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Abschnitt 12, Wartungs- und Reparatur-/Entstörarbeiten
Abschnitt 12
Möbelindustrie Schreinereien/Tischlereien (bisher: BGI 726)
Titel: Möbelindustrie Schreinereien/Tischlereien (bisher: BGI 726)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 209-032
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 12 – Wartungs- und Reparatur-/Entstörarbeiten

Risiko

Gefährdungsstufe II. Es besteht ein erhebliches Verletzungsrisiko durch unerwartet anlaufende Anlagenteile beim Entstören, Einstellen oder bei der Fehlersuche an automatischen Anlagen. Hierbei werden - teilweise aufgrund fehlender Einricht- und Entstörschaltungen - Umzäunungen überstiegen oder Verriegelungsschalter unwirksam gemacht.

Beschaffenheit der Anlage

Die sichere Arbeitsweise beim Einrichten, Warten und Entstören hängt in starkem Maße davon ab, wie der Hersteller diese vorhersehbaren Arbeiten in das Konstruktions- und Steuerungskonzept der Anlage eingebunden hat. Da viele Mängel erst beim Probebetrieb der Neuanlage erkennbar werden, sollte eine Abnahme erfolgen, z.B. durch die Spezialberater der Holz-BG (siehe auch 1.13.1).

Folgende Grundprinzipien sollten schon bei der Planung mit dem Hersteller besprochen und ggf. vereinbart werden:

  • Verlegung von Einstelleinrichtungen wie Stellteilen, Handrädern, Ventilen in einen Bereich außerhalb der Umzäunung oder anderer Schutzeinrichtungen.

  • Sinnvolles Abschalten, z.B. beim Öffnen von Türen, um ein problemloses Wiederanfahren der Anlage ohne Speicherdatenverluste zu ermöglichen. Hierunter sind auch Schalter mit Zuhaltung zu verstehen, die ein Öffnen der Zugangstür erst zulassen, wenn ein Anmeldeschalter betätigt wird und die verfahrenstechnisch erforderlichen Bearbeitungen abgeschlossen sind, z.B. Leerfahren von Pressen. Beim Betätigen von Not-Aus kann ein sofortiges Abschalten erforderlich sein.

  • Abschließbare Einrichtschaltungen für Handbetrieb, die einen auf die notwendigen Bewegungsabläufe beschränkten Betrieb bei geöffneten Zugangstüren zulassen, über Schalter mit selbsttätiger Rückstellung (Tippschalter) und Sperrung des Automatikbetriebes.

  • Vorsehen von Handsteuergeräten mit Tippschalter und Not-Aus-Schalter.

  • Abtrennen umzäunter Teilbereiche, die auch getrennt abschaltbar sind, wenn sich die Notwendigkeit besonderer Schaltungen nur für örtlich begrenzte Anlagenteile ergibt.

  • Herausnehmen von störungsanfälligen Bereichen aus der Umzäunung und Durchführung von Einzelschutzmaßnahmen.

  • Anordnung von Podesten und sicheren Aufstiegen, wenn höhergelegene Wartungs- und Entstörbereiche vorhanden sind.

  • Schalteranordnung so, dass ausreichende Übersicht besteht.

Bei vorhandenen Anlagen, an denen risikobehaftete Arbeitsweisen beim Einrichten, Warten oder Entstören erkennbar werden, ist zu prüfen, ob durch Verbesserungen anhand obiger Liste eine höhere Sicherheit erreicht werden kann.

Betrieb

Grundsätzliche Vorgehensweise:

  • Vor dem Beseitigen von Störungen oder bei Wartungs-, Rüst- und Reinigungsarbeiten sind gefahrbringende Bewegungen von automatischen Anlagen auszuschalten und deren Stillstand abzuwarten. Die abgeschalteten Bereiche sind dabei, soweit möglich, gegen unbefugtes Einschalten zu sichern.

  • Ist das Beseitigen von Störungen oder die Durchführung von Wartungs-, Rüst- und Reinigungsarbeiten bei vollständig abgeschalteter Anlage nicht möglich, dürfen diese Arbeiten in der Einrichtbetriebsart bei gesperrter Automatiksteuerung nur von besonders beauftragten erfahrenen Personen durchgeführt werden.

  • Lässt die Ausführung der Anlage die oben beschriebenen Vorgehensweisen nicht zu (z.B. wenn Fehler nur bei laufender Anlage zu erkennen sind), hat der Unternehmer für

    • Kantenbearbeitungssysteme

    • Stapeleinrichtungen

    • Bearbeitungszentren

    • Automatische schienengebundene Transporteinrichtungen

    • Kurztaktpressen

    zu prüfen, wie diese Arbeiten benutzerfreundlich und bedarfsgerecht durchgeführt werden können. Hierunter ist z.B. zu verstehen, dass er sichere Entstör-, Wartungs-, Rüst- und Reinigungsmethoden zu ermitteln und die sicheren Arbeitsweisen nach Beratung durch die Sifa in einer Betriebsanweisung festzulegen hat. Auch ein Spezialberater der Holz-BG sollte hinzugezogen werden.

  • Vor Aufnahme von Reparaturarbeiten an unter Druck stehenden Hydrauliksystemen, insbesondere an Verleim- und Kurztaktpressen, muss der drucklose Zustand hergestellt werden.

Muster für Entstöranweisungen siehe Anhang 2.

Prüfen im Betrieb