DGUV Information 209-019 - Sicherheit bei der Blechverarbeitung (bisher: BGI 604...

Online-Shop für Schriften

Jetzt bei uns im Shop bestellen

Jetzt bestellen
Abschnitt 1, Handtransport von Blechen
Abschnitt 1
Sicherheit bei der Blechverarbeitung (bisher: BGI 604)
Titel: Sicherheit bei der Blechverarbeitung (bisher: BGI 604)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 209-019
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 1 – Handtransport von Blechen

Vor der Bearbeitung müssen Bleche transportiert und gelagert werden. Gefährlich sind die scharfen Kanten von Blechen. Sie führen bei der Handhabung, aber auch beim Anstoßen an ungeschützt gelagerte Blechabschnitte (Bild 1-1) zu Schnittverletzungen, siehe Abschnitt 7 "Vermeidung von Schnittverletzungen".

Bild 1-1: Aus einem Schrottbehälter heraushängende scharfkantige, krallenartige Blechabschnitte

Im Bereich von Verkehrswegen dürfen daher scharfkantige Bleche nicht gelagert werden oder es sind verstellbare Schutzwände aufzustellen.

Beim Handtransport von Blechen ist es von Vorteil, wenn einfache Hilfsmittel zur Verfügung stehen, welche

  • die Last sicher aufnehmen und festhalten,

  • ein leichteres Tragen ermöglichen und

  • Verletzungen, insbesondere durch Schnitt- und Quetschgefahren, vermeiden.

Geeignet für den Blechtransport sind:

  • Handmagnete (Bild 1-2),

  • Handsauger,

  • Trageklemmen und

  • Trageklauen.

Bild 1-2: Magnete für den Handtransport

Beim Transport von Hand können nicht nur äußere Verletzungen auftreten. Besonders durch schwere Lasten kann es zu Druck- und Biegebeanspruchungen der Wirbelsäule und starken Belastungen der Gelenke kommen.

Richtiges Anheben, Tragen und Absetzen einer Last spart Kraft und schützt vor Überbeanspruchungen. Beim Tragen sollte die Last deshalb möglichst nahe am Körper und mit senkrechter Armstellung gehalten werden. Hohlkreuzhaltungen und Verdrehen der Wirbelsäule sind zu vermeiden. Der Körper sollte möglichst gleichmäßig belastet werden.

Für den Transport schwerer Bleche sind Transport- und Lastaufnahmeeinrichtungen zur Verfügung zu stellen und zu benutzen.

Einige Betriebe setzen Transportwagen ein, die gleichzeitig als Unterlage für die Blechbearbeitung dienen (Bilder 1-3a und 1-3b).

Bild 1-3a: Transportwagen für Bleche

Bild 1-3b: Transportwagen in gekippter Stellung

Beim Transport schwerer Bleche besteht insbesondere beim Ablegen der Bleche die Gefahr von Fingerquetschungen. Unterlagen, die den nötigen Freiraum zur Vermeidung von Quetschungen bieten, können beim Ablegen von Blechen auf Tischen und Ablagen von Bearbeitungsmaschinen nicht immer benutzt werden.

An Bearbeitungsmaschinen sollten daher Hebezeuge mit Anschlagmitteln für den Blechtransport zur Verfügung stehen. Auch Auflagen mit Rollen (Bild 1-4) tragen dazu bei, die Handhabung leichter und sicherer zu gestalten.

Bild 1-4: Auflagen mit Kugelrollen vor einer Tafelschere

Gefährlich ist das Anlehnen von Blechen und Blechpaketen an Wände, eine Maschine oder ein Gestell. Beim Entnehmen einzelner Bleche oder durch unbeabsichtigtes Anstoßen mit Hebezeugen oder Gabelstaplern können die Bleche umfallen. Das Gewicht der Bleche kann zu schweren und tödlichen Quetschungen führen. So wurde ein Arbeiter tödlich verletzt, als 11 Blechronden von 1940 mm Durchmesser und einer Blechdicke von 6,5 mm beim Entnehmen einer Ronde plötzlich umfielen.

Immer wieder versuchen Mitarbeiter bei der Entnahme einzelner Bleche aus einem angelehnten Blechstapel die restlichen, eventuell umfallenden Bleche oder Blechstapel mittels Körper zu halten oder aufzufangen.

Sie unterschätzen dabei die großen Kräfte, die bereits bei geringem Neigungswinkel auftreten. Zur Demonstration der Kräfte, die nötig sind, ein umkippendes Blech oder Blechpaket zu halten, wurde ein Demonstrationsstand gebaut (Bild 1-5).

Nach dem Motto "Halt den Lukas" kann jeder prüfen, ob er in der Lage ist, sechs Stahlbleche von 6 mm Dicke und einer Abmessung von 1600 x1600mm bei einer Schräglage von 10 zu halten.

Bild 1-5: Demonstration von Haltekräften an kippenden Blechen