DGUV Information 213-005 - Spraydosen und Gaskartuschen (bisher: BGI 646)

Online-Shop für Schriften

Jetzt bei uns im Shop bestellen

Jetzt bestellen
Abschnitt 4, Anforderungen an Verkaufs-, Vorrats- und Lagerr...
Abschnitt 4
Spraydosen und Gaskartuschen (bisher: BGI 646)
Titel: Spraydosen und Gaskartuschen (bisher: BGI 646)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 213-005
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 4 – Anforderungen an Verkaufs-, Vorrats- und Lagerräume

Für den Umgang mit Druckgaskartuschen gelten die gleichen Sicherheitsanforderungen wie für Spraydosen.

Beim Aufbewahren von gefüllten Spraydosen sind folgende Maßnahmen zu beachten: Spraydosen dürfen keiner Erwärmung über 50 C durch Sonnenbestrahlung oder durch andere Wärmequellen ausgesetzt werden. Andere Wärmequellen sind z.B. Heizungen, Öfen, Punktstrahler. Von Heizanlagen sollte bei der Lagerung und Präsentation ein Abstand von wenigstens 0,5 m eingehalten werden. Punktstrahler dürfen nicht auf Spraydosen gerichtet sein.

Spraydosen dürfen nicht in Durchgängen oder Durchfahrten, Treppenräumen, Gebäude- oder Stockwerksfluren sowie auf Dachböden gelagert oder bereitgestellt werden.

Verkaufs-, Vorrats- und Lagerräume müssen den Anforderungen des Bauaufsichtsrechts entsprechen. Eine Hauptforderung ist, dass diese Räume ausreichend (natürlich oder künstlich) belüftet sein müssen, so dass im Schadensfall austretende brennbare und/oder gesundheitsschädliche Stoffe durch die Luftbewegung verdünnt und abgeführt werden können.

Vorratsräume sind Räume, die u.a. dem Lagern gefüllter Spraydosen dienen, sofern die von den Spraydosen eingenommene Grundfläche nicht größer als 20 m2 ist. Grundfläche ist die Projektion der Lagerfläche auf den Boden, nicht jedoch die Summe der Lagerfläche der verschiedenen Regalebenen.

Wird das Maß von 20 m2 überschritten, handelt es sich um einen Lagerraum, an den höhere Anforderungen als an einen Vorratsraum gestellt werden.

Drei Größen werden unterschieden:

Lagergröße I: bis 60 m2 Grundfläche,

Lagergröße II: 60 bis 500 m2 und

Lagergröße III: über 500 m2 Grundfläche.

Für diese Räume gelten die Ziffern 6.1 und 6.2 der TRG 300, bei deren Planung/Einrichtung die zuständigen Ämter für Arbeitsschutz, Bauaufsichtsämter und die örtlichen Brandschutzbehörden vorher eingebunden werden sollten.

Vorratsräume über Erdgleiche, die an Gebäudeaußenwänden liegen, können bei günstigen Bedingungen durch ca. 20 cm x 20 cm große Öffnungen in der Außenwand ausreichend natürlich belüftet werden (siehe Bild 3). Eine Öffnung muss sich dann in Fußbodenhöhe befinden, die andere, gleich große Öffnung ebenfalls in der Außenwand in Höhe der Raumdecke, wodurch das Abfließen des Treibmittelgases (schwerer als Luft!) begünstigt wird. Es wird dadurch auch verhindert, dass z.B. Flüssiggas unkontrolliert in andere Räume fließt.

Bild 3: Natürliche Be- und Entlüftung durch zwei Öffnungen (siehe Pfeile) in der Außenwand.

Vorratsräume über Erdgleiche ohne Außenwände und Vorratsräume unter Erdgleiche können ausreichend nur künstlich durch Absauganlagen belüftet werden. Die Absaugöffnungen müssen in Fußbodenhöhe installiert werden, da die Treibgase schwerer als Luft sind (siehe Bild 4).

Bild 4: Künstliche Be- und Entlüftung; Absaugöffnung in Fußbodenhöhe.

Die Absaugung muss so ins Freie führen, dass im Schadensfall Treibgase sich nicht in anderen, tiefer gelegenen Räumen ansammeln können.

Wegen der zu erwartenden relativ geringen Treibgasmengen, z.B. bei Leckagen, genügt eine Luftwechselrate von 0,5 pro Stunde bei Dauerbetrieb eines Ventilators. Diese Luftwechselrate erreicht man z.B. mit Absaugleitungen von 100 mm Durchmesser, in die ein Rohr-Einschub-Ventilator (z.B. mit einer Leistungsaufnahme von 14 Watt) in Kurzschlußläufer- und Allkunststoff-Ausführung eingebaut ist.

Bei ausreichender Belüftung ist dann keine explosionsgeschützte Ausführung der elektrischen Anlagen und Betriebsmittel erforderlich.

Verkaufs-, Vorrats- und Lagerräume müssen so gelegen und eingerichtet sein, dass sie im Falle der Gefahr schnell und sicher verlassen werden können. Die Einrichtung der Räume, z.B. die Anordnung der Regale, die Ausstattung mit Maschinen, Geräten und Möbeln, muss unter Berücksichtigung kurzer Fluchtwege erfolgen. Diese Wege müssen freigehalten werden.

In der Nähe des Verkaufsstandes für Spraydosen und an jedem Ausgang von Vorrats- und Lagerräumen muss ein Feuerlöscher von wenigstens 6 kg Füllgewicht vorhanden sein, der für die Brandklassen A, B, C geeignet ist.

Die Feuerlöscher müssen jederzeit einsatzbereit sein. Sie müssen wenigstens alle 2 Jahre auf ihre Funktionsfähigkeit geprüft werden. Sie müssen ständig leicht erkennbar und leicht zugänglich sein.

Verpackungseinheiten müssen so gestapelt werden, dass sie nicht umkippen können.

Werden Dosen übereinander gestapelt, muss durch geeignete Maßnahmen verhindert werden, dass die oberen Dosen herabfallen können, z.B. durch Zwischenlagen aus Karton.

Bild 5: Vorratshaltung von Druckgasdosen in einem eigenen Vorratsraum; Kartonverpackungen schützen vor Herunterfallen.

Zusätzliche Anforderungen an Verkaufsräume

Verkaufsstände für Spraydosen dürfen nicht an Ausgängen liegen. Sie sollen sich auch nicht an Rettungswegen/Notausgängen befinden.

An Verkaufsständen für Spraydosen dürfen leicht entzündliche Stoffe, z.B. Flüssiggas, pyrotechnische Gegenstände, Zündhölzer, nicht bereitgehalten werden. Offene Flammen und offenes Licht dürfen in der Nähe von Spraydosen nicht verwendet werden.

In Schaufenstern dürfen gefüllte Spraydosen nicht aufgestellt werden. Es empfiehlt sich die Verwendung von Attrappen, die durch eine Öffnung im Boden erkennbar sind.

Die bereitgestellten Spraydosen sollen den voraussichtlichen Tagesbedarf und die für die Darbietung des Sortiments erforderlichen Mengen nicht überschreiten. In ebenerdigen Großmärkten (Supermärkten) dürfen in Abstimmung mit der zuständigen staatlichen Arbeitsschutzbehörde (z.B. Gewerbeaufsichtsamt) über den Tagesbedarf hinausgehende Mengen an Spraydosen bereitgestellt werden.

Hierüber sollte ein entsprechendes Schriftstück vorliegen oder im Bedarfsfall beschafft werden. Dies insbesondere, um die Rechtmäßigkeit dieses Tuns im Schadensfalle nachweisen zu können. Auch Bauaufsichtsämter und Brandschutzbehörden (Feuerwehren) können hier gewisse Sicherheitsvorkehrungen verlangen, z.B. den Verkauf von Spraydosen an mehreren, möglichst weit voneinander entfernten Verkaufsständen, -plätzen, um bei einem evtl. Brand ein Inferno zu minimieren.

Zusätzliche Anforderungen an Vorratsräume

Ein Zusammenlagern mit pyrotechnischen Artikeln ist nicht zulässig.

Ein Zusammenlagern von Spraydosen und brennbaren Flüssigkeiten ist unter Berücksichtigung der TRbF 20 zulässig. Ordnungsgemäß eingerichtete Vorratsräume für Spraydosen sind wegen ihrer ausreichenden (natürlichen oder künstlichen) Belüftung gerade dafür geeignet.

Zusätzliche Anforderungen an Lagerräume

Lagerräume dürfen nur zu 60% ihrer Fläche mit Lagergut jeder Art belegt werden.

In Lagerräumen ist das Rauchen, der Umgang mit offenem Feuer oder offenem Licht, das Ablegen von Abfallstoffen, z.B. verbrauchtes Putzmaterial, Putzlappen und das Zusammenlagern mit selbstentzündlichem oder leicht entflammbarem Lagergut - dazu gehört auch Verpackungsmaterial - nicht zulässig. Hierauf muss an jedem Zugang durch Aushang hingewiesen sein, sofern nicht für den Bereich der gesamten Anlage an deren Eingängen ein entsprechendes Verbot angezeigt ist.

Lagerräume dürfen nicht in Wohngebäuden liegen. Sie müssen von angrenzenden Räumen durch feuerbeständige Wände und Decken abgetrennt sein.

Türen und Tore müssen in Fluchtrichtung aufschlagen; Schiebe- und Rolltüren müssen eine Schlupftür haben, wenn nicht eine andere Fluchttür vorhanden ist. Türen müssen mindestens 80 cm breit sein. Türen und Tore zu angrenzenden Räumen müssen mindestens feuerhemmend nach DIN 18 082 sein.

Fußböden müssen aus nicht brennbaren Baustoffen bestehen.

Schornsteinreinigungsverschlüsse dürfen nicht in den Räumen liegen.

Heizungsanlagen mit offenem Feuer sind nicht zulässig.

Zusätzliche Anforderungen an Lagerräume der Größe II (über 60 bis 500 m2Grundfläche)

Lagerräume dieser Größe dürfen nicht unter Räumen liegen und mit solchen Räumen nicht verbunden sein, die zum dauernden Aufenthalt von Personen bestimmt sind. Jeder Lagerraum muss mit einer Nassfeuerlöschleitung mit an geschlossenem Wandhydranten ausgestattet sein, sofern nicht fahrbare Feuerlöschgeräte bereitgestellt sind. Den Brandschutz betreffende Einzelheiten müssen mit der zuständigen Bauaufsichts- und Brandschutzbehörde/Feuerwehr abgestimmt sein.

Zusätzliche Anforderungen an Lagerräume der Größe III (über 500 m2Grundfläche)

Lagerräume der Größe III müssen in einem nur Lagerzwecken dienenden Gebäude oder Gebäudeteil liegen. Jeder Raum muss in Brandschutzabschnitte unterteilt sein, wenn seine Grundfläche mehr als 1000 m2 - in Kellergeschossen mehr als 500 m2 - beträgt.

Jeder Brandabschnitt muss mit einer Nass-Feuerlöschleitung mit angeschlossenen Wandhydranten ausgestattet sein, sofern nicht fahrbare Feuerlöschgeräte bereitgestellt sind.

Größere Brandabschnitte als solche nach Satz 2 sind zulässig, wenn jeder Abschnitt mit den in einem solchen Falle erforderlichen Feuerlöschgeräten und -einrichtungen ausgestattet ist.