DGUV Information 201-010 - Handlungsanleitung für den Umgang mit Arbeitsplattfor...

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Abschnitt 3, Was ist vor Beginn der eigentlichen Arbeiten vo...
Abschnitt 3
Handlungsanleitung für den Umgang mit Arbeitsplattformnetzen (bisher: BGI 662)
Titel: Handlungsanleitung für den Umgang mit Arbeitsplattformnetzen (bisher: BGI 662)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 201-010
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 3 – Was ist vor Beginn der eigentlichen Arbeiten vom Unternehmer, der Arbeitsplattformnetze montiert, zu tun?

Der Unternehmer, der Arbeitsplattformnetze erstellt, sollte prüfen, ob das ausgewählte Netzsystem für die vorgesehene Benutzung geeignet ist.

Können gemäß Gefährdungsbeurteilung Arbeitsplattformnetze verwendet werden, dürfen nur solche Systeme zur Verfügung gestellt und benutzt werden, die dem Stand der Technik entsprechen und bezüglich ihrer Eigenschaften für die jeweils auszuführenden Arbeiten geeignet sind.

Geeignet sind Arbeitsplattformnetze insbesondere dann, wenn für sie ein Brauchbarkeitsnachweis erbracht ist, z.B. durch eine durchgeführte Baumusterprüfung, die durch das GS-Zeichen "geprüfte Sicherheit" kenntlich gemacht ist.

Geeignet können Arbeitsplattformnetze z.B. sein, wenn:

  • das verwendete Netzmaterial der Klasse B1 der DIN EN 1263-1 entspricht, jedoch eine Maschenweite nicht größer als 45 mm aufweist,

  • ohne Prüfung der Prüfmasche gemäß der BG-Regel "Einsatz von Schutznetzen" (BGR 179) nur innerhalb der ersten 12 Monate nach Herstellung verwendet werden,

    oder

  • die Prüfung der Alterung, der Beschädigung und des Abriebes regelmäßig durchgeführt wird und der Prüfnachweis dokumentiert ist,

  • sie nicht tiefer als 1,5 m unterhalb der Unterkante der zu errichtenden Konstruktion liegen,

  • die Neigung des eingebauten Netzes nicht mehr als 20 beträgt,

    Anmerkung:

    Diese Punkte sind bereits im Vorfeld - auch innerhalb der Gefährdungsbeurteilung - als "konstruktive Voraussetzungen" zu berücksichtigen.

  • die Befestigung der Arbeitsplattformnetze mit Seilen oder Gurten im Abstand von mindestens 50 cm erfolgt, wobei Seile eine Mindestbruchkraft von 30 kN aufweisen und Anschlaggurte DIN EN 12195-2 "Ladungssicherungseinrichtungen auf Straßenfahrzeugen; Sicherheit; Zurrgurte aus Chemiefasern" entsprechen müssen,

  • die als Traversen verwendeten Spanngurte in die Netzfläche eingefädelt sind, Durchstich jeweils nach maximal 10 Maschen,

  • die eingefädelten Traversengurte einen Rasterabstand von maximal 2 m x 2 m und einen Abstand zum Netzrand von 2 m aufweisen,

  • die Vorspannkraft im Traversengurt von Hand aufgebracht wird, wobei damit zu rechnen ist, dass pro Anschlagpunkt horizontale Belastungen von mindestens 2200 N auftreten können,

    Anmerkung:

    Es sind Gurte nach DIN EN 12195-2 "Ladungssicherungseinrichtungen auf Straßenfahrzeugen; Sicherheit; Zurrgurte aus Chemiefasern" zu verwenden; Angaben über die zugehörige Spannkraft müssen vorliegen.

    und

  • der maximale Durchhang des Netzes bei Belastung mit einer Person an der ungünstigsten Stelle nicht mehr als 50 cm beträgt.

    Anmerkung:

    Nach dem Nachspannen der Spanngurte am zweiten Tag darf der Durchhang nur noch 30 cm betragen

  • Sichtprüfung auf Beschädigungen der Netze.

    Anmerkung:

    Links im Bild zerstörte Maschen, rechts im Bild Abrieb an der Masche.

Der Unternehmer, der Arbeitsplattformnetze montiert (Montagebetrieb), sollte prüfen, ob die zu erwartenden auftretenden Lasten aus dem Netz vom Bauwerk aufgenommen werden können.

Es dürfen nur Anschlagpunkte an Bauteilen gewählt werden, die in der Lage sind die auftretenden Belastungen sicher abzutragen.

Geeignet können z.B. sein:

  • Ringanker,

  • Stahlkonstruktionen,

  • Leimholzbinder,

    oder

  • Stahl- und Spannbetonträger.

Vor Beginn der Montagearbeiten von Arbeitsplattformnetzen ist vom Unternehmer zu ermitteln, ob im vorgesehenen Arbeitsbereich Anlagen vorhanden sind, durch die Beschäftigte gefährdet werden können. Hierbei sind die Hinweise des Koordinators nach der Baustellenverordnung (BaustellV) zu berücksichtigen.

Gefahren können z.B. ausgehen von:

  • Gefahrstoffen, z.B. Asbest,

  • elektrischen Anlagen, Freileitungen, Sendeanlagen,

  • Rohrleitungen, Schächten und Kanälen,

  • Hydranten und Absperreinrichtungen der öffentlichen Versorgung,

  • Anlagen mit Explosionsgefahr,

  • maschinellen Anlagen und Einrichtungen,

  • Kran- und Förderanlagen,

  • Bauteilen, die beim Begehen brechen können, z.B. Faserzement-Wellplatten, Lichtplatten, Glasdächer, Oberlichter.

Für Auf-, Um- und Abbau und Benutzung des Arbeitsplattformnetzes ist ein Plan zu erstellen, hierzu kann die Aufbau- und Verwendungsanleitung des Herstellers verwendet werden. Falls erforderlich, sollte sie um besondere Hinweise zur Benutzung ergänzt werden.

Der Plan für den Auf-, Um- und Abbau (Montageanweisung) enthält auch Angaben gemäß 5.4, des Anhangs 2, der Betriebssicherheitsverordnung (seilunterstütztes Arbeiten) und die Maßnahmen, die im vorherigen Schritt festgelegt worden sind, um die ermittelten Gefährdungen so gering wie möglich zu halten (ein Muster für eine Montageanweisung zeigt Anlage 4).

Dem Aufsichtführenden und den betreffenden Beschäftigten muss der Plan für den Auf-, Um- und Abbau bei Durchführung der Arbeiten vorliegen.

Der Plan für die Benutzung (Verwendungsanleitung) wird nach Fertigstellung des Arbeitsplattformnetzes dem Auftraggeber bzw. dem Benutzer übergeben und enthält Hinweise zur bestimmungsgemäßen Verwendung z.B. Verwendungsverbot für chemische Stoffe und den Umgang mit Feuer, offenen Flammen oder heißen Stoffen, die zu einer Zerstörung des Netzes oder seiner Befestigungsmittel führen können. Es kann auch das Übergabeprotokoll sein, welches mit den notwendigen Hinweisen versehen ist.

Der Plan für die Benutzung muss auch Angaben darüber enthalten, dass Arbeitsplattformnetze und ihre Befestigungen regelmäßig auf ihren ordnungsgemäßen Zustand zu überprüfen sind.

Um einen zu großen Netzdurchhang zu vermeiden, sind die Verbindungsmittel (Spanngurte) der Arbeitsplattformnetze regelmäßig je nach Bedarf nachzuspannen.

Um gegenseitige Gefährdungen zu vermeiden, soll sich der Unternehmer über die Berücksichtigung der Hinweise des Koordinators nach BaustellV hinaus mit anderen, die im Umfeld des Arbeitsplattformnetzes Arbeiten ausführen lassen, abstimmen.

Es sollte unbedingt darauf geachtet werden, ob Arbeiten in der Nähe elektrischer Freileitungen auszuführen sind.

Ist dies der Fall, müssen die Schutzabstände nach Bild 1 eingehalten werden. Für die Bemessung der Schutzabstände sind das Ausschwingen von Leitungsseilen und der Bewegungsraum der Beschäftigten einschließlich der von ihnen bewegten Materialien zu berücksichtigen.

Können die Schutzabstände nach Bild 1 nicht eingehalten werden, sind die Freileitungen im Einvernehmen mit deren Eigentümern oder Betreibern frei zuschalten und gegen Wiedereinschalten zu sichern, abzuschranken oder abzudecken.

Bild 1: Schutzabstände