DGUV Information 213-717 - BGBGIA-Empfehlungen für die Gefährdungsbeurteilung n...

Online-Shop für Schriften

Jetzt bei uns im Shop bestellen

Jetzt bestellen
Abschnitt 4.1, 4 Gefahrstoffexposition 4.1 Gefahrstoffe
Abschnitt 4.1
BG/BGIA-Empfehlungen für die Gefährdungsbeurteilung nach der Gefahrstoffverordnung Tätigkeiten mit Toluol im Illustrationstiefdruck (bisher: BGI 790-017)
Titel: BG/BGIA-Empfehlungen für die Gefährdungsbeurteilung nach der Gefahrstoffverordnung Tätigkeiten mit Toluol im Illustrationstiefdruck (bisher: BGI 790-017)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 213-717
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 4.1 – 4 Gefahrstoffexposition
4.1 Gefahrstoffe

Im Tiefdruck wird ausschließlich Reintoluol eingesetzt. Reintoluol bezeichnet ein im Unterschied zu technischem Toluol besonders reines Produkt. Die Qualitätsanforderungen sind in der Norm DIN 16513 "Reintoluol als Lösemittel für Tiefdruckfarben" festgelegt.

Toluol ist ein leichtentzündlicher und gesundheitsschädlicher Arbeitsstoff, der mit den folgenden R-Sätzen gekennzeichnet ist:

R11Leichtentzündlich
R38Reizt die Haut
R48/20Gesundheitsschädlich: Gefahr ernster Gesundheitsschäden bei längerer Exposition durch Einatmen
R63Kann das Kind im Mutterleib möglicherweise schädigen
R65Kann beim Verschlucken Lungenschäden verursachen
R67Dämpfe können Schläfrigkeit und Benommenheit verursachen.

Siehe Richtlinie 67/548/EWG "Einstufung, Verpackung und Kennzeichnung von Stoffen".

Entsprechend der Technischen Regeln für Gefahrstoffe TRGS 900 "Arbeitsplatzgrenzwerte" gilt für Toluol folgender Arbeitsplatzgrenzwert:

AGW = 50 ml/m3 (190 mg/m3)

Spitzenbegrenzung: Kurzzeitwertkategorie II, Überschreitungsfaktor 41.

Die mittlere Konzentration soll in keinem 15-Minuten-Zeitraum die 4fache Grenzwertkonzentration überschreiten. Für die Intervalle zwischen den Perioden mit einer Konzentration oberhalb des Arbeitsplatzgrenzwertes (Kurzzeitwertphase) ist ein Zeitraum von einer Stunde anzustreben.

Bemerkung H:Hautresorptiv2
Bemerkung Y:Ein Risiko der Fruchtschädigung braucht bei Einhaltung des Arbeitsplatzgrenzwertes und des biologischen Grenzwertes (BGW) nicht befürchtet zu werden.

Die wissenschaftliche Begründung zum Arbeitsplatzgrenzwert und der Spitzenbegrenzung sowie zur Hautresorption findet sich in den "Toxikologischarbeitsmedizinische Begründungen von MAK-Werten" der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Diese stützen sich unter anderem auf die Ergebnisse der Feldstudie "Toluol in Tiefdruckereien".

Siehe auch Abschnitt 8 "Weitere Informationen"(Seite 22).

1

Im Rahmen der Feldstudie "Toluol in Tiefdruckereien" in den Jahren 1993 bis 2002 führte die Berufsgenossenschaft Druck und Papierverarbeitung in Zusammenarbeit mit renommierten Forschungsinstituten und den deutschen Tiefdruckereien sehr umfangreiche Untersuchungen hinsichtlich möglicher akuter oder chronischer Wirkungen von Toluol durch. Die damaligen Schichtmittelwerte lagen unter dem bis 1994 gültigen Grenzwert von 100 ppm, aber auch teilweise über dem heutigen Grenzwert. Ein Kollektiv von "Hochexponierten" zeigte im Vergleich zu einem Kollektiv von "Niedrigexponierten" keine reproduzierbaren Leistungs- und Befindlichkeitsstörungen. Insbesondere auf der Basis dieser Untersuchungen konnte der Überschreitungsfaktor auf 4 festgesetzt werden.

2

Die perkutane Penetration von flüssigem Toluol liegt bei direktem Hautkontakt grundsätzlich so hoch, dass die Einhaltung des Luftgrenzwertes nicht ausreicht. Im Rahmen der Feldstudie "Toluol in Tiefdruckereien" konnte jedoch gezeigt werden, dass unter den Praxisbedingungen des Illustrationstiefdruckes der dermalen Exposition auf Grund der eingesetzten Arbeitsverfahren und des konsequenten Einsatzes von Schutzhandschuhen keine Bedeutung zukommt. Dies zeigte sich auch in einer guten Korrelation von Luftexpositionsdaten mit den im Blut bestimmten Toluolkonzentrationen. Die perkutane Penetration von gasförmigem Toluol führt zudem grundsätzlich nur zu einer im Vergleich zur inhalativen Aufnahme geringen inneren Toluolbelastung.