DGUV Information 208-016 - Handlungsanleitung für den Umgang mit Leitern und Tri...

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Abschnitt 3.1, 3 Was sollte der Unternehmer bei der Bereitst...
Abschnitt 3.1
Handlungsanleitung für den Umgang mit Leitern und Tritten (bisher: BGI 694)
Titel: Handlungsanleitung für den Umgang mit Leitern und Tritten (bisher: BGI 694)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 208-016
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 3.1 – 3
Was sollte der Unternehmer bei der Bereitstellung von Leitern und Tritten einschließlich des Zubehörs berücksichtigen?

3.1
Nach welchen Kriterien sind Leitern und Tritte auszuwählen?

Bei der Auswahl hinsichtlich Bauart, Zubehör, Größe und Werkstoff von Leitern und Tritten sind insbesondere folgende Kriterien zu berücksichtigen:

  • Arbeitsaufgabe,

  • Arbeitsweise auf Leitern (z.B. Übersteigeverbot von Stehleitern),

  • ergonomische Bedingungen (z.B. Überkopfarbeiten),

  • Wahl, ob Sprossen- oder Stufenleitern in Abhängigkeit von der Benutzungsdauer,

  • zulässige Traglast der Leitern und Tritte,

  • Bodenbeschaffenheit (z.B. glatt, nachgiebig, uneben).

Zusätzliche Gefahren können ausgehen von:

  • Innerbetrieblichem Verkehr

  • elektrischen Anlagen, Anlagen mit Explosionsgefahr,

  • Rohrleitungen und Behältern,

  • Schächten und Kanälen,

  • maschinellen Anlagen und Einrichtungen (z.B. durch Aufstellung der Leiter in der Nähe von beweglichen Anlagenteilen),

  • Kran- und Förderanlagen,

  • Absturzkanten.

3.1.1
Welche Bauarten von Leitern, Tritten und Zubehör sind gebräuchlich?

In Abhängigkeit von der Arbeitsaufgabe und den Arbeitsbedingungen kann es erforderlich sein, die sichere Benutzung insbesondere von Leitern durch geeignetes Zubehör sicherzustellen.

Tabelle 1 zeigt die gebräuchliche Zuordnung von bewährtem Zubehör zu einzelnen Leiterbauarten in der Übersicht:

Welches Zubehör kann zur jeweiligen Leiterbauart verwendet werden?

Tabelle 1: Leiterbauarten und Zubehör

Die Bauarten von Leitern und Tritten sowie gängiges Zubehör werden im Folgenden vorgestellt.

Anlegeleitern

Anlegeleitern sind einteilige Leitern mit Stufen oder Sprossen, die zu ihrer Benutzung angelegt werden.

Bild 2: Anlegeleiter

Schiebeleitern

Schiebeleitern sind in Sprossenabständen höhenverstellbare zwei- oder dreiteilige Leitern mit oder ohne Seilzug, die zu ihrer Benutzung angelegt werden.

Um die Gefährdung durch Umkippen beim Aufrichten größerer Schiebeleitern zu vermeiden, sollten hier Schiebeleitern mit Seilzug (Seilzugleitern) ausgewählt werden.

Bild 3: Schiebeleiter

Bild 4: Seilzugleiter

Rollleitern

Rollleitern sind Stufenanlegeleitern, die am Kopfende mit Rollen auf ortsfesten Schienen verfahrbar sind. Der Einsatz dieses Leitertyps empfiehlt sich, wenn z.B. Kleinteilregale häufig be- und entladen werden.

Für Rollleitern ist auch die Bezeichnung "Verfahrbare Regalleiter" gebräuchlich.

Bei gegenüberliegenden Regalleitern haben sich zwischen den Regalreihen angebrachte und quer zur Laufrichtung verschiebbare Rollleitern bewährt.

Bild 5: Rollleiter

Bild 6: Rollleiter für Regalgänge

Steckleitern

Steckleitern sind Sprossenanlegeleitern, die aus mehreren Leiterelementen mit Hilfe von Einsteckvorrichtungen zusammengesetzt werden können. Durch die kurze Baulänge der einzelnen Leiterelemente lässt sich eine hieraus zusammengesetzte Leiter leicht transportieren. Sie wird z.B. im Rettungswesen (Feuerwehren) eingesetzt. Die maximal zulässige Gesamtlänge der Leiter wird durch den Hersteller angegeben.

Bild 7: Steckleiter

Glasreinigerleitern

Glasreinigerleitern sind spitz zulaufende, einteilige oder aus mehreren Teilen (Steckleiterelementen) zusammengesetzte Leitern, die zu ihrer Benutzung über eine Anlage (z.B. Rolle, Polster) punktförmig angelegt werden. Je nach Größe unterscheidet man in Etagenleitern (zulässige Standhöhe maximal 2 m) und Tourenleitern (Ausführung mit verbreiterter Fußtraverse für Arbeiten bis zu einer Standhöhe von maximal 7 m).

Bild 8: Etagenleiter

Bild 9: Tourenleiter

Stehleitern

Stehleitern sind zweischenklige, freistehende Leitern mit oder ohne Plattform.

Stehleitern können auch verfahrbar sowie höhenverstellbar ausgeführt sein. Stufenstehleitern bieten gegenüber Sprossenstehleitern größere Auftrittsflächen.

Bild 10: Stufenstehleiter mit Plattform

Bild 11: Beidseitig besteigbare Sprossenstehleiter

Bild 12: Fahrbare Stehleiter

Bild 13: Saal-/Montageleiter

Stufenstehleitern mit Plattform können für Arbeiten eingesetzt werden, die frontal vor dem Benutzer durchgeführt werden, z.B. das Einräumen von Regalen geringer Höhe oder Ausbesserungsarbeiten.

Bei fahrbaren Stehleitern müssen deren Leiterschenkel auch druckfest miteinander verbunden werden können (Aussteifung in Bild 12).

Beim Betreten senkt sich die Leiter ab und steht auf den Leiterfüßen auf.

Ausführungen mit größeren Abmessungen werden als Saal- oder Montageleitern bezeichnet. Ihr Einsatz erfordert auf Grund des höheren Gewichts und Fahrwerks einen ebenen Untergrund.

Beim Einsatz von Stehleitern in Arbeitsbereichen mit wechselnden Arbeitshöhen bietet sich die Verwendung von höhenverstellbaren Sprossenstehleitern an. Diese bestehen aus zwei Unterteilen und einem in Sprossenabständen verschiebbaren Oberteil, das zur Höhenverstellung ausgezogen und in der gewünschten Höhe an den Unterteilen arretiert wird.

Der Vorteil gegenüber herkömmlichen Sprossenstehleitern besteht darin, dass dieser Leitertyp optimal an die Arbeitshöhe angepasst werden kann.

Höhenunterschiede können z.B. durch Holmverlängerungen ausgeglichen werden, die fest mit dem Leiterholm verbunden sind oder nachträglich dort angebracht werden.

Sind Arbeiten in engen Treppenhäusern durchzuführen, in denen kein Gerüst aufgebaut werden kann, eignen sich Stehleitern mit Holmverlängerungen. Serienmäßig mit vier Holmverlängerungen ausgerüstete Stehleitern werden von den Herstellern auch als Treppen- oder Treppenhausleitern bezeichnet.

Bild 14: Höhenverstellbare Stehleiter

Bild 15: Treppenleiter

Podestleitern

Podestleitern sind ein- oder beidseitig besteigbare Aufstiege mit Stufen oder Flachsprossen und umwehrter Plattform (Podest).

Für Podestleitern ist auch die Bezeichnung Plattformleiter gebräuchlich.

Sind Arbeiten durchzuführen, für die ein erhöhter Bewegungsfreiraum erforderlich ist, sollten Podestleitern bereitgestellt werden.

Bild 16: Einseitig besteigbare Podestleiter

Bild 17: Beidseitig besteigbare Podestleiter

Beispiele hierfür sind:

  • Wartungsarbeiten im Bereich der Fahrzeuginstandhaltung,

  • Regalbedienung in Verbindung mit der Handhabung sperriger oder schwerer Gegenstände.

Podestleitern weisen gegenüber Stehleitern eine erhöhte Standsicherheit auf. Auf Grund ihrer geringeren Neigung gegenüber anderen Leiterbauarten sind Podestleitern sicherer zu begehen.

Ihr Einsatz erfordert auf Grund ihres höheren Gewichts und Fahrwerks einen ebenen Untergrund.

Nähere Informationen zu Podestleitern finden sich in Anhang 1.

Mehrzweckleitern

Mehrzweckleitern sind Leitern, die als Anlege-, Schiebe- oder Stehleitern verwendet werden können.

Dreiteilige Mehrzweckleitern werden auch als "Stehleiter mit aufgesetzter Schiebeleiter" bezeichnet.

Die Bereitstellung von Mehrzweckleitern bietet sich an, wenn häufig sowohl Steh- als auch Anlegeleitern benötigt werden.

Zu Mehrzweckleitern zählen auch Leitern, deren Schenkel durch selbsttätig sperrende Gelenke miteinander verbunden sind und sich als Anlege-, Stehleiter oder Kleinstgerüst aufstellen lassen.

Vor der Benutzung ist auf das vollständige Einrasten aller Gelenke zu achten.

Bild 18: Dreiteilige Mehrzweckleiter

Bild 19: Mehrzweckleiter mit Gelenken

Sollen Mehrzweckleitern mit Gelenken als Kleinstgerüst verwendet werden, gehört zu ihrer sicheren Benutzung ein geeignetes Belagelement. Belagelemente werden von den Herstellern solcher Leitern angeboten.

Dachdeckerauflegeleitern

Dachdeckerauflegeleitern werden nur auf geneigten, tragfähigen Dachflächen aufgelegt und in Sicherheitsdachhaken eingehängt.

Bild 20: Dachdeckerauflegeleitern

Seilleitern

Seilleitern sind Leitern, deren Sprossen mit Seilen oder Ketten verbunden sind.

Seilleitern werden je nach Ausführung auch als Strick- oder Kettenleitern bezeichnet.

Seilleitern dürfen nur dann bereitgestellt werden, wenn der Einbau von Steigleitern oder Steigeisengängen sowie die Benutzung von Leitern, Gerüsten oder Hubarbeitsbühnen nicht möglich ist.

Bild 21: Seilleitern

Bild 22: Kettenleiter

Für das Einsteigen in Silos dürfen keine Seilleitern eingesetzt werden.

Bei der Bereitstellung von Seilleitern zur Benutzung an Gebäudewänden, z.B. zur Flucht und Selbstrettung, sind nur Leiterausführungen mit Abstandhaltern geeignet.

Literaturangabe zu Seilleitern siehe Anhang 1.

Mast- und Hängeleitern

Hängeleitern sind Leitern, die zu ihrer Benutzung ohne Bodenberührung an- oder eingehängt werden. Am oberen Leiterende werden Hängeleitern gegen Aushängen gesichert; am unteren Leiterende zu benachbarten Bauteilen abgespannt.

Mastleitern sind Leitern, die zu ihrer Benutzung senkrecht an Masten befestigt werden.

Bild 23: Mastleiter und Hängeleiter

Tritte

Tritte haben in der Regel bis zu vier Stufen. Auf Grund ihrer Bauart dürfen die obersten Stufen bzw. die Plattform betreten werden.

Bild 24: Leitertritt

Bild 25: Treppentritt

Tritte werden in Leitertritte, Treppentritte, Tritthocker und tonnenförmige Tritte (mit Rollen auch als Rolltritt bezeichnet) unterschieden.

Bild 26: Tritthocker

Bild 27: Rolltritt

Tritte können sowohl ohne, als auch mit Rollen ausgestattet sein.

Literaturangabe zu Tritten siehe Anhang 1.

Leiterzubehör

In Abhängigkeit von der Arbeitsumgebung kann es erforderlich sein, die Standsicherheit der Leiter durch Zubehör sicherzustellen.

Bild 28: Wandabstützung (Verbreiterung des Leiterkopfes)

Bild 29: Traverse (Verbreiterung des Leiterfußes)

Aufsetz-, Einhak- oder Einhängevorrichtungen am Leiterkopf eignen sich z.B. bei verschmutztem, rutschigem Untergrund in Nass- und Fettbereichen.

Bild 30: Aufsetz-, Einhak-, Einhängevorrichtung

Leitergurte eignen sich zur Sicherung gegen Wegrutschen z.B. beim Anlegen an Fahrzeugbordwänden.

Bild 31: Leiter mit Einhängevorrichtung am Behälter

Bild 32: Anlegeleiter mit Gurt

Bild 33: Schwenkbarer Leiterfuß

Bild 34: Leiterfuß mit Stahlspitze

Stahlspitzen eignen sich, wenn die Leiter auf Erdboden, Grasflächen oder sonstigem nachgiebigen Untergrund, in den die Stahlspitzen eindringen können, aufgestellt wird.

Eine stufenlos einstellbare Holmverlängerung bzw. eine gebogene Traverse eignen sich zum Niveauausgleich bei geneigten Flächen. Da die Traverse breiter ist als das untere Leiterende, wird gleichzeitig eine Erhöhung der Standsicherheit erreicht.

Bild 35: Holmverlängerung

Bild 36: Gebogene Traverse

Bild 37: Einhängepodest

Bild 38: Stehleiter mit Seitenhandlauf

Für Arbeiten, die das längere Stehen auf einer Sprosse erfordern, bietet sich für den sicheren und weniger belastenden Stand der Einsatz eines Einhängepodestes an, das die Standfläche vergrößert.

Als zusätzliche Haltemöglichkeit beim Begehen der Leiter dient der ein- oder beidseitig angebrachte Seitenhandlauf.

3.1.2
Welche Größe wird benötigt?

Bei der Wahl der Leitergröße/-länge sollte beachtet werden, dass

  • nicht zusätzlich gesicherte Anlegeleitern nur bis zur viertobersten Stufe/ Sprosse bestiegen werden, da sonst die Gefahr des Wegrutschens besteht,

  • beidseitig besteigbare Stehleitern nur bis zur drittobersten Stufe/Sprosse bestiegen werden (siehe Bild 44), damit ausreichender Halt möglich ist,

  • Mehrzweckleitern in der Gebrauchsstellung "Stehleiter mit aufgesetzter Schiebeleiter" nur bis zur fünftobersten Sprosse bestiegen werden,

  • die Größe von Stehleitern mit Plattform sowie von Podestleitern so gewählt wird, dass der Benutzer die maximal erforderliche Arbeitshöhe ohne sich zu recken von der Plattform aus erreichen kann.

Bild 39: Reichhöhen

Bild 40: Übersteigen von der Anlegeleiter

Bild 41: Eingehakte Anlegeleiter zum Übersteigen auf erhöhte Flächen mit Geländer als Haltemöglichkeit

  • die Länge von Anlegeleitern zum Übersteigen auf höhergelegene Arbeitsplätze so gewählt wird, dass sie die Anlegestelle um mindestens 1 m überragen, wenn keine anderen geeigneten Festhaltemöglichkeiten vorhanden sind.

3.1.3
Aus welchem Werkstoff soll der Aufstieg sein?

Je nach Umgebungsbedingungen sind Leitern aus entsprechenden Werkstoffen auszuwählen.

Besondere Umgebungsbedingungen sind z.B.:

  • Starke Verschmutzung,

  • rauer Betrieb,

  • chemische Stoffe,

  • hohe Luftfeuchte,

  • niedrige Temperaturen,

  • elektrostatische Aufladung.

Holzleitern eignen sich besonders für den Einsatz in rauem Betrieb, z.B. bei Ausbauarbeiten auf Baustellen.

Holz ist trotz Oberflächenbehandlung witterungsempfindlich. Häufige Witterungswechsel (Sonne - Regen) können zur Beeinträchtigung der Holm-Sprossenverbindungen führen.

Stahlleitern eignen sich für denn Einsatz im Innenbereich mit rauem Betrieb, z.B. in Lager- und Maschinenhallen.

Stahl neigt trotz Oberflächenbeschichtung zur Korrosion. In Bereichen der Lebensmittelverarbeitung sowie der Wasserwirtschaft hat sich der Einsatz von Edelstahl bewährt.

Aluminiumleitern eignen sich auf Grund des niedrigen Gewichtes für den Einsatz mit häufigen Ortswechseln.

Sie gelten in der Regel als korrosionsgeschützt, sind jedoch empfindlich gegen Stoß- und Schlagbeanspruchung und damit nicht für den rauen Baustellenbetrieb geeignet.

Kunststoffleitern eignen sich besonders in Bereich mit schädigenden Einflüssen, z.B. bei der Verarbeitung von aggressiven Stoffen, wie Säuren und Laugen. Hier ist der Einsatz von Stahl und besonders Aluminium nicht zu empfehlen.

Kunststoff findet meist in Verbindung mit einem festigkeitserhöhenden Glasfaseranteil als glasfaserverstärkter Kunststoff (GFK) Verwendung.

Auch bei Arbeiten an oder in der Nähe von ungeschützten aktiven (unter Spannung stehenden) Teilen elektrischer Anlagen, wo die Gefahr durch Einwirkung des elektrischen Stromes auf den Menschen besteht, haben sich Kunststoffleitern bewährt. Die Gefahr einer Körperdurchströmung beim Berühren spannungsführender Teile kann durch Verwendung einer Kunststoffleiter vermindert werden.

Zu Leitern aus isolierendem Material siehe Anhang 1.