Sicheres Kuppeln von Fahrzeugen (BGI 599)

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Abschnitt I.3 BGI 599, Anhängekupplungen
Abschnitt I.3 BGI 599
Sicheres Kuppeln von Fahrzeugen (BGI 599)
Titel: Sicheres Kuppeln von Fahrzeugen (BGI 599)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: BGI 599
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt I.3 BGI 599 – Anhängekupplungen

Anhängekupplungen müssen selbsttätig wirken, damit beim Kuppelvorgang niemand zwischen die Fahrzeuge treten muss (denn das ist in höchstem Maße gefährlich und daher verboten!).

Genormte Bolzenkupplung

Zur Verbindung von Zugfahrzeug und Gelenkdeichsel- oder Starrdeichselanhänger über 3,5 t zulässiges Gesamtgewicht dient in der Regel die genormte selbsttätige Bolzenkupplung. Es gibt sie in den Größen 40 und 50, wobei sich die Kennzahl auf den Innendurchmesser der entsprechenden Zugöse bezieht.

Funktionsprinzip

Zum Abkuppeln wird der Kupplungsbolzen mit dem Handhebel in die Ausrückstellung gebracht. Je nach Bauart der Kupplung ist das Fangmaul in der Ausrückstellung arretiert oder es bleibt beweglich.

Je nach Bauart schließt die Kupplung nach dem Ausfahren der Zugöse oder sie bleibt geöffnet ohne Kuppelbereitschaft und ohne Arretierung des Fangmauls stehen. Die Bauart mit nur einer Arretier- und Kuppelstellung muss daher vor dem Ankuppeln wieder geöffnet werden, die andere (ältere) Bauart stellt die Kuppelbereitschaft erst in einer zweiten (hinteren) Raststellung her.

Beim Ankuppeln löst die in das Fangmaul eingeführte Zugöse eine Sperre, wodurch der Kupplungsbolzen mittels Federkraft in die Schließstellung gebracht und dort formschlüssig gesichert wird.

Gleichzeitig wird bei Kupplungen mit beweglichem Fangmaul dessen Arretierung aufgehoben.

Kontrollanzeiger

Alle selbsttätigen Bolzenkupplungen haben Einrichtungen - so genannte Kontrollanzeiger -, die optisch (Sichtkontrolle) oder durch Tasten (z.B. bei Dunkelheit) dahin gehend kontrolliert werden können, ob der Kupplungsbolzen nach dem Schließvorgang ordnungsgemäß eingerastet ist. Am weitesten verbreitet sind

  • Kontrollstift, der bei geöffneter Kupplung hervorsteht,

  • Sicherungsgriff, der bei geöffneter Kupplung von der Sicherungshülse absteht.

Kontrollanzeiger zweier Fabrikate, jeweils in geöffneter (oben) und geschlossener (unten) Stellung der Kupplung

Bei Ausführungen mit Fernanzeige muss der Zustand "ordnungsgemäß geschlossen und gesichert" durch ein optisches Signal (Kontrollanzeige) im Führerhaus angezeigt werden (siehe Abschnitt I.4).

Anbau

Bolzenkupplungen müssen so ausgeführt und am Fahrzeug angebracht sein, dass sie leicht und gefahrlos betätigt werden können. Dies setzt u.a. voraus, dass

  • ausreichende Freiräume um den Handhebel vorhanden sind (Abbildung). Diese Freiräume gelten sinngemäß natürlich auch für nach unten gerichtete Handhebel, die insbesondere Verwendung finden an Fahrzeugen mit kippbaren Aufbauten und mit Hecktüren oder Hubladebühnen (Ladebordwänden),

  • der Abstand zwischen Mitte Kupplungsbolzen und Hinterkante des Fahrzeugaufbaues (Heckabstandsmaß, auch Unterkuppelmaß genannt) grundsätzlich 420 mm nicht überschreitet.

Freiraummaße bei Bolzenkupplungen

  1. *

    Die Maße für den Handhebelfreiraum (≥ 60 mm und ≥ 100 mm) gelten grundsätzlich für alle Arten von Bolzenkupplungen und Anbausituationen. Für Bolzenkupplungen mit nach unten gerichtetem Handhebel gilt das Maß ≥ 60 mm sinngemäß (hier: nach unten).

Heckabstandsmaß bei Bolzenkupplungen

Bei nachweislicher technischer Notwendigkeit kann der Abstand von 420 mm jedoch unter bestimmten Voraussetzungen überschritten werden

  • bis zu einem Abstand von 650 mm, wenn es sich um Fahrzeuge mit kippbaren Aufbauten oder Heckanbaugeräten handelt und die leichte, sichere Betätigung der Kupplung nicht beeinträchtigt wird,

  • bis zu einem Abstand von 1320 mm, wenn die lichte Höhe des Fahrzeugs im Bereich hinter der Kupplung wenigstens 1150 mm (bei zulässigem Gesamtgewicht) beträgt und die leichte, sichere Betätigung der Kupplung nicht beeinträchtigt wird.

Unter dem Begriff der technischen Notwendigkeit ist zu verstehen, dass alle konstruktiven Möglichkeiten voll ausgeschöpft sind, um bei zumutbarem wirtschaftlichem Aufwand das Abstandsmaß zwischen Mitte Kupplungsbolzen und Hinterkante des Fahrzeugaufbaues von max. 420 mm einzuhalten.

Für die Überprüfung des Kontrollanzeigers - z.B. durch Ertasten - darf der Abstand der Mittellinie durch den Kontrollanzeiger bis zur Hinterkante des Fahrzeugaufbaues 550 mm nicht überschreiten. Der sich aus diesem Maß und den Freiraummaßen nach Abbildung ergebende Freiraum darf durch weitere Fahrzeugteile, wie z.B. Aufbauteile, Rahmenprofile, Kupplungsköpfe oder Ersatzrad, nicht eingeschränkt werden, um eine unmittelbare Sichtkontrolle und die Ertastbarkeit des Kontrollanzeigers ohne Behinderung zu ermöglichen.

Das Kriterium der sicheren Betätigung ist erfüllt, wenn

  • Betätigung und Sichtkontrolle der Kupplung leicht und gefahrlos möglich sind,

  • die Länge der Zugdeichsel bzw. Zuggabel das Maß der Verlängerung des hinteren Überhanges berücksichtigt,

  • Gefahrstellen, wie z.B. Kanten und Ecken, in dem Bereich, in dem sich der Betätigende aufhalten muss, konstruktiv vermieden bzw. so gesichert sind, dass Verletzungen nicht zu erwarten sind,

  • beim Abkuppeln der Fluchtweg nach beiden Seiten nicht durch Aufbauteile eingeengt bzw. versperrt wird.