DGUV Information 213-716 - Galvanotechnik und Eloxieren Empfehlungen Gefährdungs...

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Abschnitt 4.3, 4.3 Bewertung der Gefahrstoffexposition
Abschnitt 4.3
Galvanotechnik und Eloxieren Empfehlungen Gefährdungsermittlung der Unfallversicherungsträger (EGU) nach der Gefahrstoffverordnung (DGUV Information 213-716)
Titel: Galvanotechnik und Eloxieren Empfehlungen Gefährdungsermittlung der Unfallversicherungsträger (EGU) nach der Gefahrstoffverordnung (DGUV Information 213-716)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 213-716
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 4.3 – 4.3 Bewertung der Gefahrstoffexposition

Die Empfehlungen entsprechen dem Stand der Technik. Wird entsprechend diesen Empfehlungen gearbeitet und ist der bestimmungsgemäße Betrieb der Anlage sichergestellt, sind die AGW für Chlorwasserstoff, Cyanide und Cyanwasserstoff, Fluoride und Fluorwasserstoff, Oxalsäure und Salpetersäure eingehalten. Für andere Stoffe ohne AGW werden die 95-Perzentile der personenbezogenen Messwerte als Beurteilungsmaßstab herangezogen; diese Konzentration wird bei 95 % der Messungen nach dem Stand der Technik unterschritten.

Bei vielen Verfahren kam es vor, dass bei bestimmten Stoffen die Werte der stationären Messungen höher ausfielen als die personenbezogenen Werte. Ein Grund hierfür kann u. a. sein, dass sich die stationäre Messprobe näher an der Expositionsquelle befand als die bemessenen Personen. Auch ein Zusammenspiel ungünstiger Faktoren kann dazu führen, dass die stationäre Messstelle höhere Konzentrationen ausweist. Solche Faktoren sind z. B. hohe Prozessauslastung, großer Materialverbrauch, kurze Taktzeiten oder schlechte Lüftungsbedingungen nahe dem Messort der stationären Messung.

Situationen, in denen die Randbedingungen in dem zu beurteilenden Arbeitsbereich bzw. bei den zu beurteilenden Tätigkeiten unter ungünstigen, aber realistischen Betriebsbedingungen eine Obergrenze für die Exposition ergeben, können nach TRGS 402 Abschnitt 2 und Anlage 3 als ungünstiger Fall (worst case) angesehen werden. Wird unter diesen Bedingungen eine Einhaltung des AGW nachgewiesen, so kann auch davon ausgegangen werden, dass unter üblichen Bedingungen der AGW eingehalten wird.

Die Bewertung der Messergebnisse für die verschiedenen Verfahren wird im Folgenden dargestellt. Die nachfolgenden Ausführungen gelten, sofern die in Kapitel 5 dieses Reports aufgeführten Maßnahmen vorhanden sind und deren Wirksamkeit nachgewiesen ist.

Wird in den Arbeitsbereichen mit anderen als den in diesen Empfehlungen genannten Stoffen gearbeitet, so sind diese in der Gefährdungsbeurteilung zu berücksichtigen.

4.3.1 Vorbehandlung/Entfettung

Bei der Vorbehandlung und Entfettung werden die AGW für Natriumhydroxid, Chlorwasserstoff, Fluoride und Salpetersäure eingehalten.

Für Schwefelsäure überschreitet das 95-Perzentil den AGW. Daher ist die Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen nachzuweisen, z. B. durch Arbeitsplatzmessungen.

4.3.2 Hartverchromen

Für Schwefelsäure ist der AGW eingehalten. Für Chrom(VI)-Verbindungen sind die in Tabelle 2 angegebenen 95-Perzentile der personenbezogenen Messwerte als Beurteilungsmaßstab für die Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen heranzuziehen.

Belastungen oberhalb des 95-Perzentils treten zum Beispiel auf, wenn

  • die Absaugschlitze der Absauganlagen durch Anoden verbaut oder durch Salzbildungen verkrustet sind

  • die Absaugrohre durch die aggressive Chromsäure korrodiert sind

  • der Abstand zwischen der Badoberfläche und den Absaugschlitzen zu gering ist

  • die Netzmittel entweder zu gering dosiert oder bereits erschöpft sind (kein zusammenhängender Schaumteppich).

4.3.3 Glanzverchromen/Schwarzverchromen

Für Schwefelsäure ist der AGW eingehalten. Für Chrom(VI)-Verbindungen sind die in Tabelle 2 angegebenen 95-Perzentile der personenbezogenen Messwerte als Beurteilungsmaßstab für die Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen heranzuziehen.

4.3.4 Chromatieren

Beim Chromatieren treten neben Salpetersäure und Schwefelsäure keine Stoffe mit AGW auf. Bedingt durch die geringe Anzahl der personenbezogenen Messdaten ist für Salpeter- und Schwefelsäure keine Bewertung möglich. Die vorliegenden Messwerte liegen unter 20 % des AGW.

Für Chrom(VI)-Verbindungen sind die in Tabelle 2 angegebenen 95-Perzentile der personenbezogenen Messwerte als Beurteilungsmaßstab für die Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen heranzuziehen. Verfahrensbedingt treten keine chrom(VI)-haltigen Aerosole auf (Ausnahme: luftbewegte Elektrolyte).

4.3.5 Passivieren

Derzeit liegen noch keine gesicherten Ergebnisse vor. Neben Mineralsäuren kommen auch Metallsalze, wie Cobalt und Chrom(III), zum Einsatz.

4.3.6 Vernickeln, Glanznickel/Halbglanznickel

Beim Vernickeln wird der AGW für Chlorwasserstoff und Schwefelsäure eingehalten.

Für Nickel und Nickelverbindungen sind die in Tabelle 2 angegebenen 95-Perzentile der personenbezogenen Messwerte als Beurteilungsmaßstab für die Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen heranzuziehen.

4.3.7 Vernickeln - chemisch

Für Nickel in Form atembarer Tröpfchen ist das in Tabelle 2 angegebene 95-Perzentil der personenbezogenen Messwerte als Beurteilungsmaßstab für die Einhaltung der Schutzmaßnahmen heranzuziehen.

Belastungen oberhalb des 95-Perzentils treten zum Beispiel auf, wenn

  • die Absaugschlitze der Absauganlagen verbaut oder durch Salzbildungen verkrustet sind

  • der Abstand zwischen der Elektrolyoberfläche und den Absaugschlitzen zu gering ist.

Bei stationären Messungen wurden höhere Konzentrationen als bei den Messungen an der Person ermittelt. Diese stellen den ungünstigen Fall (worst case) unmittelbar neben dem Elektrolyt dar. Belastungen der Beschäftigten in dieser Höhe sind nur kurzzeitig zu erwarten.

4.3.8 Verkupfern - cyanidisch

Für Cyanwasserstoff liegen nur drei Messwerte vor, eine Bewertung ist daher nicht möglich. Für Cyanide liegen die Messwerte unter der analytischen Bestimmungsgrenze. Der AGW ist eingehalten.

4.3.9 Verkupfern - sauer

Für Schwefelsäure liegen nur acht personenbezogene Messwerte vor. Der höchste Wert liegt unter dem AGW.

4.3.10 Verzinken - cyanidisch

Für Cyanide liegt nur ein personenbezogener Messwert vor und für Cyanwasserstoff liegen zwei personenbezogene Messwerte vor, eine Bewertung ist daher nicht möglich.

4.3.11 Verzinken - sauer

Für Benzaldehyd liegen nur wenige personenbezogene Messwerte vor. Alle liegen unterhalb des AGW.

Für Chlorwasserstoff liegen zehn personenbezogene Messwerte unter der analytischen Bestimmungsgrenze. Der AGW ist eingehalten.

Für die anderen Stoffe sind die in Tabelle 2 angegebenen 95-Perzentile der personenbezogenen Messwerte als Beurteilungsmaßstab für die Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen heranzuziehen.

4.3.12 Verzinken - alkalisch

Für Natriumhydroxid ist das in Tabelle 2 angegebene 95-Perzentil der personenbezogenen Messwerte als Beurteilungsmaßstab für die Einhaltung der Schutzmaßnahmen heranzuziehen. Für Chlorwasserstoff liegen 14 personenbezogene Messwerte unter der analytischen Bestimmungsgrenze. Der AGW ist eingehalten.

4.3.13 Veredeln mit Gold und Silber

Für das Veredeln mit Gold und Silber ist der AGW für Cyanide eingehalten. Für Cyanwasserstoff liegen keine personenbezogenen Messwerte vor, eine Bewertung ist daher nicht möglich.

4.3.14 Verzinnen - sauer

Es liegt nur ein personenbezogener Messwert für Schwefelsäure vor. Eine Bewertung kann daher nicht erfolgen.

4.3.15 Phosphatieren

Für Orthophosphorsäure liegen nur wenige Messwerte vor. Der höchste Wert überschreitet den AGW um das Dreifache. Daher ist die Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen nachzuweisen, z. B. durch Arbeitsplatzmessungen.

4.3.16 Eloxieren

Beim Eloxieren kann der AGW für Schwefelsäure überschritten werden. Daher ist die Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen nachzuweisen, z. B. durch Arbeitsplatzmessungen.

Für die anderen Stoffe sind die in Tabelle 2 angegebenen 95-Perzentile der personenbezogenen Messwerte als Beurteilungsmaßstab für die Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen heranzuziehen.

4.3.17 Aufsteck- und Abnahmestation

Für Schwefelsäure kann der AGW überschritten werden. Daher ist die Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen nachzuweisen, z. B. durch Arbeitsplatzmessungen.

Für Cyanide liegen nur wenige Messwerte unter der analytischen Bestimmungsgrenze vor. Der AGW ist eingehalten.

Für die anderen Stoffe sind die in Tabelle 2 angegebenen 95-Perzentile der personenbezogenen Messwerte als Beurteilungsmaßstab für die Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen heranzuziehen.

4.3.18 Messungen an automatischen Trommel- und Gestellanlagen in Verzinkereien

Diese beim cyanidischen und sauren Verzinken gewonnenen Messdaten (Tabelle 3 im Anhang 1) werden gesondert betrachtet. Die Messungen erfolgten unter ungünstigen Bedingungen (worst case) stationär am jeweiligen Elektrolyten und überwiegend ohne Absaugung an den Elektrolyten bzw. lufttechnische Maßnahmen im Raum (RLT-Anlage).

Personen halten sich an den Messstellen nur kurzzeitig, z. B. bei der Probenahme aus dem Elektrolyten, auf. Parallel dazu erfolgten auch Messungen (mit Expositionsbezug) am Bedienplatz. Der Bedienplatz befindet sich vor der Anlage. Hier werden die Trommeln beschickt und entleert oder die bestückten Gestelle aufgenommen bzw. Teile abgenommen.

Die Messungen belegen gemäß TRGS 402, dass beim Bedienen von automatischen Verzinkungsanlagen, sowohl beim sauren als auch beim cyanidischen Verzinken, keine nennenswerten Gefahrstoffkonzentrationen in der Luft am Arbeitsplatz vorliegen.

Die meisten Werte lagen unterhalb der Bestimmungsgrenzen der angewandten Analysenverfahren. Alle ermittelten Messwerte für Cyanwasserstoff (cyanidisches Verzinken) lagen unter 10 % des von der DFG veröffentlichten MAK-Wertes von 2,1 mg/m3.

Nur ein Messwert für Propan-2-ol (saures Verzinken) lag knapp über 10 % des AGW von 500 mg/m3.

Die Messwerte können zur Befundermittlung entsprechend TRGS 402 herangezogen werden. Hiernach lassen Messungen unter ungünstigen Bedingungen (worst case) den Befund "Schutzmaßnahmen ausreichend" zu (siehe Abschnitt 5 der TRGS 402).