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Abschnitt 5.3, Brand-und Explosionsschutz
Abschnitt 5.3
BG/BGIA-Empfehlungen für die Gefährdungsbeurteilung nach der Gefahrstoffverordnung Tätigkeiten mit Toluol im Illustrationstiefdruck (bisher: BGI 790-017)
Titel: BG/BGIA-Empfehlungen für die Gefährdungsbeurteilung nach der Gefahrstoffverordnung Tätigkeiten mit Toluol im Illustrationstiefdruck (bisher: BGI 790-017)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 213-717
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 5.3 – Brand-und Explosionsschutz

Das verwendete Lösemittel Toluol (Flammpunkt 6 C) ist leichtentzündlich und kann somit bereits unter Normalbedingungen eine gefährliche explosionsfähige Atmosphäre bilden. Nach § 12 der Betriebssicherheitsverordnung ist der Hersteller/Betreiber verpflichtet, ein Explosionsschutzdokument für gefährdete Bereiche zu erstellen. Darin sind folgende Maßnahmen zu beschreiben:

  • Maßnahmen des primären Explosionsschutzes

    Die Bildung gefährlicher explosionsfähiger Atmosphäre muss sicher verhindert oder eingeschränkt werden, z.B. durch Absaugungen oder lüftungstechnische Maßnahmen.

    Um dies sicherzustellen, muss die Tiefdruckrotation mit einer ausfallüberwachten Absaugung betrieben werden.

    Im Bereich des Druckwerkes zwischen den Druckwerksseitenwänden, im Bedienungsgang zwischen den Druckwerken, im Bereich der Farbwanne, des Farbtanks und des Vorratsbehälters und der Papierbahn besteht Zone 1. Lediglich direkt oberhalb des Farbspiegels liegt Zone 0 vor.

    Die bei der Produktion innerhalb des Trockners anfallenden Toluoldämpfe müssen direkt im oberen Teil des Trockners an der Papiereinlauf- und -auslaufseite abgesaugt und in Lösemittelrückgewinnungsanlagen aus der Luft gefiltert werden. Durch Sensoren in den Abluftkanälen muss dabei die Toluolkonzentration ständig überwacht werden.

    Es muss sichergestellt werden, dass Toluol nur bestimmungsgemäß verwendet wird (nicht zur Reinigung großer Flächen, z.B. Fußböden). Farb- und Toluolbehälter sind geschlossen zu halten, die Lagerung darf nur in gut durchlüfteten Räumen erfolgen.

    Mitunter ist es erforderlich, Farbreste aus den Farbkästen in Vorratsbehälter abzupumpen und bei einem späteren Einsatz wieder bereitzustellen. Für den Transport und die Bereitstellung dieser so genannten "Beckenfarbe" dürfen nur geschlossene und entsprechend gekennzeichnete Farbbehälter verwendet werden. Diese Behälter müssen stehend und gegen Umfallen und Auslaufen gesichert transportiert werden. Die kurzzeitige Bereitstellung in der Rotation muss außerhalb der Ex-Zonen der Maschinen und außerhalb der Transportwege erfolgen.

    Verschüttete/ausgelaufene Druckfarbe ist mit geeigneten Saugmitteln umgehend aufzunehmen, die verunreinigten Saugmittel müssen in verschließbaren Behältern gesammelt und in belüfteten Bereichen zur ordnungsgemäßen Entsorgung bereitgestellt werden.

    Gebrauchte, mit Lösemittel oder Farbe kontaminierte Putzlappen müssen in Putzlappensammelboxen gesammelt und dem Recycling übergeben werden. Die Boxen sind geschlossen zu halten.

  • Maßnahmen des sekundären Explosionsschutzes (= Vermeidung wirksamer Zündquellen durch z.B. explosionssichere Betriebsmittel und Einrichtungen)

    Für Arbeiten, die Zündquellen mit sich bringen können (z.B. Reinigungs-, Instandhaltungs-, Montage- oder ähnliche Tätigkeiten) sind Verfahren zur Genehmigung von Schweiß-, Schleif-, und Trennarbeiten (Feuererlaubnisschein) und Arbeitsfreigabe für gefährliche Arbeiten (Arbeitsfreigabeschein) anzuwenden. Die Arbeiten dürfen erst dann freigegeben werden, wenn sichergestellt ist, dass keine explosionsfähige Atmosphäre auftreten kann. Das kann z.B. durch eine Messung auf explosionsfähige Atmosphäre geschehen, die während der Arbeiten kontinuierlich überprüft wird (Ex-Mess-/Ex-Warngerät).

    Sammel- oder Einzelbetriebsanweisungen sind in den Arbeitsbereichen auszuhängen. In diesen werden insbesondere Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln konkretisiert (z.B. der Umgang mit Restfarbe oder die Lagerung von Putzlappen in Behältern).

    Die erforderliche Kennzeichnung nach Abschnitt 2.4 des Anhangs 4 der Betriebssicherheitsverordnung muss deutlich erkennbar und dauerhaft angebracht sein (hinsichtlich Verbotszeichen P02 "Feuer und offenes Licht verboten", Warnzeichen W21 "Warnung vor explosionsfähiger Atmosphäre" sowie Verbotszeichen P06 "Zutritt für Unbefugte verboten" siehe Unfallverhütungsvorschrift "Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung am Arbeitsplatz" [BGV A8]).

    Die Tiefdruckrotationsmaschinen müssen alle in sich geerdet sein, so dass kritische elektrische Ströme abgeleitet werden und somit keine Zündungen durch Funkenschläge entstehen können (Potenzialausgleich). Die elektrische Ableitfähigkeit des Bodens muss durch regelmäßige Reinigung sichergestellt sein. Das Betreten der Maschinen darf nur mit ausreichend ableitfähigen Sicherheitsschuhen erfolgen. Nur die Verwendung von funkenfreiem Werkzeug ist zulässig.

  • Maßnahmen des tertiären Explosionsschutzes (= Begrenzung der Auswirkungen einer möglichen Explosion)

    Kann die Zündung eventueller explosionsfähiger Atmosphäre durch die bisher erläuterten Schutzmaßnahmen nicht sicher verhindert werden, so sind konstruktive Maßnahmen zu treffen, durch die Beschäftigte und Dritte vor den Auswirkungen einer Explosion geschützt werden. Diese Schutzmaßnahmen können sowohl einzeln als auch kombiniert angewendet werden (z.B. Explosionsdruckentlastung in Verbindung mit vermindert explosionsdruckfester Bauweise).

    Solche Maßnahmen sind:

    • Explosionsfeste Bauweise,

    • Explosionsdruckentlastung,

    • Explosionsunterdrückung,

    • Verhindern der Flammen- und Explosionsübertragung.

    Schutzsysteme sowie Sicherheits-, Kontroll- und Regelvorrichtungen, die dem Geltungsbereich der Explosionsschutzverordnung (11. GPSGV) unterliegen, müssen den durch diese Verordnung geregelten Anforderungen entsprechen.

  • Brandschutz

    Die Tiefdruckrotationsmaschinen müssen mit Brandmeldern und Löschanlagen (z.B. CO2 oder druckwerksbezogene Aerosol-Löschanlage oder dergleichen) ausgestattet sein. Die Brandmelder bzw. die Löschanlagen sind auf die hausinterne und gegebenenfalls auf die Brandmeldeanlage der Feuerwehr aufgeschaltet. Die hauseigenen Brandschutzkräfte oder die Feuerwehr werden alarmiert.

    Vor Auslösung einer Löschanlage und einer Flutung der Löschbereiche muss die Warnung der Beschäftigten automatisch über optische und akustische Signalanlagen vor Ort erfolgen. Die Räumung der CO2-Löschbereiche ist mindestens jährlich zu üben.

    Der Drucksaal muss entsprechend der Arbeitsstätten-Verordnung mit der erforderlichen Anzahl geeigneter Handfeuerlöschgeräte für die Entstehungsbrandbekämpfung ausgestattet sein.

    Siehe Arbeitsstättenverordnung.

  • Notfallplanung

    Ein aktueller Flucht- und Rettungswegeplan muss vorhanden und dauerhaft angebracht sein. Die Rettungswege müssen als solche gekennzeichnet sein.

    Eine Beschreibung aller getroffenen Brandschutzmaßnahmen für das Unternehmen findet sich im Brandschutzkonzept. Die Brandschutzordnung ist allen Mitarbeitern zugänglich zu machen (z.B. als Aushang).