DGUV Information 208-018 - Stetigförderer (bisher: BGI 710)

Online-Shop für Schriften

Jetzt bei uns im Shop bestellen

Jetzt bestellen
Abschnitt 3.1, 3 Gefahren, Schutzmaßnahmen und Einrichtungen...
Abschnitt 3.1
Stetigförderer (bisher: BGI 710)
Titel: Stetigförderer (bisher: BGI 710)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 208-018
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 3.1 – 3
Gefahren, Schutzmaßnahmen und Einrichtungen an Stetigförderern

3.1
Gurtförderer

3.1.1
Gefahren an Gurtförderern

Beim Betrieb von Bandförderern bestehen insbesondere Verletzungsgefahren durch:

  • Einziehen von Körperteilen durch den umlaufenden Gurt in Einzugstellen,

  • Herumschlagen von Hilfswerkzeugen, wenn diese vom Gurt erfasst und in Einzugstellen gezogen werden,

  • Herabfallen oder Abrutschen des Fördergutes,

  • Stürze beim Übersteigen der Bandanlagen,

  • Scheren oder Quetschen an verfahrbaren Bandanlagen (siehe auch EN 620).

Von den aufgeführten Gefährdungen ist, wie das Unfallgeschehen eindeutig beweist, die Gefahr des Erfassens und Einziehens von Körperteilen durch den umlaufenden Gurt in Einzugstellen am größten.

Viele schwere oder sogar tödliche Unfälle an Einzugstellen zeigen, dass die Gefahren oft unterschätzt werden. Des Öfteren werden Schutzeinrichtungen von den Mitarbeitern entfernt, um aus Eifer oder Unkenntnis der Gefahr Arbeiten am laufenden Förderer auszuführen. Daher sollen im Folgenden zunächst notwendige und besonders zweckmäßige Schutzeinrichtungen an Einzugstellen detailliert beschrieben werden.

3.1.2
Einzugstellen an Gurtförderern

Einzuggefahr besteht überall dort, wo Gurte auf Rollen oder Trommeln auflaufen und aus der geraden Laufrichtung umgelenkt werden. Dies sind insbesondere:

  • Antriebstrommeln,

  • Spanntrommeln,

  • Umlenktrommeln,

  • Druckrollen,

  • Tragrollen an Bandkrümmungen,

  • Rollenansätze an Bandwendestationen.

Weitere Einzugstellen bestehen überall dort, wo die Bänder durch Bandspannung, Fördergut oder darüber liegende Bauteile nicht nach oben ausweichen können. Dies sind insbesondere:

  • Tragrollen unter Aufgabetrichtern und Leitblechen,

  • Tragrollen bei Stückgutförderung,

  • Untergurttragrollen.

Alle diese Gefahrstellen müssen durch Schutzeinrichtungen so abgesichert werden, dass niemand - bewusst oder versehentlich - die Einzugstellen erreichen kann.

Die Hauptgefahrstellen an einem Förderband zeigt Abb. 2.

Abb. 2: Einzugstellen an einem Förderband (schematisch)

3.1.2.1
Sicherung von Antriebs- bzw. Abwurftrommeln

Schutzeinrichtungen an Betriebs- bzw. Abwurftrommeln müssen gegen Gefährdungen durch Aufwickeln, Einziehen oder Fangen schützen. Hier sind insbesondere feststehende umschließende trennende Schutzeinrichtungen oder Füllstücke geeignet, die Einzugsstellen zu sichern.

Füllstücke müssen sich der Gurtmuldung in der Nähe der Einzugsstelle anpassen. Der Abstand zwischen Füllstück und Trommellauffläche darf 5 mm nicht überschreiten und das Füllstück muss sich auf einer Mindestlänge von 600 mm von der Trommelachse erstrecken. (Abb. 3a, 3b)

Alternativ kann die Einzugsstelle durch trennende Schutzeinrichtungen, z.B. Bleche oder Gitterkonstruktionen, gesichert werden. Diese müssen sicher befestigt sein und dürfen nur mit Hilfe eines Werkzeugs entfernt werden.

Bewegliche trennende Schutzeinrichtungen müssen mit dem Antrieb des Bandförderers verriegelt sein.

Mindestabmessungen für feststehende trennende Schutzeinrichtungen sowie Gestaltungsgrundsätze zeigt Abb. 4 (aus DIN EN 620).

Sorgfältig ausgeführt stellen beide Schutzeinrichtungen gleichwertige Maßnahmen dar. Füllkörper haben den Vorteil, dass sie bei Störungen oder Reparaturen nicht entfernt zu werden brauchen.

Weitere Hinweise über einzubehaltende Sicherheitsabstände sind enthalten in EN 294 "Sicherheitsabstände gegen das Erreichen von Gefahrstellen mit den oberen Gliedmaßen".

Abb. 3a: Einzugsschutz durch Füllstücke

Legende

  1. 1

    Laufrichtung des Gurtes

  2. 2

    Einzugsschutz

  3. 3

    Kopftrommel

  4. 4

    Seitenblech am Kopfende (beide Seiten)

Abb. 3b: Füllstück für Kopftrommel

Legende

  1. 1

    Gurtübergang

  2. 2

    Einzugsschutz

  3. 3

    Laufrichtung des Gurtes

Abb. 4: Prinzip des Sicherheitsschutzes durch eine feststehende trennende Schutzeinrichtung an der Kopftrommel

Legende

  1. 1

    Mindestabstand "a" (siehe Tabelle 1)

  2. 2

    obere Schutzeinrichtung

  3. 3

    Mindestabstand, bezogen auf die Schüttguthöhe

  4. 4

    Laufrichtung des Gurtes

  5. 5

    Fördergutabwurf

  6. 6

    Die untere Schutzeinrichtung oder Abdeckplatte zwischen den Gurten kann weggelassen werden, wenn sich die umschließende trennende Schutzeinrichtung bis unter den rücklaufenden Gurt erstreckt.

  7. 7

    Umschließende trennende Schutzeinrichtungen in diesem Bereich müssen mit EN 294:1992 übereinstimmen. Das abgeworfene Fördergut wird gewöhnlich von einer Übergangsschurre und/oder einem Aufnahmeblech aufgefangen, die/das Teil der Sicherheitseinrichtung ist.

  8. 8

    Einzugsstelle

Eine gute Ausführung einer Schutzeinrichtung zeigt Abb. 5

Tab. 1:
Länge der seitlichen Verdeckung in Abhängigkeit vom Trommeldurchmesser

DurchmesserAbstand "a"
200950
315950
400950
500950
6301000
8001000
10001050
12501100
14001100
16001100
18001150
20001150

Abb. 5: Schutzeinrichtung an der Kopftrommel

3.1.2.2
Sicherung der Umlenk- bzw. Spanntrommeln

Füllkörper oder umschließende trennende Schutzeinrichtungen sind auch hier anwendbar, wobei die gleichen Mindestmaße wie an Abwurftrommeln einzuhalten sind. Ein Beispiel einer Schutzgitterkonstruktion an der Umlenktrommel zeigt Abb. 6. Da an Spanntrommeln häufig Einstell- und Reinigungsarbeiten erforderlich sind, müssen die Schutzeinrichtungen so ausgeführt sein, dass sie diese Arbeiten nicht behindern und dafür nicht entfernt werden müssen.

Abb. 6: Schutzeinrichtung an der Umlenktrommel

Viele Unfallmeldungen beweisen, dass gerade an diesen Stellen Schutzeinrichtungen oft nicht praxisgerecht ausgeführt sind:

"Ein Betriebsschlosser sollte den Schieflauf eines Fördergurtes durch Nachstellen der Spannschrauben der Umlenktrommel ausgleichen. Nachdem er hierzu die seitlichen Schutzgitter gelöst hatte, begann er bei laufendem Band die Spannschrauben nachzuziehen. Hierbei rutschte er mit dem Gabelschlüssel ab und geriet mit der Hand in die Einzugstelle."

Da Einstellarbeiten oft bei laufendem Förderer ausgeführt werden, um die Wirkung des Nachspannens beurteilen zu können, müssen seitliche Verdeckungen so ausgeführt sein, dass die Spannschrauben bei angebrachter Verkleidung gedreht werden können (Abb. 7).

Abb. 7: Verdeckung der Spanntrommel mit Verstellmöglichkeit von außen

Gurtförderer müssen so gestaltet sein, dass sie leicht gereinigt werden können. Wenn Schüttgüter am Gurt kleben können, muss eine Einrichtung vorgesehen werden, um das Eindringen von Schüttgut an Einzugsstellen zu verhindern.

Diese Einrichtungen lassen sich gut mit Schutzeinrichtungen vor den Umlenkrollen kombinieren, indem z.B. Abstreifer so eingebaut werden, dass sie gleichzeitig die Einzugstellen verdecken und dadurch derartige Unfälle verhüten:

"Der Aufgabetrichter eines Förderbandes wird mittels Radlader mit Sand beschickt. Der Fahrer hatte den Trichter überfüllt, wobei soviel Sand in die Umlenktrommel geriet, dass der Bandantrieb überlastet wurde. Nach dem Abschalten des Bandes hat der Fahrer die seitliche Verkleidung abgeschraubt und den übergelaufenen Sand herausgeschaufelt. Um auch den an der Rolle anhaftenden Sand zu entfernen, schaltete der Fahrer den Bandantrieb ein, um die Trommel mit der Schaufel abzustreifen. Die Schaufel wurde erfasst, und der herumschlagende Schaufelstiel verletzte den Laderfahrer am Kopf."

Hier hätte bereits ein Winkeleisen - seitlich am Trommellager befestigt - die Reinigungsarbeit entbehrlich gemacht und die Einzugstelle verdeckt (Abb. 8). Förderbänder für Sand, Kies und ähnliche Güter können an den Spanntrommeln auf diese Art gut und zweckmäßig gesichert werden.

Abb. 8: Winkel als Füllstück an der Spanntrommel

Bei klebendem Fördergut, z.B. Kreide oder Haufwerk mit Lehmanteilen, sind Schräg- oder Pflugabstreifer direkt vor den Umlenkrollen, die auch oben bis dicht an die Trommeln herangeführt sind, besser geeignet (Abb. 9). Diese Abstreifer halten die Gurte sauber, und das Material wird nach außen abgeführt. Die Abdeckung verhindert Materialanbackungen auf den Trommeln; die Aufkantung bewirkt, dass die Trommeln immer freigehalten werden.

Abb. 9: Pflugabstreifer - zur Sicherheit und Reinigung

Derartige Verdeckungen sind gleichermaßen der Arbeits- und der Betriebssicherheit dienlich. Das direkte Anbringen am Trommellager ist wichtig, damit auch beim Nachstellen der Spannschrauben die Abstreifer immer dicht an den Trommeln verbleiben.

3.1.2.3
Tragrollen

An Tragrollen von Obergurten ist die Verletzungsgefahr in der Regel gering, da die Gurte nach oben ausweichen können und erfasste Körperteile wieder freigegeben werden. Falls jedoch das Ausweichen der Gurte nicht möglich ist, besteht erhebliche Verletzungsgefahr.

Typische Gefahrstellen an Tragrollen sind in Abb. 10 dargestellt. Überall dort, wo die Gurte über den Tragrollen nicht um mindestens 50 mm nach oben ausweichen können, müssen die Einzugstellen dieser Tragrollen gesichert sein.

Verdeckungen aus durchgriffsicheren Gittern ermöglichen eine ausreichende Sichtkontrolle. Auch hier sind Mindestabmessungen einzuhalten, damit ein Umgreifen der Verdeckung erschwert wird (Abb. 11).

Abb. 10: Einzugstellen an Tragrollen (schematisch)

Abb. 11: Verdeckung eines Tragrollensatzes (Prinzipskizze)

Schutzeinrichtungen sollen fest an den Bandkonstruktionen angebracht sein. Im Bereich der Materialaufgabe werden die Untergurte häufig durch Bleche abgedeckt, auf denen sich des öfteren Materialreste unter den Tragrollen ansammeln, die von Zeit zu Zeit entfernt werden müssen. Dann ist es empfehlenswert, die Verdeckung so zu gestalten, dass sie einfach zu entfernen und ohne großen Kraft- und Zeitaufwand wieder anzubringen ist. Kurze, leichte Abschnitte, die einzuhängen oder an Scharnieren klappbar sind und mit Schrauben befestigt werden, erleichtern dem Wartungspersonal die Arbeiten (Abb. 12).

Abb. 12: Schutzgitter an Tragrollen

Auflaufstellen an Untergurt-Tragrollen bilden immer eine Gefahrstelle. Deshalb müssen alle Tragrollen des Untergurtes bis zu einer Höhe von 2,50 m gegen Eingriff gesichert sein. Schutzkörbe (Abb. 13) oder Füllstücke verhindern, dass Körperteile oder mitgeführte Gegenstände erfasst und eingezogen werden.

Abb. 13: Untergurttragrolle; Sicherung durch Schutzkorb

3.1.2.4
Knickrollen

Tragrollen an Bandabknickungen müssen gegen Eingreifen gesichert werden, wenn die Richtungsänderung der Gurte mehr als 3 beträgt. Durch die Richtungsänderung drückt der Gurt mit einer zusätzlichen Kraft auf die Rolle, so dass hier erhöhte Einzuggefahr besteht. Durch Verdeckungen oder Füllstücke an jeder Rolle können die Einzugstellen ausreichend gesichert werden. (Abb. 14)

Abb. 14: Sicherungsmöglichkeiten an Knickrollen

An Abknickungen mit mehreren Tragrollensätzen sind seitliche Verdeckungen durch Schutzgitter gut geeignet (Abb. 15). Sie müssen - in Förderrichtung gesehen - 1 m vor der ersten Knickrolle beginnen und 0,3 m über die letzte Knickrolle hinausreichen.

Abb. 15: Seitliches Schutzgitter an einer Bandabknickung

3.1.2.5
Sonstige Einzugstellen

Die zuvor geschilderten Einzuggefahren an Bandumlenkungen gelten analog für Bandförderer mit Sonderbauteilen, wie

  • Spanneinrichtungen im Untergurt,

  • Druckrollen,

  • Bandführungsrollen,

  • Untergurtwendestationen.

Abb. 16: Bandumlenkungen mit Einzuggefahr

Ein Beispiel für derartige Bauformen zeigt Abb. 16. In allen Fällen sind diese Auflaufstellen durch entsprechende Maßnahmen - seitliche Verkleidung oder Füllkörper - zu sichern. Bei mehrfachen Bandumlenkungen, z.B. an einer gewichtsbelasteten Spanneinrichtung, ist eine durchgriffsichere Verkleidung mit Schutzgitter am zweckmäßigsten (Abb. 17).

Abb. 17: Verdeckung einer Spannstation

3.1.2.6
Reversierbänder

Die gezeigten Ausführungen der Schutzeinrichtungen gelten für Bandförderer mit einer Förderrichtung. Bei reversierbaren Förderern, wie sie z.B. zur Beschickung von Silogruppen eingesetzt werden, sind die aufgeführten Maßnahmen für beide Laufrichtungen anzuwenden.

3.1.3
Schalteinrichtungen

Wie alle Arbeitsmaschinen müssen auch Bandförderer sowohl mit Hauptbefehlseinrichtungen (verschließbare Hauptschalter) als auch mit Not-Befehlseinrichtungen (Not-Aus) ausgerüstet sein.

3.1.3.1.
Hauptschalter

Mit Hauptschaltern wird die gesamte elektrische Einrichtung allpolig spannungsfrei geschaltet. In Aus-Stellung können Hauptschalter gegen unbefugtes und irrtümliches Einschalten verschlossen werden. Bei einer aus mehreren Förderern bestehenden Anlage, z.B. einer Reihe nacheinander geschalteter Förderbänder, reicht es, wenn von einer Stelle aus die gesamte Anlage abgeschaltet werden kann. Können jedoch einzelne Bänder auch separat betrieben werden oder aus dem Materialfluss abgetrennt werden, müssen diese mit separaten Hauptschaltern ausgerüstet sein, um z.B. Reparaturarbeiten bei laufender Gesamtanlage zu ermöglichen.

3.1.3.2
Not-Befehlseinrichtungen

Bei kurzen Bandförderern, die z.B. Bestandteil von Maschinen sind, können Not-Befehlseinrichtungen als "Pilztaster" ausgeführt sein, wenn sie für das Personal gut erreichbar sind. An Förderanlagen großer Ausdehnung, in deren Bereich nur wenig Versicherte beschäftigt sind, müssen die Not-Schalter mit Reißleinen betätigt werden können (Abb. 18). Reißleinen müssen im Arbeits- und Verkehrsbereich über die gesamte Länge der Förderbänder hinweg verlegt und von jeder Stelle aus erreichbar sein. Seilzug-Notschalter sind in Steuerstromkreisen installiert, die Schaltelemente werden durch Ziehen der Leinen betätigt.

Abb. 18: Reißleinenschalter

Bei der Installation sind folgende Punkte zu beachten:

  • Der Betätigungsweg bis zum Abschalten sollte 0,3 m nicht überschreiten.

  • Die erforderliche Zugkraft darf nicht mehr als 125 N (12 kp) betragen.

  • Beim Bruch der Leine muss der Schalter selbsttätig abschalten.

  • Ein Wiedereinschalten darf erst möglich sein, wenn der Schalter vor Ort entriegelt wurde.

  • Beim Entriegeln darf der Förderer nicht selbsttätig wieder anlaufen.

Die korrekte Installation einer Reißleine zeigt Abb. 19. An beiden Festpunkten bewirken Zugfedern die Straffung der Reißleine, die Überbrückung soll den Zugweg begrenzen und bei Federbruch die Reißleine halten. Die Leine wird meistens durch Augenschrauben im Abstand von höchstens 5 m geführt.

Abb. 19: Richtige Installation von Reißleinen

3.1.3.3
Anlauf-Warneinrichtungen

Förderanlagen, die beim Einschalten von der Schaltstelle aus nicht vollständig überblickt werden können oder die automatisch anlaufen, müssen mit Anlauf-Warneinrichtungen ausgerüstet sein. Hierdurch sollen die Personen, welche Reinigungs-, Wartungs- oder ähnliche Arbeiten im Bereich der Bandförderer ausführen, so rechtzeitig vor deren Anlaufen gewarnt werden, dass sie den Gefahrbereich verlassen können.

Optische oder akustische Warneinrichtungen (Abb. 20) können je nach Umgebungsbedingungen gleichermaßen verwendet werden. Die Vorlaufzeit sollte 15 Sekunden nicht unterschreiten.

Abb. 20: Akustische und optische Anlaufwarneinrichtung

3.1.4
Verkehrswege an Bandförderern

3.1.4.1
Abmessungen

Allgemeine Verkehrswege dürfen an keiner Stelle eine freie Durchgangshöhe von 2,0 m sowie eine freie Durchgangsbreite von 0,75 m unterschreiten.

Sonstige Verkehrswege, z.B. Laufstege, Gänge, Unterführungen für Wartungs- und Kontrollarbeiten, müssen ebenfalls eine freie Durchgangshöhe von 2,0 m aufweisen, die Breite muss mindestens 0,5 m betragen.

Führen Verkehrswege unter Bandförderern hindurch, müssen Gurte und Tragrollen im unmittelbaren Bereich des Verkehrsweges abgedeckt sein, z.B. durch Schutzgitter (Abb. 21).

Abb. 21: Vollständige Verkleidung über einem Verkehrsweg

Verlaufen Förderbänder in Bandkanälen - z.B. Unterflurabzüge von Halden - so sind die Verkehrswege entsprechend der Arbeitsstättenverordnung bzw. Arbeitsstättenrichtlinie (ASR) auszulegen. Dies betrifft insbesondere auch die Schaffung von Flucht- und Rettungswegen.

3.1.4.2
Übergänge

Zum Überqueren der Förderer sollen Übergangsstege mit Treppenstufen und Geländer angebracht sein, um Umwege oder Überklettern der Bänder zu vermeiden.

3.1.4.3
Arbeitsbühnen und Laufstege

An hochgelegenen ebenso wie an schwimmenden Bandanlagen ist es erforderlich, durch Laufstege und Bühnen geeignete Arbeitsund Verkehrsflächen zu schaffen. Auch an wartungsfreien Rollen und Trommeln können durch Störungen Reparatur- und Reinigungsarbeiten erforderlich werden. Können diese nicht vom Boden aus durchgeführt werden, sind Laufstege entlang der Bandkonstruktionen und Arbeitsbühnen an den Bandköpfen erforderlich. Es sind die gleichen Abmessungen wie bei sonstigen Verkehrswegen einzuhalten.

Bei schmalen Förderern müssen mindestens auf einer Bandseite Laufstege angebracht sein, die im Bereich der Antriebstrommeln um den Bandkopf herumführen (Abb. 22). Breitere Bandanlagen, bei denen die Rollensätze von einer Seite nicht sicher erreicht werden können, benötigen beidseitige Laufstege.

Abb. 22: Laufstege und Bühnen am Bandkopf

Die Laufstege müssen so beschaffen sein, dass von ihnen aus - ohne Besteigen der Bandkonstruktion - alle regelmäßigen Wartungs- und Reparaturarbeiten ausgeführt werden können.

Geneigte Laufstege müssen bei einer Steigung von mehr als 10 mit Trittleisten im Abstand des normalen Schrittmaßes versehen sein, um besonders beim Abwärtsgehen ein Ausrutschen zu vermeiden. Gitterroste mit rutschfest ausgebildeten Querstäben bilden einen optimalen und bewährten Belag.

An steilen Bandanlagen mit Steigungen von mehr als 24 (1:2,5) sind die Laufstege als Treppen auszubilden. Auf die sonst bei Treppen üblichen Zwischenpodeste darf hier verzichtet werden (Abb. 23).

Abb. 23: Treppenaufgang neben einem Steilband

3.1.5
Reinigungsarbeiten

Viele Fördergüter, auch die Schüttgüter der Steine und Erden-Industrie neigen dazu, Anbackungen zu bilden, die den normalen Förderbetrieb stören. Ein großer Anteil der Arbeitsunfälle an Bandförderern ereignete sich beim Beseitigen derartiger Anbackungen.

"In einem Schotterwerk wollte der Maschinist Anbackungen an einer Untergurtrolle beseitigen, da diese den Gurt beschädigten. Bei laufendem Band schlug er mit dem Hammer gegen die Rolle. Dabei wurde der Hammer vom Gurt erfasst und eingezogen. Beim reflexartigen Nachfassen geriet auch die Hand und der ganze Arm in die Einzugstelle. Der Versicherte erlitt Quetschungen und Hautverbrennungen und musste von Kollegen befreit werden."

Geeignete Reinigungseinrichtungen erhöhen nicht nur die Arbeitssicherheit, sondern gleichermaßen auch die Betriebssicherheit, indem Störungen vermieden und die Lebensdauer von Gurt, Rollen und Trommeln verlängert werden.

Die verbreitetste und wirkungsvollste Reinigungseinrichtung - der Pflugabstreifer vor der Umlenkrolle - wurde bereits im Abschnitt 3.1.2.2 behandelt, da er gleichzeitig eine optimale Schutzwirkung gegen Eingezogen werden darstellt.

Bei an Gurten haftendem Fördergut haben sich zusätzliche Abstreifer an den Abwurfstellen bewährt (Abb. 24). Federbelastete Elemente, deren Anpressdruck einstellbar ist, werden gegen den Gurt gedrückt und streifen das anhaftende Material so ab, dass es in die Übergabestelle fällt. Hierdurch werden sowohl Anbackungen an den Untergurttragrollen als auch Materialansammlungen unter dem Band vermieden.

Abb. 24: Federbelasteter Lamellenabstreifer an einer Abwurfstelle

Eine Vielzahl ähnlicher und anderer Reinigungseinrichtungen - starre oder rotierende Abstreifer, klopfende oder vibrierende Geräte, Spüleinrichtungen - werden angeboten, so dass für fast alle Einsatzbereiche geeignete Geräte zur Verfügung stehen. Zusätzlich können Trommeln und Rollen mit selbstreinigenden Belägen ausgerüstet werden.

3.1.6
Verfahrbare Förderanlagen / Fahrbare Traggerüste

Eine Sonderbauart von Stetigförderern stellen die fahrbaren Traggerüste dar. Förderer, deren Tragkonstruktion verfahrbar ist, können z.B. zum Beschicken von Siloreihen, Schüttgutboxen oder großen Schüttguthalden eingesetzt werden. Bei fahrbaren Traggerüsten sind besonders zu beachten:

  • Quetschgefahr zwischen bewegten Teilen des Fahrgerüsts und festen Teilen der Umgebung,

  • Um- oder Absturzgefahr beim Bruch einzelner Bauteile,

  • unbeabsichtigte Fahr- oder Drehbewegungen.

Zur Vermeidung von Quetschgefahren beim Verfahren müssen zwischen den äußeren Teilen schienengebundener, fahrbarer Traggerüste und den Teilen der Umgebung Sicherheitsabstände von mindestens 50 cm eingehalten sein. Diese Freimaße müssen im gesamten Fahrbereich und nach allen Seiten bestehen. Kann die Quetschgefahr nicht durch diesen Sicherheitsabstand vermieden werden, dürfen alternative Schutzeinrichtungen mit Annäherungsreaktion verwendet werden. Lichtschranken, Schaltleisten oder vergleichbare Einrichtungen müssen dann so installiert und mit dem Fahrantrieb gekoppelt sein, dass ein Erreichen der Gefahrstelle während der gefahrbringenden Bewegung verhindert ist.

Weitere Sicherheitseinrichtungen an fahrbaren Traggerüsten sind:

  • Not-Endhalteinrichtungen für die Fahrbewegung,

  • Radabweiser bzw. Schienenräumer an schienengeführten Laufrädern,

  • Fahrbahnbegrenzungen.

3.1.7
Sonstige Einrichtungen an Gurtförderern

3.1.7.1
Rücklaufsperren

Insbesondere bei Gurtförderern mit sehr steilem Anstellwinkel besteht die Gefahr, dass die Gurte zurücklaufen, wenn sie voll beladen sind und z.B. die Not-Befehlseinrichtung betätigt wird. Beim Rücklauf können die üblicherweise frei zugänglichen Ablaufstellen des Gurts zu ungesicherten Einzugstellen werden. Dieses Rücklaufen muss verhindert sein, z.B. durch Rücklaufsperren oder selbsthemmende Getriebe.

3.1.7.2.
Einrichtungen gegen herabfallendes Fördergut

Unter hochgelegenen Gurtförderern und Übergabestellen können Personen durch herabfallendes Fördergut gefährdet werden, wenn die Förderer über Arbeits- und Verkehrsbereiche führen. Hier ist durch Leit- und Umlenkbleche dafür zu sorgen, dass Stauungen vermieden werden. Bei Ausfall einer abfördernden Einheit muss ferner sichergestellt sein, dass alle zufördernden Bänder zwangsweise abgeschaltet werden, um ein Überfüllen der Übergabestelle zu vermeiden. Gefährdete Bereiche können mit Drehzahl- oder Füllstandswächtern ausgerüstet werden.

Ist trotzdem nicht auszuschließen, dass Fördergut herabfällt, muss der Gefahrbereich unter dem Band abgesperrt werden.

3.1.7.3
Übergabestellen

Bei der Stückgutförderung - z.B. Sackware oder Formteile - werden Förderbänder oft mit anderen Fördereinrichtungen, wie Rollenbahnen oder Rutschen, kombiniert. An den Übergabestellen kann Einzuggefahr für Hände, Arme oder Beine bestehen. Diese Einzugstellen können gesichert werden durch

  • Einhalten von Sicherheitsabständen,

  • Abdecken der Zwischenräume durch Füllstücke,

  • nachgiebig gestaltete Rollen (Springrollen),

  • Verdeckungen.

Einzuggefahr für Finger und Hände besteht nicht, wenn der Sicherheitsabstand mindestens 8 cm beträgt (Abb. 25). Lässt die Art des Förderguts das Einhalten dieses Abstandes nicht zu, kann der Spalt durch ein Füllstück gesichert werden. Hierbei muss der Abstand zwischen Gurt und Füllstück so eng gehalten werden, dass Finger nicht erfasst werden können. Die Spaltbreite darf 5 mm nicht überschreiten (Abb. 26). Dies gilt gleichermaßen für Abnahmerutschen, z.B. für Sackware (Abb. 27).

Abb. 25: Sicherheitsabstand zwischen Gurt und Rollenbahn

Abb. 26: Füllkörper zwischen Gurt und Rollenbahn

Abb. 27: Abnahmerutsche für Sackware

Die Übergabestellen von Gurtförderern zu Rollenbahnen können auch gesichert werden, indem die erste Rolle nach oben ausweichbar gelagert wird (Abb. 28).

Abb. 28: Ausführungsbeispiele einer Springrolle

Beim Betrieb derartiger Springrollen ist dafür zu sorgen, dass das Ausweichen durch Verschmutzung der Lagerung nicht behindert wird.