DGUV Information 203-007 - Windenergieanlagen (DGUV I 203-007)

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Abschnitt 8.1, 8.1 Gefährdung durch organisatorische Mängel
Abschnitt 8.1
Windenergieanlagen (DGUV I 203-007)
Titel: Windenergieanlagen (DGUV I 203-007)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 203-007
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 8.1 – 8.1 Gefährdung durch organisatorische Mängel

8.1.1
Beschäftigungsvoraussetzungen

Entsprechend den durchzuführenden Arbeiten und Arbeitsorten müssen von den Beschäftigten bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden.

Dazu können zählen:

  • Ersthelferausbildung,

  • Eignung für den vorgesehenen Einsatzbereich (z. B. Untersuchungen nach G 25 und G 41)

  • Arbeitsmedizinische Vorsorge nach Gefährdungsbeurteilung (z. B. Untersuchungen nach G 20, G 26/1 und bei Auslandsaufenthalten ggf. G 35), siehe auch 8.1.9

  • Qualifikationen, z.B. Führerschein, Sprachkenntnisse, fachliche Fertigkeiten

  • Grundwissen auf der Grundlage der Gefährdungsbeurteilung in folgenden Bereichen:

    • Grundkurs PSA, PSA gegen Absturz (PSAgA), Rettungstraining

    • Elektrotechnik (EuP, EFKffT, Schaltberechtigung)

    • Kraftbetriebene Werkzeuge

    • Kranarbeiten, Winden, Anschlagen (Theorie)

    • Gefahrstoffe

    • Brandschutz auf Baustellen

    • Enge Räume

    • Fahrsicherheit, Ladungssicherung (Theorie)

    • Auslandsaufenthalt

    • Elektromagnetische Felder

Offshore:

Die Beschäftigten sind durch spezifische Qualifizierung auf die die besonderen Einsatzbedingungen vorzubereiten.

Beispiele für Seminarmodule (einschließlich Inhalten und Zeitrahmen) hat der VDSI erarbeitet. Diese sind unter www.vdsi.de > Fachwissen > Publikationen > VDSI-Regeln im Internet zu finden.

8.1.2
Unterweisung

Die Durchführung von Unterweisungen gehört zu den Pflichten des Unternehmers. Dabei sind neben den eigenen Beschäftigten auch Leiharbeitnehmer und Besucher zu berücksichtigen. Die Unterweisungen sind zu dokumentieren, insbesondere Ort und Datum, Teilnehmer, Namen des Unterweisenden, Inhalt der Unterweisung.

Ziel der Unterweisung ist es, sicherheits- und gesundheitsgerechte Zustände und Verhaltensweisen zu erreichen oder zu erhalten.

Anlässe für Unterweisungen sind:

  1. 1.

    Erstunterweisungen vor Aufnahme einer Tätigkeit

    • Neueinstellung

    • Arbeitsplatzwechsel

    • Einführung neuer Verfahren, Maschinen, Stoffe oder Arbeitsmittel

  2. 2.

    Wiederholungsunterweisungen

    • Regelmäßig, mindestens aber jährlich

  3. 3.

    Unterweisung bei besonderen Anlässen

    • Nach Unfällen

    • Nach Beinahunfällen

    • Änderungen in Betriebsanweisungen

    • Arbeitsaufgaben mit besonders hohen Gefährdungen, insbesondere, wenn diese nicht regelmäßig zu erledigen sind oder seit längerer Zeit nicht mehr durchgeführt wurden (z. B. Arbeiten außerhalb des Maschinenhauses).

Themen für Unterweisungen ergeben sich insbesondere aus den Ergebnissen der Gefährdungsbeurteilung und den darauf basierenden Betriebsanweisungen (siehe 8.1.3).

Das Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung für die personenbezogenen Anforderungen kann in Form einer Tabelle als Anforderungsmatrix für entsprechende Arbeitsbereiche übersichtlich dargestellt werden.

8.1.3
Betriebsanweisungen

Das richtige Verhalten sowie die erforderlichen Maßnahmen zur Vermeidung bzw. Minimierung von Gefährdungen/Belastungen müssen für alle Mitarbeiter verbindlich in Betriebsanweisungen beschrieben werden (arbeitsbereichs-, arbeitsplatz-, tätigkeits- oder personenbezogen). Dabei sind die möglichen Betriebszustände einer WEA zu berücksichtigen.

Der Betreiber einer WEA erhält die Anlagendokumentation (Betriebshandbuch,...) vom Hersteller. Bei Auftragsvergabe hat er dem Auftragnehmer (z. B. Serviceunternehmen) sicherheitsrelevante Informationen zur Anlage (z. B. Sicherheitsanleitungen nach DIN EN 50308) zur Verfügung zu stellen.

Auf Basis der Informationen über die WEA hat der Auftragnehmer oder sonstige verantwortliche Unternehmer Betriebsanweisungen für das vor Ort tätige Personal zu erstellen. Vor Beginn von Tätigkeiten an einer Windenergieanlage sind die Beschäftigten auf der Grundlage der Betriebsanweisungen zu unterweisen.

  • Betriebsanweisungen sind z. B. zu erstellen:

    • für Wartung und Instandhaltung

    • zu besonderen Arbeiten, z. B. Austausch von Komponenten wie Rotorblätter, Getriebe, Generator

    • zu Reinigungsverfahren

    • über Alleinarbeit, die dabei erforderlichen Kommunikationseinrichtungen sowie das Fluchtwegkonzept in der WEA

    • zur Außerbetriebnahme

      Anmerkung: siehe DIN EN 50308 (VDE 0127-100) Abschnitt 4.15.3.1

    • zum Verhalten bei extremen Witterungsbedingungen

    • mit Hinweisen zur Verhinderung des Eindringens von unbefugten Personen während der Durchführung von Arbeiten

  • besondere Betriebsanweisungen sind für den Umgang mit Gefahrstoffen zu erstellen. Gefahrstoffe im Zusammenhang mit WEA können sein:

    • Hilfsstoffe, wie Öle und Fette

    • Beschichtungsstoffe, wie Korrosionsschutz- und Anstrichfarben

    • Harze, wie Epoxidharze, Polyesterharze

  • Betriebsanweisungen können entsprechend Anhang 10.1 ausgeführt werden. Sie müssen

    • in einer für die Beschäftigten verständlichen Sprache verfasst sein,

    • eindeutige Formulierungen verwenden und

    • an geeigneter Stelle zur jederzeitigen Einsichtnahme für die Beschäftigten bereitgehalten werden.

Offshore:

Betriebsanweisungen für Arbeiten an Offshore-Anlagen müssen u. a. folgende Punkte festlegen:

  • Befehls- und Kommandosprache (konkrete Sprachkommandos festlegen!)

  • Zeichenkommandos (z. B. für Kommunikation mit Schiffsführern und Piloten)

  • Arbeitssprache

  • besondere Anforderungen an Notruf und Rettungsmaßnahmen

8.1.4
Koordinierung

  • Maßnahmenkatalog

    • Besteht die Möglichkeit gegenseitiger Gefährdung ist eine Person zu bestimmen, die die Arbeiten aufeinander abstimmt. Zur Abwehr besonderer Gefahren ist sie mit entsprechender Weisungsbefugnis auszustatten.

    • Die Zuständigkeiten und Entscheidungsbefugnisse von Vorgesetzten sind abzugrenzen und zu dokumentieren.

    • Wenn mehrere Firmen zusammenarbeiten, ist ein geeigneter Koordinator mit Weisungsbefugnis gegenüber allen Beschäftigten schriftlich zu bestellen und bekannt zu machen.

    • Die Zuständigkeiten und Aufgaben des Koordinators sind vertraglich zu vereinbaren.

    • Das An- und Abmelden von Personen bei allen Arbeiten beim Unternehmer oder der Person, die Arbeiten aufeinander abstimmt, ist verbindlich zu regeln.

    • Personen sind in örtliche Gegebenheiten einzuweisen und über Sicherheitsmaßnahmen zu informieren. Vorhandene Betriebsanweisungen sind zu beachten und einzuhalten.

    • Der Unternehmer hat sich zu vergewissern, dass Personen, die in seinem Verantwortungsbereich tätig werden, hinsichtlich der Gefahren für ihre Sicherheit und Gesundheit während ihrer Tätigkeit angemessene Anweisungen erhalten haben.

    • Der Unternehmer hat sicher zu stellen, dass die WEA während der Durchführung von Arbeiten nichtvon Unbefugten bedient werden kann.

    • Nach Beendigung der Arbeiten ist vor dem Verschließen der WEA sicher zu stellen, dass alle Personen die Anlage verlassen haben.

8.1.5
Arbeiten mit erhöhter Gefährdung

Bei Arbeiten können erhöhte Gefährdungen durch die räumlichen Verhältnisse oder die exponierte Lage des Arbeitsplatzes auftreten. Alleinarbeit ist beim Auftreten erhöhter Gefährdungen nicht zulässig. Erhöhte Gefährdungen können z. B. gegeben sein bei:

  • Arbeiten mit Absturzgefahr

    • Geeignete Persönliche Schutzausrüstungen gegen Absturz (PSAgA) zur Verfügung stellen.

    • Die Beschäftigten sind vor der ersten Benutzung der PSAgA und in regelmäßigen Abständen, jedoch mindestens einmal jährlich, zu unterweisen.

    • Bereitgestellte PSAgA ist zu benutzen.

    • Bei erforderlichem Wechsel der Anschlagart der PSAgA sicherstellen, dass geeignete Anschlagpunkte bzw. besondere Sicherung, z. B. Höhensicherungsgerät, benutzt werden.

  • Arbeiten in engen Räumen

    • Aufsichtsführenden bestimmen

    • Geeignete Zugangshilfen zur Verfügung stellen

    • Rettungsmöglichkeit sicherstellen

    • Sicherstellen, dass grundsätzlich keine Alleinarbeit durchgeführt wird

    • Sicherstellen einer jederzeitigen Verständigung der Beschäftigten untereinander

  • Arbeiten mit offener Flamme

    • Erlaubnisscheinverfahren für Arbeiten mit offener Flamme vorsehen. Die im Erlaubnisschein vorgesehenen Maßnahmen sind einzuhalten.

  • Arbeiten mit Reinigungs- und Lösungsmitteln

    • Schutzmaßnahmen nach 8.6.1 beachten

  • Arbeiten mit Hydraulikanlagen und hydraulischen Werkzeugen

    • Bei Arbeiten an Hydraulikanlagen auf die Wirkung von gespeicherten Energien achten. Sicherstellen, dass gespeicherte Energien die Beschäftigten nicht gefährden können, z. B. vor Beginn der Arbeiten Hydraulikanlage drucklos machen, gespeicherte Energien entspannen.

  • Arbeiten bei besonderen Witterungsbedingungen, Sturm, Gewitter, Vereisung

    • Witterungsbedingungen definieren, bei denen die Arbeiten einzustellen sind.

    • Beschäftigte besonders unterweisen

  • Aufenthalt im Maschinenhaus bei Testläufen

    • Sicheren Standplatz einnehmen

    • Abstand zu bewegten Teilen halten

    • Besondere Absprachen untereinander treffen

    • Zusätzliche technische und/oder organisatorische Schutzmaßnahmen vorsehen (z. B. ständige Kommunikation mit der Leitwarte)

8.1.6
Persönliche Schutzausrüstungen (PSA)

Die Benutzung persönlicher Schutzausrüstungen ist erforderlich, wenn die Gefährdung durch technische oder organisatorische Maßnahmen nicht verhindert oder auf das akzeptable Risiko gemindert werden kann.

Das Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung hinsichtlich der Auswahl und Benutzung von PSA kann in Form einer Tabelle als Anforderungsmatrix für entsprechende Arbeitsbereiche übersichtlich dargestellt werden.

Die Beschäftigten sind vor der ersten Benutzung in der richtigen Anwendung der bereitgestellten PSA - auch anhand praktischer Übungen - auf der Grundlage der zu erstellenden Betriebsanweisungen zu unterweisen (s. a. 8.1.2 und 8.1.3). Zwingende Vorgabe sind praktische Übungen vor Benutzung von PSA gegen tödliche Risiken. Ebenfalls ist ein Rettungskonzept für die Rettung nach Sturz in das Auffangsystem erforderlich. In regelmäßigen Abständen, jedoch mindestens einmal jährlich, und bei Änderungen der Einsatzbedingungen ist erneut zu unterweisen.

Vor der Bereitstellung hat der Unternehmer die Beschäftigten anzuhören.

Vor jeder Benutzung sind die Persönlichen Schutzausrüstungen durch den Benutzer auf augenscheinliche Mängel zu kontrollieren. Bei Beschädigungen sind sie der Benutzung zu entziehen.

Beschädigter Gurt ist der Benutzung zu entziehen

In Abhängigkeit von der Beanspruchung sind die PSA zu prüfen, wobei die Herstellerinformationen zu Inhalt und Fristen der Prüfungen zu beachten sind.

Die Benutzungsdauer der PSA ist beschränkt und beträgt (ausgewählte Besipiele):

  • Seile: Ablegereife 4 bis 6 Jahre

  • Gurte: Ablegereife 6 bis 8 Jahre

  • thermoplastische Helme: höchstens 4 Jahre

  • sonstige Helme: höchstens 8 Jahre

    Hinweis:Abweichende Angaben in den Herstellerinformationen sind vorrangig zu berücksichtigen!

Da bei Arbeiten an WEA häufig Absturzgefahr besteht, kommt der Auswahl und richtigen Anwendung der PSA besondere Bedeutung zu. Daher hier einige Hinweise:

  • Nur die vom Unternehmer zur Verfügung gestellte PSA benutzen!

  • Bei der Auswahl eines Auffangsystems ist darauf zu achten, dass die Teile des Systems bei der vorgesehenen Anwendung jederzeit sicher zusammenwirken (siehe Herstellerinformationen zur Steigschutzeinrichtung). Das gilt insbesondere für das Zusammenwirken von Steigschutzeinrichtungen mit Auffanggurten.

  • Da sich Karabiner mit einer einfachen Schraubsicherung unbeabsichtigt öffnen können wird empfohlen, Karabiner mit Doppel- oder Dreifachsicherung einzusetzen.

    Anmerkung: siehe auch BGR 198 Pkt. 5.3.8

  • mitlaufende Auffanggeräte müssen zu den bauseitig vorhandenen Anschlageinrichtungen passen.

    Anmerkung: siehe auch BGI 826

Nachfolgend einige Anmerkungen und Hinweise zu PSA:

  • Kopfschutz

    • Bei Gefährdung durch herabfallende Teile Schutzhelm tragen (z. B. im Turm und bei Arbeiten mit Hebezeugen).

    • Bei Arbeiten an hochgelegenen Außenflächen der WEA können Bergsteigerschutzhelme entsprechend den Festlegungen der Gefährdungsbeurteilung zum Einsatz kommen und nach Unterweisung benutzt werden.

  • Augenschutz

    • Bei der Gefahr des Eindringens von Fremdkörpern in das Auge und bei der Gefahr des unkontrollierten Austretens von Flüssigkeiten unter hohem Druck Augenschutz tragen.

  • Gehörschutz

    • Bei Einsatz von lärmintensiven Werkzeugen, z. B. Schlagschrauber, Gehörschutz tragen.

    • auch für in der Nähe arbeitenden Beschäftigten Gehörschutz zur Verfügung stellen

  • Atemschutz

    • Wenn ausreichende Lüftungsmaßnahmen nicht möglich sind, geeigneten Atemschutz tragen (z. B. bei Freiwerden von Lösemitteldämpfen, bei Anstrich- und Konservierungsarbeiten und bei gesundheitsschädigenden Stäuben, die beim Wechsel von Filtern und Arbeiten an Schleifringen freiwerden können)

  • Handschutz

    • ausreichende Rutschfestigkeit und Griffsicherheit erforderlich (auch im nassen Zustand!)

    • beim Umgang mit Gefahrstoffen Beständigkeit und Durchbruchszeiten der Schutzhandschuhe beachten, z. B. für den Umgang mit Epoxidharzen Nitrilhandschuhe verwenden

  • Fußschutz

    • auf Baustellen nur Fußschutz mit durchtrittsicherer Sohle benutzen (beispielsweise Schuhwerk "S3" oder "S5")

  • Hautschutz, -reinigung und -pflege

    • bei Arbeiten im feuchten Milieu (z. B. unter flüssigkeitsdichten Schutzhandschuhen) geeigneten Hautschutz anwenden

    • nach Abschluss der Arbeiten Haut reinigen und

    • Hautpflegemittel benutzen

Offshore:

Die Kombination verschiedener PSA muss für alle Beanspruchungsfälle der einzelnen PSA geeignet sein. Evtl. sind spezielle Prüfungen im Rahmen der PSA-Auswahl erforderlich. Beispielsweise muss die erforderliche PSA gegen Ertrinken mit der PSA gegen Absturz kombiniert werden dürfen (vgl. dazu Herstellerangaben).

Ob ein Schutz gegen Auskühlen (Kälteschutzanzug/Überlebensanzug) genutzt werden muss, ist im Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung festzulegen.

8.1.7
Notfallorganisation, Erste Hilfe, Rettung

Der Auftragnehmer (z. B. Serviceunternehmen) hat Maßnahmen zu treffen, die zur Ersten Hilfe, Brandbekämpfung und Rettung der Beschäftigten erforderlich sind. Dazu müssen Vorkehrungen und Abläufe beschrieben sein, z. B. für das Verhalten bei

  • Unfällen und medizinischen Notfällen

  • Bränden und Explosionen

  • gefährlichen Störungen des Betriebsablaufes

  • unkontrolliertem Austreten von Stoffen

  • Schäden an Verkehrswegen

Jeder Unternehmer - und damit auch der Auftragnehmer - hat dafür zu sorgen, dass nach einem Unfall unverzüglich Erste Hilfe geleistet werden kann und die erforderlichen Maßnahmen für die ärztliche Versorgung veranlasst werden.

Insbesondere ist der Auftragnehmer für eine wirksame Erste Hilfe und Rettung aus Gefahr sowie die erforderlichen Einrichtungen und Sachmittel verantwortlich. Eine enge Abstimmung mit dem Auftraggeber ist dringend geboten.

In der Regel muss der Auftragnehmer selbst für Einrichtungen und Sachmittel sowie fachkundiges Personal zur schnellen Rettung hängender/aufgefangener Personen sorgen.

Alarmierung und weitere Rettungskette

Die Rettungskette muss in jedem Fall sichergestellt sein. Neben der unmittelbaren Ersten-Hilfe-Leistung muss unverzüglich ein Notruf von jedem Anlagenstandort aus abgesetzt werden können.

Der vor Ort Verantwortliche muss sich vor Arbeitsbeginn davon überzeugen, dass am Anlagenstandort mindestens die vorgesehene Kommunikationsverbindung besteht. (Achtung: Funklöcher im Mobilfunknetz!)

Jede WEA muss eindeutig identifizierbar sein. Hierfür sind z. B. folgende Hilfsmittel einsetzbar:

  • Hinweisschilder

  • Anlagenkennzeichnung

Rettungs- und Hilfskräfte (z. B. Arbeitskollegen, Feuerwehr, Rettungsdienst) müssen die WEA im Einsatzfall schnell erreichen und betreten können. Insbesondere liegt es in der Verantwortung des Unternehmers die schnelle Rettung einer im Auffanggurt hängenden Person zu gewährleisten.

Für den Notfall sind die erforderlichen Maßnahmen mit den für die WEA jeweils zuständigen Leitstellen (Rettungsleitstellen sowie ggf. separate Leitstellen für Brandschutz/Technische Hilfe) abzustimmen und die Informationen den Rettungskräften zugänglich zu machen.

Anmerkung: Siehe auch Anhang 10.5 Beispiel Rettungskette

Damit anrückende Einsatzkräfte die WEA schnell und eindeutig auffinden können, sind die Anfahrtswege festzulegen und der örtlich zuständigen Leitstelle (Rettungsleitstelle sowie ggf. separate Leitstelle für Brandschutz/Technische Hilfe) und ggf. den örtlich zuständigen Einsatzkräften (Feuerwehr und Rettungsdienst) bekannt zu machen.

Unter bestimmten Voraussetzungen, z. B. rückgebaute Anfahrtswege, verschlossene Schranken, andere Besonderheiten, empfiehlt es sich, die Anfahrtswege direkt mit den örtlich zuständigen Einsatzkräften abzustimmen.

Für die Bauphase gilt: Informationen über zeitweise veränderte Bedingungen müssen den Leitstellen unverzüglich mitgeteilt werden.

Um die Auffindbarkeit zu gewährleisten, können z. B. folgende Hilfsmittel eingesetzt werden:

  • Windenergieanlagen - Notfallinformationssystem (WEA-NIS),

  • GEO-Informationssysteme,

  • Lagepläne (z. B. auf Papier; Vorteil: unabhängig von elektronischer Infrastruktur nutzbar)

Änderungen sind sofort nach Bekanntwerden im zur Anwendung kommenden System zu aktualisieren.

WEA-NIS: Musteransicht Leitstellen

Erste-Hilfe-Ausbildung und -Material

Alle an WEA eingesetzten Beschäftigten sollten Ersthelfer sein. Nach einem Erste-Hilfe-Kurs (Umfang: 16 Unterrichtseinheiten) ist spätestens alle zwei Jahre ein Erste-Hilfe-Training (Umfang: 8 Unterrichtseinheiten) zu besuchen.

Weitere spezifische Unterweisungen/Ausbildungen sind für den Umgang mit speziellen Rettungsgerätschaften (Abseilgerät, Rettungstrage,...) und die Hilfe in besonderen Notlagen (Hängetrauma nach Sturz in ein Auffangsystem; siehe dazu weiter unten) erforderlich.

Als Ausstattung sollte jedem Ersthelfer über den normgerechten "kleinen Betriebsverbandkasten" hinaus ein Erste-Hilfe-Set zur Verfügung stehen, das leicht mitgeführt werden kann. Sein Inhalt ist in Zusammenarbeit mit dem Betriebsarzt vom Unternehmer festzulegen.

Bei Augenverätzungen kommt es auf schnellstmögliche Hilfe an. Muss mit Säuren, Laugen u. ä. umgegangen werden ist daher eine Augenspülmöglichkeit (z. B. Augenspülflasche) unmittelbar an der jeweiligen Arbeitsstelle vorzuhalten. Welche Spülflüssigkeit verwendet wird, ist mit dem Betriebsarzt abzustimmen.

Technische Rettungsausrüstung

Der Unternehmer hat dafür zu sorgen, dass unter Berücksichtigung der betrieblichen Verhältnisse geprüfte Rettungsgeräte und ggf. Rettungstransportmittel bereit gehalten werden. Diese können auf Dauer in der Anlage vorhanden sein oder mitgebracht werden. Sie müssen in ausreichender Zahl (abhängig u.a. von der Anzahl der Personen in der WEA) vorhanden und vor Beginn der Arbeiten am Arbeitsplatz vorhanden sein.

Aufgrund der besonderen Umstände des Einsatzortes und der örtlichen Verhältnisse sind Beschäftigte besonders eingehend über Maßnahmen der Rettung zu unterweisen. Im Rahmen der Unterweisung haben sie mindestens einmal jährlich mit den einzusetzenden Rettungsgerätschaften zu trainieren (siehe auch "Unterweisungen, Rettungskonzept, Übungen").

Fluchtmöglichkeit

Bei Arbeiten in einer WEA ist vom Unternehmer zu gewährleisten, dass der Turm sicher betreten werden kann und Beschäftigte den Turm im Gefahrfall ohne besondere Hilfsmittel, z. B. Schlüssel, sicherverlassen können.

Unterweisungen, Rettungskonzept, Übungen

Bei den Unterweisungen (siehe auch 8.1.2) ist die Notfallorganisation besonders zu berücksichtigen. Grundlage der Unterweisungen sollte ein anlagenspezifisches Rettungskonzept auf Basis der zu erstellenden Gefährdungsbeurteilung sein.

In einem Rettungskonzept ist mindestens folgendes zu berücksichtigen:

  • Rettung innerhalb des Turms, z. B. von Steigleitern, von Plattformen, aus tiefer gelegenen Bereichen

  • Rettung aus dem Maschinenhaus, z.B. aus engen Räumen im Bereich Generator, Hydraulikanlage, Bremsanlage

  • Rettung aus dem Rotor, z.B. aus Nabe, Rotorblatt

  • Rettung von hochgelegenen Außenflächen, z.B. vom Maschinenhausdach, aus Arbeitsbühnen

  • zu verwendende Anschlagpunkte für Rettungsgeräte

  • zu verwendende Rettungsmittel, z.B. Abseil- und Rettungsgeräte, Seilklemmen, Verbindungsmittel

Rettungsübung mit Schleifkorbtrage

Um die Wirksamkeit interner wie auch externer Hilfs- und Rettungsmaßnahmen zu gewährleisten müssen regelmäßig Übungen durchgeführt werden. Die im Rettungskonzept beschriebenen Abläufe sind dabei auf ihre Sinnhaftigkeit zu überprüfen. Bei Bedarf muss das Rettungskonzept angepasst werden.

Bei Unterweisungen und Übungen zur Benutzung von PSA gegen Absturz ist auch die Eigenhilfe zur Vermeidung eines Hängetraumas zu trainieren.

Bei Übungen in absturzgefährdeten Bereichen ist eine zweite unabhängige Sicherung (Doppelsicherung) zu verwenden (z. B. Höhensicherungsgerät).

Hängetrauma

Das Hängetrauma kann zustande kommen, wenn bei längerem, bewegungslosem Hängen in einem Auffanggurt, z. B. nach einem Sturz von einer Turmplattform, der Rückstrom des Blutes aus den Beinen behindert wird bzw. verloren geht.

Aufgrund von Bewegungslosigkeit fehlt die Funktion der so genannten "Muskelpumpe" durch die Beinmuskulatur, wodurch eine große Menge des Blutes in den Beinen versackt.

Dies kann zu einem (Kreislauf)-Schock führen, weshalb das Hängetrauma einem orthostatischen Schock entspricht. In dieser Situation sind bei der Rettung und der Ersten Hilfe besondere Maßnahmen geboten.

Bei bestimmungsgemäßer Benutzung von Persönlicher Schutzausrüstung gegen Absturz ist das Auftreten eines Hängetraumas sehr unwahrscheinlich. Dafür ist eine sachgerechte Auswahl, das exakte Anpassen des Gurtes und die Durchführung eines Hängetests (s. Regel "Benutzung von PSA gegen Absturz" BGR/GUV-R 198) unbedingt erforderlich.

Der bereits weiter oben in diesem Kapitel mehrfach erwähnten Verantwortung des Unternehmers für die schnelle Rettung einer im Auffanggurt hängenden Person kommt also besondere Bedeutung zu.

Nähere Informationen zur Notfallsituation "Hängetrauma" enthält die BGI 8699.

8.1.8
Hygiene

  • Maßnahmen zur Hygiene sind in einer Betriebsanweisung festzulegen. Hierfür sind bei Einsatz von Gefahrstoffen auch die Hinweise aus den Sicherheitsdatenblättern zu berücksichtigen.

  • Gefährdung der Haut

    • Hautschutz-, -reinigungs- und -pflegemittel zur Verfügung stellen und benutzen.

  • Gefährdung durch fehlende Wechselarbeitskleidung

    • Für den Fall großflächiger Kleidungsverschmutzung Wechselarbeitskleidung vorhalten und den Wechsel anweisen

  • Gefährdung bei Nahrungsaufnahme

    • Sicherstellen, dass vor der Nahrungsaufnahme eine geeignete Handreinigung erfolgen kann. Mahlzeiten und Getränke nur an Plätzen einnehmen, bei denen keine Gefährdungen für den Beschäftigten bestehen.

  • Die Lagerung von Abfällen und Stoffen in der WEA ist nicht zulässig. Diese sind nach Beendigung der Arbeiten zu entfernen.

8.1.9
Arbeitsschutzorganisation

  • Maßnahmen zur Arbeitsschutzorganisation

    • Klare Regelung der Verantwortlichkeiten, Zuständigkeiten und Entscheidungsbefugnisse

    • Benennung von Aufsichtsführenden

    • Nennung von Ansprechpersonen, z. B. Betreiber, zuständiger Versorgungsnetzbetreiber (VNB)

  • Bestellung von:

    • Sicherheitsfachkraft

    • Betriebsarzt

    • Sicherheitsbeauftragte

    • Ersthelfer

  • Durchführung von Arbeitsschutzausschusssitzungen (ASA) gemäß Arbeitssicherheitsgesetz

    • Vertreter des Montage- und Servicepersonals sind an den Sitzungen zu beteiligen, wenn in dieser Sitzung ein sie betreffendes Thema abgehandelt wird.

  • Mitbestimmungs- und Informationsrechte des Betriebsrates in Belangen der Arbeitssicherheit beachten

  • Durchführung von Eignungsuntersuchungen und arbeitsmedizinischer Vorsorge in Abstimmung mit dem Betriebsarzt, wie z. B. nach

    • G 20 Lärm

    • G 25 Fahr-, Steuer-, Überwachungstätigkeiten

    • G 26 Atemschutzgeräte

    • G 27 Isocyanate (z. B. enthalten in 2-Komponentenkunstharzen)

    • G 29 Benzolhomologe wie Toluol und Xylole (z. B. enthalten in Farben, Beschichtungsstoffen)

    • G 41 Arbeiten mit Absturzgefahr

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