DGUV Information 201-007 - Epoxidharze in der Bauwirtschaft Handlungsanleitung (...

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Anhang I, Lösemittel
Anhang I
Epoxidharze in der Bauwirtschaft Handlungsanleitung (bisher: BGI 655)

Anhangteil

Titel: Epoxidharze in der Bauwirtschaft Handlungsanleitung (bisher: BGI 655)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 201-007
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Anhang I – Lösemittel

Manche Epoxidharz-Systeme enthalten Lösemittel zur Viskositätserniedrigung. Für bestimmte Anwendungsfälle sind diese Produkte sehr nützlich. Normalerweise sollten zur Vermeidung von Gefahren für Gesundheit und Umwelt aber lösemittelfreie Systeme verwendet werden. Es werden deshalb nur noch wenige lösemittelhaltige Epoxidharz-Produkte angeboten. In diesen können Kohlenwasserstoffe (Testbenzin, Solventnaphtha, Xylol), Alkohole (Ethanol, Butanol) und Etheralkohole (Propylenglykolmonomethylether) enthalten sein.

Reinigungsmittel für Arbeitsgeräte können darüber hinaus auch Ketone (Methylisopropylketon, Methylisobutylketon) und Ester (Propylenglykolmethyletheracetat) enthalten.

Halogenkohlenwasserstoffhaltige, krebserzeugende oder krebsverdächtige Lösemittel werden im Baubereich nicht eingesetzt.

Aceton (Niedrigsieder, Lösemittel mit Siedepunkt unter 65 C) sowie Toluol werden nur in speziellen Produkten verwendet. Chlorparaffine, von denen einige im Verdacht stehen Krebs zu erzeugen, können Bestandteile bestimmter Epoxidharz-Sondersysteme sein.

1
Gesundheitsgefahren durch Lösemittel

Lösemittel werden in erster Linie über Atemwege und Haut aufgenommen. Die R- und S-Sätze auf dem Etikett geben die bestehenden Gefahren an und empfehlen Sicherheitsvorkehrungen.

In Abhängigkeit von der einwirkenden Konzentration können Lösemittel zu Schleimhautreizungen, Rauschzuständen, Schwindel, Bewegungsstörungen, Müdigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Krämpfen, Atemlähmung und sogar zum Tod führen. Besonders tückisch ist, daß manche dieser Erscheinungen erst einige Stunden nach Kontakt mit dem Lösemittel eintreten.

Die Haut wird vor allem durch die entfettende Wirkung der Lösemittel geschädigt. Dadurch werden Infektionen und Allergien gefördert.

2
Brand- und Explosionsgefahren

Die Dämpfe brennbarer Lösemittel können unter bestimmten Umständen explodieren. Dies geschieht nicht bei Einhaltung der MAK-Werte oder ähnlicher Grenzwerte. Offene Flammen und Funkenbildung sollten beim Arbeiten mit lösemittelhaltigen Epoxidharz-Systemen unbedingt vermieden werden. Weitere Hinweise zu dieser Thematik sind in den Sicherheitsdatenblättern sowie im Merkblatt M 017 "Lösemittel" der BG Chemie enthalten.

3
Gefährdungsermittlung

Müssen Beschäftigte mit lösemittelhaltigen Epoxidharz-Systemen umgehen, hat der Unternehmer vor Beginn der Arbeiten die Gefahren zu ermitteln und zu beurteilen. Auf Basis der Beurteilung sind die erforderlichen Maßnahmen zum Schutz der Beschäftigten festzulegen.

Bei Einhaltung der Grenzwerte braucht nicht mit einer Gesundheitsgefährdung durch Einatmen von Lösemitteln gerechnet zu werden. Werden an Arbeitsplätzen die Auslöseschwellen4 überschritten, sind arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen erforderlich und Beschäftigungsbeschränkungen laut Gefahrstoffverordnung einzuhalten.

4
Schutzmaßnahmen

Das Ziel aller Schutzmaßnahmen ist die Vermeidung einer Gesundheitsgefährdung der Beschäftigten. Dafür sind gemäß Gefahrstoffverordnung zunächst alle dem Stand der Technik entsprechenden Technischen und Organisatorischen Maßnahmen zu treffen. Lassen sich dadurch nicht alle Gefährdungen vermeiden, sind wirksame Persönliche Schutzausrüstungen bereitzustellen und zu benutzen.

4.1
Technische und Organisatorische Schutzmaßnahmen

Räume, in denen mit lösemittelhaltigen Epoxidharz-Systemen gearbeitet wird, müssen gut durchlüftet sein. Natürliche Lüftung genügt im allgemeinen nur bei Räumlichkeiten, die über dem Erdboden liegen und sich durch Öffnung gegenüberliegender Fenster oder Türen sehr gut durchlüften lassen.

In unterflurigen oder engen Räumen, Behältern, Tanks, Gruben, Schächten usw. ist technische Lüftung erforderlich. Dabei sind die Dämpfe an der tiefsten Stelle abzusaugen, da sie schwerer als Luft sind. Die in diesen Bereichen tätigen Personen sind ständig von außen zu überwachen und entsprechend zu sichern.

Das Betreten von Räumen, in denen Lösemittel in gefährlicher Konzentration (z.B. oberhalb des Grenzwertes) auftreten können, ist nur den dort Beschäftigten mit den in der Betriebsanweisung festgelegten Schutzmaßnahmen gestattet.

Lösemittelhaltige Formulierungen sind unter Beachtung der einschlägigen Vorschriften und technischen Regeln so aufzubewahren und zu lagern, daß Menschen und Umwelt nicht gefährdet werden. Dabei sollen auch Vorkehrungen getroffen werden, um Mißbrauch oder Fehlgebrauch zu verhindern.

4.2
Persönliche Schutzmaßnahmen

Die Beschäftigten müssen auf mögliche Gefährdungen beim Umgang mit lösemittelhaltigen Epoxidharz-Systemen aufmerksam gemacht und über die zu treffenden Schutzmaßnahmen unterrichtet werden. Grundlage für die Unterweisung ist die arbeitsbereichs- und stoffbezogene Betriebsanweisung nach § 20 Gefahrstoffverordnung.

Wenn eine Gefährdung der Beschäftigten beim Umgang mit Lösemitteln durch Technische und Organisatorische Maßnahmen nicht ausgeschlossen werden kann, müssen geeignete Persönliche Schutzausrüstungen zur Verfügung gestellt, in einsatzfähigem Zustand gehalten und benutzt werden.

Besteht die Gefahr des Einatmens von Lösemitteln in gesundheitsgefährdenden Konzentrationen (z.B. oberhalb des Grenzwertes), sind geeignete Atemschutzgeräte zu benutzen: in der Regel mit Gasfiltertyp A1 bis 1 000 ppm, A2 bis 5 000 ppm, bzw. A3 bis 10 000 ppm (Kennfarbe braun). Beim Auftreten von Aerosolen z.B. bei Spritzverfahren sind die entsprechenden Kombinationsfilter A1-P2, A2-P2, A3-P2 (bzw. A1-P3 usw. bei giftigen Produkten) einzusetzen (Kennfarben braun/weiß). Bei höheren Konzentrationen sind von der Umgebungsluft unabhängig wirkende Atemschutzgeräte einzusetzen. Dies gilt immer bei Grenzwertüberschreitungen bei Lösemitteln, die Niedrigsieder enthalten (Siedepunkt unter 65 C, z.B. Aceton, Methylacetat). Atemschutzgeräte dürfen nur von ausgebildeten und arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen unterzogenen Personen benutzt werden.

Augen-, Haut- und Handschutz sind in Kapitel 6 des Merkblatts beschrieben. In Abhängigkeit von den enthaltenen Lösemitteln können jedoch andere Handschuh-Materialien notwendig sein. Hinweise dazu gibt Tabelle 1.

5
Entsorgen von Abfällen und Rückständen

Abfälle und Rückstände, die Lösemittel enthalten können, müssen sachgemäß entsorgt werden. Zur Kennzeichnung der Abfälle mit Abfallschlüsselnummern siehe Kapitel 10 der Handlungsanleitung.

6
Erste Hilfe

Bei Verdacht auf eine Gesundheitsschädigung durch Lösemittel hat der Betroffene den Gefahrenbereich zu verlassen, oder er ist aus dem Gefahrenbereich zu entfernen. Danach ist unverzüglich ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Hinsichtlich durchzuführender Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Einwirkung von Lösemitteln auf Augen, Haut, Atmungsorgane oder durch Verschlucken gilt Kapitel 7 der Handlungsanleitung.

Tabelle 1:
Empfohlene Handschuhmaterialien für in Epoxidharz-Systemen vorkommende Lösemittel.

LösemittelVitonButylNitril
EthanolXX0
ButanolXXX
Aceton-(X)-
IsopropanolXXX
n-PropanolXXX
Butanon (MEK)-0-
4-Methylpentan-2-on (MIBK)-0-
Propylenglykolmonomethylether0X0
Propylenglykolmonomethyletheracetat-X0
ToluolX--
XylolX--
SolventnaphthaX-X
TestbenzinX-X
Xbeständig, verwendbar für eine Schicht   
(X)bedingt beständig, verwendbar für eine halbe Schicht   
0sehr bedingt beständig, nur als Spritzschutz zu verwenden   
-unbeständig   

Quellenverzeichnis

Verordnung zum Schutz vor gefährlichen Stoffen (Gefahrstoffverordnung - GefStoffV)

Technische Regeln für Gefahrstoffe (TRGS), insbesondere: TRGS 555 "Betriebsanweisung und Unterweisung nach § 20 GefStoffV"

Arbeitsstätten-RichtlinieASR 5 "Lüftung"

Merkblatt M 017 "Lösemittel" und

Merkblatt A 008 "Persönliche Schutzausrüstungen" der Berufsgenossenschaft der chemischen Industrie, Heidelberg.

4

Die Auslöseschwelle ist die Konzentration eines Stoffes in der Luft am Arbeitsplatz oder im Körper, bei deren Überschreitung zusätzliche Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit erforderlich sind. Für arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen gilt die Auslöseschwelle als überschritten, wenn der MAK-Wert nicht dauerhaft sicher eingehalten wird. Bei hautresorptiven Stoffen wie Xylol gilt die Auslöseschwelle bereits bei Hautkontakt als überschritten.