Sicheres Kuppeln von Fahrzeugen (BGI 599)

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Abschnitt II.3 BGI 599, Kuppeln mit Sattelkupplungen
Abschnitt II.3 BGI 599
Sicheres Kuppeln von Fahrzeugen (BGI 599)
Titel: Sicheres Kuppeln von Fahrzeugen (BGI 599)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: BGI 599
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt II.3 BGI 599 – Kuppeln mit Sattelkupplungen

II.3.1
Aufsatteln

Beim Kuppeln mit Sattelkupplungen sind die nachfolgend beschriebenen Arbeitsschritte einzuhalten und in der aufgeführten Reihenfolge auszuführen.

  1. 1

    Verbindung zulässig?

    Ist die Verbindung Sattelzugmaschine - Sattelanhänger überhaupt zulässig?

    Passen Sattelzugmaschine und Auflieger zusammen in Bezug auf

    • Sattellast?

    • D-Wert?

    • Bauhöhe?

    • Aufliegerhöhe aufgesattelt (zulässige Gesamthöhe)?

    • Sattelvormaß?

    • Zulassung der Sattelkupplung für Zwangslenkung des Aufliegers?

  2. 2

    Feststellbremsen betätigen

    Zugmaschine und Sattelanhänger müssen durch Feststellbremse gesichert sein.

  3. 3

    Unterlegkeile anlegen

    Unterlegkeile müssen angelegt sein, sofern die Standfläche nicht vollständig eben und waagerecht ist.

    Unterlegkeile anlegen

  4. 4

    Sattelzugmaschine heranfahren

    Mit der Sattelzugmaschine so dicht an den Auflieger heranfahren, dass sich das Kipplager der Sattelkupplungsplatte noch vor der Aufgleitplatte des Aufliegers befindet. Soll ein zwangsgelenkter Sattelanhänger (mit Lenkkeil hinter dem Zugsattelzapfen) aufgesattelt werden, muss die Sattelzugmaschine gerade (Einfahrsektor deutlich weniger als 10!) vor dem Auflieger ausgerichtet werden. Ein Aufsatteln unter Winkelstellung würde nicht funktionieren und an Sattelkupplung, Lenkkeil und der gebremsten Lenkachse zu Schäden führen.

  5. 5

    Höhe einstellen

  6. 5a

    Bei Zugmaschine mit Luftfederung:

    Die Zugmaschine mittels Luftfederung so weit in der Höhe verstellen, dass beim Unterfahren ein Luftspalt (ca. 5 cm) zwischen Sattelplatte und Aufgleitplatte besteht.

  7. 5b

    Bei Zugmaschine mit Blattfederung:

    Prüfen, ob die Sattelanhängervorderkante etwa in Höhe der Sattelkupplung der Zugmaschine eingestellt ist (ca. 5 cm unterhalb Mitte der Aufgleitplatte). Erforderlichenfalls mittels Sattelstützen nachstellen, und zwar so, dass der Sattelanhänger von der Sattelplatte beim Aufsatteln etwas angehoben wird.

    Sattelplatte hinten herunterdrücken.

    Auflieger muss durch Unterfahren der Sattelkupplung etwas angehoben werden

  8. 6

    Sattelkupplung öffnen

    Überprüfen, ob Sattelkupplung einfahrbereit ist, ggf. Kupplung öffnen (nach Angaben des Herstellers).

  9. 7

    Gefahrbereich verlassen

    Zwischen den Fahrzeugen heraustreten!

    Sicherstellen, dass sich auch keine anderen Personen in den Gefahrbereich begeben!

  10. 8

    Zugmaschine einfahren

  11. 8a

    Bei Zugmaschine mit Luftfederung:

    1. 8.1

      Zugmaschine möglichst gerade und fluchtend bis ca. 30 cm vor den Zugsattelzapfen unter den Auflieger fahren und anhalten.

    2. 8.2

      Zugmaschine mittels Luftfederung anheben, bis Kontakt zwischen Sattelplatte und Aufgleitplatte besteht (dabei den Auflieger nicht anheben).

    3. 8.3

      Durch Zurückfahren kuppeln.

  12. 8b

    Bei Zugmaschine mit Blattfederung:

    Zugmaschine möglichst gerade und fluchtend einfahren.

    Tipp: Nach dem Kuppelvorgang Vorwärtsgang einlegen und durch kurzes Anfahren (Anfahrruck) vorab prüfen, ob der Zugsattelzapfen in der Sattelkupplung verriegelt ist. Dies ersetzt jedoch nicht die Sichtkontrolle nach Position 10.

    Konstruktiv könnte ein Sattelauflieger mit einigem seitlichen Versatz des Zugfahrzeugs aufgesattelt werden. Der Profi dagegen wiederholt den Einfahrvorgang, wenn beim seitlichen Gleiten des Zugsattelzapfens die Aufliegervorderkante seitlich verschoben würde, um Rahmenkonstruktion und Sattelstützen nicht übermäßig zu belasten.

    Muss bei beengten Platzverhältnissen unter Winkel aufgesattelt werden, ist zu berücksichtigen, dass der Fahrer - anders als beim Gelenkdeichselanhänger - keine fluchtenden Fahrzeugteile als Orientierungshilfe hat. In diesem Fall sollte er sich einweisen lassen oder in mehreren kurzen Phasen unterfahren und sich dazwischen jeweils über die Situation informieren.

    Zum Aufsatteln zwangsgelenkter Auflieger siehe Arbeitsschritt 4.

  13. 9

    Zugmaschinen-Feststellbremse

    Zugmaschine mit Feststellbremse festsetzen.

  14. 10

    Kontrolle

    Nach dem Kuppeln prüfen, ob die Sattelkupplung ordnungsgemäß geschlossen ist und die Aufgleitplatte auf der Sattelkupplung ohne Luftspalt aufliegt. Ist dies nicht der Fall, Kupplung wieder öffnen, Sattelzugmaschine vorziehen und von vorne beginnen.

    Bei 3-achsigen Zugmaschinen den Freigang im Bereich der Schwanenhalskontur prüfen!

    Bei vorhandener Sensorsattelkupplung Bedienungsanleitung des jeweiligen Herstellers beachten.

  15. 11

    Kupplung sichern

    Bei nichtselbsttätiger Sicherung die Betätigungseinrichtung der Sattelkupplung nach Angaben des Herstellers sichern (z.B. mittels Karabinerhaken).

    Wenn die Sattelkupplung eine selbsttätig einfallende Sicherung des Handhebels hat (z.B. eine Sicherungsfalle, wie beschrieben unter Abschnitt I.7.3), kontrollieren, ob die Sicherung eingefallen ist (Herstellerangaben beachten).

  16. 12

    Verbindungsleitungen anschließen

    Anschlüsse vorhandener Verbindungsleitungen (Druckluft, Elektrik, ABS/ABV) herstellen. Auf die richtige Reihenfolge beim Anschließen achten:

    1. 1.

      Bremsleitung (gelber Kupplungskopf)

    2. 2.

      Vorratsleitung (roter Kupplungskopf)

    Gefahr: Sind Sie sicher, dass die Zugmaschine tatsächlich mit Feststellbremse gesichert ist? Sollte das nicht der Fall sein, rollt der Zug nach dem Anheben der Sattelstützen und dem Lösen der Auflieger-Feststellbremse weg.

    1. 3.

      Elektrik

    2. 4.

      ABS/ABV und ggf. weitere Anschlüsse

    Darauf achten, dass die Verbindungsleitungen nicht durchhängen und nicht scheuern sowie beim Kurvenlauf nicht zu straff gezogen werden.

    Im Zweifelsfall nach dem Aufsatteln die Sattelzugmaschine in einen Winkel von ca. 45 zum Sattelanhänger rangieren und dann den Freigang der Leitungen kontrollieren.

  17. 13

    Sattelstützen

    Sattelstützen in Fahrstellung bringen und Kurbel sichern.

  18. 14

    Unterlegkeile entfernen und verstauen

  19. 15

    Feststellbremse lösen

    Feststellbremse des Sattelanhängers lösen.

  20. 16

    Luftfeder/Liftachse

    Falls erforderlich:

    • Luftfeder Sattelanhänger und/oder Sattelzugmaschine nachregulieren,

    • Liftachse anheben oder absenken,

    • Park-Warntafel abdecken oder entfernen.

  21. 17

    Abfahrtkontrolle

    Vor Abfahrt vergewissern, dass sich niemand auf der Ladefläche befindet, Ladetätigkeit vollständig abgeschlossen und Auflieger abfahrbereit ist (vor allem wichtig bei Beladung an Rampen und Andocktoren).

II.3.2
Absatteln

  1. 1

    Absatteln des beladenen Sattelanhängers zulässig?

    Feststellen, ob Sattelanhänger in beladenem Zustand überhaupt abgesattelt werden darf. Dazu Stützlastangabe auf dem Fabrikschild der Sattelstütze und eventuell vorhandene Kennzeichnung

    Nur den leeren Anhänger absatteln!

    Den abgesattelten Anhänger nicht beladen!

    beachten.

  2. 2

    Positionierung

    Den Sattelzug möglichst gestreckt positionieren, sodass an den Sattelanhänger zum Wiederaufsatteln gerade herangefahren werden kann! Aufsatteln unter Winkelposition ist schwierig und ab einem zu großen Winkel nicht mehr möglich. Besonders wichtig ist dies bei zwangsgelenkten Aufliegern, die unter Winkelstellung nicht gekuppelt werden können. Nötigenfalls einen anderen, geeigneteren Abstellplatz suchen.

  3. 3

    Feststellbremsen betätigen

    Feststellbremsen von Zugmaschine und Sattelanhänger betätigen.

    Hinweis: Je nach Zugfahrzeug-Hersteller wird beim Einlegen des Feststellbremshebels in die Raststellung die Anhänger-Betriebsbremse mitbetätigt oder nicht.

  4. 4

    Bodenverhältnisse prüfen

    Vor dem Absatteln feststellen, ob die Aufstandsflächen für die Sattelstützen ausreichend tragfähig sind, ggf. Stützfüße unterbauen, z.B. mit stabiler Platte.

  5. 5

    Sattelanhänger-Luftfederung

    Sattelanhänger werden überwiegend mit Luftfederaggregaten (einschließlich Hub-Senkeinrichtung) und fast ausschließlich als Einarm-Lenkerfeder-Systeme gefertigt. Das bedeutet, dass die Achse in einem Kreisbogen um die Achsstütze federt. Dadurch "wandert" der abgestellte Sattelanhänger nach vorn, sobald die Luftfederbälge Luft verlieren, z.B. durch Undichtigkeit oder Beladung, die der vorhandene Luftvorrat nicht mehr ausgleichen kann. Dieses "Wandern" ist gefährlich, weil die Sattelstützen dem Vorschub - insbesondere wenn keine Sattelstützen mit Ausgleichsfüßen vorhanden sind - nicht gewachsen sind.

    Luftfederung in Einarmlenkfederausführung

    Daher sollten luftgefederte Sattelanhänger mit entlüfteten Luftfederbälgen abgestellt werden, wann immer das möglich ist!

    Dabei wie folgt vorgehen: Vor dem Erreichen der Abstellposition anhalten, Feststellbremse der Zugmaschine betätigen und die Luftfederanlage des Sattelanhängers auf "Absenken" stellen. Danach die Feststellbremse langsam lösen, damit die vorher festgebremsten Luftfederschwingen sich ebenso langsam in die untere Endstellung bewegen können. Erst anschließend in die Abstellposition rangieren.

    Bei Sattelanhängern mit starker Rahmenneigung sollte auch die Zugmaschine abgesenkt werden, da sonst der Winkel so groß werden kann, dass eventuell die letzte Achse die gesamte Aggregatlast trägt und dadurch überlastet wird. Zudem ist nicht ausgeschlossen, dass es durch Überschreitung des Schwenkwinkels zu Beschädigungen an der Sattelkupplung und im Schwanenhals kommen kann.

  6. 6

    Unterlegkeile anlegen

    Unterlegkeile anlegen, sofern die Standfläche nicht vollständig eben und waagerecht ist. Unterlegkeile müssen aber immer verwendet werden, wenn der Sattelanhänger be-/entladen werden soll, z.B. mit Gabelstapler, Handhubstapler (dynamische Kräfte)!

    Unterlegkeile nur an Rädern der starren Achse(n) anlegen, nie an Lift- und Lenkachsen.

  7. 7

    Sattelstützen ausfahren

  8. 7a

    Bei Zugmaschine mit Luftfederung:

    1. 7.1

      Feststellbremse der Zugmaschine lösen.

    2. 7.2

      Zugmaschine mittels Luftfederung ausreichend anheben.

    3. 7.3

      Feststellbremse wieder betätigen.

    4. 7.4

      Sattelstützen ausfahren.

  9. 7b

    Bei Zugmaschine mit Blattfederung:

    Sattelstützen so weit ausfahren, dass die Federn der Zugmaschine entlastet werden; darauf achten, dass der Sattelanhänger nicht von der Sattelkupplung abgehoben wird.

  10. 8

    Verbindungsleitungen trennen

    Verbindungsleitungen (Druckluft, Elektrik, ABS/ABV) trennen und in Parkdosen stecken.

    Auf die richtige Reihenfolge beim Trennen achten:

    1. 1.

      Vorratsleitung (roter Kupplungskopf)

    2. 2.

      Bremsleitung (gelber Kupplungskopf)

    3. 3.

      Elektrik

    4. 4.

      ABS/ABV und ggf. weitere Anschlüsse

    Schutzkappen der Kupplungsköpfe aufsetzen.

    Hierzu ein Tipp:

    Wendelflex-Verbindungsleitungen können sich ineinander verdrehen, sodass sie bei Kurvenfahrten nicht so entspannen können wie frei schwingende Leitungen. Der Profi macht es sich daher zur Regel, nach dem Trennen die Leitungen zu entwirren und einzeln aufzuhängen, um zum Kuppeln jede Verbindung einzeln herstellen zu können. Ineinander verdrillte Leitungen an die Kupplungsköpfe des Sattelanhängers zu "zwingen" ist in höchstem Maße leichtsinnig, da sie einen kürzeren Expansionsweg besitzen und bei extremer Kurvenfahrt abreißen können.

    So nicht!

    Noch ein Tipp:

    Verbindungsleitungen sollten nicht an Fahrzeugteilen scheuern oder ungesichert herumliegen. Deshalb sollten die Leitungen hochgebunden oder die Traverse mit den Anschlusskupplungen am Auflieger - falls möglich - so in der Höhe verstellt werden, dass die Leitungen frei beweglich sind.

  11. 9

    Sattelkupplung öffnen

    Sicherung des Betätigungsgriffes (z.B. Karabinerhaken) aushängen bzw. Sicherungsfalle anheben - je nach Bauart.

    Kupplung nach Angaben des Herstellers öffnen.

    Hierzu ein Tipp:

    Zu heftiges Betätigen der Feststellbremse vor dem Absattelvorgang kann zu Problemen beim Offnen der Sattelkupplung führen, da der Zugsattelzapfen unter Spannung steht. In diesem Falle ist erst der Sattelanhänger festzubremsen und anschließend das Zugfahrzeug zu "entspannen".

  12. 10

    Zugmaschine vorziehen

  13. 10a

    Bei Zugmaschine mit Luftfederung:

    1. 10.1

      Zugmaschine ca. 30cm vorfahren und anhalten.

    2. 10.2

      Zugmaschine mittels Luftfederung ca. 5-10 cm absenken. Damit wird vermieden, dass der Balgdruck das Heck der Zugmaschine beim Ausfahren hochschlagen lässt.

    3. 10.3

      Zugmaschine ganz ausfahren.

  14. 10b

    Bei Zugmaschine mit Blattfederung:

    Durch langsames Vorziehen der Zugmaschine die Fahrzeuge trennen.

  15. 11

    Falls erforderlich: Park-Warntafel anbringen.

  16. 12

    Liftachse absenken

    Wenn der abgesattelte Sattelanhänger beladen werden soll, Liftachse absenken.

  17. 13

    Zusätzliche Abstützungen

    Im Falle des Be- oder Entladens abgestellter Sattelanhänger mit großem vorderem Überhang zwischen den Sattelstützen und der Front des Aufliegers kann zusätzliche Abstützung erforderlich sein, um ein Kippen nach vorn zu vermeiden.

    Mobile Sattelstützen, hier zum Absatteln eines nicht mit bordeigenen Stützen ausgerüsteten Aufliegers.

    Solche Stützen können auch als zusätzliche Abstützungen eingesetzt werden.

    Bei Sattelanhängern mit großem hinterem Überhang (zwischen letzter Achse und Fahrzeugheck) besteht Gefahr des Kippens nach hinten, weshalb auch zusätzlich heckseitige Abstützung erforderlich sein kann.