DGUV Information 208-018 - Stetigförderer (bisher: BGI 710)

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Abschnitt 3.2, Kettenförderer
Abschnitt 3.2
Stetigförderer (bisher: BGI 710)
Titel: Stetigförderer (bisher: BGI 710)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 208-018
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 3.2 – Kettenförderer

3.2.1
Gefahren an Kettenförderern

Das Gefährdungspotential von Kettenförderern ist dem Grundsatz nach mit dem der Bandförderer vergleichbar. So finden sich hier Antriebs- und Umlenktrommeln ebenso wie weitere typische Bauteile der Bandförderer. Es muss allerdings beachtet werden, dass Antriebs- und Umlenkeinrichtungen bei diesen Stetigförderern keine reine Trommelform aufweisen, sondern dass es sich hierbei meist um Kettenräder handelt, auf welche die Ketten auflaufen (Abb. 29). Gleiches gilt auch für die den Tragrollen vergleichbaren Stützräder der Kettenstränge, an denen Quetschgefahren vorhanden sind (Abb. 30). Es ist zu beachten, dass aufgrund der hohen Eigengewichte der Förderer, der Vorspannung der Ketten und der Gewichte der Transportgüter, vom Ausweichen der Transportketten nicht ausgegangen werden darf, so dass jedes Stützrad Quetsch- und Einzuggefahren verursacht.

Abb. 29: Gefahrstelle an einem Kettenumlenkrad

Abb. 30: Gefahrstelle an einem Kettentragrad

Bei Kettenförderern, die als Kratzer- oder Trogkettenförderer über Mitnehmerelemente verfügen, besteht andererseits Einzug- und Schergefahr an den Stellen, an denen die Mitnehmerelemente in geringem Anstand an festen Teilen, z.B. querliegenden Konstruktionsbauteilen, vorbeigeführt werden. Diese Quetsch- und Schergefahren können sich durch die rücklaufenden Kettenstränge (Abb. 31) erhöhen.

Abb. 31: Gefahrstelle zwischen den umlaufenden Ketten

Bei Platten-, Trog- und Kastenbandförderern sind die Stützräder oft als zylindrische Laufrollen ausgeführt. Hier bestehen ebenfalls Einzug- und Quetschgefahren zwischen den Laufbahnen und den Laufrädern. Diese Gefahren können außerdem an den Antriebs- und Umlenkstationen zwischen den einzelnen Plattenelementen aber auch seitlich zwischen den Trogelementen vorliegen, wenn die im horizontalen Förderstrang bestehende Überlappung nicht mehr vorhanden ist.

3.2.2
Schutzmaßnahmen an Kettenförderern

Da die Gefahren an Kettenförderern in weiten Bereichen vergleichbar mit denen sind, die an Bandförderern auftreten, sind die für Bandförderer genannten Maßnahmen dem Grundsatz nach auch auf Kettenförderer zu übertragen und sollen deshalb nicht noch einmal wiederholt werden.

Bei den Kettenrädern ist es nicht ausreichend, Auflaufstellen durch Anbringung eines Füllstückes abzusichern, da sich zwischen jedem einzelnen Zahn und dem Füllstück eine neue Scherstelle bildet (Abb. 32).

Abb. 32: Ein Füllstück ist hier nicht zulässig

Eine wirkungsvolle Absicherung der Gefahrstelle ist nur gewährleistet, wenn die Auflaufstellen durch Anordnung der Kettenräder innerhalb einer Vollwand-Tragkonstruktion im Inneren eines Maschinengehäuses gegen Hineingreifen gesichert sind (Abb. 33). Lässt sich dies konstruktionsbedingt nicht realisieren, müssen die Schutzeinrichtungen an Kettenrädern so ausgebildet sein, dass keine neuen Scherstellen entstehen (Abb. 34).

Abb. 33: Vollwand-Verdeckung am Ketten-Umlenkrad

Abb. 34: Ausreichende Verdeckung des Kettenrades

Bei Schleppkettenförderern muss besonderes Augenmerk darauf gelegt werden, dass die Auflaufstellen auf Kettenräder nicht nur von außen verdeckt sind, sondern auch ein Eingriff von innen her vermieden ist (Abb. 35). Zwischen der umlaufenden Tragkette und festen Bauteilen muss der verbleibende Spalt < 8 mm sein.

Abb. 35: Allseitige Verdeckung von Transportketten

Bei Trogkettenförderern laufen die Förderstränge mit ihren Querstäben oder Mitnehmern in einem geschlossenen Fördertrog. Insofern sind die auftretenden Gefahrstellen grundsätzlich unzugänglich. Allerdings sind an diesen Einrichtungen Schau- und Kontrollöffnungen vorhanden, mit deren Hilfe sowohl Störungen beseitigt als auch der korrekte Transport des Förderguts überwacht werden sollen. Hier kommt es darauf an, dass die Öffnungsklappen nicht einfach per Hand zu öffnen, sondern fest mit dem Gehäuse verschraubt sind. Bei Kontrollöffnungen, die regelmäßig benutzt werden, empfiehlt es sich, hinter dem Verschlussdeckel ein fest verschraubtes Schutzgitter zu installieren, so dass einerseits die schnelle und unkomplizierte Überprüfung der Förderung möglich, andererseits aber der Zugriff stets wirkungsvoll vermieden ist.

Bei Gliederbandförderern, wie Platten, Trog- und Kastenbandförderern, kommt als Besonderheit hinzu, dass aufgrund der hohen Eigen- und Transportgewichte das Ausweichen des Gliederbandes nach oben nicht möglich ist. Daher müssen alle Trag- und Stützrollen in die Schutzmaßnahme einbezogen sein. Abb. 36 zeigt einen Plattenbandförderer zum Transport von Betonsteinstapeln, bei dem die Stützrollen gut gesichert in der Konstruktion des Rahmens liegen.

Abb. 36: Plattenbandförderer

Weiterhin sind bei Gliederbandförderern die Quetschgefahren an den Antriebs- und Umlenkstationen zu berücksichtigen, die durch Veränderungen der Abstände aufgrund der Kurvenbewegungen entstehen. Bei Trog- und Kastenbandförderern ist sicherzustellen, dass zwischen den seitlichen Aufkantungen der Einzelglieder an den Umlenkstellen keine Scherstellen auftreten. Dies kann durch ausreichende Überlappung der Bauteile vermieden werden. Lässt sich die Quetsch- und Schergefahr trotzdem nicht vermeiden, müssen diese Gefahrstellen durch Abdeckhauben gesichert werden.

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