DGUV Information 209-019 - Sicherheit bei der Blechverarbeitung (bisher: BGI 604...

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Abschnitt 5.2, Blechscheren
Abschnitt 5.2
Sicherheit bei der Blechverarbeitung (bisher: BGI 604)
Titel: Sicherheit bei der Blechverarbeitung (bisher: BGI 604)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 209-019
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 5.2 – Blechscheren

Beim Schneiden von Blechen mit Handscheren und elektrischen Handmaschinen ist mit Schnittverletzungen durch den Schneidegrat zu rechnen. Durch Schutzhandschuhe können diese Verletzungen nicht immer verhindert werden. Es sind daher Blechscheren entwickelt worden, die mit einem Schutzbügel unter dem Handgriff ausgerüstet sind (Bild 5-1).

Bild 5-1: Ältere Blechschere ohne Distanzhalter und moderne Blechschere mit Schutzbügel

Durch ein zusätzliches Gelenk wird das Übersetzungsverhältnis vergrößert und die erforderliche Handkraft dadurch verringert.

Müssen an Handscheren größere Kräfte aufgebracht werden, sollten die Handhebel mit Distanzhaltern außerhalb des Handbereichs versehen sein, damit sich keine Quetschstellen zwischen den Handgriffen ergeben können.

Bei Handhebelscheren, die besonders im Handwerk eingesetzt werden, wird der Schneidvorgang über eine Hebelübersetzung von Hand ausgeführt.

Ein Herunterschlagen des Handhebels muss durch eine selbsttätig wirkende Hochhaltevorrichtung ausgeschlossen sein (Bild 5-2).

Bild 5-2: Handhebelschere mit Hochhaltevorrichtung

Schlagscheren sind handbetätigte Scheren für größere Schnittlängen. Zur Vermeidung von Verletzungen muss das Gegengewicht des beweglichen Obermessers so eingestellt sein, dass der Messerbalken in keiner Stellung von selbst niedergehen kann. Der Niederhalter dient auch als Handschutz.

Bei Tafelscheren muss die Schnittlinie zur Verhütung von Finger- und Handverletzungen auf der ganzen Länge des Messerbalkens geschützt sein (Bild 5-3).

Bild 5-3 Schnittlinienschutz an einer Tafelschere

Grundlage dafür bildet die DIN EN 294 "Sicherheitsabstände gegen das Erreichen von Gefahrstellen mit den oberen Gliedmaßen".

Die Schutzeinrichtungen müssen ausreichende Sicht auf die Schnittlinie zulassen (Beleuchtung der gesamten Schnittlinie), damit maßgerecht geschnitten werden kann.

Gegen seitliches Eingreifen in den Schnittbereich sind feste Verdeckungen anzubringen.

Wie bei allen Schutzgittern, durch die Arbeitsvorgänge beobachtet werden müssen, sollte das Schutzgitter mattschwarz gestrichen werden, um Blendwirkungen zu vermeiden.

Beim Schneiden dicker Bleche können selbsttätig herunterfallende Rohrabschnitte als Vorwarnschutzeinrichtung vor dem Schnittlinienschutz angebracht werden (Bild 5-4).

Bild 5-4: Schnittlinienschutz mit Vorwarneinrichtung für dicke Bleche

Werden dickere Bleche während des Schneidens festgehalten, sind Fingerquetschungen zwischen Blech und Auflage zu erwarten. Zur Vermeidung dieser Unfälle hilft der Einsatz von Hilfswerkzeugen (Bild 5-5) sowie eine gründliche Unterweisung.

Bild 5-5: Hilfswerkzeuge zum Schneiden schmaler Blechabschnitte auf Tafelscheren

Nach dem Schnitt fallen die Blechabschnitte auf der Scherenrückseite herunter und müssen von dort entfernt werden. Geschieht dies bei laufendem Scherenbetrieb, werden Personen an der Rückseite durch die Bewegungen des Messerbalkens oder des Anschlags und durch herabfallende Bleche gefährdet. Besonders bei großen Tafelscheren kann die an der Schere beschäftigte Person die Scherenrückseite nicht einsehen.

Die Scherenrückseite muss daher so gesichert sein, dass ein Betreten oder der Weiterbetrieb beim Betreten ausgeschlossen sind. Sicherheitstechnische Maßnahmen auch zur nachträglichen Ausrüstung sind Lichtschranken (Bild 5-6), Schutzgitter, Rutschen mit festen Anschlägen oder Rollenbahnen.

Bild 5-6: Nachträgliche Sicherung der Scherenrückseite durch Lichtschranken

Ausschnitte aus Blechen werden durch Stanzen, Lochen, Nibbeln und andere Verfahren mit Handmaschinen oder stationären Werkzeugmaschinen hergestellt.

Quetsch- und Schergefahren durch die Werkzeugbewegung können durch einen geringen Hub oder Verdeckungen ausgeschlossen werden. Wird das Blech nicht von Hand geführt, sondern eingespannt und programmgesteuert unter das Werkzeug geführt, entstehen Quetschstellen zu festen Teilen der Umgebung, besonders zu gelagerten Blechen und Lagergestellen.

Das Unfallgeschehen zeigt aber auch, dass versucht wird, während der Bearbeitung nicht völlig gelöste Blechausschnitte ohne Hilfswerkzeug von Hand zu entfernen.

Schnelle Werkstückbewegungen auf modernen Blechbearbeitungszentren führen dann zu Scherverletzungen an den Händen.

Als Schutzeinrichtung werden Umwehrungen und Umzäunungen in Verbindung mit Lichtschranken oder umspiegelnde Lichtschranken (Bild 5-7) an Blechbearbeitungszentren angebracht.

Bild 5-7: Sicherung eines Blechbearbeitungszentrums durch umspiegelnde Lichtschranken

Zusätzlich können Lärmschutzmaßnahmen erforderlich werden (Bild 5-8).

Insbesondere durch Vermeidung des direkten Herunterfallens der Bleche und durch Belegen der Transportmittel mit schallabsorbierendem Material.

Bild 5-8: Geräuschminderung an der Decke oberhalb einer automatischen Stanzmaschine und ergonomisch günstige Blechhandhabung durch Hubtisch, Vakuumheber und Hebezeug