DGUV Information 213-718 - Empfehlungen Gefährdungsermittlung der Unfallversiche...

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Abschnitt 6.1, 6.1 Mindestmaßnahmen
Abschnitt 6.1
Empfehlungen Gefährdungsermittlung der Unfallversicherungsträger (EGU) nach der Gefahrstoffverordnung Verpackungstief- und Flexodruck mit Lösemittelfarben (DGUV Information 213-718)
Titel: Empfehlungen Gefährdungsermittlung der Unfallversicherungsträger (EGU) nach der Gefahrstoffverordnung Verpackungstief- und Flexodruck mit Lösemittelfarben (DGUV Information 213-718)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 213-718
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 6.1 – 6.1 Mindestmaßnahmen

Folgende Maßnahmen müssen getroffen werden:

6.1.1 Auswahl der Arbeitsstoffe - Substitution

Zunächst muss die Möglichkeit der Substitution geprüft werden, d. h. gibt es technisch gleichwertige Gefahrstoffe, die weniger gefährlich für die Gesundheit und Sicherheit sind. Diese Empfehlungen legen die Anforderungen der Rohstoff-Ausschlussliste des europäischen Druckfarbenverbandes für Druckfarben und Hilfsmittel zugrunde. Danach muss auf den Einsatz von Stoffen mit der Kennzeichnung H300, H301, H310, H311, H330, H331, H340, H350, H360, H370 und H372 gemäß Anhang I der CLP-Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 [21] verzichtet werden. Diese Angaben sind den Sicherheitsdatenblättern zu entnehmen. In Zweifelsfällen muss dies von den Herstellern bzw. Lieferanten schriftlich bestätigt werden.

6.1.2 Technische Maßnahmen

Hinsichtlich der Lüftung der Arbeitsräume sind die Anforderungen nach der Arbeitsstättenrichtlinie ASR A3.6 zu Grunde zu legen [22]. Darüber hinaus werden bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen weitere Maßnahmen entsprechend der Gefahrstoffverordnung gefordert. Hierzu zählen insbesondere die Erfassung von Gefahrstoffen an der Entstehungsstelle und die Zufuhr von ausreichender Frischluft in die Arbeitsbereiche.

Druckwerke, Zwischentrocknungen und Trockner müssen wirksam abgesaugt werden und grundsätzlich an ein Abluftreinigungssystem angeschlossen sein. Die Maschinenabsaugung muss während der Reinigung in der Maschine in Betrieb sein. Die Waschmaschinen müssen geschlossene Anlagen sein und über eine lokale Absaugung verfügen. Diese muss so gestaltet sein, dass die Lösemitteldämpfe vor dem Öffnen abgesaugt werden (Nachlauf).

Die manuelle Teile- und Druckformreinigung außerhalb der Maschine muss in abgesaugten und gut belüfteten Bereichen durchgeführt werden.

Weitere emissionsarme Verwendungsformen sind:

  • die Gestaltung geeigneter Verfahren z. B. geschlossene Farbwannen,

  • geeignete Lösemittelbehälter,

  • die Aufbewahrung gebrauchter Putzlappen in geschlossenen Behältern.

Die technischen Schutzmaßnahmen sind regelmäßig gemäß GefStoffV mindestens jährlich auf Funktion und Wirksamkeit zu überprüfen.

6.1.3 Organisatorische Maßnahmen

Bei Tätigkeiten mit erhöhter Exposition, z. B. Farbe nachfüllen oder manuelle Viskositätsprüfung, ist organisatorisch sicherzustellen, dass die Dauer dieser Arbeiten je Beschäftigten 60 Minuten pro Schicht nicht überschreitet. Versorgungsbehälter für Farbe oder Vorratsbehälter für Reinigungsmittel sind geschlossen zu halten.

Mit Farbe oder Lösemittel verschmutzte Putztücher müssen in geschlossenen Behältern aufbewahrt, täglich aus den Arbeitsräumen gebracht und regelmäßig durch einen entsprechenden Fachbetrieb entsorgt werden.

Im gesamten Arbeitsbereich besteht Ess-, Trink-, und Rauchverbot. Darauf ist in der Betriebsanweisung hinzuweisen.

6.1.4 Persönliche Schutzmaßnahmen

Für sehr spezielle, nicht regelmäßige Arbeiten mit hoher Exposition, z. B. Reinigung an der Destillationsanlage oder Waschanlage ist geeigneter Atemschutz zur Verfügung zu stellen und zu verwenden (z. B. Filtertyp A, braun). Insoweit ein Arbeiten auch innerhalb dieser Anlagen erforderlich ist, sind die Vorgaben der DGUV Regeln 113-004 [23] und 113-005 [24] und der DGUV Information 213-001 [25] zu beachten.

Erstellung eines Hautschutzplanes mit:

  • Hautschutzmittel für Arbeitsstoffe auf Lösemittelbasis vor Aufnahme der Tätigkeit,

  • mildem Hautreinigungsmittel bei geringer Verschmutzung,

  • gegebenenfalls notwendigem Hautreinigungsmittel bei starken Verschmutzungen,

  • Hautpflegemittel nach der Tätigkeit.

Ein Hautschutzplan sollte an jedem Waschplatz aushängen und beschreiben, wann, welche und wie die Hautschutzmittel anzuwenden sind.

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Siehe Technische Regeln für Gefahrstoffe TRGS 401 "Gefährdung durch Hautkontakt - Ermittlung, Beurteilung, Maßnahmen".

Hautkontakt, z. B. beim Reinigen mit Lösemitteln oder bei der manuellen Handhabung der Farben, muss vermieden werden. Die Verwendung von geeigneten Chemikalienschutzhandschuhen, z. B. aus Nitrilkautschuk bzw. Butylkautschuk bei längeren Reinigungsarbeiten ist erforderlich.

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Siehe "Hand- und Hautschutz im Verpackungstiefdruck und Flexodruck" [26].

Besteht die Gefahr, dass Lösemittel oder Farben verspritzen, beispielsweise beim Mischen, Abfüllen, Nachfüllen oder Reinigen, muss Augenschutz, z. B. eine Schutzbrille, benutzt werden. Mit Farben und Lösemitteln durchtränkte Kleidung muss umgehend gewechselt werden.