DGUV Information 209-019 - Sicherheit bei der Blechverarbeitung (bisher: BGI 604...

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Abschnitt 2, Transport mit Hebezeugen
Abschnitt 2
Sicherheit bei der Blechverarbeitung (bisher: BGI 604)
Titel: Sicherheit bei der Blechverarbeitung (bisher: BGI 604)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 209-019
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 2 – Transport mit Hebezeugen

Das Stahldrahtseil ist immer noch das zum Blechtransport am häufigsten eingesetzte Anschlagmittel, obwohl besonders für den Blechtransport konstruierte Anschlagmittel das Stahldrahtseil ersetzen könnten. Seile lassen sich leicht unter Ablagen von Blechen hindurchschieben und bei geringem Lagerabstand von der abgelegten Last wieder entfernen. Scharfe Kanten an Blechen und Blechpaketen zerstören aber die Seile nach wenigen Transportvorgängen.

Es ist deshalb notwendig, die Seile an scharfen Kanten zu schonen, um ein Zerreißen zu vermeiden und die Lebensdauer zu verlängern (Bild 2-1).

Bild 2-1: Anschlagseil mit Kantenschoner

In den Betrieben ist aber immer wieder zu beobachten, dass Kantenschoner wegen der aufwendigen Handhabung nicht benutzt werden.

Wird auf Kantenschoner verzichtet, sind hoher Verschleiß und Bruchgefahr die Folgen. Die Schäden führen zur Ablegereife der Anschlagmittel.

Unfalluntersuchungen haben ergeben, dass beim Anschlagen von Blechen das Gewicht oft falsch eingeschätzt wird. In größeren Blechlagern liegen Bleche unterschiedlicher Abmessungen ohne Angaben von Gewichten. Nur eine gründliche Unterweisung kann Anschläger in die Lage versetzen, das Gewicht von Blechen richtig einzuschätzen und Überlastungen, auch durch gleichzeitiges Anheben mehrerer Bleche, zu vermeiden.

Bei Rundstahlketten kann auf Kantenschoner verzichtet werden, wenn sie bei ausreichender Bruchdehnung nur bis zu 80 % des zulässigen Gewichts belastet werden oder eine Kette der nächsthöheren Belastungsstufe (DIN EN 818 bzw. DIN EN 1677) verwendet wird.

Hebebänder, die mit einer verschleißfesten Kunststoffbeschichtung oder einem Schlauch überzogen sind (Bild 2-2), werden immer häufiger zum Blechtransport benutzt. Sie lassen einen Transport auch von scharfkantigen Lasten zu, da die Kunststoffschicht das tragende Hebeband schont. Wird der verschleißfeste Kunststoff als Schlauch über das Hebeband geschoben, eignet sich das Hebeband auch zum Wenden von Blechen, Bandstahlringen und Werkzeugen.

Bild 2-2: Hebeband mit verschleißfestem Flachschlauch

Zur Erleichterung der Handhabung werden Hebebänder mit größerer Tragfähigkeit nur auf einer Seite beschichtet. Es muss dann beim Anschlagen scharfkantiger Lasten darauf geachtet werden, dass die geschützte Seite des Hebebandes an der Last anliegt. Eine gründliche Unterweisung ist erforderlich.

Zum Transport von Blechen, Blechpaketen und Coils sind besondere Lastaufnahmemittel entwickelt worden, die bei bestimmungsgemäßer Verwendung ein sicheres und schonendes Transportieren ermöglichen.

Hierzu gehören:

  • Klauen, Pratzen, Zangen,

  • Hebeklemmen,

  • Vakuumheber,

  • Lasthebemagnete,

  • Parallelogrammzangen und

  • C-Haken, Coil-Greifer.

Hebeklemmen sind besonders für Grobbleche ein bewährtes Lastaufnahmemittel (Bild 2-3). Sie werden sowohl beim waagerechten als auch beim lotrechten Transport eingesetzt. Im Unterschied zu einfachen Haken und Klauen wird dabei die Last zwischen Klemmbacken gespannt. Die Klemmkräfte werden durch die Last selbst erzeugt. Dabei gilt, je größer die Klemmkraft, desto größer die Haltekraft.

Bild 2-3: Hebeklemme mit Kardangelenkaufhängung

Das Herausrutschen der Last aus einer Hebeklemme kann verschiedene Ursachen haben:

  • Umkippen des Bleches nach dem Absetzen,

  • Verschleiß der Klemmbacken,

  • Wendevorgänge mit Blechen und Blechkonstruktionen,

  • Anstoßen oder Pendeln der Last,

  • Hebelsystem der Klemme nicht funktionsfähig,

  • ungeeignete Klemme eingesetzt,

  • die Hebeklemme ist für die zu transportierende Last und den Transportvorgang nicht geeignet (Greifbereich, Tragfähigkeit usw.),

  • die Hebeklemme hat auffällige Mängel,

  • das Blech ist nicht frei von Beschichtungen, Walzzunder und Verschmutzungen, welche die Haltesicherheit beeinträchtigen können,

  • das Blech ist im Greifbereich verbogen, abgeflacht oder angeschrägt,

  • die Hebeklemme ist nicht bis zum Maulgrund auf das Blech gesetzt worden (Bild 2-4),

  • die Vorspannfeder ist nicht durch Umlegen des Sicherheitshebels gespannt und

  • es ist mehr als ein Blech in die Hebeklemme gespannt worden; damit konnten die Klemmbacken nicht auf beiden Oberflächen des Bleches wirken.

Bild 2-4: Richtiges und falsches Aufnehmen von Lasten mit Hebeklemmen

Hebeklemmen mit einfacher Lagerung der Aufhängeöse lassen eine Schräglage quer zur Gehäusefläche der Hebeklemme nur bis 10 zu. Es werden daher auch Hebeklemmen mit zwei rechtwinklig zueinander angeordneten Gelenken (kardanische Aufhängung) an der Aufhängeöse angeboten, die auch bei Schrägzug die erforderliche Kraft auf das Hebelsystem der Klemme übertragen können.

Es ist sinnvoll, nur noch Hebeklemmen mit kardanischer Aufhängung einzusetzen.

Der gefahrlose Umgang mit Hebeklemmen hängt entscheidend vom einwandfreien Zustand des Gehäuses, der Aufhängeöse, der Verbindungsteile, der Verbindungsbolzen, der Klemmteile sowie der Sicherheitseinrichtungen ab (Bild 2-5). Ein Versagen dieser Teile kann unter Umständen schwere Unfälle zur Folge haben. Sie müssen daher durch regelmäßige Prüfungen auf Schäden durch Verschleiß und Korrosion sowie auf andere Schäden, die durch den laufenden Betrieb oder äußere Einwirkungen verursacht sein können, überwacht werden. Die regelmäßigen Prüfungen sind mindestens einmal jährlich von befähigten Personen durchzuführen. Befähigte Person ist eine Person, die durch ihre Berufsausbildung, ihre Berufserfahrung und ihre zeitnahe berufliche Tätigkeit über die erforderlichen Fachkenntnisse zur Prüfung der Arbeitsmittel verfügt (Betriebssicherheitsverordnung - BetrSichV).

Bild 2-5: Ersatzteile für eine Hebeklemme

Bei Hebeklemmen für den senkrechten Transport von Blechen ist besonderes Augenmerk auf die Ermittlung der Verschleißgrenze der Klemmteile zu legen.

Da es auch von den Einsatzbedingungen und den aufgenommenen Materialien abhängt, ob die Klemmteile noch weiter verwendet werden können oder ausgetauscht werden müssen, ist eine Verschleißprüfung der Verzahnung nach Angaben des Herstellers erforderlich (Gebrauchsanleitung).

Müssen große Bleche während der Bearbeitung an Walzenbiegemaschinen oder Gesenkbiegepressen mit Hilfe von Hebezeugen gehalten werden, ist eine feste Verbindung der Bleche mit dem Lastaufnahmemittel erforderlich. Diese Verbindung kann durch Schraubklemmen hergestellt werden.

Zunehmenden Einsatz als Lastaufnahmemittel für Bleche finden Vakuumheber (Bild 2-6). Der Transport wird erleichtert, da das An- und Abschlagen der Last durch Anschläger entfällt.

Bild 2-6: Vakuumheber beim Einsatz an einer Gesenkbiegepresse

Vakuumheber werden in selbstansaugender Ausführung und mit Vakuumpumpe geliefert. Beim Einsatz von Vakuumhebern ist darauf zu achten, dass der nötige Unterdruck zum Anheben und Halten der Last erzeugt wird und erhalten bleibt.

Bei selbstansaugenden Vakuumhebern hängt der sich einstellende Unterdruck vom Gewicht der Last ab. Der Unterdruck wird durch ein Manometer angezeigt.

Treten im Laufe des Transportes Vakuumverluste auf, die durch ein Reservevakuum nicht mehr ausgeglichen werden können, muss das Erreichen des Gefahrenbereichs durch eine selbsttätig wirkende Warneinrichtung (optisch/akustisch) angezeigt werden (Bild 2-7).

Bild 2-7: Sicherheitseinrichtungen an einem Vakuumheber

Vakuumheber sind ein sicheres Lastaufnahmemittel, wenn

  • die Dichtungen regelmäßig geprüft und bei Bedarf erneuert werden,

  • der Arbeitsbereich des Vakuums eingehalten wird,

  • die Biegung von Blechen nach dem Anheben durch den Einsatz von Traversen und die richtige Verteilung der einzelnen Vakuumheber weitgehend vermieden wird und

  • vor dem Anheben darauf geachtet wird, dass die Blechoberfläche für den Transport mit Vakuumhebern geeignet ist (frei von Fett, Staub, Zunder usw.).

Einzelbleche, aber auch Blechpakete, können mit Lasthebemagneten angehoben werden. Dauermagnete sind besonders sicher, da die Haftkraft ohne Energiezufuhr nahezu unbegrenzt erhalten bleibt. Ein unbeabsichtigtes Lösen der Magnetkraft sollte durch mechanische Verriegelungen verhindert sein.

Wesentlich größere Tragfähigkeiten erreichen Netz- und Batterie-Lasthebemagnete (Bild 2-8).

Bild 2-8: Lasthebemagnet mit Batterie an einer Brennschneidanlage

Die Erschöpfung der Batterieleistung muss selbsttätig durch eine Warneinrichtung (optisch/akustisch) angezeigt werden.

Neuere Entwicklungen haben zu Elektro-Permanent-Lasthebemagneten geführt.

Diese Magneten besitzen die Sicherheit eines Permanentmagneten. Durch einen kurzen Stromimpuls kann die Magnetkraft aus sicherer Entfernung ein- und ausgeschaltet werden.

Einige Lasthebemagnete bieten auch die Möglichkeit, die Magnetkraft zu regulieren und damit Einzelbleche von einem Stapel abzuheben.

Löst sich während des waagerechten Transports ein Blech von einem Lastaufnahmemittel, ist damit zu rechnen, dass das Blech nicht lotrecht herabfällt, sondern unter dem Einfluss des Luftwiderstandes seitlich abgleitet und auch entfernt stehende Personen gefährdet.

Achtung!

Bei Verwendung von Lastaufnahmemitteln, welche die Last lediglich durch Magnet-, Reib- oder Saugkräfte halten, darf die Last nicht über Personen hinweg geführt werden!

Blechpakete, die mit Packband verschnürt sind, dürfen nicht durch Einhaken von Anschlagmitteln in das Packband transportiert werden.

Beim Transport mit Magneten ist darauf zu achten, dass die Magnetkraft auch die unteren Bleche erfasst, da sonst die unteren Bleche im Verpackungsband hängen.

Das Verpackungsband ist als Lastaufnahmemittel nicht geeignet.