DGUV Information 208-018 - Stetigförderer (bisher: BGI 710)

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Abschnitt 3.3, Becherwerke
Abschnitt 3.3
Stetigförderer (bisher: BGI 710)
Titel: Stetigförderer (bisher: BGI 710)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 208-018
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 3.3 – Becherwerke

3.3.1
Gefahren an Becherwerken

Bei offenen Becherwerken besteht grundsätzlich Einzug- und Quetschgefahr an allen Antriebsund Umlenkstationen sowie an den Laufrädern, während bei geschlossenen Becherwerken Gefahren vor allem dann entstehen, wenn Störungen vorliegen. Da Auflaufstellen und sonstige Einzugstellen durch das Gehäuse im Regelfall gesichert sind, muss lediglich bei den Schau-, Kontroll-, Reparatur- und Einfüllöffnungen darauf geachtet werden, dass Körperteile nicht vom umlaufenden Becherstrang erfasst werden. Weiterhin besteht die Gefahr, dass bei Wartungs- und Reparaturarbeiten aufgrund von unzureichenden Zugangsmöglichkeiten Arbeiten von ungeeigneten Arbeitsplätzen aus durchgeführt werden. Schalteinrichtungen sind auf die durchzuführenden Wartungs- und Reparaturarbeiten abzustimmen.

3.3.2
Schutzmaßnahmen an Becherwerken

Offene Becherwerke müssen im Aufgabebereich und an Deckendurchbrüchen vollständig verkleidet sein, so dass weder Absturzgefahr an den Deckendurchbrüchen noch Einzug- oder Quetschgefahr zwischen bewegten und festen Bauteilen des Becherwerkstranges vorliegt.

Bei geschlossenen Becherwerken ist darauf zu achten, dass sowohl der Becherwerksfuß im Keller als auch der Becherwerkskopf mit den Antriebseinheiten gefahrlos über Treppenzugänge erreichbar und ausreichende Wartungsbühnen vorhanden sind. Es hat sich bewährt, um das Becherwerksgehäuse herum Treppenaufgänge anzuordnen, die gleichzeitig als Zugang zur Gesamtanlage dienen (Abb. 37). Bei dieser Lösung ist sichergestellt, dass auch die in großen Höhen vorhandenen zusätzlichen Wartungsöffnungen problemlos erreicht werden können.

Abb. 37: Treppenaufgang um das Becherwerksgehäuse

Mindestens ab einer Hubhöhe von 5 m müssen Becherwerke mit Rücklaufsicherungen ausgerüstet sein.

Die Gefahr des Rücklaufes besteht durch das Gewicht des im aufsteigenden Strang vorhandenen Fördergutes. Die Sicherung kann entweder durch selbsthemmende Getriebe, durch Rücklaufsperren oder durch die Verwendung von Bremsmotoren gewährleistet werden.

Es versteht sich von selbst, dass die Wellenenden der Achsen, Kupplungen und Antriebsaggregate so zu sichern sind, dass Personen nicht von rotierenden Teilen erfasst oder in Antriebe eingezogen werden können. Geschlossene Becherwerke müssen im Becherwerksfuß Entleerungsöffnungen haben, durch die das im Schacht angesammelte Transportgut gefahrlos entnommen werden kann. Außerdem sind im Becherwerkskeller Einwurföffnungen notwendig, durch die übergelaufenes Material wieder der Förderung zugeführt werden kann. Diese Öffnungen sind so zu gestalten, dass ein Hineingreifen und Erreichen der umlaufenden Becher verhindert ist. Es hat sich bewährt, die Einwurföffnung als Trichter zu gestalten, die zusätzlich mit eingriffsicheren Rosten verschlossen sind (Abb. 38).

Abb. 38: Einwurftrichter mit Rostabdeckung

Wie bereits erwähnt, müssen alle Kontroll- und Wartungsöffnungen im Gehäuse des Becherwerks so gestaltet sein, dass ein leichtes Erreichen des laufenden Becherstranges und der dadurch auftretenden Quetschstellen zwischen Bechern und Gehäuse vermieden ist. Um dies sicherzustellen, müssen die Öffnungen mit Türen verschlossen sein, die fest mit dem Becherwerksgehäuse verschraubt sind und sich nur mit Werkzeugen öffnen lassen. Es hat sich bewährt, an Öffnungen, die häufig für Kontrollzwecke geöffnet werden müssen, hinter jeder Gehäusetür ein weiteres Schutzgitter fest zu verschrauben, wodurch die Sichtkontrolle jederzeit möglich ist und die feste Verschraubung der Türen entfallen kann (Abb. 39). Als bessere Alternative bietet sich an, derartige Zugangstüren elektrisch mit den Antrieben über Sicherheitsgrenztaster zu verriegeln.

Abb. 39: Schutzgitter an einer Schauöffnung

Neben den üblichen Schalteinrichtungen wie z.B. verschließbare Hauptschalter, wie sie bereits bei Bandförderern dargestellt wurden, sind bei Becherwerken einige Besonderheiten zu beachten. Es empfiehlt sich, die Antriebe für Wartungsarbeiten standardmäßig mit Kriechantrieben auszurüsten, wodurch ein exaktes Positionieren der Einzelbecher an den Wartungsöffnungen möglich ist. Not-Befehlseinrichtungen sollten zumindest an Becherwerksköpfen und in Becherwerkskellern vorhanden sein. Weiterhin ist es zweckmäßig, an allen Wartungsöffnungen Not-Aus-Taster zu installieren.

Um dem Wartungspersonal lange Wege zu ersparen, ist es sinnvoll, sowohl am Becherwerkskopf als auch im Becherwerkskeller jeweils einen verschließbaren Hauptschalter zu installieren. An Wartungsöffnungen z.B.. für den Wechsel von Bechern sollte eine "Vor-Ort-Steuerung" incl. "Not-Aus" vorhanden sein, die es ermöglicht, den Becherstrang in jede gewünschte Position zu verfahren (Abb. 40).

An großen Becherwerksanlagen mit mehreren Wartungsöffnungen wird heute häufig die Möglichkeit einer zusätzlichen ortsveränderlichen "Vor-Ort-Steuerung" genutzt. Die Betätigung erfolgt über Schalter ohne Selbsthaltung, das Wartungspersonal kann so die erforderlichen Schaltvorgänge ohne Verständigungsfehler vornehmen.

Abb. 40: Vor-Ort-Schalteinrichtung an einem Becherwerk