DGUV Information 209-019 - Sicherheit bei der Blechverarbeitung (bisher: BGI 604...

Online-Shop für Schriften

Jetzt bei uns im Shop bestellen

Jetzt bestellen
Abschnitt 8, Lärm in der Blechbearbeitung
Abschnitt 8
Sicherheit bei der Blechverarbeitung (bisher: BGI 604)
Titel: Sicherheit bei der Blechverarbeitung (bisher: BGI 604)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 209-019
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 8 – Lärm in der Blechbearbeitung

Aus Erhebungen der Berufsgenossenschaft geht hervor, dass Personen, die in Blech verarbeitenden Betrieben tätig sind oder tätig waren, ca. ein Drittel der Lärmschwerhörigkeitsfälle ausmachen.

Voraussetzung für eine wirksame und zugleich wirtschaftlich vertretbare Lärmbekämpfung ist die genaue Kenntnis der bestehenden Geräuschsituation hinsichtlich der Lärmquellen und der raumakustischen Verhältnisse.

Ergebnisse von Geräuschmessungen in Blech verarbeitenden Betrieben zeigen (Bild 8-1), dass Lärm besonders von Arbeiten mit dem Handhammer, beim Schleifen mit Winkelschleifmaschinen und dem Trennen von Blechen auf Tafelscheren, Stanz- und Nibbelmaschinen ausgeht.

Bild 8-1:
Schallpegel bei der Blechverarbeitung

Typische Schallpegel bei der Blechverarbeitung
SchallquelleLAeq bzw. LAlm in dB(A)
Tafelschere (Blech 0,7 mm)96
Tafelschere (Blech 7 mm)105
Nibbelmaschine (Blech 0,5 mm)99
Stanzen (Lamellenblech 0,5 mm)103
Abkantpresse (Exzenterpresse)90
Biegemaschine (Geräusch von Hydraulikantrieb)82
Richten (Blech 3 mm, 1 x 2,5 m) auf dicker Richtplatte mit 2-kg-Hammer108
Brennschneiden92
Plasmaschneiden98
Schutzgasschweißen93
Handschleifmaschine93
Winkelschleifer100
Anmerkung: Die Ermittlungsunsicherheit der Mittelungspegel liegt bei 3 dB(A).

Aus vielen Versuchen, Lärmminderungsmaßnahmen in die Praxis umzusetzen, sind einige Maßnahmen zusammengestellt worden, die sich bewährt haben.

Zum Richten von Blechen und Blechkonstruktionen werden Stahlhämmer benutzt. Aus langjähriger Erfahrung wissen Fachleute, welche Wirkung ein gezielter Schlag mit dem Stahlhammer hat.

Viele Richt- und Fügearbeiten an leichten Blechkonstruktionen können aber auch mit Gummi- oder Kunststoffhämmern vorgenommen werden.

Größere Kräfte lassen sich mit rückschlagfreien Kunststoffhämmern erzielen (Bild 8-2), z.B. zur plastischen Verformung eines Werkstückes oder zur Überwindung der Haftreibung.

Bild 8-2: Kugelfüllung in einem rückschlagfreien Hammer

Durch den Einsatz des rückschlagfreien Hammers anstelle des Stahlhammers kann der Schallpegel bis zu 15 dB(A) gesenkt werden.

Das laute Schlagen mit dem Stahlhammer kann auch durch hydraulische Drückeinrichtungen ersetzt werden, die ein genaueres und vor allem leiseres Richten und Fügen ermöglichen. Winkelschleifmaschinen zählen zu den unangenehmsten Lärmerzeugern. Durch den Einsatz von Verbundscheiben sind Schallpegelsenkungen bis zu 8 dB(A) zu erreichen. Werden lärmgeminderte elektrisch oder pneumatisch angetriebene Winkelschleifmaschinen in Verbindung mit Verbundschleifscheiben eingesetzt, sind Schallpegelsenkungen bis zu 12 dB(A) möglich (Bild 8-3 und Bild 8-4).

Bild 8-3: Winkelschleifmaschine lärmarm, mit Bremse und geschützter Ablage

Bild 8-4: Lärmarme Winkelschleifmaschinen

Bei Tafelscheren wird der Lärm durch den Schneidvorgang und den herabfallenden Blechabschnitt verursacht. Lärmminderung lässt sich durch eine Rutsche schaffen, die mit Entdröhnungsmittel belegt oder aus Verbundblech aufgebaut ist.

Noch besser haben sich Rollenbahnen oder Fördereinrichtungen bewährt, die höhenverstellbar hinter der Schere angeordnet sind.

Bei automatisch ablaufenden Blechbearbeitungsverfahren, z.B. auf Stanz- und Nibbelautomaten, ist eine Kapselung die wirkungsvollste Lärmminderungsmaßnahme. Bei Kapselungen ist zu beachten, dass notwendige Öffnungen für den Materialtransport akustisch besonders geschützt werden müssen (Bild 8-5). Besteht 1/100 der Kapseloberfläche aus ungeschützten Öffnungen, ist nur noch eine Lärmminderung von bis zu 20 dB(A) möglich. Bei einem Öffnungsanteil von 1/10 sinkt die Lärmminderungsmöglichkeit auf 10 dB(A).

Bild 8-5: Bürstenauflagen nicht nur zur Schonung des Bleches, sondern auch zur Lärmminderung an einem Blechbearbeitungs-Automaten

Häufig wird in Betrieben versucht, durch Schallschutzschirme, die um Lärmquellen gestellt werden, eine Lärmminderung zu erreichen. Messungen haben ergeben, dass die Minderung 5 bis 8 dB(A) betragen kann. Je geringer die Entfernung des Schallschutzschirmes von der Schallquelle ist, umso größer ist der Erfolg.

Lärmintensive Bearbeitungsvorgänge können auch in Räume verlagert werden, deren Wände und Decken schallabsorbierend ausgeführt sind (siehe auch Bild 5-8).

Sie vermeiden Reflexionen und verringern den störenden Nachhall. Die Wirkung raumakustischer Maßnahmen ist aber begrenzt, da der direkte Schall am Arbeitsplatz nicht beeinflusst wird. An Stanz- und Nibbelmaschinen können die Werkzeuge so gestaltet werden, dass der Schnittschlag auf einen längeren Weg verteilt wird. Mit einem Schräg- oder Stufenschliff (Bild 8-6) kann die Schallentstehung deutlich verringert werden, die Standzeit der Werkzeuge erhöht sich und die Maschinen werden geringer beansprucht.

Bild 8-6: Lärmminderung durch Schrägschliff-Stanzwerkzeuge

Blechbearbeitungsverfahren, die bisher auf stationären Maschinen durchgeführt wurden, können auch mit mobilen hydraulisch angetriebenen Werkzeugen durchgeführt werden. Besonders zum Falzen, Bördeln, Lochen und Fügen sind mobile Werkzeuge entwickelt worden, die auch zur Lärmminderung beitragen. Zur Verringerung des Körperschalls bei der Blechbearbeitung sollten größere, dicke Bleche gespannt werden. Bei dünneren Blechen kann der Körperschall auch durch das Auflegen von flexiblen Magnetplatten oder Magnetfolien gedämpft werden (Bild 8-7).

Im Allgemeinen reicht es, wenn nur ein Teil der Fläche in der Nähe der Bearbeitung mit einem Entdröhnungsmittel belegt wird. Werden ca. 30 % der Blechoberfläche bedeckt, können bei Blechen bis zu 5 mm Dicke Schallpegelminderungen von ca. 10 dB(A) erreicht werden.

Bild 8-7: Körperschalldämpfung durch Auflegen einer Magnetplatte