DGUV Information 209-022 - Hautschutz in Metallbetrieben (bisher: BGI 658)

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Abschnitt 3, Informationsermittlung und Gefährdungsbeurteilu...
Abschnitt 3
Hautschutz in Metallbetrieben (bisher: BGI 658)
Titel: Hautschutz in Metallbetrieben (bisher: BGI 658)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 209-022
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 3 – Informationsermittlung und Gefährdungsbeurteilung

Der Unternehmer muss ermitteln, welchen Gefährdungen die Beschäftigten bei der Ausübung der beruflichen Tätigkeit ausgesetzt sind. Diese Gefährdungen sind in ihren möglichen Auswirkungen zu beurteilen. Daran orientieren sich die zu ergreifenden Schutzmaßnahmen. Die getroffenen Maßnahmen sind hinsichtlich ihrer Wirksamkeit zu überprüfen. Bei gleichartigen Arbeitsbedingungen genügt die Beurteilung einer Tätigkeit.

Eine Gefährdung der Haut kann sich insbesondere durch chemische, physikalische oder biologische Einwirkungen ergeben (siehe auch Bild 3-1, Prüfliste). Bei der Gefährdungsbeurteilung sind die hautschädigenden Einwirkungen, die Art und Dauer des Hautkontaktes, die betroffenen Körperstellen und ggf. die Gefährdung erhöhende Faktoren (z.B. abrasive Arbeitsstoffe) zu ermitteln. Bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen ist das Sicherheitsdatenblatt eine wichtige Informationsquelle.

Bild 3-1:
Prüfliste

Arbeitsverfahren/ArbeitsbereicheSchädigende Einwirkung (Noxe)
1.Spanabhebende und spanlose Bearbeitungwassergemischte und nicht wassermischbare Kühlschmierstoffe, Ziehfette (Seifen), Öle, Fette, Metallabrieb, Späne
2.Instandhaltung, -setzung, MontageÖle, Fette, Kraftstoffe, aber auch wässrige Noxen (z.B. bei wassergemischten KSS an CNC-Automaten)
3.Reinigen und Entfetten, allgemeinwässrige/wassermischbare Reinigungsmittel, verdünnte Säuren und Laugen, nicht wassermischbare Lösemittel
4.Beschichten (z.B. Lackieren)Lacke, Harze/Härter, z.B. Acrylate, Polyurethane, Klebstoffe, Epoxidharze, Lösemittel und Katalysatoren
5.GalvanikSalzlösungen, Säuren, Laugen
6.Härtereiwässrige und nicht wässrige Abschreckmittel, Mineralöle
7.Tätigkeiten mit stark haftenden Verschmutzungenz.B. Lacke, Kleber, Graphit, Ruß, Teer, Asphalt, Bitumen
8.FeuchtarbeitNässe, häufige Händereinigung, Feuchtigkeitsstau beim Tragen flüssigkeitsdichter Schutzhandschuhe
9.SchweißenUV-Strahlung
10.Umgang mit künstlichen Mineralfasern (KMF)Fasern
11.Mechanische Belastungdurch Druck und/oder Reibung, Späne

Bei der Beurteilung der chemischen Gefährdungen ist die Technische Regel für Gefahrstoffe (TRGS) 401 zu beachten.

Hautgefährdungen treten auf durch:

  • Arbeitsstoffe mit ätzenden, hautreizenden oder hautentfettenden Eigenschaften

    Diese sind an der Kennzeichnung C, Xi oder Xn, den zugehörigen Gefahrensymbolen sowie den R-Sätzen 34, 35 oder 38 zu erkennen. Solche Arbeitsstoffe sind beispielsweise konzentrierte Säuren oder Laugen, Biozide, Lösemittel, Lacke oder Kühlschmierstoff-Konzentrate.

  • Arbeitsstoffe mit langfristig hautschädigender Wirkung

    Der Gefahrenhinweis R 66 weist auf diese Eigenschaft hin.

  • Hautsensibilisierende Arbeitsstoffe

    Diese können zu Hautallergien führen und sind mit dem Gefahrenhinweis R 43 gekennzeichnet. Typische Vertreter sind Epoxidharze in Klebern, Vergussmassen oder Lacken, Chromsäure oder Nickelsalze in der Galvanik sowie Biozide zur Nachkonservierung von Kühlschmierstoffen. Weitere Stoffe finden sich in der TRGS 907 "Verzeichnis sensibilisierender Stoffe".

  • Hautresorptive Arbeitsstoffe

    Diese werden in der TRGS 900 mit H ausgewiesen und können zusätzlich mit den R-Sätzen 21, 24 oder 27 gekennzeichnet sein. Beispiele sind Benzol in Ottokraftstoffen, Xylol und Toluol in Lacken und Lösemittelgemischen, Glykol in Frostschutzmitteln und Bremsflüssigkeiten.

  • Feuchtarbeit

    Darunter versteht man

    • Arbeiten im feuchten Milieu von regelmäßig mehr als 2 Stunden pro Tag,

    • das Tragen von flüssigkeitsdichten Schutzhandschuhen im gleichen Zeitraum,

    • die häufige oder intensive Händereinigung.

Bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen unterscheidet die TRGS 401 drei Gefährdungskategorien, denen unterschiedliche Schutzmaßnahmen zugeordnet werden. Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung muss der Unternehmer die Gefährdungskategorie ermitteln und den Einsatz der damit verbundenen Schutzmaßnahmen prüfen. Die Zuordnung der erforderlichen Maßnahmen zum Gefährdungsgrad (gering - mittel - hoch) erfolgt anhand der gefährlichen Eigenschaften des Stoffes (R-Satz), der Dauer und des Ausmaßes des Hautkontaktes. Die Tabelle im Bild 3-2 gibt hierzu Hilfestellung.

Bild 3-2: Zuordnung der Gefährdungskategorien nach Gefährdungsmatrix

R 21gesundheitsschädlich bei der Berührung mit der Haut
R 24giftig bei Berührung mit der Haut
R 27sehr giftig bei Berührung mit der Haut
R 34verursacht Verätzungen
R 35verursacht schwere Verätzungen
R 38reizt die Haut
R 40Verdacht auf krebserzeugende Wirkung
R 43Sensibilisierung durch Hautkontakt möglich
R 45kann Krebs erzeugen
R 46kann vererbbare Schäden verursachen
R 60kann die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen
R 61kann das Kind im Mutterleib schädigen
R 62kann möglicherweise die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen
R 63kann das Kind im Mutterleib möglicherweise schädigen
R 66wiederholter Kontakt kann zu spröder oder rissiger Haut führen

Die Anwendung der Tabelle verdeutlichen nachfolgende Beispiele. Wird eine Kühlschmierstoff-Emulsion durch Verdünnen des Konzentrates (Kennzeichnung Xi, R 38) mit Wasser hergestellt und besteht dabei nur die Gefahr von Spritzern (kleinflächiger Hautkontakt) bei einer Zeitdauer von weniger als 15 Minuten pro Tag (kurzfristiger Hautkontakt), so resultiert daraus eine geringe Gefährdung. Hier sind nur allgemeine Hygienemaßnahmen zu treffen.

Besteht hingegen an einem Bearbeitungszentrum regelmäßig Hautkontakt der Hände zu kühlschmierstoffbenetzten Teilen von mehr als 4 Stunden pro Tag, liegt Feuchtarbeit vor. Damit sind technische, organisatorische und persönliche Schutzmaßnahmen im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung zu prüfen und umzusetzen.