DGUV Information 209-032 - Möbelindustrie SchreinereienTischlereien (bisher: BG...

Online-Shop für Schriften

Jetzt bei uns im Shop bestellen

Jetzt bestellen
Abschnitt 1.13, Beschaffen von Arbeitsmitteln
Abschnitt 1.13
Möbelindustrie Schreinereien/Tischlereien (bisher: BGI 726)
Titel: Möbelindustrie Schreinereien/Tischlereien (bisher: BGI 726)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 209-032
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 1.13 – Beschaffen von Arbeitsmitteln

Der Unternehmer hat sicherzustellen, dass die von ihm bereitgestellten Arbeitsmittel den einschlägigen Vorschriften entsprechen.

1.13.1
Beschaffen von Maschinen

Beim Beschaffen einer Maschine ab Baujahr 1995 ist darauf zu achten,

  • dass die Maschine mit dem CE-Zeichen gekennzeichnet ist

    und

  • die EG-Konformitätserklärung sowie die Betriebsanleitung mitgeliefert werden.

Mit der Konformitätserklärung und dem Anbringen des CE-Zeichens an der Maschine bestätigt der Hersteller, dass die Maschine den Anforderungen des Anhangs I der EG-Maschinen-Richtlinie entspricht. Dieses Bescheinigungsverfahren ist nach der EG-Maschinen-Richtlinie zwingend erforderlich. Um eine ordnungsgemäße Lieferung sicherzustellen, sollte dies bereits bei der Bestellung schriftlich mit dem Hersteller oder dessen Bevollmächtigtem (Verkäufer) vereinbart werden.

Ein Stempel mit dem Text für eine derartige Vereinbarung kann bei der Holz-BG bezogen werden.

Bei der Beschaffung von Anlagen größeren Umfanges stellt sich die Frage der Zertifizierung in vielen Fällen unübersichtlicher dar. Wir empfehlen, den Beratungsdienst der Holz-BG in Anspruch zu nehmen (siehe 1.3).

Nur bei Komplettlieferung aus der Hand eines Herstellers gelten die gleichen Bedingungen wie bei der Lieferung von Einzelmaschinen. Meist bestehen Anlagen aus Komponenten verschiedener Hersteller, teilweise vervollständigt durch Eigenleistungen des Betreibers und vorhandene Komponenten. In diesen Fällen sind die Hersteller oder Lieferer der Komponenten nur verpflichtet, Herstellererklärungen nach der EG-Maschinen-Richtlinie abzugeben. Die Erklärung der Konformität der Gesamtanlage mit CE-Kennzeichnung ist in diesem Fall vom Betreiber zu erledigen, der damit in der Regel aber überfordert ist.

Es wird daher empfohlen, eine der folgenden Alternativen zu wählen:

  • Die Verpflichtung eines Lieferanten als Generalunternehmer oder Koordinator, um ihm die ordnungsgemäße sicherheitstechnische Abwicklung bis zur Erstellung der Konformitätserklärung zu übertragen.

  • Einschalten des sicherheitstechnischen Beraters der Holz-BG schon vor der Beschaffung größerer Anlagen. Dieser wird die günstigste und auf den Einzelfall abgestimmte Lösung vorschlagen, wie der Unternehmer zur Konformitätserklärung und zum CE-Zeichen kommt (z.B. Koordinationsauftrag an den Größtlieferanten).

    Textvorschlag für Liefervereinbarungen:

    1. 1

      Der Verkäufer/Hersteller sichert zu, dass die zu liefernden Maschinen bzw. Anlagen den grundlegenden Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen des Anhangs I der EG-Maschinen-Richtlinie entsprechen.

      Für den Fall der Vereinbarung von Aufstellungs- und Wartungsarbeiten sichert der Verkäufer/Hersteller ferner die ordnungsgemäße Erfüllung dieser Nebenverpflichtung zu.

    2. 2

      Nachfolgende Einrichtung wird vom Betreiber auf Anleitung und entsprechende Angaben des Herstellers als Eigenleistung eingebracht: z.B. Umzäunung der CNC-Oberfräsmaschine, Schutzgitter vor Hackereinlauf.

    3. 3

      Der Verkäufer/Hersteller sichert zu, dass er verantwortlich ist für die Anbringung der CE-Kennzeichnung sowie für das Ausstellen der EG-Konformitätserklärung gemäß Anhang IIAbschnitt A der EG-Maschinen-Richtlinie. Die Inbetriebnahme der Maschine bzw. Anlage und Kennzeichnung mit dem CE-Zeichen darf vom Hersteller erst dann erfolgen, nachdem er sich vergewissert hat, dass der Betreiber die von ihm zu erbringenden Eigenleistungen ordnungsgemäß ausgeführt hat.

      Der Maschine muss eine Betriebsanleitung in deutscher Sprache nach Anhang l Nr. 7.4 Buchstabe a bis e, g und h der EG-Maschinen-Richtlinie beigefügt sein.

    4. 4

      Etwaige Änderungen dieser Regelung bedürfen der Schriftform. Unklarheiten in der Regelung gehen zu Lasten des Verkäufers/Herstellers.

    5. 5

      Der Käufer bzw. Besteller hat das Recht, die Maschine vor Inbetriebnahme und im Garantiezeitraum im Rahmen einer Sichtkontrolle auf die Einhaltung der in der 9. GSGV §§ 2, 3, 4 sowie in der EG-Maschinen-Richtlinie festgelegten Anforderungen zu prüfen oder durch Beauftragte prüfen zu lassen. Vorbehaltlich weiterreichender Ansprüche gehen die rechtlichen und finanziellen Auswirkungen dabei festgestellter Abweichungen zu Lasten des Verkäufers bzw. Werkunternehmers.

Wir empfehlen, für die Abnahme von Anlagen den Beratungsdienst der Holz-BG in Anspruch zu nehmen.

Eigenbau von Maschinen und Anlagen

Beim Eigenbau von Maschinen und Anlagen wird der Benutzer ebenso wie beim Zusammenstellen von Anlagen aus Einzelkomponenten im Sinne von "Herstellen" tätig. Die Inbetriebnahme ist dem erstmaligen Inverkehrbringen gleichzusetzen und verpflichtet den Unternehmer, die grundlegenden Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen aller einschlägigen Binnenmarktrichtlinien, insbesondere der EG-MaschinenRichtlinie zu erfüllen. Folgende Punkte sind zu berücksichtigen:

  • Erstellen einer Konformitätserklärung

  • Kennzeichnung mit CE-Zeichen

  • Erstellung einer technischen Dokumentation mit

  • Gefährdungsanalyse,

  • Beschreibung der Lösungen zur Verhütung der von der Maschine ausgehenden Gefahren,

  • Betriebsanleitung

  • ggf. Durchführenlassen einer EG- Baumusterprüfung für Anhang IV - Maschinen

Änderungen an CE-gekennzeichneten Maschinen und Anlagen

Bei Änderungen an CE-gekennzeichneten Maschinen und Anlagen ist ebenfalls eine neue Konformitätsbewertung erforderlich, sofern die Änderungen bezogen auf Sicherheit und Gesundheitsschutz wesentlich sind, z.B. dass erhebliche neue Gefahren vorliegen. Hierunter sind in der Regel keine Instandhaltungs- oder Überholungsarbeiten zu verstehen. Erhebliche neue Gefahren können z.B. bei folgenden Änderungen entstehen:

  • Austausch einer Steuerung in Schütz-/Relaistechnik durch eine SPS-Steuerung,

  • Nachrüstung einer handbeschickten Maschine mit automatischer Werkstückzuführung,

  • Abweichen von der bestimmungsgemäßen Verwendung bei der Aufstellung, z.B. durch erhöhte oder vertiefte Standplätze für eine Maschine.

Wie erreicht der Unternehmer die Konformitätsbewertung bei Änderung von Anlagen?

  1. 1.

    Selbstzertifizierung:

    • Beschreibung der Änderungen

    • Gefährdungsanalyse für die Änderungsmaßnahmen

    • Beschreibung der gewählten Schutzmaßnahmen

    • Ergänzung der Betriebsanleitung

    • Ergänzung der Konformitätserklärung

  2. 2.

    Ggf. kann der Beratungsdienst der Holz-BG (siehe 1.3) bei der Zertifizierung helfen.

Vorhandene und Gebrauchtmaschinen vor Baujahr 1995

müssen mindestens dem Anhang 1 der Betriebssicherheitsverordnung entsprechen. Dies ist in der Regel der Fall, wenn die Forderungen der Unfallverhütungsvorschrift VBG 7j "Maschinen und Anlagen zur Be- und Verarbeitung von Holz und ähnlichen Werkstoffen" eingehalten werden.

Wenn Maschinen wesentlich verändert wurden oder aus einem Nicht-EWR-Land (Europäischer Wirtschafts-Raum) eingeführt wurden, müssen sie der Maschinenverordnug 9.GSGV entsprechen.

GS-/BG-PRÜFZERT-Zeichen

Anders als beim Bescheinigungsverfahren wird das GS-Zeichen auf Antrag eines Herstellers im Rahmen einer freiwilligen Prüfung vergeben. Es ist also beim Kauf einer neuen Maschine nicht zwingend erforderlich und ersetzt auch nicht das CE-Zeichen. Jedoch darf der Maschinenkäufer beim Vorhandensein eines GS-Zeichens davon ausgehen, dass dieses Produkt als sicher angesehen werden kann. Das gleiche trifft auch für das BG-PRÜFZERT-Zeichen zu, das z.B. Werkzeuge, Schutzvorrichtungen als sicherheitstechnisch geprüft kenntlich macht bzw. an Absauggeräten oder Maschinen auf die bestandene Prüfung der Holzstaubemission hinweist.

Sonstige Empfehlungen beim Beschaffen von Maschinen

Bei der Beschaffung transportabler Maschinen, z.B. für Arbeiten auf Bau- und Montagestellen, sollte darauf geachtet werden, dass

  • geeignete Transporthilfen, z.B. Griffe und

  • Zusatzeinrichtungen für eine ergonomische Arbeitshöhe, z.B. Tische oder schnellmontierbare Füße für Kreissägen,

vorhanden sind.

  • Leisere Maschinen sollten beim Kauf bevorzugt werden. Die erreichbare Lärmemission wird für die einzelnen Maschinen im Abschnitt 6 angegeben. Es handelt sich dabei um Emissionswerte, die unter festgelegten Arbeitsbedingungen ermittelt werden. Im Betrieb können sich je nach Arbeitsgang und Beschaffenheit von Wänden und Decken höhere Werte ergeben.

  • Beratungsdienst der Holz-BG in Anspruch nehmen (siehe 1.3).

1.13.2
Beschaffen von Fräswerkzeugen für die Holzbearbeitung

1.13.2.1
Werkzeuge für Handvorschub

Beim Beschaffen von neuen Holzbearbeitungsmaschinen-Werkzeugen für Handvorschub und für Arbeiten mit dem Vorschubapparat ist darauf zu achten, dass sie wie folgt gekennzeichnet sind:

Name oder Zeichen des Herstellers, Baujahr und "MAN". Ferner muss der zulässige Drehzahlbereich (z.B. n 6000 - 9000) angegeben sein. Geprüfte Werkzeuge können zusätzlich das "BG-TEST"- oder "BG-PRÜFZERT"-Zeichen tragen.

Eine Kennzeichnung mit dem CE-Zeichen gibt es für Holzbearbeitungsmaschinen-Werkzeuge nicht.

Für gebrauchte Werkzeuge sind baujahrabhängige Einzelheiten in den Tabellen 1 und 2 des Anhangs 3 zusammengestellt.

1.13.2.2
Werkzeuge für mechanischen Vorschub (z.B. für Automaten)

Neue Werkzeuge für mechanischen Vorschub müssen mit dem Namen oder Zeichen des Herstellers, dem Baujahr und mit "MEC" gekennzeichnet sein. Ferner muss die zulässige Höchstdrehzahl (z.B. n max. 6000) angegeben sein. Geprüfte Werkzeuge können zusätzlich das "BG-PRÜFZERT"-Zeichen tragen. Gebrauchte Werkzeuge können auch mit "MECH. VORSCHUB" gekennzeichnet sein.

1.13.2.3
Überprüfung im Betrieb vorhandener Werkzeuge

Im Betrieb vorhandene Werkzeuge sollten zunächst anhand der Kennzeichnung auf ihre Eignung geprüft werden (siehe Tabellen in Anhang 3).

Werkzeuge mit dem BG-FORM-Zeichen dürfen auf Tischfräsmaschinen nicht mehr verwendet werden und sind mit "MECH. VORSCHUB" oder "MEC" zu kennzeichnen.

Ist keine Kennzeichnung vorhanden, sollte geprüft werden:

  • Formschlüssige Messerbefestigung vorhanden

  • Eignung für Handvorschub durch Prüfung von Spandickenbegrenzung und Spanlücke mittels Prüfschablone (s. Anhang).

Bezüglich des Betriebes wird auf 6.2.6 bzw. 6.3.4 und auf das Unterweisungsblatt "Sicheres Arbeiten mit Fräswerkzeugen für die Holzbearbeitung" verwiesen (s. Anhang 2).