DGUV Information 209-030 - Pressenprüfung (bisher: BGIGUV-I 724)

Online-Shop für Schriften

Jetzt bei uns im Shop bestellen

Jetzt bestellen
Anhang 4, Umgang mit handbeschickten Gesenkbiegepressen (Mas...
Anhang 4
Pressenprüfung (bisher: BGI/GUV-I 724)

Anhangteil

Titel: Pressenprüfung (bisher: BGI/GUV-I 724)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 209-030
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Anhang 4 – Umgang mit handbeschickten Gesenkbiegepressen (Maschinen-Altbestand)

Im Folgenden werden zu Schutzmaßnahmen gegen Verletzungen durch das Pressenwerkzeug und durch die Schwenk-/Rückbewegung des Werkstücks während des/nach dem Biegevorgang an alten (noch nach berufsgenossenschaftlichen Regelungen gebauten) handbeschickten Gesenkbiegepressen Anforderungen gestellt. Darüber hinaus müssen die durch den Anhang 1 der Betriebssicherheitsverordnung gestellten Anforderungen, welche andere Gefährdungen betreffen, ebenfalls erfüllt sein.

Arbeitsraumabsicherung von den Seiten und der Rückseite, Werkstückauflagen, Hinteranschläge, Mehrmannbedienung

Der Arbeitsraum von Gesenkbiegepressen muss von den Seiten und der Rückseite ebenfalls gesichert sein (Letzteres unabhängig von Schließgeschwindigkeit und Betriebsart).

Verstellbare Werkstückauflagen und -anschläge müssen vorhanden sein.

Bei Mehrmannbedienung sind für jede Person Handschutzvorkehrungen zu treffen.

  1. 1.

    Sicherheitssysteme für den/die Bediener oder Einrichter

    An Alt-Gesenkbiegepressen können als Sicherheitssysteme für den/die Bediener (gegen Verletzungen durch das Pressenwerkzeug) angewendet werden:

    • Vertikale Lichtvorhänge/berührungslos wirkende Schutzeinrichtungen;

    • horizontale Lichtvorhänge/distanzierende berührungslos wirkende Schutzeinrichtungen;

    • automatisch wechselnde Schutzmaßnahmen (z. B. aktiver Lichtvorhang im Wechsel mit Tippschaltung/en mit langsamer Geschwindigkeit ≤ 10 mm/s, Einstellung des Sicherheitspunktes beliebig; recht günstig realisierbare Maßnahme zur sicherheitstechnischen Verbesserung vieler alter hydraulischer Gesenkbiegepressen mit möglicher Betriebsart "Fuß - schnell ab");

    • Kombinationsschaltungen in der Variante Lichtvorhang-Fuß (Einstellung des "Sicherheitspunktes" auf "ungefährliche Öffnungsweite");

    • laser- oder kamerabasierte aktive opto-elektronische Schutzeinrichtungen (Nachrüstung);

    • Zweihandschaltungen (eine pro Bediener);

    • Kombinationsschaltungen in der Variante Zweihand-Fuß (eine pro Bediener, Einstellung des "Sicherheitspunktes auf "ungefährliche Öffnungsweite");

    • sicher reduzierte Schließgeschwindigkeit ≤ 10 mm/s und Steuereinrichtung mit selbsttätiger Rückstellung (eine pro Bediener);

    • Hubbegrenzung (zulässige Öffnungsweite von maximal 8 mm zwischen Unterkante des Oberwerkzeuges und Oberkante des Unterwerkzeuges, nur für Blechdicken bis zu 6 mm anwendbar);

    • in 1 m Abstand von der Biegelinie fixierte Fußtaster, gegen unbeabsichtigte Betätigung und unbefugte Lageveränderung gesichert (nicht mehr zeitgemäß und in der Regel nicht praxisgerecht, daher - mangels bestehender Absicherungsalternativen - allenfalls an handbeschickten mechanischen Alt-Gesenkbiegepressen anwendbar).

    Einrichtbewegungen dürfen nur unter Schutzwirkung von Schutzmaßnahmen durchgeführt werden können.

  2. 2.

    Schutzmaßnahmen gegen Handverletzungen durch die Schwenkbewegung beim Biegevorgang/Rückbewegung nach dem Biegevorgang des Werkstückes

    Als Maßnahmen gegen Handverletzungen durch die Schwenkbewegung des Werkstückes während des Biegevorhanges kommen bei Alt-Gesenkbiegepressen in Betracht:

    • Gestaltung und Anordnung der Werkzeuge sowie Festlegung der Bearbeitungsfolge in der Weise, dass bei der Schwenkbewegung des Werkstückes keine Gefahrstellen zwischen Gesenkbiegepresse und Werkstück entstehen;

    • geringe Schließgeschwindigkeit der Werkzeuge während des Biegevorganges in Verbindung mit sachgerechtem Halten des Werkstückes;

    • Einrichtungen zum Führen des Werkstückes (Biegehilfen, Hebezeuge).

    Handverletzungen durch die Schwenkbewegung des Werkstückes sind nicht zu erwarten bei Verwendung von (auch während des Biegevorganges wirksamen) Zweihandschaltungen oder berührungslos wirkenden Schutzeinrichtungen.

    Zusätzliche Schutzmaßnahmen sind gegen Handverletzungen durch die Rückbewegung des Werkstückes nach dem Biegevorgang zu treffen. Hierfür kommen insbesondere in Betracht:

    • Einrichtungen zum Führen des Werkstückes (Biegehilfen, Hebezeuge);

    • sachgerechtes Halten des Werkstückes.

    Falls das Werkstück während des Biegevorganges nicht gehalten wird, empfiehlt sich eine Hubunterbrechung im unteren Totpunkt. Die Bedienungsperson erhält dadurch Zeit, das Werkstück vor dem Zurückfallen anzufassen und zu halten.