DGUV Information 214-007 - Arbeitshilfe zur Durchführung von arbeitsmedizinische...

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Abschnitt 3.1, 3. Belastungen/Gefährdungen 3.1 Lärm
Abschnitt 3.1
Arbeitshilfe zur Durchführung von arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen bei fliegendem Personal (Cockpit) (bisher: BGI 768-2)
Titel: Arbeitshilfe zur Durchführung von arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen bei fliegendem Personal (Cockpit) (bisher: BGI 768-2)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 214-007
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 3.1 – 3.
Belastungen/Gefährdungen

3.1
Lärm

Die Lärmeinwirkung auf Cockpitpersonal in verschiedenen Luftfahrzeugtypen ist uneinheitlich. Im Allgemeinen werden die Auswahlkriterien zur Durchführung einer arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchung nach G 20 (berufsgenossenschaftlicher Grundsatz für arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen - hier: Lärm), also derzeit ein Beurteilungspegel von ≥ 85 dB(A)2, in modernen Verkehrsflugzeugen (Jet) nicht erreicht. Dennoch treten unter bestimmten Bedingungen auch hier hohe Lärmspitzen auf. Darüber hinaus ist häufig der Aufenthalt auf dem Flughafenvorfeld oder in der Nähe geöffneter Luftfahrzeugtüren im Einwirkungsbereich von Lärmquellen (z.B. laufende Triebwerke oder Hilfsgeneratoren) erforderlich.

Als Kriterium für die Notwendigkeit von Untersuchungen nach G 20 wird der Beurteilungspegel herangezogen. Gemäß der Unfallverhütungsvorschrift "Lärm"(BGV B3), Anlage 1 wird ein 8-stündiger, bei erheblichen Schwankungen ausnahmsweise auch wöchentlicher Schallpegel-Mittelwert gebildet. Für derart unregelmäßige Belastungen wie bei fliegendem Personal kann daher strenggenommen oft überhaupt kein Beurteilungspegel ermittelt werden. Diese Besonderheiten erschweren eine Einordnung nach den Auswahlkriterien und erfordern im Sinne der Prävention eine geeignete arbeitsmedizinische Vorsorge.

Für Cockpitpersonal ergibt sich die Besonderheit des Sprechfunkverkehrs über Kopfhörer. Es ist zu berücksichtigen, dass für eine ausreichende Verständlichkeit des Sprechfunkverkehrs der Pegel im Kopfhörer mindestens 6 dB (gemittelt) über dem Umgebungsgeräusch eingestellt wird. Bei vorgeschädigtem Gehör, ungeeigneten Kopfhörern oder fehlerhafter Benutzung (einseitiges Aufsetzen) kann dieser Wert noch höher liegen, bei Benutzung von Kopfhörern mit "active-noise-reduction"niedriger. Das Erreichen des Beurteilungspegels von ≥ 85 dB(A) und damit die Erfüllung der Auswahlkriterien ist (ggfs. bis zum Beweis des Gegenteils) in typischerweise lauten Luftfahrzeugen (Drehflügler, Turboprop) bei Verwendung von Kopfhörern ohne "active-noise-reduction"zu unterstellen. Auch in den Cockpits von Strahlflugzeugen kann der Sprechfunk den Pegel am Ohr über den Grenzwert heben.

Die Gehörgefährdung durch Lärm erfordert eine arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung nach G 20 (BGG 904). Soweit die Einhaltung des Beurteilungspegels nicht nachgewiesen wird gilt dies z.B. in folgenden Fällen:

  1. Hubschrauber, mehr als 10 Blockstunden in einer typischen Woche

  2. Turboprop bei Benutzung von Kopfhörern ohne "active-noise-reduction"3, mehr als 15 Blockstunden in einer typischen Woche

  3. Jets mit einem gemittelten Cockpitpegel oberhalb 82 dB (A) bei Benutzung von Kopfhörern mit Ohrauflage aus offenporigem Schaumstoff4, mehr als 20 Blockstunden in einer typischen Woche


Bei der Ermittlung des Beurteilungspegels sind auch Nebentätigkeiten im Lärmbereich zu berücksichtigen.
Grundsätzlich erfordert die schwer ermittelbare tatsächliche Lärmexposition eine Berücksichtigung der Gehörgefährdung in der arbeitsmedizinischen Vorsorge.
2

Änderungen dieses Wertes sind möglich. Die Umsetzung der EG-Lärmschutzrichtlinie 2003/10/EG in eine staatliche Rechtsvorschrift ist derzeit in Vorbereitung.

3

Es geht hier nicht primär um die Dämmwirkung des Gehörschutzes bzw. der Kopfhörer gegenüber dem Umgebungsgeräusch, die für die Indikation einer Untersuchung nach G 20 ohne Belang ist, sondern um die Tatsache, dass ohne Dämmung oder Geräuschreduktion der Sprechfunk zu laut eingestellt wird. Der Kopfhörer soll unabhängig von der Gehörgefährdung dem Stand der Technik entsprechen.

4

Es geht hier nicht primär um die Dämmwirkung des Gehörschutzes bzw. der Kopfhörer gegenüber dem Umgebungsgeräusch, die für die Indikation einer Untersuchung nach G 20 ohne Belang ist, sondern um die Tatsache, dass ohne Dämmung oder Geräuschreduktion der Sprechfunk zu laut eingestellt wird. Der Kopfhörer soll unabhängig von der Gehörgefährdung dem Stand der Technik entsprechen.