DGUV Information 209-031 - Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz Schreinereien...

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Abschnitt 1.1, 1.1 Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz d...
Abschnitt 1.1
Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz Schreinereien/Tischlereien (bisher: BGI 725)
Titel: Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz Schreinereien/Tischlereien (bisher: BGI 725)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 209-031
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 1.1 – 1.1 Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz durch Organisation

Unfallhäufigkeit und krankheitsbedingte Ausfallzeiten werden maßgeblich durch die Bereitschaft des Unternehmers und der Führungskräfte beeinflusst, die Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz in die betrieblichen Prozesse und Strukturen zu integrieren.

Risiken für die Beschäftigten können nicht nur von Betriebsmitteln (z. B. Maschinen, elektrischen Anlagen) und Gefahrstoffen ausgehen oder durch körperliche Belastungen entstehen. Zusätzlich müssen auch andere Faktoren mitberücksichtigt werden, z. B. mangelhafte Einweisung, unvollständige Beschreibung der Arbeitsaufgaben, mangelnder Handlungsspielraum, Monotonie der Arbeit und die Arbeitsumgebungsbedingungen.

Eine gut funktionierende betriebliche Arbeitsorganisation mit klaren Zuständigkeiten und die Einbeziehung der Beschäftigten in die Arbeitsgestaltung sind für das Vermeiden oder Verringern von Belastungen von maßgeblicher Bedeutung und tragen nachweislich zu weniger Betriebsstörungen und damit zu einem besseren Betriebsergebnis bei.

Damit der Betrieb auch langfristig leistungsfähig bleibt, muss sich der Betrieb dem Wandel der Arbeitswelt stellen. Schnellere Anpassung an neue Märkte, sich schneller ändernde Produktionsbedingungen und der demographische Wandel sind in der eigenen Personalentwicklung zu berücksichtigen. Belegt ist, dass gerade die Einbeziehung der Beschäftigten in die Arbeitsgestaltung wesentlich für den Erfolg eines Unternehmens ist.

Gute betriebliche Organisation heißt auch, das Wissen und Können der Beschäftigten zu nutzen und zu fördern. So kann zum Beispiel ein erfahrener Mitarbeiter mit einem jungen Beschäftigten gemeinsam Arbeitsaufgaben übernehmen - das sogenannte Tandemmodell. Sie profitieren voneinander. Das höhere Unfallrisiko bei den Jüngeren kann so gesenkt, psychische und physische Belastungen können reduziert werden.

Auch die Qualifizierung am Arbeitsplatz ist eine wichtige Strategie in der Organisation. Durch "Job-Enlargement" (Arbeitserweiterung um gleichartige Aufgaben) kann die Arbeit abwechslungsreicher und weniger belastend gestaltet werden, wodurch die Arbeitszufriedenheit der Beschäftigten steigt.

Eine weitere Stufe ist "Job-Enrichment". Hier wird nicht nur die Arbeitsaufgabe des Beschäftigten erweitert, sondern auch seine Verantwortung und sein Handlungsspielraum. Motivation und Identifikation mit dem Unternehmen steigen nachweisbar.

Einen gut organisierten Betrieb erkennt man z. B. an folgenden Merkmalen:

  • Der Verantwortungsbereich eines jeden Mitarbeiters ist schriftlich festgelegt.

  • In einer Job-Beschreibung/Arbeitsanweisung sind das Tätigkeitsfeld und der Aufgabenbereich der Mitarbeiter vollständig festgelegt.

  • Verantwortungsbereich, Tätigkeitsfeld und Aufgabenbereich wurden mit dem Mitarbeiter gemeinsam festgelegt.

  • Jeder Mitarbeiter wird regelmäßig nach möglichen Störfaktoren und Schwachstellen in seinem Arbeitsbereich befragt.

  • Jeder Mitarbeiter wird nach Verbesserungen in seinem Bereich befragt.

  • Mit den Mitarbeitern werden gemeinsame Ziele für den Arbeitsbereich besprochen und festgelegt.

  • Beschäftigte sind einzuweisen und zu unterweisen.

  • Es werden nur sicherheitstechnisch einwandfreie Betriebsmittel beschafft.

  • Betriebsmittel werden regelmäßig überprüft.

  • Die sicherheitstechnische und arbeitsmedizinische Betreuung der Beschäftigten ist organisiert.

  • Die Mitarbeiter werden über die betrieblichen Entscheidungen informiert und in die Arbeitsgestaltung mit einbezogen.

Ein Formular zur Organisation und Festlegung von Verantwortungsbereichen ist im Anhang beigefügt (siehe Seite 117).

Organisation - Festlegung von Verantwortungsbereichen Tischlereien/Schreinereien
VerantwortungsbereichNameAusbildung vorhandenWeiterbildung geplantBemerkung
Lager, Be- und Entladung    
Transport    
Maschinenraum    
Bankraum    
Oberfläche    
Sonstiger ...................    
Silo    
Gabelstaplerfahrer    
Kranführer    
Sicherheitsbeauftragte
(ab 21 Beschäftigte)
    
Fachkraft für Arbeitssicherheit    
Ersthelfer    
Betriebsarzt    

Zeitarbeitnehmer (Leiharbeiter)

Zeitarbeit kann Unternehmen helfen, wenn Personal benötigt wird, z. B. zusätzliches Personal für einzelne Projekte, wenn vorhandenes Personal ausfällt.

Häufig sind die Einsätze von Zeitarbeitnehmern nur von kurzer Dauer. Das bedeutet für die Beschäftigten u. a.: Ständig wechselnde Arbeitsplätze mit unterschiedlichen Arbeitsanforderungen und Ansprechpartnern, veränderten Arbeitsabläufen, unterschiedlichen Organisationsstrukturen, veränderten Umgebungseinflüssen.

Ursachen für das hohe Arbeitsunfallrisiko von Zeitarbeitnehmern sind:

  • mangelhafte Arbeitsplatz- und Aufgabenbeschreibung

  • unzureichende Gefährdungsbeurteilungen

  • Wechsel der Tätigkeit im Einsatzbetrieb (beim Entleiher) ohne Absprache mit dem Zeitarbeitsunternehmen (dem Verleiher)

  • schlechte Einarbeitung im Einsatzbetrieb

  • mangelhafte Unterweisung im Einsatzbetrieb, oft Unkenntnis über Gefährdungen

  • fehlende Berufserfahrung im Einsatzbetrieb

  • Übermotivation, um sich im Einsatzbetrieb hervorzuheben

Neben der Bereitstellung sicherer und gesunder Arbeitsplätze und einer gründlichen Unterweisung/Einweisung können Unfallrisiken vermieden und die Effizienz der Zeitarbeit gesteigert werden durch sorgfältige Organisation und Vorbereitung:

  • Anforderungsprofil für die Tätigkeit festlegen - das ermöglicht es dem Zeitarbeitsunternehmen besser, einen geeigneten Beschäftigten auszuwählen

  • geeignetes Zeitarbeitsunternehmen auswählen (Kriterien: Disponent klärt persönlich vor Ort die Einsatzbedingungen, stellt für die Tätigkeit qualifizierte Beschäftigte, betreut persönlich seine Beschäftigten regelmäßig vor Ort, hilft Störungen und Fehler zu vermeiden)

  • Arbeitsbedingungen und Schnittstellen mit Disponent des Zeitarbeitsunternehmens persönlich vor Ort abklären

  • Arbeitnehmerüberlassungsvertrag mit Arbeitsschutzvereinbarung abschließen

  • nach dem Einsatz Erfahrungen auswerten und Verbesserungen festlegen


Tipp: Behandeln Sie Zeitarbeitnehmer so wie Ihre eigenen Beschäftigten! Informationen für einen effizienten und rechtssicheren Überlassungsprozess siehe BG-Information "Zeitarbeit nutzen - sicher, gesund und erfolgreich - Leitfaden für Unternehmen, die Beschäftigte flexibel einsetzen wollen" (BGI 5021).

Einweisung/Unterweisung der Mitarbeiter

Sicheres und gesundes Arbeiten setzt voraus, dass die Mitarbeiter über die Risiken an ihrem Arbeitsplatz informiert sind.

Einweisung

Neue Mitarbeiter müssen vor Aufnahme der Arbeit zunächst in den Betrieb und ihren Aufgabenbereich eingewiesen werden. Dies ist besonders wichtig bei:

  • jungen Mitarbeitern (insbesondere Auszubildenden)

  • ausländischen Mitarbeitern

  • branchenfremden Mitarbeitern

Diese Personengruppen sind aufgrund der fehlenden Kenntnisse oder sprachlichen Schwierigkeiten besonders gefährdet. Zweckmäßigerweise wird für die Einweisung der Neuling bei einem Betriebsrundgang mit allen Räumlichkeiten und Ansprechpartnern bekannt gemacht und einem fachkundigen Mitarbeiter zugeordnet.

Unterweisung

Die Unterweisung ist vor Aufnahme der Tätigkeit, bei Veränderung im Aufgabenbereich, bei Einführung neuer Technologien und danach in regelmäßigen Abständen, mindestens einmal jährlich durchzuführen.

Angelernte Arbeitnehmer, Leiharbeiter und Jugendliche/Auszubildende sind zunächst bei jedem neuen Arbeitsgang/jeder neuen Tätigkeit zu unterweisen. Dabei sollte immer in 4 Stufen vorgegangen werden:

  • vormachen

  • erklären

  • nachmachen lassen

  • kontrollieren

Bau- und Montagearbeiten auf Baustellen

Montagearbeiten auf Baustellen sind beeinflusst durch unterschiedliche Arbeitsschutzsituationen an ständig wechselnden Einsatzorten, psychische Belastungen durch Termindruck und physische Belastungen durch Umgang mit Lasten und längere Fahrtätigkeit.

Da der Unternehmer nicht immer die genaue Arbeitssituation auf den Bau- und Montagestellen kennt, kann er eine Gefährdungsbeurteilung nur gemeinsam mit den Monteuren durchführen. Sie haben Erfahrung über die unterschiedlichen Arbeitsschutzverhältnisse, die sie vor Ort antreffen können. Zur Beurteilung der Gefährdungen und um sich in die Lage zu versetzen, für sich zufriedenstellende und notwendige Arbeitsschutzbedingungen zu schaffen, müssen die Monteure umfassend qualifiziert und unterwiesen werden. Den Monteuren muss auch - vertraglich abgesichert - Entscheidungsspielraum eingeräumt sein, unter welchen Bedingungen sie welche Konsequenzen für den Fortgang der Arbeiten ziehen können.

Siehe hierzu auch BGI 735.

Gütesiegel SMS -
Sicher mit System

Erfüllt Ihre Firma bereits die Kriterien eines gut organisierten Betriebes? Dann ist die Einführung eines Arbeitsschutzmanagementsystems ein nächster Schritt.

SMS ist das Arbeitsschutzmanagementsystem der Berufsgenossenschaft Holz und Metall, das Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz im ganzen Betrieb zum festen Bestandteil der Organisation macht.

Das System führt zu reduzierten Gefährdungen, verbessertem betrieblichen Gesundheitsschutz und optimierten Betriebsabläufen.

Vorteile von SMS:

  • weniger störende Ereignisse

  • weniger unsichere Handlungen und Bedingungen

  • weniger Ausfallzeiten durch gesündere Mitarbeiter

  • weniger Unfallkosten

  • weniger Krankenkosten

und eine Verbesserung

  • der betrieblichen Abläufe

  • der Qualität der Arbeitsergebnisse

  • der Produktivität

  • der Motivation der Mitarbeiter

  • des Betriebsklimas

Die Berufsgenossenschaft Holz und Metall verleiht das SMS-Gütesiegel an Unternehmen, welche das Arbeitsschutzmanagementsystem erfolgreich eingeführt haben.

Für Schreinereien/Tischlereien stellt die BGHM ein spezielles Präventionsangebot "GiH-Gesund im Handwerk" zur Verfügung.

Dabei geht es um Gesundheit und Motivation aller Beschäftigten sowie um die demografische Entwicklung des Unternehmens.

Eine schriftliche Befragung von Unternehmer, Vorgesetzten und Mitarbeitern führt zu einem "Selbst-Check" und sensibilisiert im ersten Schritt alle Beteiligten im Unternehmen.

Darüber hinaus wird ein Unternehmensprofil mit branchentypischen Informationen über die individuellen Stärken und Potentiale des Betriebes ermittelt.

In einem weiteren Schritt erfolgt ein Vergleich des Betriebes zu Branchenkennzahlen. Anhand von "Ampelfarben" erkennt der Unternehmer seinen derzeitigen Stand und kann eigenen Handlungsbedarf ableiten.