DGUV Information 203-007 - Windenergieanlagen (DGUV I 203-007)

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Abschnitt 8.2, 8.2 Gefährdung durch Arbeitsplatzgestaltung
Abschnitt 8.2
Windenergieanlagen (DGUV I 203-007)
Titel: Windenergieanlagen (DGUV I 203-007)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 203-007
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 8.2 – 8.2 Gefährdung durch Arbeitsplatzgestaltung

8.2.1
Arbeitsräume

  • Räume/Arbeitsbereiche

    • Arbeitsbereiche zugänglich halten

    • Einstiegshilfen benutzen

    • Bodenluken geschlossen halten

  • Fluchtmöglichkeit

    • Fluchtwege freihalten

    • Bodenlukenbereich freihalten

    • Für den Notabstieg vorgesehene Anschlagpunkte freihalten

  • Bewegungsfreiheit

    • mögliche Anstoßstellen erkennen und sichern, dies kann z. B. bei Arbeiten im unmittelbaren Bereich der Anstoßstelle durch eine mobil einzusetzende Abpolsterung geschehen.

  • Arbeiten auf dem Dach

    • Geeignete Sicherungsmöglichkeiten (z. B. mobile Geländer oder bei fehlenden technischen Schutzmaßnahmen PSA zum Schutz gegen Absturz) verwenden

    • Warnzeichen beachten

  • Unter Eingangplattform liegende Räume

    • Lukenabdeckungen geschlossen halten

    • Offene Luken gegen Hineinstürzen sichern

    • Räume sauber halten

    • Vor dem Betreten luftaustauscharmer Bereiche, z. B. Turmkeller, ist der Sauerstoffgehalt durch Messungen festzustellen. Ein Betreten dieses Raumes ist nur bei ausreichendem Sauerstoffgehalt in der Atemluft erlaubt.

  • Arbeiten in abgeschlossenen elektrischen Betriebsstätten

    • Zugangsberechtigung regeln

    • Befugnisse regeln

Offshore:

Der Unternehmer muss dafür sorgen, dass im Notfall (z. B. bei Sturm, Wetterumschlag oder ähnlichem) ein längerer Aufenthalt im Schutzraum der WEA in angemessener Form möglich ist. Daher müssen beispielsweise Nahrung, Getränke, Decken den Beschäftigten zur Verfügung stehen. Die erforderlichen Ausrüstungsgegenstände zum Überleben sind nach Vorgabe von Ärzten und anderen Fachleuten zusammenzustellen. Die Ausrüstungsgegenstände sind in wasserdichten transportablen Fässern aufzubewahren. Sie sollen mindestens Schlafsäcke, Kocher, Brennstoff, Verpflegung in Tüten, Trinkwasser, netzunabhängige Beleuchtung und Möglichkeit zur Beschäftigung (z. B. Kartenspiel, Bücher) enthalten.

8.2.2
Verkehrswege

  • Gefährdung durch Beschaffenheit der Verkehrswege

    • Verkehrswege müssen so beschaffen und bemessen sein und in diesem Zustand unterhalten werden, dass sie je nach ihrem Bestimmungszweck sicher begangen oder befahren werden können (z. B. GFK-Flächen im Spinner, Maschinenhauskeller).

Verkehrswege sind u.a. Fahrwege, Stellflächen (für z. B. Hebebühnen, Krane, Fahrzeuge), Gehwege, Treppen, Rampen, Leitern, ebene Verkehrsflächen (z. B. Böden, Podeste, Stand und Arbeitsflächen), Durchstiege, Einstiege in die Nabe.

Beispiele für gute und schlechte Zuwegung

  • Gefährdung auf Verkehrswegen außerhalb der WEA zwischen öffentlichen Straßen und der WEA und den dazugehörigen Einrichtungen (z. B. Trafostationen)

    • Freihalten von Bewuchs, Gegenständen und ggfs. Tieren

    • Sicherstellen eines Lichtraumprofils mit erforderlicher Breite und Höhe für den Verkehrsweg,

    • Zu Beginn der Bauphase sind Verkehrswege anzulegen, die für den Baustellenverkehr ausreichend tragfähig sind. Sie müssen über einen ebenen Belag ohne Stolperstellen verfügen.

    • Mindestbreite der Verkehrswege für Personen von mindestens 0,87 m

    • Treppen im Gelände, die eine Mindestbreite von 0,87 m bei einem Schrittmaß von 63 cm aufweisen und mit einem Handlauf ab 5 Treppenstufen ausgerüstet sind, sind zu benutzen.

    • Schräglaufende Zugangsrampen mit einem tragfähigen Belag ohne Stolperstellen der Mindestbreite von 0,87 m und einer Neigung von ca. 8% bis höchstens 12,5% sind zu benutzen. Die schräglaufenden Zugangsrampen sind vom Bewuchs freizuhalten.

Nach Aufstellen des ersten Turmteiles darf dieser nur betreten werden, wenn die Einstiegstreppe montiert worden ist.

Anmerkung: siehe auch BGI 561 "Treppen"

  • Treppen und Leitern im Verlauf von Verkehrswegen, die mit der WEA verbunden sind

    • Ordnungsgemäßen Zustand erhalten, d. h. vor Benutzen von Treppen den Handlauf überprüfen und festgestellte Schäden beseitigen.

    • Auf rutschfeste Trittflächen achten

      • Saubere Trittflächen benutzen. Hinweis: Trittflächen aus Gitterosten verfügen über einen Selbstreinigungseffekt und sind als rutschhemmend anzusehen.

      • Trittflächen von Eingangstürzargen nur betreten, wenn diese rutschfest ausgeführt sind. Hinweis: Gewarzte Bleche gelten als rutschhemmend.

    • Leitern und Steigschutzeinrichtungen vor Benutzung in Augenschein nehmen.

    • Leitern und Steigschutzeinrichtungen nach Vorgaben der Gefährdungsbeurteilung unter Berücksichtigung der Hinweise des Herstellers wiederkehrend prüfen bzw. prüfen lassen.

  • Verkehrswege innerhalb der WEA

    • Verkehrswege freihalten, keine Lagerung von Materialien und anderen Gegenständen

    • Leitern so verwenden, dass die Beschäftigten jederzeit sicher stehen und sich sicher festhalten können. Hinweis: Wenn auf einer Leiter eine Last getragen werden muss, darf dies ein sicheres Festhalten nicht verhindern.

    • Prüfung von Steigleitern und Steigschutzeinrichtungen nach Vorgaben der Gefährdungsbeurteilung unter Berücksichtigung der Hinweise des Herstellers wiederkehrend prüfen bzw. prüfen lassen

    • Steigleitern, insbesondere Sprossen, sowie begehbare Flächen öl- und fettfrei halten

    • Fluchtwege freihalten

    • Ungehinderten Zugang für Rettungskräfte sicherstellen und Rettungswege freihalten

    • Podeste und Standplätze freihalten, Luken und Bodenöffnungen nach Durchstieg schließen

  • Umstieg/Durchstieg vom Turm in das Maschinenhaus

    • Verletzungsgefahr vermindern (z. B. durch Verwendung von mobilen Polsterungsstücken zur Sicherung der Anstoßstellen im Bereich der Verkehrswege)

    • Anlegeleitern gegen Wegrutschen sichern (z. B. Einstell-/Einhängemöglichkeiten schaffen und nutzen)

    • Bei Absturzgefahr PSA gegen Absturz (PSAgA) nutzen.

    • Festhaltemöglichkeit oberhalb des Durchstieges nutzen.

  • Beschaffenheit der außen liegenden Verkehrswege der WEA. Hierunter werden z. B. verstanden: Dachflächen, Leitern, Umstiegsbereich Maschinenhaus-Nabe, Außenpodeste

    • Rutschhemmende Oberflächen frei von Ölen und Fetten halten

    • Nur vorgesehene Anschlagmöglichkeiten zum Schutz gegen Absturz verwenden (z. B. Anschlageinrichtungen gem. DIN EN 795)

    • vereiste Anlagenteile nicht besteigen

    • Bei Vereisung während laufender Arbeiten sind Sicherungsmaßnahmen gemäß Notfallplan zu beachten (z. B. Benutzen eines Y-Falldämpfers)

    • Steighilfen, Aufzüge, Befahranlagen bei Vereisung nicht benutzen

    • Außen liegende Steigleitern gegen unbefugtes Besteigen sichern

Offshore:

Wird von dem Beschäftigten der "seemännische Überstieg" vom Wasserfahrzeug auf die WEA vorgenommen, so darf er sich weder direkt am Wassserfahrzeug noch an der Konstruktion der WEA durch Anschlagen sichern. Es darf nur jeweils eine Person die Steigleiter nutzen.

Zur Beseitigung von besonderen Verschmutzungen, wie z. B. Vogelkot, Öl, Algenbewuchs usw. ist nach Vorgabe der Betriebsanweisung die zur Verfügung gestellte PSA zu benutzen. Während der Reinigungsarbeiten, bei deren Durchführung ein Standplatz auf der WEA eingenommen wird, ist PSA zum Schutz gegen Absturz oder bei Absturzgefahr ins Wasser PSA gegen Ertrinken zu benutzen. Eine Kombination beider PSA ist möglich.

8.2.3
Sturz auf der Ebene, Ausrutschen, Stolpern, Umknicken, Fehltreten

  • Gefährdungen auf ebenen Flächen (z. B. Dächer, Plattformen, Außenanlagen) können neben den im Abschnitt. "Verkehrswege" genannten Maßnahmen vermieden werden, wenn folgendes beachtet wird:

    • Kabel und lose Leitungen sind so zu verlegen, dass sie keine Stolperstellen bilden. Dies kann z. B. so geschehen, in dem Kabel und lose Leitungen seitlich von Verkehrswegen oder an vertikalen Aufkantungen entlang verlegt werden.

    • rutschsichere Schuhe tragen

    • Beachtung der Witterungseinflüsse

    • Stolperstellen und Vertiefungen können durch Abdeckungen gesichert werden.

    • Nichtbenötigte Materialien/Gegenstände sind im Bereich der Verkehrs- und Arbeitsbereiche so abzulegen, dass ein Stolpern vermieden wird.

    • Defekte Treppen und Stufen unverzüglich in Stand setzen

    • bei Arbeiten mit Flüssigkeiten Sicherungsmaßnahmen gegen Abtropfen in darunter liegende Bereiche treffen, z. B. Verwendung von Abdeckfolie. Verunreinigungen sind sofort beseitigen

    • rutschige Flächen, die z. B. durch Glatteis entstanden sind, können durch die Verwendung von Streugut abgestumpft werden. Hinweis: Durch geeignete konstruktive Ausbildung, wie die Verwendung von gewarzten Metalltrittflächen lässt sich die Zuwegung rutschhemmend gestalten.

  • Nicht von der LKW-Ladefläche springen.

8.2.4 Absturz

  • Absturzgefährdungen (z. B. von Leitern, hochgelegenen Arbeitsplätzen) können durch Maßnahmen, aufgeführt unter den Kapiteln "Verkehrswege" und "PSA", vermieden werden, wenn zusätzlich folgende Schutzziele erfüllt werden:

    Zur Sicherung gegen Absturz sind technische Maßnahmen gegenüber persönlichen Schutzmaßnahmen zu bevorzugen.

    • Betriebsanweisung für PSAgA ist erstellt und enthält Sicherheitshinweise aus der Betriebsanleitung des Herstellers

    • Unterweisung über die Nutzung der PSAgA erfolgt regelmäßig (auch mit praktischen Übungen)

    • PSAgA und Absturzsicherungseinrichtungen werden vor der Benutzung auf augenscheinliche Mängel geprüft

    • Nur vorgesehene und gekennzeichnete Anschlagpunkte werden verwendet

    • Luken werden geschlossen gehalten. Sie dürfen nur zum Zweck des Passierens offen gehalten werden.

    • Lukendeckel werden im geöffneten Zustand gegen ungewolltes Zufallen gesichert.

    • Bei Arbeiten neben einem geöffneten Lukendeckel werden Abschrankungen eingesetzt und geschlossenem gehalten.

    • Steigschutzsysteme werden erst nach dokumentierter Freigabe benutzt.

  • Sicherungsmaßnahmen beim Zugang zur Nabe von außen

    • Besondere Unterweisung mit praktischer Übung durchführen, um kritische Situationen einschätzen zu können. Dies muss vor Aufnahme der Tätigkeit und regelmäßig, z. B. im Rahmen von Rettungsübungen wiederholt werden. (Hinweis: BGR 199 Benutzung von persönlichen Schutzausrüstungen zum Retten aus Höhen und Tiefen)

    • zweite Person zur Sicherung vor Ort bereitstellen

    • Gerät zum Retten frei hängender Personen einsatzbereit vor Ort bereithalten

    • Die Maßnahmen sind in der Gefährdungsbeurteilung fest zu legen

  • Arbeiten an Absturzsicherungseinrichtungen (z. B. beim Wechsel von Teilen der Absturzsicherungseinrichtung)

    • Besondere Sicherungen vorsehen, insbesondere bei erforderlich werdendem Wechsel der Anschlagart (z. B. Sicherung über Höhensicherungsgerät)

    • Nur gekennzeichnete Anschlagpunkte verwenden

    • Arbeiten nur durchführen, wenn sich keine Personen oberhalb der Arbeitsstelle aufhalten

  • Auf Standsicherheit der Anlegeleiter achten, Leitern mit Fußverbreiterung oder Erdspitzen einsetzen, Sicherung der Leiter durch eine zweite Person ist möglich.

  • Werden Konstruktionsteile von LKW-Ladeflächen abgeladen, haben sich Personen gegen eventuell vorhandene Absturzgefahr zu sichern (z. B. durch Leitern, fahrbare Gerüste, Hubsteiger o. ä.).

    Bei Arbeiten an geöffneten Außenluken der WEA Absturzsicherung in Form von Geländern verwenden. Fehlen technische Schutzeinrichtungen ist PSAgA zu verwenden.

Zur Thematik "PSAgA" siehe auch 8.1.6.

8.2.5
Enge Räume

Enge Räume können u. a. Bereiche oder Übergänge innerhalb des Spinners, der Rotorblätter, des Maschinenhauses und Bereiche unterhalb der Einstiegsebene sein. Durch eingeschränkte Bewegungsfreiheit und fehlende Ausweichmöglichkeiten können in engen Räumen Gefährdungen auftreten, deren Ursachen in Zwangshaltungen, erhöhte körperliche Belastung, Anstoßmöglichkeiten, leitfähige Umgebung, psychische Belastung zu suchen sind. Bei der Gefährdungsbeurteilung für Arbeiten in engen Räumen ist die BGR 117-1 zu berücksichtigen.

  1.  

    Eine Verständigungsmöglichkeit zu einem Sicherungsposten muss ständig gegeben sein (z. B. Sprech- und/oder Sichtverbindung).

    Vor Beauftragung zu Arbeiten bzw. Aufenthalt in engen Räumen und Passieren enger Zugangsöffnungen ist eine arbeitsmedizinische Untersuchung durchzuführen. Der Betriebsarzt hat in Kenntnis der Arbeitsbereiche und der Tätigkeiten den Unternehmer hinsichtlich der Befähigung des einzusetzenden Beschäftigten zu beraten.

  • Bei Arbeiten im Spinner und/oder in der Nabe ist der Rotor vor Beginn der Arbeiten sicher stillzusetzen. Die sichere Stillsetzung darf erst aufgehoben werden, wenn sich keine Person mehr im Gefahrbereich aufhält.

  • Mechanische Gefährdungen

    Halten sich Personen im Gefahrbereich bewegter Maschinenteile auf (z. B. Pitchvorgänge oder Azimutverstellungen) hat der Unternehmer geeignete Maßnahmen zu treffen, um eine Gefährdung so gering wie möglich zu halten. Geeignete Maßnahmen können sein: Antriebe stillsetzen, drucklosen Zustand von Hydrauliksystemen herstellen, besondere Unterweisung durchführen. Vor jedem Arbeitsvorgang sind eindeutige Absprachen der beteiligten Beschäftigten vor jedem Arbeitsvorgang zu treffen.

  • Erhöhte elektrische Gefährdung

    Sie ist gegeben, wenn elektrische Anlagen und Betriebsmittel in leitfähigen Bereichen mit begrenzter Bewegungsfreiheit oder in sonstigen leitfähigen Bereichen betrieben werden. Maßnahmen zum Schutz gegen elektrischen Schlag müssen entsprechend BGI 594 ausgewählt werden. Störungen an den elektrischen Anlagen können auch zu Lichtbögen und/oder zu Verrauchungen führen.

  • Gefährdungen durch Gefahrstoffe

    Bei Arbeiten in engen Räumen ist mit gefährlichen Konzentrationen von Gefahrstoffen und Sauerstoffmangel zu rechnen. Dies ist in der Gefährdungsbeurteilung nach Gefahrstoffverordnung zu berücksichtigen. Erforderliche Schutzmaßnahmen können sein: Freimessen, Technische Lüftung, geeignete PSA (siehe auch 8.6).

  • Rettungs- und Selbstrettungsmöglichkeiten

    Es muss eine Ausrüstung vorhanden sein, die geeignet ist, eine hilflose Person aus dem engen Raum zu retten (z. B. spezielle Rettungstrage, Rettungshubgerät) bzw. den Gefahrenbereich eigenständig verlassen zu können (z. B. geeignete Atemschutzgeräte bei Verrauchung).