DGUV Information 209-023 - Lärm am Arbeitsplatz (DGUV Information 209-023)

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Abschnitt 5.2, 5.2 Messung des Beurteilungspegels nach ASR A...
Abschnitt 5.2
Lärm am Arbeitsplatz (DGUV Information 209-023)
Titel: Lärm am Arbeitsplatz (DGUV Information 209-023)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 209-023
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 5.2 – 5.2 Messung des Beurteilungspegels nach ASR A3.7 Lärm

Die Grundlagen für die Messung und Bewertung von Arbeitsstätten im Pegelbereich unterhalb der Gehörgefährdung sind in der ASR A3.7 definiert. Bei der Messung muss darauf geachtet werden, dass Eigengeräusche der Person auszuschließen sind, an deren Arbeitsplatz Messungen durchgeführt werden sollen. Eigengeräusche sind Gespräche mit anderen Personen oder dem Arbeitsplatz zugeordnete Kommunikationssignale (z. B. Telefon). An Büroarbeitsplätzen sind Eigengeräusche in der Form beispielsweise durch die Abwesenheit der beschäftigten Person und das Stummschalten des zugehörigen Telefons ausgeschlossen. Es gibt aber auch schwierige Fälle, in denen es kaum möglich ist, Eigengeräusche auszuschließen, wie an Arbeitsplätzen mit Interaktion (z. B. zwischen Kassiererin und Kunden).

Zur Festlegung von Maßnahmen ist - anders als im Geltungsbereich der LärmVibrationsArbSchV der L EX,8h - der Beurteilungspegel L r heranzuziehen. Der Beurteilungspegel stellt ein Maß für die Lästigkeit eines Geräusches und die potenzielle Beeinträchtigung bei der Arbeit dar.

Es werden jeweils einzelne Tätigkeiten beurteilt, die zusammenhängend oder in Summe eine Dauer von mindestens einer Stunde einnehmen. Außerdem ist darauf zu achten, dass Tätigkeiten nur dann einer Unterscheidung bedürfen, wenn sie unterschiedlichen Tätigkeitskategorien (vgl. Abschnitt 4.4.1) zuzuordnen sind. Die Vorgehensweise zur Messung ist in DIN 45645-2 festgelegt. Die Messmethode ist an die Vorgaben der DIN EN ISO 9612 angelehnt. So sind beispielsweise die Vorgaben zu Messhöhen und Mikrofonpositionen identisch.

5.2.1
Ermittlung des Beurteilungspegels ohne Berücksichtigung von Teilzeiten

Der Beurteilungspegel errechnet sich folgendermaßen:

string

Der Zuschlag für Impulshaltigkeit K I wird aufgrund folgender Differenz bestimmt:

string

Tabelle 12
Erläuterung der Größen und Zuschläge

Erläuterung der Größen
Größe Einheit Erläuterung
L pAeq dB(A)A-bewerteter äquivalenter Dauerschallpegel
L pAIeq dB(A)A-bewerteter mit der Zeitbewertung "Impuls" bestimmter Dauerschallpegel
K I 1Zuschlag für Impulshaltigkeit
K T 1Zuschlag für Ton- und Informationshaltigkeit

string

Falls in dem Geräusch am Arbeitsplatz ein oder mehrere Töne hörbar hervortreten oder das Geräusch informationshaltig ist (z. B. Gespräche), beträgt K T je nach Auffälligkeit 3 dB oder 6 dB.

Nach Definition ist die Summe aus K I und K T auf maximal 6 dB begrenzt.

Beispiel: An einem Arbeitsplatz in einem Labor wurde L pAIeq = 62 dB (ohne Eigengeräusche) ermittelt.

Gemessene Impulshaltigkeit

string

auffälliger Einzelton eines Lüfters => K T = 3 dB

Berechnung des Beurteilungspegels:

string

5.2.2
Ermittlung des Beurteilungspegels aus Messungen in Teilzeiten

Oft ist es so, dass innerhalb einer Arbeitsschicht nicht nur ein konstanter Schalldruckpegel herrscht, sondern durch Arbeitsplatzwechsel oder verschiedene Tätigkeiten auch unterschiedliche Schalldruckpegel auftreten. Es kann deshalb sinnvoll sein, eine einzelne Tätigkeit in mehrere Teilzeiten zu zerlegen. Dabei ist der Beurteilungspegel L r auf einem anderen Wege zu ermitteln als im vorangehenden Abschnitt dargestellt.

Für jede ermittelte Teilzeit muss eine separate, repräsentative Messung durchgeführt werden. Nach Abschluss dieser Messungen und der Ermittlung der Dauer der Teilzeiten wird der Beurteilungspegel Lr folgendermaßen ermittelt:

string

Tabelle 13
Teilzeiten

Erläuterung der Größen
Größe Einheit Erläuterung
T m hDauer der Teilzeit m
T hSumme der Zeitdauern für alle Teilzeiten T m
M 1Gesamtzahl der Teilzeiten m

Beispiel: In einem Meisterbüro (von Produktion abgetrennte Kabine mit Fenstern) lassen sich, abhängig von der jeweiligen Auslastung der Anlage, drei Phasen unterscheiden:

  1. 1.

    Grundgeräusch

    (Lüftung, Leerlauf): etwa 15% der Arbeitsschicht

  2. 2.

    Produktionsanlage in Betrieb:

    etwa 80% der Arbeitsschicht

  3. 3.

    Produktionsanlage und Klopfer (zum Lösen von Rohstoffen in Behältern) in Betrieb:

    etwa 5% der Arbeitsschicht

Die einzelnen Phasen werden als Teilzeiten angenommen:

  1. 1.

    L pAeq,m = 47,2 dB

    auffälliger Einzelton Lüftungsaggregat: K T = 3 dB

  2. 2.

    L pAeq,m = 61,8 dB

    Geräusch weder impulshaltig noch tonhaltig: K I = K T = 0 dB

  3. 3.

    Einsatz des Klopfers unregelmäßig, Ergebnisse differieren um 2,4 dB, insgesamt vier Messungen, Mittelwert L pAeq,m = 67,4 dB; K I = 4,3 dB

string

5.2.3.
Berechnung der Messunsicherheit

Nach DIN 45645-2:2012-09 "Ermittlung von Beurteilungspegeln aus Messungen - Teil 2: Ermittlung des Beurteilungspegels am Arbeitsplatz bei Tätigkeiten unterhalb des Pegelbereiches der Gehörgefährdung" kann folgende Abschätzung vorgenommen werden:

Tabelle 14
Messunsicherheit nach DIN 45645-2

Unsicherheit bei Vergleich 0 dB 3 dB
MessgerätKlasse 1Klasse 2 oder besser
Abgeschätzte Unsicherheit bei der Erfassung der längerfristig typischen Schallimmission< 3 dB< 6 dB

Die abgeschätzte Unsicherheit bei der Erfassung der längerfristig typischen Schallimmission wird von derselben fachkundigen Person vorgenommen, die auch die Messungen durchgeführt hat. Verwendet sie dabei ein Klasse 1-Messgerät und schätzt die Unsicherheit bei der Erfassung der längerfristig typischen Schallimmission auf < 3 dB, kann eine Unsicherheit bei Vergleich von 0 dB angenommen werden. Ermittelt sie den Beurteilungspegel mit einem Klasse 2-Messgerät, wird eine Unsicherheit beim Vergleich mit den maximal zulässigen Beurteilungspegeln nach ASR A3.7 von 3 dB angenommen.

Wenn in dem, wie unter 5.2.2 genannten Beispiel, ein Messgerät der Klasse 2 genutzt wird, ist zum Vergleich mit den maximal zulässigen Beurteilungspegeln ein Wert von 63 3 dB anzunehmen. In diesem Fall wäre die Vorgabe von 70 dB für die Tätigkeitskategorie II unterschritten, die Vorgabe von 55 dB für die Tätigkeitskategorie I überschritten. Läge der angegebene Pegelbereich beispielsweise bei 53 3 dB für die Tätigkeitskategorie I, wäre nach DIN 45645-2:2012-09 "Ermittlung von Beurteilungspegeln aus Messungen - Teil 2: Ermittlung des Beurteilungspegels am Arbeitsplatz bei Tätigkeiten unterhalb des Pegelbereiches der Gehörgefährdung" mit einem Messgerät der Klasse 2 keine eindeutige Entscheidung möglich, sondern nur mit einem Messgerät der Klasse 1.