014/34/EU.

Für Arbeiten, die Zündquellen mit sich bringen können (z. B. Reinigungs-, Instandhaltungs-, Montage- oder ähnliche Tätigkeiten) sind Verfahren zur Genehmigung von Schweiß-, Schleif- und Trennarbeiten (Feuererlaubnisschein) und Arbeitsfreigabe für gefährliche Arbeiten (Arbeitsfreigabeschein) anzuwenden. Vor Aufnahme der Arbeiten ist die Quelle der Ex-Atmosphäre zu entfernen. Die Arbeiten werden erst dann freigegeben, wenn eine Messung mit geeigneten Geräten ergeben hat, dass keine explosionsfähige Atmosphäre mehr vorhanden ist. Während der Arbeiten ist sicherzustellen, dass keine brennbaren Stoffe erneut freigesetzt werden. Kann dies nicht sichergestellt werden, muss die Atmosphäre kontinuierlich durch geeignete Mess- und Warngeräte überprüft werden.

Die notwendigen Maßnahmen sind in Betriebsanweisungen zusammenzufassen und in der Abteilung auszuhängen. Darin werden insbesondere Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln konkretisiert (z. B. Tätigkeiten mit Restfarbe oder die Lagerung von gebrauchten Putztüchern, Reinigung von Ionisatorstäben). Die erforderlichen Sicherheitszeichen (Feuer, offenes Licht und Rauchen verboten, Warnung vor explosionsfähiger Atmosphäre, Zutritt für Unbefugte verboten) sind anzubringen.

6.3.3
Maßnahmen des organisatorischen Explosionsschutzes

Die Maßnahmen zur Vermeidung der Entzündung gefährlicher explosionsfähiger Atmosphäre sowie Maßnahmen des konstruktiven Explosionsschutzes, welche die Auswirkung einer Explosion auf ein unbedenkliches Maß beschränken, sind anzuwenden, wenn die Bildung explosionsfähiger Atmosphäre nicht völlig verhindert bzw. die Entzündung von gefährlicher explosionsfähiger Atmosphäre nicht sicher ausgeschlossen ist. Technischen Schutzmaßnahmen ist gegenüber organisatorischen der Vorrang einzuräumen. Jedoch können (kostengünstige) organisatorische Schutzmaßnahmen zusätzlich erheblich zur Verringerung der Explosionsgefahr beitragen, z. B. :

  • konsequente räumliche Trennung von Tätigkeiten, bei denen die Bildung explosionsfähiger Atmosphäre nicht ausgeschlossen werden kann, von allen übrigen Tätigkeiten,

  • Entfernung aller nicht zwingend in explosionsgefährdeten Bereichen benötigten Arbeitsmittel oder Geräte und Einrichtungen aus den explosionsgefährdeten Bereichen,

  • Verringerung von Lager- und Bereitstellungsmengen brennbarer Flüssigkeiten (auftragsbezogene Bereitstellung, Entsorgung von Altbeständen),

  • regelmäßige Reinigung der Ionisatoren/Entladestäbe,

  • regelmäßige Wartung und vorbeugende Instandhaltung, z. B. Austausch von Verschleißteilen wie Lagern oder Filtermatten.

Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen sind vor der erstmaligen Inbetriebnahme und nach prüfpflichtigen Änderungen und mindestens alle sechs Jahre auf Explosionssicherheit zu prüfen. Hierbei sind das, im Explosionsschutzdokument nach § 6 Absatz 9 Nummer 2 der Gefahrstoffverordnung dargelegte Explosionsschutzkonzept und die Zoneneinteilung zu berücksichtigen. Für Schutzsysteme, Sicherheits-, Kontroll- und Regelvorrichtungen ist eine Prüfung alle 3 Jahre und für Lüftungssysteme in explosionsgefährdeten Bereichen jährlich festgelegt (Weiteres siehe Betriebssicherheitsverordnung).

Organisatorische Maßnahmen müssen konsequent durchgesetzt und ihre Einhaltung muss regelmäßig kontrolliert werden. In der Regel wird die erforderliche Sicherheit erst durch die sinnvolle Kombination aller Schutzmaßnahmen erreicht. Treten innerhalb eines explosionsgefährdeten Bereichs mehrere Arten von brennbaren Gasen, Dämpfen, Nebeln oder Stäuben auf, so müssen die Schutzmaßnahmen auf das größtmögliche Gefährdungspotenzial ausgelegt sein (Anhang I Nummer 1.6 Abs. 2 GefStoffV).

Die bisher beschriebenen Schutzmaßnahmen zur Verhinderung der Bildung oder der Entzündung gefährlicher explosionsfähiger Atmosphäre müssen so sicher sein, dass die Sicherheit der Beschäftigten und Dritter hinreichend gewährleistet wird. In Räumen, in denen durch auf Dauer technisch dichte Anlagen oder durch Unterdruck in den Anlagen "normalerweise" keine Explosionsgefahr besteht (keine Zone), kann durch eine Gaswarnanlage im Störungsfall die rechtzeitige Evakuierung eingeleitet und so das Risiko weiter verringert werden.