DGUV Information 209-030 - Pressenprüfung (bisher: BGIGUV-I 724)

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Anhang 6, Umgang mit größeren Pressen für Handeinlegearbeite...
Anhang 6
Pressenprüfung (bisher: BGI/GUV-I 724)

Anhangteil

Titel: Pressenprüfung (bisher: BGI/GUV-I 724)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 209-030
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Anhang 6 – Umgang mit größeren Pressen für Handeinlegearbeiten (Maschinen-Altbestand)

Im Folgenden werden zu Schutzmaßnahmen gegen das Verletzungen durch das Pressenwerkzeug bei größeren Alt-Pressen (noch nach berufsgenossenschaftlichen Regelungen gebauten Pressen) für Handeinlegearbeiten Anforderungen gestellt Darüber hinaus müssen die durch den Anhang 1 der Betriebssicherheitsverordnung gestellten Anforderungen, welche andere Gefährdungen betreffen, ebenfalls erfüllt sein.

  1. 1.

    Definition einer größeren Presse

    Als "größere Pressen" gelten Pressen

    • mit einer Pressentischhöhe von weniger als 750 mm oder

    • einer Länge des Öffnungshubes von mehr als 600 mm oder

    • einer Tiefe des Pressentisches von mehr als 1.000 mm.

    (Die Pressentischhöhe von 750 mm kann durch zusätzliche Mittel erreicht werden, die mit der Presse verschweißt oder mit der Pressensteuerung verknüpft sind.)

  2. 2.

    Arbeitsraumabsicherung von der Rückseite, Mehrmannbedienung

    Der Arbeitsraum (u.a.) größerer Pressen muss von der Rückseite ebenfalls gesichert sein (unabhängig von Schließgeschwindigkeit und Betriebsart).

    Bei Mehrmannbedienung sind für jede Person Schutzmaßnahmen zu treffen.

  3. 3.

    Sicherheitssystem/e für den/die Bediener oder Einrichter

    An größeren Alt-Pressen können grundsätzlich dieselben Sicherheitssysteme für den/die Bediener angewendet werden wie an kleinen Alt-Pressen:

    1. 1.

      Pressenwerkzeuge, die auf Grund ihrer Konstruktion oder durch zusätzlich angebaute Verdeckungen ein Hineingreifen in die Gefahrstelle ausschließen,

    2. 2.

      feste Verdeckungen der Gefahrstellen, wobei ohne Handwerkzeug abnehmbare oder öffenbare Teile der Verdeckung so mit der Steuerung der Presse verbunden sein müssen, dass einerseits bei abgenommenem oder geöffnetem Teil der Verdeckung eine Schließbewegung nicht eingeleitet werden kann und andererseits beim Entfernen oder Öffnen während der Schließbewegung der Stößel rechtzeitig stillgesetzt wird,

    3. 3.

      bewegliche Verdeckungen;

    4. 4.

      berührungslos wirkende Schutzeinrichtungen (s.u.);

    5. 5.

      Zweihandschaltungen (eine pro Bediener);

    6. 6.

      Abweisende Schutzeinrichtungen (heute nicht mehr gebräuchlich);

    Das Unfallgeschehen gab Anlass, früher getroffene Festlegungen insoweit zu überdenken, als das Steuern größerer Alt-Pressen mittels BWS nicht weiter zulässig ist.

    Um Unfälle an größeren Pressen mit BWSen zu verhindern, deren Ursache auf Hintertreten der BW-Sen durch Betreten des Pressentisches oder Ins-Werkzeug-Steigen zurückzuführen ist, muss für jede beim Produktionsbetrieb an solchen Pressen tätige Person außerhalb des Stößelraumes eine separate Befehlseinrichtung für das Auslösen des Hubes wirksam sein. Für die Hubauslösung müssen alle Befehlseinrichtungen (mit Rückstellkontrolle) betätigt sein, eine "Gleichzeitigkeit" von 0,5 s ist nicht erforderlich. Einhandtaster und Fußauslöser müssen so weit voneinander angeordnet sein, dass sie jeweils nur von einer Person betätigt werden können. Bewährt hat sich eine Kombination aus BWS und Zweihandschaltung (die nach dem Anfahren des Stößels losgelassen werden kann) für jede an der Presse tätige Person.

    Im Falle der gegenbedienseitigen Sicherung des Arbeitsraumes größerer Pressen mittels BWS ist es zum Schutz weiterer Personen (außer dem/den Bediener/n) besonders wichtig, dass bei Unterbrechung der Lichtstrahlen während des Stößelstillstandes auch eine Wiederanlaufsperre wirksam wird (eventueller Ganzkörperzugang einer/der weiteren Person/en von der Gegenbedienseite). Der Quittiertaster für eine gegenbedienseitige BWS muss auf der Gegenbedienseite angebracht sein.

    Nachdem steuernde trennende Schutzeinrichtungen laut DIN EN 692/DIN EN 693 nur eingesetzt werden dürfen, wenn die Hublänge gleich oder kleiner 600 mm und die Tiefe des Pressentisches ≤ 1.000 sind, sollte das Steuern mittels trennender Schutzeinrichtung bei größeren Alt-Pressen ebenfalls eliminiert werden.

    Eine geeignete Maßnahme zum Einrichterschutz an größeren Alt-Pressen ist die Anwendung einer Zweihandschaltung für das Steuern der Stößelbewegung auf jeder Zugangsseite, wobei ggfs. für die Durchführung von Einrichtbewegungen alle Zweihandschaltungen betätigt sein müssen (UND - Verknüpfung).