DGUV Information 201-016 - Schreiner-Tischlerarbeiten auf Baustellen und Montag...

Online-Shop für Schriften

Jetzt bei uns im Shop bestellen

Jetzt bestellen
Abschnitt 5.10, Betreten "nicht begehbarer" Bauteile
Abschnitt 5.10
Schreiner-/Tischlerarbeiten auf Baustellen und Montagestellen (bisher: BGI 735)
Titel: Schreiner-/Tischlerarbeiten auf Baustellen und Montagestellen (bisher: BGI 735)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 201-016
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 5.10 – Betreten "nicht begehbarer" Bauteile

Unfallbeispiel: Tödlicher Absturz bei Dachreparaturarbeiten auf einem Wellplattendach

In einer Tischlerei sollte auf einem Dach die Wellasbestzement-Bedeckung gegen eine neue Dacheindeckung ausgetauscht werden. Die Arbeit wurde auf vier Beschäftigte übertragen. Um auf dem Dach gehen zu können, legten diese 2 Bretter (5000 x 180 x 20 mm) hintereinander aus. Als ein 49 Jahre alter Geselle etwa 2 m von der Dachkante entfernt die Befestigungsschrauben der Wellplatten lösen wollte, zerbrach der Wellplattenbelag und der Geselle stürze etwa 3,5 m in die Tiefe . Durch den Sturz auf den Hallenboden erlitt er tödliche Kopfverletzungen. Keiner der Beteiligten hatte vorher solche Arbeiten ausgeführt. Der Unternehmer hatte bei der Arbeitsanweisung gesagt, dass Bohlen ausgelegt werden sollten, falls das Dach betreten werden müsste und im Übrigen man vorsichtig sein solle, weil das Dach alt und marode sei. Die Dacheindeckung bestand aus sogenannten "nichtbegehbaren" Bauteilen. Vor Betreten hätten auf dem Dach lastverteilende und gegen Verschieben und Abheben gesicherte Beläge oder Laufstege von mindestens 0,5 m Breite ausgelegt werden müssen.

Als "nicht begehbare" (nicht durchsturzsichere) Bauteile gelten in der Regel:

  • Faserzement/Asbestzement-Wellplatten

  • Bitumenwellplatten

  • Kunststoff-Wellplatten, PVC-Lichtplatten

  • Lichtkuppeln, Oberlichter

  • Glasdächer

  • abgehängte Zwischendecken

  • Lüftungskanäle.

Diese Baustoffe können grundsätzlich punktförmige Lasten, wie sie beim Betreten auftreten, auf Grund ihrer Sprödheit nicht aufnehmen. Das gilt insbesondere auch für Bauteile aus Kunststoffen, da bei diesen im Laufe der Jahre - verursacht durch Sonneneinstrahlung - die Weichmacher aus dem Material austreten.

Ein Brechen beim Begehen solcher Bauteile kann nur ausgeschlossen werden, wenn Nachweise nach den "Grundsätzen für die Prüfung und Zertifizierung der bedingten Begehbarkeit oder Absturzsicherheit von Bauteilen bei Bau- und Instandhaltungsarbeiten" (GS-BAU-18) vorliegen.

"Nicht begehbare Bauteile" dürfen deshalb nur auf besonderen lastverteilenden Belägen oder Lauf- und Arbeitsstegen betreten werden, die das Ableiten der auftretenden Kräfte auf die tragende Unterkonstruktion gewährleisten. Die Statik der Unterkonstruktion muss beachtet werden. Es muss also geprüft werden, ob die Unterkonstruktion die Beläge, die Beschäftigten und das benötigte Material sicher trägt.

Die lastverteilenden Beläge, Lauf- oder Arbeitsstege können über ein angebautes Gerüst, einen am Gerüst befestigten Flaschenzug, einen Anlegeaufzug oder einen Kran auf das Dach gehoben werden. Die Stege müssen mindestens 50 Zentimeter breit sein. Aus Holz gefertigte Lauf- und Arbeitsstege müssen mindestens der Sortierklasse S 10 oder MS 10 nach DIN 4074-1 entsprechen und nach Tabelle dimensioniert sein.

Zusätzlich müssen sie gegen unbeabsichtigtes Verschieben oder Abrutschen/Abheben gesichert sein. Wenn die Steigung 1:5 (über 11 Grad) überschreitet, müssen Trittleisten angebracht sein, ist das Verhältnis steiler als 1:1,75 (über 30 Grad) müssen Trittstufen angebracht werden.

Wenn die mögliche Absturzhöhe mehr als 3 m beträgt, müssen Absturzsicherungen vorhanden sein (zum Beispiel Gerüste an den Außenkanten, Fangnetze bei Absturzmöglichkeit ins Gebäude). Anseilschutz gegen Absturz kommt nur bei kurzzeitigen Arbeiten in Betracht. Die Anschlagpunkte müssen dann durch den Vorgesetzten festgelegt und kontrolliert werden.

Dachdeckung mit Wellplatten