DGUV Information 209-019 - Sicherheit bei der Blechverarbeitung (bisher: BGI 604...

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Abschnitt 6, Biegen von Blechen
Abschnitt 6
Sicherheit bei der Blechverarbeitung (bisher: BGI 604)
Titel: Sicherheit bei der Blechverarbeitung (bisher: BGI 604)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 209-019
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 6 – Biegen von Blechen

Bei der Herstellung von Behältern, Apparaten und Formteilen aus Blech muss eine Werkstoffumformung erfolgen. Die gebräuchlichsten Verfahren sind Walzen, Schwenkbiegen und Gesenkbiegen.

Beim Umformverfahren durch Walzen muss das Blech geführt werden. Eine Sicherung der Einzugstelle ist bei den meisten Anwendungsfällen nicht möglich.

Deshalb werden Nothalt-Einrichtungen vorgesehen, z.B. Schaltstangen oder Reißleinen am Walzeneinzug.

Wird die Bewegung von Blechbearbeitungsmaschinen mit rotierenden Werkzeugen durch einen Fußschalter ausgelöst, ist der Einsatz eines Drei-Stufen-Sicherheitsschalters von Vorteil (Bild 6-1).

Bild 6-1: Drei-Stufen-Sicherheitsschalter

Der Arbeitsablauf wird durch Herunterdrücken des Pedals bis zum Druckanschlag eingeleitet. In einer Notsituation wird das Pedal über den Druckanschlag hinaus nach unten gedrückt. Der Arbeitsablauf wird unterbrochen und ein Wiederanlauf durch die Steuerung selbsttätig verhindert. Besonders wirkungsvoll ist dieser Schalter, wenn die Blechbearbeitungsmaschine mit einem Bremsmotor ausgerüstet ist.

Eine besondere Gefährdung entsteht durch das Tragen von Schutzhandschuhen. Werden die Fingerspitzen der Handschuhe erfasst und in die Walze gezogen, bemerkt dies die gefährdete Person erst, wenn auch die Finger erfasst sind. Ein Herausziehen der Hand ist dann nicht mehr möglich. Handschuhe dürfen daher beim Arbeiten an rotierenden Werkzeugen, z.B. an Sicken- und Bördelmaschinen, Rundwalzen und Rollenrichtmaschinen, nicht getragen werden (Bilder 6-2 und 6-3). Nur an Maschinen mit gesicherten Einzugstellen dürfen Schnittschutzhandschuhe getragen werden (Bild 6-4).

Bild 6-2: Unterarmschutz ohne Schutzhandschuhe

Bild 6-3: Schutzhandschuhe dürfen bei Arbeiten an Walzenbiegemaschinen nicht getragen werden

Bild 6-4: Bei Arbeiten an Maschinen mit gesicherten Einzugstellen dürfen Schutzhandschuhe getragen werden

Um jedoch der Gefahr von Schnittverletzungen auch bei diesen Arbeiten vorzubeugen, wurde versucht, Handleder einzusetzen. Ein sicheres Greifen und Halten von Blechen mit Handledern ist aber nur bedingt möglich.

Einige Betriebe stellen deshalb Handschuhe ohne Finger zur Verfügung. Damit wird der Handteller vor Schnittverletzungen geschützt und das gefährliche Erfasstwerden der Finger von Handschuhen vermieden (Bild 6-5).

Das Unfallgeschehen bei Arbeiten an Schwenkbiegemaschinen (Bild 6-6) zeigt, dass der Spannvorgang die wesentliche Gefährdung darstellt.

Bild 6-5: Unterarmschutz mit Schutz der Handfläche, geeignet bei Arbeiten an Maschinen mit Einzugstellen

Bild 6-6: Schwenkbiegemaschine

Ist es nicht möglich, den Spannhub auf eine ungefährliche Höhe von 8 mm zu begrenzen oder den Schließvorgang mit einer Zweihand-Schaltung auszulösen, kann bei einer Fußsteuerung der bereits beschriebene Drei-Stufen-Sicherheitsschalter eingesetzt werden.

Arbeiten mehrere Personen gleichzeitig an der Maschine, sind auch diesen Personen Schutzmaßnahmen zuzuordnen.

Bei automatisch betriebenen Schwenkbiegemaschinen sind weitere Schutzmaßnahmen (z.B. Einsatz von berührungslos wirkenden Schutzeinrichtungen oder Schaltmatten) zu treffen.

Beim Biegen von Blechen auf Gesenkbiegepressen besteht die Gefahr von Handverletzungen (Bild 6-7)

  • durch die Schließbewegung des Werkzeuges,

  • durch die Schwenkbewegung des aus dem Werkzeug herausragenden Teil des Bleches,

  • durch das Herabfallen des Bleches beim Öffnen des Werkzeuges und

  • durch das Verfahren der elektrisch betätigten Anschläge.

Bild 6-7: Gefährdungen bei Arbeiten an Gesenkbiegepressen

Gesenkbiegepressen werden, abgesehen von einigen Ausnahmen, hydraulisch angetrieben und fallen damit unter den Geltungsbereich der BG-Regel "Betreiben von Arbeitsmitteln" (BGR 500). Nähere Angaben zur technischen Sicherheit finden sich in den Europäischen Produktnormen DIN EN 12622 (Gesenkbiegepressen) und DIN EN 693 (Hydraulische Pressen).

Im Unterschied zu anderen Arbeitsverfahren auf Pressen müssen größere Bleche während des Biegevorgangs geführt werden.

In den "Sicherheitsregeln für Biegearbeiten auf kraftbetriebenen Gesenkbiegepressen (Abkantpressen) der Metallbearbeitung" (ZH 1/387) sind daher besondere Handschutzmaßnahmen zusammengestellt:

  • distanzierende berührungslos wirkende Schutzeinrichtungen,

  • Kombinationsschaltungen,

  • Hubbegrenzung und

  • ortsbindende Befehlseinrichtung.

Die distanzierende berührungslos wirkende Schutzeinrichtung (Bild 6-8) kann als Lichtvorhang horizontal oder vertikal vor dem Biegewerkzeug angebracht werden. Eine gefährliche Schließbewegung kann nur ausgelöst werden, wenn sich Personen in einem durch die Schutzeinrichtung vorgegebenen Abstand vor den Gefahrstellen aufhalten.

Bild 6-8: Distanzierende berührungslos wirkende Schutzeinrichtung für Gesenkbiegepressen

Die Schutzeinrichtung muss so lange wirksam bleiben, bis die gefährliche Schließbewegung beendet ist. Eine Gefährdung durch die Schließbewegung ist nicht mehr zu erwarten, wenn ein lotrechter Abstand von 8 mm zwischen Unterkante des Oberwerkzeugs und Oberkante des Unterwerkzeugs erreicht wird.

Zum Führen oder Halten des Bleches kann dann in das Schutzfeld eingedrungen werden, da die Schutzeinrichtung nicht mehr wirksam ist.

Bei einer Kombinationsschaltung (Bild 6-9) wird eine berührungslos wirkende Schutzeinrichtung (Bild 6-10) oder eine Zweihandschaltung mit einer Fußschaltung verknüpft (Bild 6-11).

Bild 6-9: Einsatz einer Zweihand-Kombinationsschaltung bei Arbeiten an einer Gesenkbiegepresse

Bild 6-10: Prinzipskizze einer Kombinationsschaltung

Bild 6-11: Kombinationsschaltung; Fußbetätigung während des Biegevorganges

Eine Kombinationsschaltung in der Variante Zweihand-Fußschaltung ist nicht mehr zulässig für Gesenkbiegepressen, die nach DIN EN 12022 hergestellt sind.

Bis zu einer zulässigen Öffnungsweite von 8 mm bleibt die Schutzeinrichtung wirksam. Die Schließbewegung wird dann selbsttätig unterbrochen und kann mit der Fußschaltung für den Biegevorgang fortgesetzt werden.

Werden dicke Bleche auf Gesenkbiegepressen bearbeitet, ist die Einhaltung einer Öffnungsweite von maximal 8 mm nicht möglich.

Sie darf daher um die Dicke des Bleches erhöht werden, wenn

  • die Breite des Oberwerkzeugs die Werkstückbreite nicht überschreitet

    oder

  • die über die Werkstückbreite hinausragenden Teile der Werkzeuge ausreichend verdeckt sind.

Die Hubbegrenzung (Bild 6-12) kann als Handschutzmaßnahme eingesetzt werden, wenn das Blech nach dem Biegen noch bei einer Öffnungsweite von maximal 8 mm zwischen Unterkante Oberwerkzeug und Oberkante Unterwerkzeug entnommen werden kann.

Die Hubbegrenzung kann bis zu einer Blechdicke von etwa 6 mm angewandt werden.

Bild 6-12: Hubbegrenzung für Gesenkbiegepressen

Achtung!

Die Erhöhung der zulässigen Öffnungsweite durch Hinzuzählen der Blechdicke ist bei der Handschutzmaßnahme Hubbegrenzung nicht zulässig.

Zur Auslösung des Hubes genügt bei dieser Schutzmaßnahme die Fußschaltung.

Die ortsbindende Befehlseinrichtung (Bild 6-13) ist nur bei Blechen großer Abmessung anwendbar. Der Fußschalter als Befehlseinrichtung muss bei dieser Schutzmaßnahme in einem waagerechten Abstand von mindestens 1m zu den Gefahrstellen des Werkzeuges so angebracht werden, dass eine unbefugte Veränderung der Lage ausgeschlossen ist.

Bild 6-13: Ortsbindende Befehlseinrichtung für Gesenkbiegepressen

Die Schutzwirkung der ortsbindenden Befehlseinrichtung darf nicht auf einfache Weise umgangen werden können. Die an der Presse beschäftigte Person darf daher die Presse nicht auslösen können, wenn sie sich zwischen dem Fußschalter und der Presse aufhält. Beim Loslassen der Befehlseinrichtung muss die Schließbewegung unterbrochen werden.

Werden mehrere Personen an einer Gesenkbiegepresse beschäftigt, sind für jede Person Handschutzmaßnahmen zu treffen, die auch eine gegenseitige Gefährdung ausschließen.

Können in Einzelfällen die genannten Handschutzmaßnahmen aus fertigungstechnischen Gründen nicht eingesetzt werden, dürfen die Pressen mit einer Schließgeschwindigkeit kleiner oder gleich 10 mm/s und mit einer Befehlseinrichtung mit selbsttätiger Rückstellung ohne zusätzliche Schutzmaßnahmen betrieben werden. Diese reduzierte Geschwindigkeit darf jedoch nicht überschritten werden; dies wird z.B. verhindert durch Einbau fester Drosseln oder begrenzte Pumpenleistung.

Die Sicherheit bei Arbeiten auf Gesenkbiegepressen hängt wesentlich vom Einrichter ab. Beim Einrichten sind besonders folgende Maßnahmen zu beachten:

  • Festlegung der Werkzeuge und Bearbeitungsschritte,

  • Anbringen und Ausrichten von Auflagen und Biegehilfen (Bild 6-14) und

  • Einstellen der Handschutzeinrichtungen oder der Ersatzmaßnahmen.

Eine bei allen Arbeiten auf Gesenkbiegepressen anwendbare Handschutzmaßnahme gibt es bisher nicht. Gesenkbiegepressen sollten daher mit verschiedenen Handschutzeinrichtungen ausgerüstet sein, damit beim Einrichten auch eine Auswahl zur Verfügung steht.

Weiter gehende Informationen enthält die BG-Information "Presseneinrichter" (BGI 551).

Bild 6-14: Magnethalterung und verstellbare Anschläge an Werkstückauflagen einer Gesenkbiegepresse