DGUV Information 213-718 - Empfehlungen Gefährdungsermittlung der Unfallversiche...

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Abschnitt 5.1, 5 Gefährdungsermittlung und -beurteilung 5.1 ...
Abschnitt 5.1
Empfehlungen Gefährdungsermittlung der Unfallversicherungsträger (EGU) nach der Gefahrstoffverordnung Verpackungstief- und Flexodruck mit Lösemittelfarben (DGUV Information 213-718)
Titel: Empfehlungen Gefährdungsermittlung der Unfallversicherungsträger (EGU) nach der Gefahrstoffverordnung Verpackungstief- und Flexodruck mit Lösemittelfarben (DGUV Information 213-718)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 213-718
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 5.1 – 5
Gefährdungsermittlung und -beurteilung
5.1
Gefahrstoffe

Grundlage dieser EGU sind umfassende Arbeitsplatzmessungen in 22 Mitgliedsbetrieben der BG ETEM aus dem Bereich Verpackungsdruck. Die Messungen erfolgten in Anlehnung an die TRGS 402 nach den in der IFA-Arbeitsmappe aufgeführten Methoden [17].

Bei der Anwendung dieser EGU werden alle relevanten Gefahrstoffe in den betrachteten Arbeitsbereichen im Verpackungsdruck berücksichtigt. Neben lösemittelhaltigen Druckfarben werden Lösemittel und Lösemittelgemische als Verdünner und Verzögerer sowie als Reinigungsmittel verwendet. In den Farben sind hauptsächlich die Lösemittel Ethanol und Ethylacetat, sowie als Nebenbestandteile Methoxypropanol, Ethoxypropanol und Isopropylacetat (als Verzögerer) enthalten. Daneben können in geringem Umfang Ketone (Butanon), Ester (z. B. n-Propylacetat) und weitere Lösemittel wie Propanol und Cyclohexan enthalten sein (siehe Tabelle 1).

Stoffe mit reproduktionstoxischen Eigenschaften wie 2-Me-thoxyethanol (Methylglykol), 2-Ethoxyethanol (Ethylglykol), 2-Methoxyethylacetat (Methylglykolacetat) und 2-Ethoxyethyl-acetat (Ethylglykolacetat) dürfen nicht eingesetzt werden, da mit 1-Methoxy-2-propanol und 1-Ethoxy-2-propanol technisch gleichwertige Ersatzstoffe verfügbar sind. Folgerichtig ist die Verwendung von Methyl- und Ethylglykol sowie deren Acetaten im Verpackungsdruck seit Inkrafttreten der TRGS 609 im Jahr 1992 verboten [10]. Von Herstellern und Lieferanten, die Mitglied im deutschen oder europäischen Druckfarbenverband sind, werden diese Stoffe nicht eingesetzt (Rohstoff-Ausschlussliste). Im Zweifelsfall sollte das Nichtvorhandensein der genannten Stoffe vom Lieferanten schriftlich bestätigt werden.

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Siehe Technische Regeln für Gefahrstoffe TRGS 609 "Ersatzstoffe, Ersatzverfahren und Verwendungsbeschränkungen für Methyl- und Ethylglykol sowie deren Acetate".

Tabelle 1: Lösemittel im Verpackungsdruck

Stoffname
CAS-Nr.
Flammpunkt [C]Einstufung nach GefStoffVBeurteilungsmaßstab (mg/m3)BemerkungSpitzenbegrenzung (KZW-Kategorie)
Ethanol
64-17-5
12960 AGWY2 (II)
H225
Ethylacetat
141-78-6
-41500 AGWY2 (I)
H225
H319
H336
1-Methoxy-2-propanol
107-98-2
32370 AGWY2 (I)
H226
H336
1-Ethoxy-2-propanol
1569-02-4
42220 AGWY2 (II)
H226
H336
Butanon
78-93-3
-10600 AGWH, Y1 (I)
H225
H318
H336
1-Propanol
71-23-8
22200 LIG
268 DNEL
--
H225
H318
H336
2-Propanol
67-63-0
12500 AGWY2 (II)
H225
H319
H336
Propylacetat
109-60-4
10420 MAK--
H225
H319
H336
Isopropylacetat
108-21-4
2420 MAKY(=1=)
H225
H319
H336
1-Methoxy-2-propyl-acetat 108-65-643270 AGWY1 (I)
H226
Cyclohexan
110-82-7
-18700 AGW-4 (II)
H225
H304
H315
H336
H400
H410
Hexamethylen-1,6-diisocyanat (HDI)
822-06-0
1300,035 AGW-1;=2=(I)
H315
H317
H319
H331
H334
H335
Toluol-2,4-diisocyanat (TDI) 584-84-91270,035 AGW-1;=4=(I)
H315
H317
H319
H330
H334
H335
H351
H412
HHautresorptiv
YEin Risiko der Fruchtschädigung braucht bei Einhaltung des Arbeitsplatzgrenzwertes und des biologischen Grenzwertes (BGW) nicht befürchtet werden
H225Flüssigkeit und Dampf leicht entzündbar
H226Flüssigkeit und Dampf entzündbar
H304Kann bei Verschlucken und Eindringen in die Atemwege tödlich sein
H315Verursacht Hautreizungen
H317Kann allergische Hautreaktionen verursachen
H318Verursacht schwere Augenschäden
H319Verursacht schwere Augenreizungen
H330Lebensgefahr bei Einatmen
H331Giftig beim Einatmen
H334Kann bei Einatmen Allergie, asthmaartige Symptome oder Atembeschwerden verursachen
H335Kann die Atemwege reizen
H336Kann Schläfrigkeit und Benommenheit verursachen
H351Kann vermutlich Krebs erzeugen
H400Sehr giftig für Wasserorganismen
H410Sehr giftig für Wasserorganismen mit langfristiger Wirkung
H412Schädlich für Wasserorganismen, mit langfristiger Wirkung
AGWArbeitsplatzgrenzwert ist der Grenzwert für die zeitlich gewichtete durchschnittliche Konzentration eines Stoffes in der Luft am Arbeitsplatz in Bezug auf einen gegebenen Referenzzeitraum. Er gibt an, bei welcher Konzentration eines Stoffes akute oder chronische Auswirkungen auf die Gesundheit im Allgemeinen nicht zu erwarten sind. Die AGW werden in der TRGS 900 [12] veröffentlicht und regelmäßig aktualisiert.
DNELDerived No-Effect Level - siehe GESTIS-DNEL-Datenbank [18]
KZWKurzzeitwert
LIGListe Internationaler Grenzwerte - siehe GESTIS-Internationale Grenzwerte [19]
MAKMaximale Arbeitsplatzkonzentration nach MAK- und BAT-Werte-Liste [20]
Spitzenbegrenzung = Expositionsspitzen während einer Schicht werden mit Kurzzeitwertkonzentrationen und in begründeten Fällen
 auch mit einem Momentanwert beurteilt. Das Produkt von Arbeitsplatzgrenzwert und Überschreitungsfaktor (z. B. 2 bei Ethanol) ergibt die Kurzzeitwertkonzentration; diese Konzentration darf bei einer 15-minütigen Probenahme nicht überschritten werden (z. B. 1920 mg/m3 bei Ethanol).
In Klammern ist die Kurzzeitwertkategorie angegeben:
Kategorie I (Stoffe mit lokaler Wirkung oder atemwegssensibilisierende Stoffe);
Kategorie II (resorptiv wirksame Stoffe).
Mit = = wird ein Momentanwert festgelegt, der zu keinem Zeitpunkt überschritten werden darf.

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Siehe Technische Regeln für Gefahrstoffe TRGS 900 "Arbeitsplatzgrenzwerte",

"MAK- und BAT-Werte-Liste 2014" und

"GESTIS-DNEL-Datenbank" oder "GESTIS- Internationale Grenzwerte".

Diese EGU gelten ebenfalls für Tätigkeiten mit sogenannten wasserverdünnbaren und strahlungshärtenden Farben sowie für Zweikomponentenfarben (isocyanathaltiger Härter). Diese Farbsysteme kommen in der Regel in wesentlich geringerem Umfang als Lösemittelfarben zum Einsatz. Da Farben auf Wasserbasis deutlich weniger organische Lösemittel enthalten (in der Regel < 5 %), resultiert hieraus eine wesentlich geringere Exposition. Strahlungshärtende Druckfarben enthalten keine flüchtigen Lösemittel, zur Reinigung werden jedoch Lösemittel eingesetzt. Strahlungshärtende Druckfarben trocknen durch Polymerisation der im Bindemittel enthaltenen reaktiven Präpolymere und Monomere.