DGUV Information 213-718 - Empfehlungen Gefährdungsermittlung der Unfallversiche...

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Abschnitt 5.3, 5.3 Bewertung der Gefährdungen
Abschnitt 5.3
Empfehlungen Gefährdungsermittlung der Unfallversicherungsträger (EGU) nach der Gefahrstoffverordnung Verpackungstief- und Flexodruck mit Lösemittelfarben (DGUV Information 213-718)
Titel: Empfehlungen Gefährdungsermittlung der Unfallversicherungsträger (EGU) nach der Gefahrstoffverordnung Verpackungstief- und Flexodruck mit Lösemittelfarben (DGUV Information 213-718)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 213-718
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 5.3 – 5.3 Bewertung der Gefährdungen

Von Lösemitteln und Isocyanaten können bei Nichteinhaltung der Arbeitsplatzgrenzwerte sowie bei längerem direktem Hautkontakt aufgrund mangelhafter oder fehlender persönlicher Schutzausrüstung unterschiedliche Gesundheitsgefahren ausgehen. Diese sind in Tabelle 1 anhand der Kennzeichnung und der Bemerkungen abzulesen. Die Beschäftigten im Verpackungsdruck nehmen die eingesetzten Gefahrstoffe hauptsächlich über die Atemwege auf. Insbesondere die mit "H" gekennzeichneten Stoffe können zudem bei direktem Kontakt auch über die Haut aufgenommen werden und in die Blutbahn gelangen. Da praktisch alle eingesetzten Lösemittel Hautschädigungen hervorrufen können, sind beim direkten Kontakt geeignete Chemikalienschutzhandschuhe (siehe Kap. 6.1.4) zu verwenden. Im Verpackungsdruck sind die Beschäftigten gegenüber einem Gemisch von Lösemitteln und ggf. geringen Mengen Isocyanaten exponiert. Bei Einhaltung der Grenzwerte, d. h. Bewertungsindex I = 1 (siehe Anhang 2), ist davon auszugehen, dass im Allgemeinen die Gesundheit der Beschäftigten nicht beeinträchtigt wird.

In die Erarbeitung der EGU sind Arbeitsplatzmessungen in 13 Betrieben zwischen 2000 und 2007 mit 67 Bewertungsindizes eingeflossen. Zur Aktualisierung dieser EGU wurden schwerpunktmäßig in den Jahren 2013 und 2014 von der BG ETEM zusätzlich 83 Bewertungsindizes in weiteren 9 Betrieben ermittelt. Die getrennte Auswertung der Arbeitsplatzmessungen beider Zeiträume zeigt, dass im Arbeitsbereich Druck alle Bewertungsindizes für die typischen Tätigkeiten eines/r Drucker/in oder Druckerhelfer/in unterhalb von 1 liegen. Daher wurde für den Anhang 2, Tabelle 2 eine Gesamtauswertung aller Bewertungsindizes für den Zeitraum 2000 bis 2014 vorgenommen.

Da alle Arbeitsplatzmessungen bei Tätigkeiten mit Lösemittelfarben durchgeführt wurden, handelt es sich um ungünstige Rahmenbedingungen im Hinblick auf die Lösemittelkonzentrationen in der Atemluft. Die Konzentrationen geben daher, bezogen auf alle Farbsysteme (Lösemittelfarben, wasserverdünnbare Farben, strahlungshärtende Farben und Zweikomponentenfarben), ungünstige Bedingungen wieder.

Das Tätigkeitsprofil eines/r Druckers/in oder Helfers/in schließt den Aufenthalt an den Leitständen und im Bereich der Farbwerke sowie an Ab- und Aufrollung ein. Die personengetragenen Arbeitsplatzmessungen berücksichtigen ebenso Reinigungsarbeiten in der Maschine sowie den Aufenthalt in Farbraum und Waschraum.

Die statistische Auswertung der Bewertungsindizes personengetragener Arbeitsplatzmessungen ergibt 0,39 als 50-Perzentil und 0,73 für das 95-Perzentil. Grenzwertüberschreitungen werden nicht beobachtet, Stoff- und Bewertungsindizes sind kleiner oder gleich 1. Für einen Drucker/in bzw. Druckerhelfer/in, welche die typischen Tätigkeiten im Verpackungsdruck ausüben, ist davon auszugehen, dass bei Beachtung der beschriebenen Schutzmaßnahmen die Grenzwerte eingehalten werden. Das gilt auch für die einzelnen Arbeitsplätze an Hauptsteuerpult, Farbversorgung sowie Ab- und Aufrollung; an diesen Arbeitsplätzen liegen die Perzentile der statistischen Auswertung der Bewertungsindizes stationärer Arbeitsplatzmessungen bei 0,41 als 50-Perzentil und 0,68 als 95-Perzentil.

2-Ethoxyethanol und 2-Methoxyethanol sowie deren Acetate wurden nach wie vor in keiner Probe nachgewiesen.

Bei den Arbeitsplatzmessungen auf Isocyanate in den Jahren 2013 und 2014 im Arbeitsbereich Druck (HDI und 2,4-TDI) lagen alle Messwerte unterhalb der Bestimmungsgrenze.

Der Farbraum ist nach wie vor kein dauerhafter Arbeitsplatz. Er wird entweder von den Druckern/innen oder Druckhelfern/innen kurzzeitig betreten, um Farben maschinell anzumischen, Farbe abzuholen oder zurückzubringen. Den Farbmischer/in bzw. Farbverwalter/in, der sich ständig in diesem Bereich aufhält, gibt es in dieser Form nicht mehr. Aufgrund der niedrigen Werte und der unveränderten Technik in diesem Bereich wurden die vorliegenden Perzentile der Bewertungsindizes (50-Perzentil 0,19 bzw. 95-Perzentil 0,43) unverändert fortgeschrieben. In den Reinigungsbereichen liegen die Perzentile der statistischen Auswertung der Bewertungsindizes bei Beachtung der Schutzmaßnahmen (insbesondere ausreichende Belüftung und Absaugung) bei 0,33 (50-Perzentil) bzw. 0,82 (95-Perzentil).

Manuelle Reinigungsarbeiten sind kurzzeitig mit einer hohen Exposition verbunden. Dies gilt sowohl für Reinigungstätigkeiten in der Maschine als auch außerhalb, z. B. die manuelle Teilereinigung im Waschraum oder bei der Zylindervorbereitung. Die Kurzzeitwerte werden bei Beachtung der beschriebenen Schutzmaßnahmen eingehalten (siehe Anhang 2, Tabelle 3).

Bei Anwendung dieser EGU werden unter Beachtung der beschriebenen Schutzmaßnahmen die Arbeitsplatzgrenzwerte und weitere herangezogene Beurteilungsmaßstäbe eingehalten. Eine dermale Exposition ist bei Einhaltung der Schutzmaßnahmen nicht gegeben.