DGUV Information 208-016 - Handlungsanleitung für den Umgang mit Leitern und Tri...

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Abschnitt 2, Wofür ist der Unternehmer verantwortlich, der L...
Abschnitt 2
Handlungsanleitung für den Umgang mit Leitern und Tritten (bisher: BGI 694)
Titel: Handlungsanleitung für den Umgang mit Leitern und Tritten (bisher: BGI 694)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 208-016
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 2 – Wofür ist der Unternehmer verantwortlich, der Leitern und Tritte bereitstellen und benutzen will?

Bevor der Unternehmer eine Leiter oder einen Tritt als Arbeitsplatz oder als Zugang zu hochgelegenen Arbeitsplätzen bereitstellen und benutzen will, hat er im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung zu ermitteln, ob nicht ein anderes Arbeitsmittel für diese Tätigkeit sicherer ist.

Die Betriebssicherheitsverordnung fordert in Abschnitt 5.1.4 des Anhangs 2:

Die Benutzung einer Leiter als hochgelegener Arbeitsplatz ist auf Umstände zu beschränken, unter denen die Benutzung anderer, sichererer Arbeitsmittel wegen der geringen Gefährdung und wegen der geringen Dauer der Benutzung oder der vorhandenen baulichen Gegebenheiten, die der Arbeitgeber nicht ändern kann, nicht gerechtfertigt ist.

Beispiele für bauliche Gegebenheiten können sein

  • enge Treppenhäuser (Wendeltreppen),

  • enge Räume (Toilettenräume),

  • enge Regalgänge,

  • Zugang zu Dächern/Dachöffnungen,

  • Unzugänglichkeiten für Befahranlagen (Fahrgerüste oder Hubarbeitsbühnen) auf Grund von Treppen, Absätzen oder der Beschaffenheit des Untergrunds.

Bei dieser Gefährdungsbeurteilung werden die Arbeitsmittel und -verfahren sowie die Arbeitsumgebung beurteilt mit dem Ziel, Maßnahmen zur Beseitigung von Gefährdungen abzuleiten.

Sicherere Arbeitsmittel sind z.B.:

  • Gerüste,

  • Hubarbeitsbühnen,

  • Arbeitskörbe in Verbindung mit Gabelstaplern,

  • hochziehbare Personenaufnahmemittel.

Zugänge sind z.B.:

  • Treppen,

  • Rampen,

  • Leitern und Tritte.

Beispiele für geeignete Zugänge sind:

  • Treppen an Gerüsten, wenn hiervon umfangreiche Arbeiten ausgeführt werden,

  • Treppen zu Arbeitsplätzen an maschinellen Anlagen,

  • Rampen (gegebenenfalls mit Trittleisten) als Zugänge zu Arbeitsplätzen,

  • Leitern, die in Gerüsten als Gerüst-Innenleitern eingebaut werden und nicht mehr als zwei Gerüstlagen miteinander verbinden,

  • Leitern und Tritte als Zugang zu Fahrzeugladeflächen.

Bild 1: Leiter im Bereich des innerbetrieblichen Verkehrs

Bei der Auswahl der geeigneten Zugänge zu hoch gelegenen Arbeitsplätzen sind zu berücksichtigen:

  • Der zu überwindende Höhenunterschied,

  • die Dauer und Häufigkeit der Benutzung,

  • die Fluchtmöglichkeit bei drohender Gefahr

    und

  • umfangreiche Werkzeug- und Materialtransporte.

Dabei dürfen keine zusätzlichen Absturzgefahren entstehen.

Beispiele für zusätzliche Absturzgefahren sind:

  • Aufstellung der Leiter neben ungesicherten Öffnungen,

  • Innerbetrieblicher Verkehr,

  • Aufstellung neben Geländern oder an Absturzkanten zu tiefer liegenden Ebenen.

Sind Arbeiten geringen Umfangs und geringer Gefährdung durchzuführen, können auch Leitern und Tritte benutzt werden.

Bei der Beurteilung, ob es sich um kurzzeitige Arbeiten geringen Umfangs und mit geringer Gefährdung handelt, ist neben der Dauer und dem Schwierigkeitsgrad der Arbeit sowie dem einzusetzenden körperlichen Aufwand auch der Umfang des auf der Leiter mitzuführenden Werkzeugs und Materials zu berücksichtigen.

Beispiele hierfür sind, wenn

  • der Standplatz auf der Leiter nicht höher als 7,00 m über der Aufstellfläche liegt,

  • bei einem Standplatz von mehr als 2,00 m Höhe die von der Leiter auszuführenden objektbezogene Arbeiten nicht mehr als zwei Stunden umfassen,

  • das Gewicht des mitzuführenden Werkzeuges und Materials 10 kg nicht überschreitet,

  • keine Gegenstände mit einer Windangriffsfläche über 1 m2 mitgeführt werden,

  • keine Stoffe oder Geräte benutzt werden, von denen für den Beschäftigten zusätzliche Gefahren ausgehen,

  • Arbeiten ausgeführt werden, die einen geringeren Kraftaufwand erfordern, als den, der zum Kippen der Leiter ausreicht,

    und

  • der Beschäftigte mit beiden Füßen auf einer Sprosse/Stufe steht.

Kurzzeitige Arbeiten geringen Umfangs können beispielsweise bei folgenden Tätigkeiten gegeben sein:

  • Wartungs- und Inspektionsarbeiten,

  • Mess-, Richt- und Lotarbeiten,

  • Lampenwechsel in Leuchten,

  • Anstricharbeiten und Reinigen von Dachrinnen und Dachabläufen,

  • An- und Abschlagen von Anschlagmitteln im Hebezeugbetrieb,

  • Dübelsetzen,

  • Spannen und Lösen von Verankerungen,

  • Schließen von Ankerlöchern,

  • Geringfügiges Nacharbeiten von Betonflächen,

  • Auswechseln von kleinformatigen Platten in Bekleidungen,

  • Unterfügen, Verlegen von Höhenausgleich- und Auflagerstücken für Fertigteile,

  • Ausrichten und Verschrauben von Montageteilen,

  • Anbringen von kleinen Reklame-, Preisschildern oder Lichterketten,

  • Reparaturen an Markisen und Vordächern,

  • Montage- und Instandhaltungsarbeiten an Lüftungs-, Klima- und Heizungsanlagen,

  • Montage von Bühnen und kleinen Regalanlagen.

Können als Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung Leitern und Tritte benutzt werden, ergeben sich für den Unternehmer folgende Pflichten:

  • Nur Leitern und Tritte zur Verfügung stellen, oder selbst benutzen, die den in Anhang 1 aufgeführten Regeln der Technik entsprechen und nach ihrer Bauart für die jeweils auszuführende Arbeit geeignet sind (siehe Abschnitt 3).

Bei Leitern und Tritten, die das GS-Zeichen ("Geprüfte Sicherheit") tragen, hat sich der Hersteller durch eine zugelassene Prüfstelle bestätigen lassen, dass die anerkannten Regeln der Technik eingehalten sind.

  • Sich über die Gefährdungen beim Umgang mit Leitern und Tritten informieren und die Beschäftigten angemessen unterweisen (siehe Abschnitte 4 und 5),

  • Sicherstellen, dass Leitern und Tritte wiederkehrend auf ihren ordnungsgemäßen Zustand geprüft werden (siehe Abschnitt 6).