DGUV Information 209-030 - Pressenprüfung (bisher: BGI/GUV-I 724)

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Anhang 3, Umgang mit Spindelpressen für Handeinlegearbeiten ...
Anhang 3
Pressenprüfung (bisher: BGI/GUV-I 724)

Anhangteil

Titel: Pressenprüfung (bisher: BGI/GUV-I 724)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 209-030
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Anhang 3 – Umgang mit Spindelpressen für Handeinlegearbeiten (Maschinen-Altbestand)

Im Folgenden werden zu Schutzmaßnahmen gegen das Verletzungen durch das Pressenwerkzeug an alten (noch nach berufsgenossenschaftlichen Regelungen gebauten) Spindelpressen für Handeinlegearbeiten Anforderungen gestellt. Darüber hinaus müssen die durch den Anhang 1 der Betriebssicherheitsverordnung gestellten Anforderungen, welche andere Gefährdungen betreffen, ebenfalls erfüllt sein.

Arbeitsraumabsicherung von der Rückseite, Stößelrückfallsicherung, Schwungrad-Fangvorrichtung bei alten Reibspindelpressen, Mehrmannbedienung

Der Arbeitsraum von Spindelpressen muss von der Rückseite ebenfalls gesichert sein (unabhängig von Schließgeschwindigkeit und Betriebsart).

Bei Reibspindelpressen mit Vertikalbewegung von Spindel und Schwungscheibe müssen Vorbeugungsmaßnahmen gegen unkontrolliertes Sich-Abwärts-Bewegen des Stößels und gegen Herabfallen des Schwungrades im Falle eines Spindelbruchs ergriffen sein.

Bei Mehrmannbedienung sind für jede Person Handschutzvorkehrungen zu treffen.

  1. 1.

    Spindelpressen mit manuell betätigtem Einrückgestänge

    Alte Spindelpressen mit manuell betätigtem Einrückgestänge (mechanischer Steuerung) und Sperrhebel dürfen für Handeinlegearbeiten (Kaltbearbeitung von Metall) verwendet werden, wenn folgende Anforderungen erfüllt sind:

    • Der Sperrhebel muss durch Schwerkraft selbsttätig in seine Ausgangslage zurückkehren.

    • Damit bei vorzeitiger Freigabe des Sperrhebels die Abwärtsbewegung des Stößels unterbrochen wird, muss der Sperrhebel mehrere Aussparungen haben.

    • Der Stößelrückfall muss mechanisch über das Einrückgestänge verhindert sein.

    • Eine selbsttätig wirkende Bremse zum Festsetzen des Stößels (wenn der Stößel den OT erreicht hat) muss vorhanden sein.

    • Das Einrückgestänge muss in der ausgerückten Stellung festgestellt werden können.

    Alte Spindelpressen mit manuell betätigtem Einrückgestänge (mechanischer Steuerung)

    • ohne wie vorstehend beschrieben beschaffenen Sperrhebel oder

    • ohne selbsttätig wirkende Bremse zum Festsetzen des Stößels oder

    • ohne Möglichkeit zum Feststellen des Einrückgestänges

    können mit Verwendungsbeschränkung weiterbetrieben werden (erforderliche Kennzeichnung):


    "Zugelassen nur für Warmverformungsarbeiten"

    "Zugelassen nur für sichere Werkzeuge oder feste Abschirmungen"

  2. 2.

    Spindelpressen mit Zweihandschaltungen, berührungslos wirkenden Schutzeinrichtungen (BWSen) oder beweglichen trennenden Schutzeinrichtungen ohne Zuhaltung

    Alte Spindelpressen, die für den Betrieb mit Zweihandschaltungen, BWSen oder beweglichen trennenden Schutzeinrichtungen ohne Zuhaltung als "Sicherheitssystem für den Bediener" vorgesehen sind, dürfen für Handeinlegearbeiten (Kaltbearbeitung von Metall) verwendet werden, wenn folgende Anforderungen erfüllt sind:

  3. 2.1

    Anforderungen an die elektrische/elektrohydraulische/elektropneumatische Steuerung:

    • Die Bauteile der Steuerung müssen so ausgewählt, eingebaut und miteinander verknüpft sein, dass sie den zu erwartenden Betriebsbedingungen genügen.

    • Fremdeinflüsse (u.a. Schwingungen, Fremdkörper, Fremdfelder, Umgebungstemperatur, Netzstörungen, Einwirkungen auf Anschlußleitungen) dürfen die Sicherheit der Steuerung nicht beeinträchtigen.

    • Die Stößelsteuerung muss das Anforderungsprofil "Redundanz und Selbstüberwachung" erfüllen. (Für die Start- und Anhaltefunktion des Stößels muss das Performance Level "e" nach DIN EN ISO 13849-1 erreicht werden.)

    • Um den Bedienern Schutz während automatisch ablaufender Gegenbewegungen des Stößels bei ausgeblendetem Sicherheitssystem für den Bediener zu bieten, sind Maßnahmen zur Richtungserkennung und zum Stillsetzen der automatisch ablaufenden Bewegungen im Fehlerfall (Richtungsumkehr bzw. Stößelrückfall bei Reibspindelpressen mit veränderbarer Energie für die Aufwärtsbewegung) notwendig.

      Das Versagen des betreffenden Teils der Stößelsteuerung muss zur Betriebshemmung der Presse führen. (Für die "Richtungserkennung" muss das Performance Level "d" erreicht werden.)

    • Die Steuerung von Nebenbewegungen (z. B. Auswerferbewegungen) muss mit bewährten Bauteilen ausgeführt sein. (Für die Start- und Anhaltefunktion der Nebenbewegungen muss das Performance Level "c" nach DIN EN ISO 13849-1 erreicht werden.)

    • Bei Spindelpressen mit automatisch ablaufender Gegenbewegung des Stößels bei ausgeblendetem "Sicherheitssystem für den Bediener" darf die Ansteuerung der Nebenbewegungen erst erfolgen, wenn der Stößel den OT erreicht hat.

    • Die Umstelleinrichtung muss so beschaffen sein, dass jeweils nur die eingestellte Betriebsart, Betätigungsart und Art der Schutzmaßnahme wirksam ist.

    • Durch Querschlüsse dürfen keine unbeabsichtigten Schaltstellungen der Umstelleinrichtung bewirkt werden können.

    • Durch das Einstellen der Umstelleinrichtung darf eine Schließbewegung nicht ausgelöst und ein bestehender Steuerbefehl muss aufgehoben werden.

    • Eine "zuverlässig wirkende" Einzelhubsicherung muss vorgesehen sein. (Die Einzelhubsicherung muss in Performance Level "a" realisiert sein.)

    • Eine Ausschalteinrichtung (Schaltsperre) muss vorgesehen sein. Erfüllt eine vorhandene Not-Halt-Einrichtung die Anforderungen an die Ausschalteinrichtung, so gilt sie als Ausschalteinrichtung.

    • Eine Schließbewegung darf sich nicht ohne Weiteres unter Umgehen des Sicherheitssystems für den Bediener einleiten lassen.

    • Nach Unterbrechung einer gefahrbringenden Bewegung darf diese nur bei Wirksamkeit des "Sicherheitssystems für den Bediener" fortgesetzt oder erneut eingeleitet werden können. Im Falle von einer BWS als Sicherheitssystem für den Bediener kommt der Wiederanlaufsperre eine große Bedeutung für die Sicherheit zu.

    • Einrichtbewegungen dürfen nur unter Schutzwirkung von Schutzmaßnahmen durchgeführt werden können.

  4. 2.2

    Anforderungen an Kupplungen und rotatorische (Betriebs-) Bremsen:

    • Der Bremsvorgang muss durch Federkraft erfolgen.

    • Die Kupplungen und Bremsen müssen sich im praktischen Betrieb bewährt haben.

    • Die Kupplungs- und Bremsbeläge müssen so befestigt sein, dass sie sich bei Verschleiß nicht lösen.

    • Schrauben und Muttern, die für die sichere Funktion von Kupplung und Bremse maßgebend sind, müssen gesichert sein.

    • Durch ungewolltes Lösen von Bolzen, Schrauben, Muttern, Splinten, Unterlegscheiben, Federn sowie durch ausgebrochene Reibbeläge darf eine gefahrbringende Schließbewegung nicht eintreten können.

    • Das Federsystem der Bremse muss so ausgeführt sein, dass der Bruch einer einzelnen Feder nicht zu einer gefahrbringenden Schließbewegung führen kann.

    • Die Reibflächen müssen gegen das Eindringen von Öl und Fett soweit geschützt sein, dass es hierdurch nicht zu einer gefahrbringenden Schließbewegung kommen kann.

  5. 2.3

    Anforderungen an (Betriebs-) Bremsen mit Bremshebeln:

    • Der Bremsvorgang muss durch Federkraft erfolgen.

    • Die Bremse muss zwei mechanisch getrennt voneinander wirkende Bremshebel haben.

    • Bei Ausfall eines Bremshebels muss der Stößel noch abgebremst werden können.

    • Das Bremsmoment muss so groß sein, dass ein Fahren des Stößels gegen die eingefallene Bremse nicht möglich ist.

    Alte Spindelpressen, die für den Betrieb mit Zweihandschaltungen, BWSen oder beweglichen trennenden Schutzeinrichtungen ohne Zuhaltung als "Sicherheitssystem für den Bediener" vorgesehen sind und

    • deren Steuerung nicht das Anforderungsprofil nach Ziffer 2.1 oder

    • deren Bremse nicht das Anforderungsprofil nach Ziffer 2.2 oder 2.3 erfüllt

    können mit Verwendungsbeschränkung weiterbetrieben werden (erforderliche Kennzeichnung):


    "Zugelassen nur für Warmverformungsarbeiten"

    "Zugelassen nur für sichere Werkzeuge oder feste Abschirmungen"

  6. 3.

    Spindelpressen mit beweglichen trennenden Schutzeinrichtungen mit Zuhaltung

    Alte Spindelpressen, die für den Betrieb mit beweglichen trennenden Schutzeinrichtungen mit Zuhaltung als "Sicherheitssystem für den Bediener" vorgesehen sind, dürfen für Handeinlegearbeiten (Kaltbearbeitung von Metall) verwendet werden, wenn folgende Anforderungen erfüllt sind:

  7. 3.1

    Anforderungen an die elektrische/elektrohydraulische/elektropneumatische Steuerung:

    • Die bewegliche trennende Schutzeinrichtung mit Zuhaltung muss von OT → OT wirksam sein.

    • Die Steuerung muss die Anforderungen nach Ziffer 2.1 erfüllen; eine Ausnahme besteht für Maßnahmen zur Richtungserkennung (Gegenbewegungen des Stößels).

    • Der obere Totpunkt des Stößels muss durch einen elektromechanischen Positionsschalter oder in gleicher Qualität abgefragt werden (zwecks Verriegelung mit dem Ventil zum Steuern der Bremse).

    • Der Zustand der Bremse (eingefallen/gelöst) muss direkt (Stellungsüberwachung) oder in gleicher Qualität abgefragt werden (zwecks Verriegelung mit der Zuhaltung der beweglichen trennenden Schutzeinrichtung).

    • Der OT-Endschalter des Stößels und die Zustandsabfrage der Bremse müssen in die Selbstüberwachung einbezogen sein.

  8. 3.2

    Anforderungen an Haltebremsen

    • Der Bremse muss federwirkend sein.

    • Das Federsystem der Bremse muss so ausgeführt sein, dass der Bruch einer einzelnen Feder nicht zu einer gefahrbringenden Schließbewegung führen kann.

    Alte Spindelpressen, die für den Betrieb mit beweglichen trennenden Schutzeinrichtungen mit Zuhaltung vorgesehen sind und

    • deren Steuerung nicht das Anforderungsprofil nach Ziffer 3.1 oder

    • deren Bremse nicht das Anforderungsprofil nach Ziffer 3.2 erfüllt

    können mit Verwendungsbeschränkung weiterbetrieben werden (erforderliche Kennzeichnung):


    "Zugelassen nur für Warmverformungsarbeiten"

    "Zugelassen nur für sichere Werkzeuge oder feste Abschirmungen"