DGUV Information 203-019 - Sicherheitsmaßnahmen bei Arbeiten an Fahrleitungsanla...

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Abschnitt 3, Sicherheitsmaßnahmen gegen Gefahren aus dem Bah...
Abschnitt 3
Sicherheitsmaßnahmen bei Arbeiten an Fahrleitungsanlagen (bisher: BGI 769)
Titel: Sicherheitsmaßnahmen bei Arbeiten an Fahrleitungsanlagen (bisher: BGI 769)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 203-019
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 3 – Sicherheitsmaßnahmen gegen Gefahren aus dem Bahnbetrieb

Grundsatz

Der Beginn von Arbeiten im Bereich von Fahrleitungen ist vom ausführenden Unternehmer dem Bahnbetreiber so rechtzeitig anzuzeigen, dass die zur Abwendung von Gefahren aus dem Bahnbetrieb erforderlichen Sicherungsmaßnahmen getroffen werden können.

Die Sicherungsmaßnahmen kann der Bahnbetreiber selbst durchführen, den Unternehmer oder ein Sicherungsunternehmen damit beauftragen.

Sicherungsmaßnahmen sind auch für Wege von und zur Arbeitsstelle und für Arbeiten außerhalb des Gleisbereiches erforderlich, wenn man in diesen bei der Arbeit hineingeraten kann oder dieser überschritten werden muss.

Sicherungsanweisung

Sicherungsanweisungen können individuell für einzelne Arbeiten oder pauschal für wiederkehrende Arbeiten unter gleichen Randbedingungen (z.B. Fahrleitungsrevision) aufgestellt werden.

Vor Aufnahme der Arbeiten ist eine Sicherungsanweisung mit allen erforderlichen Angaben zu erstellen. Sie muss alle Angaben über die Durchführung und Überwachung der Sicherungsmaßnahmen, über die Koordinierung, falls mehrere Unternehmen gleichzeitig tätig sind, über Eignungsanforderungen an Personen, die Sicherungsaufgaben ausführen und deren Unterweisung enthalten. Die Sicherungsanweisung muss ggf. auch Angaben über die Sicherung von Sperrfahrten beinhalten. Deren Aufstellung ist Aufgabe des Bahnbetreibers, sie kann aber auch vom Unternehmer oder Sicherungsunternehmer übernommen werden. Dann muss der Bahnbetreiber die Sicherungsanweisung hinsichtlich ihrer sachlichen Richtigkeit prüfen und in Kraft setzen.

Bau- und Betriebsanweisungen regeln die vom Bahnbetreiber für die Ausführung der Arbeiten durchzuführenden Maßnahmen. Sie können so gestaltet sein, dass sie die Anforderungen an eine Sicherungsanweisung erfüllen.

Sicherungsmaßnahmen

Als Sicherungsmaßnahmen kommen organisatorische Maßnahmen, technische Einrichtungen oder Sicherungsposten in Betracht. Vom Grundsatz her ist organisatorischen Maßnahmen und technischen Einrichtungen der Vorrang einzuräumen.

Erforderlichenfalls sind zusätzlich Hilfsgeräte zur Bergung Verletzter, z.B. von erhöhten Arbeitsplätzen, vor Ort bereitzuhalten.

Die wichtigste organisatorische Sicherungsmaßnahme ist die Gleissperrung. Werden Gleissperrungen angeordnet, ist darauf zu achten, dass die Sperrpausen für die jeweils geplanten Arbeiten inklusive vorbereitender und abschließender Tätigkeiten ausreichend lang bemessen sind.

Eine weitere wichtige organisatorische Sicherungsmaßnahme ist die Einrichtung einer Langsamfahrstelle. Diese ist aber immer Teilmaßnahme der gesamten Sicherung, auch bei Bahnen, die auf Sicht mit geringer Geschwindigkeit betrieben werden.

Als technische Einrichtungen kommen z.B. automatische Rottenwarnsysteme, feste Absperrungen in Betracht. Deren Beschaffenheit und Ausführung legt der Bahnbetreiber fest. In der Regel hält dieser sie auch vor.

Sicherungsposten müssen

  • mindestens das 18. Lebensjahr vollendet haben,

  • körperlich und geistig geeignet sein,

  • Kenntnisse über Signale, Signalgebung und die Durchführung des Bahnbetriebes haben,

  • ausgebildet sein,

  • Warnkleidung tragen.

Sicherungsposten, die im Gleisbereich von Unternehmen im Zuständigkeitsbereich der Eisenbahn-Unfallkasse eingesetzt werden, müssen mindestens das 21. Lebensjahr vollendet haben. Deren Ausbildung wird von Institutionen durchgeführt, die vom zuständigen Unfallversicherungsträger anerkannt sind.

Die Ausbildung von Sicherungsposten, die bei anderen Bahnen eingesetzt werden, orientiert sich an der VDV-Schrift 610. Übernimmt der Bahnbetreiber nicht selbst die Ausbildung von SiPo, haben diese ihre Kenntnisse ihm gegenüber nachzuweisen.

Wegen des einheitlichen Signalbildes müssen SiPo wie alle anderen Warnkleidung nach DIN EN 471 "Warnkleidung", mindestens als Westen, fluoreszierendes Orange-Rot, Reflexmaterial Klasse 2, tragen. Diese Warnkleidung ist auch von allen anderen nicht im Bereich gesperrter Gleise tätigen Personen zu tragen. Davon abweichend verlangen die Unternehmen der Deutschen Bahngruppe, dass Sicherungspersonal in ihrem Netz Warnkleidung in der Farbe fluoreszierendes Gelb trägt.

Warnmittel

Warnmittel bedürfen wegen möglicher Auswirkungen auf den Betrieb der Bahn der Zulassung durch den Bahnbetreiber, wenn dieser sie nicht zur Verfügung stellt. Optische Warnmittel können bei Dunkelheit eingesetzt werden, in der Regel wird akustisch gewarnt.

Bei der Wahl zwischen Mehrklanghorn und Tyfon ist darauf zu achten, dass der Signalschallpegel um ca. 10 dB(A) über dem Störschallpegel liegt. Durch eine Hörprobe unter den ungünstigsten zu erwartenden Randbedingungen (z.B. Nachbarschaftslärm, Fahrten im Gegengleis, Tragen von Gehörschutz) ist zu prüfen, ob Warnungen sicher aufgenommen werden können.

Akustische Warnsignale werden überwiegend als Rottenwarnsignale nach der BG-Vorschrift "Arbeiten im Bereich von Gleisen" (BGV D33, bisherige VBG 38a) oder ESO gegeben. Bei Straßenbahnen und anderen Bahnen kann der Bahnbetreiber eigene Signale festlegen. Auch beim Einsatz optischer Warnmittel gelten Signale, die der Bahnbetreiber festlegt.

Gehörschutz

Bei lärmintensiven Arbeiten oder Arbeiten mit starkem Umgebungslärm (Beurteilungspegel von mehr als 85 dB(A)) muss Gehörschutz getragen werden, der es ermöglicht, dass die Warnsignale deutlich wahrgenommen werden können. Auswahl der Gehörschützer siehe BG-Regeln "Einsatz von Gehörschützern" (BGR 194, bisherige ZH 1/705) und Positiv-Liste des Berufsgenossenschaftlichen Instituts für Arbeitssicherheit (BIA).

Sicherungsaufsicht

Entsprechend der Bauleistung ist auch die Sicherungsleistung zu beaufsichtigen. Sicherungsaufsicht und Bauaufsicht können dann von einer Person wahrgenommen werden, wenn der Bahnbetreiber Arbeiten selbst ausführt. Dies gilt auch, wenn Arbeiten von Unternehmern ausgeführt werden, die ständig im Netz des Bahnbetreibers tätig sind und deren Mitarbeiter über die gleichen Kenntnisse hinsichtlich der Durchführung des Bahnbetriebes verfügen wie die Mitarbeiter des Bahnbetreibers. Die Sicherungsaufsicht muss vom Bahnbetreiber bestimmt sein. Dieser regelt auch die Anwesenheit der Sicherungsaufsicht an der Arbeitsstelle.

Aufnahme der Arbeit

Mit der Ausführung von Arbeiten darf erst begonnen werden, wenn die Sicherungsmaßnahmen durchgeführt und die Mitarbeiter über das erforderliche Verhalten unterwiesen worden sind. Bei den Unterweisungen ist zwischen Grundsatzthemen, die Sicherheitsmaßnahmen generell betreffen, und örtlichen Unterweisungen, die Besonderheiten der jeweiligen Arbeitsstelle berücksichtigen, zu unterscheiden. Grundsätzliche Unterweisungen sind mindestens einmal jährlich durchzuführen, örtliche Unterweisungen mindestens vor der erstmaligen Arbeitsaufnahme auf einer neuen Arbeitsstelle und nach Bedarf, wenn sich z.B. Randbedingungen für die Durchführung des Bahnbetriebes ändern.

Dies kann besonders dann der Fall sein, wenn z.B. ein planmäßiger Falschfahrbetrieb oder ein Gleiswechselbetrieb vom Bahnbetreiber eingeführt wird.

Arbeiten im Verkehrsraum öffentlicher Straßen

Bei Fahrleitungsarbeiten im Verkehrsraum öffentlicher Straßen sind neben den Gefahren durch den Bahnbetrieb auch die Gefährdungen durch den Individualverkehr zu berücksichtigen. Musterpläne für Absicherungsmaßnahmen gegenüber dem Individualverkehr sind in der RSA 95 enthalten. Es empfiehlt sich, dass wegen der Problematik des unzulässigen Eingriffes in den Straßenverkehr der Bahnbetreiber Sicherungsmaßnahmen grundsätzlich mit der für den Straßenverkehr zuständigen Behörde als Regelpläne abstimmt.

Erlaubt es die Tätigkeit von Sicherungsposten, können diese gleichzeitig auch als Warnposten zur Sicherung gegenüber dem Straßenverkehr eingesetzt werden.

Sicherungsposten und Warnposten sollten nach Möglichkeit nicht im Verkehrsraum der Straße eingesetzt werden, damit die sehr hohe Gefährdung durch den Individualverkehr vermieden ist.

Bei Instandhaltungsfahrten mit Turmwagen oder anderen Hubarbeitsbühnen in Gleisen von Straßenbahnen sind diese Fahrzeuge wie jedes andere am Straßenverkehr teilnehmende Fahrzeug mit Sonderrechten zu betrachten. Das heißt, spezielle Sicherungsmaßnahmen gegenüber dem Schienenverkehr sind nicht erforderlich. Es empfiehlt sich hinsichtlich der Gefahren aus dem Straßenverkehr allerdings, das Fahrzeug durch einen nachlaufenden Anhänger, auf dem verkehrsregelnde Zeichen installiert sind, zusätzlich zu sichern.

Verhalten im Gleisbereich

Auf dem Weg zur Arbeitsstelle sind so weit möglich Randwege oder Sicherheitsräume zu benutzen. Gleise sind nach Möglichkeit an Bahnübergängen, anderen festen Querungen oder an Stellen zu überschreiten oder zu überfahren, an denen eine ausreichende Sicht auf die Strecke besteht.

Im nicht gesperrten Betriebsgleis darf nur dann gegangen werden, wenn eine andere Möglichkeit, die Arbeitsstelle zu erreichen, nicht vorhanden ist und die Sicherungsmaßnahmen durchgeführt sind.

In der Regel ist entgegen der üblichen Fahrtrichtung zu gehen. Bei Strecken mit planmäßigem Falschfahrbetrieb oder Gleiswechselbetrieb gelten die gleichen Grundsätze wie für das Verhalten und für die Sicherung des Arbeitsweges bei eingleisigen Strecken, wenn mit Fahrten aus beiden Richtungen zu rechnen ist.

Nach erfolgter Warnung ist die Vorbeifahrt von Zügen oder Fahrten an den vorher festgelegten Stellen abzuwarten. Diese müssen ohne Überschreiten anderer nicht gesperrter Gleise erreicht werden können. Nach der Durchfahrt eines Zuges durch die Arbeitsstelle kann das Gleis nach Aufforderung durch den Aufsichtführenden in Abstimmung mit den Sicherungsposten wieder betreten werden.

Gleise können überschritten werden, wenn herannahende Schienenfahrzeuge abhängig von der zulässigen Geschwindigkeit und den örtlichen Bedingungen, wie z.B. Bahnkörper und Witterungsbedingungen, in ausreichender Entfernung erkannt werden können.

Falls feste Absperrungen vorhanden sind, dürfen diese in keinem Fall überstiegen werden.

Werden Gleise unmittelbar vor oder hinter stehenden Fahrzeugen betreten, muss ein Mindestabstand von 2 m eingehalten werden. Bei besetzten Fahrzeugen ist möglichst Blickkontakt mit dem Fahrzeugführer zu suchen.

Einsatz von Fahrzeugen, Maschinen und Geräten

Fahrzeuge, Maschinen und Geräte dürfen nur mit Erlaubnis des Bahnbetreibers an den von ihm festgelegten Stellen in Gleise eingesetzt und bewegt werden. Sofern Fahrzeug- oder Maschinenführer nicht über die erforderliche Streckenkunde verfügen, müssen sie von einem Lotsen (strecken- und signalkundige Personen) begleitet werden. Von Fahrzeugen und Maschinen darf nur zu der Seite abgestiegen werden, auf der dies gefahrlos möglich ist. In der Regel ist dies die gleisfreie Seite oder die Seite, deren Gleis gesichert ist. Bei Bahnen mit Stromschienen ist dies die Seite, auf der keine Stromschiene vorhanden ist.

In Rangierbahnhöfen mit Gleisabständen von mehr als 4,5 m können Fahrzeuge und Maschinen in Rangiergleisen freizügig verlassen werden.

Werden Fahrzeuge oder Maschinen in Arbeitsstellung mit nicht mehr als 5 km/h bewegt, sind Sicherungsmaßnahmen für andere im Gleisbereich arbeitende Personen nicht erforderlich.

Im Stillstand sind Fahrzeuge, Maschinen und Geräte gegen unbeabsichtigte Bewegungen zu sichern. Bewegliche Teile oder Anbauten, die über das Profil hinausragen können, sind in Ruhestellung zu verriegeln (Profilfreiheit herstellen).

Material- und Gerätelagerung

Material und Geräte müssen so gelagert werden, dass sie von Schienenfahrzeugen nicht erfasst werden oder durch den Fahrtwind bewegt werden können. Kabeltrommeln sind gegen Wegrollen und Umstürzen zu sichern. Bunde und Seilbunde müssen so abgelegt werden, dass sie nicht in den Fahrbereich geraten oder von vorbeifahrenden Schienenfahrzeugen erfasst und mitgerissen werden können.

Lagerung in Sicherheitsräumen

Ein durchgehend vorhandener Sicherheitsraum darf höchstens auf eine Länge von 10 m unterbrochen werden, wenn die zulässige Höchstgeschwindigkeit der Schienenfahrzeuge nicht mehr als 60 km/h beträgt, höchstens 6 m bei zulässigen Geschwindigkeiten über 60 km/h. Das Verhältnis der Länge des für Lagerzwecke in Anspruch genommenen Raumes zur frei bleibenden Länge des Raumes für den Aufenthalt von Personen soll gleich sein, darf jedoch bei Geschwindigkeiten bis zu 60 km/h nicht kleiner als 1:5 und bei größeren zulässigen Geschwindigkeiten nicht kleiner als 1:3 sein. In jedem Fall sollten Sicherheitsräume zwischen Lagerungen, aber auch zwischen Lagerungen und Einbauten mindestens 1,3 m lang sein.

Nischen oder einzelne Ausweichstellen dürfen für Lagerzwecke nicht in Anspruch genommen werden.