DGUV Information 214-080 - Kuppeln - aber sicher! (DGUV Information 214-080)

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Abschnitt 2.3, 2.3 Kuppeln mit Sattelkupplungen
Abschnitt 2.3
Kuppeln - aber sicher! (DGUV Information 214-080)
Titel: Kuppeln - aber sicher! (DGUV Information 214-080)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 214-080
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 2.3 – 2.3 Kuppeln mit Sattelkupplungen

2.3.1 Aufsatteln

Zum sicheren Kuppeln von Sattelanhängern müssen Sie die nachfolgend beschriebenen Arbeitsschritte einhalten.

(1) Kombination zulässig?

Ist die Kombination "Sattelzugmaschine - Sattelanhänger" überhaupt zulässig? Prüfen Sie, ob Sattelzugmaschine und Auflieger zusammenpassen in Bezug auf

  • Anhängelast,

  • Stützlast (Sattellast)

  • Aufsattelhöhe am Zugfahrzeug und Sattelhöhe am Auflieger,

  • zulässige Gesamthöhe aufgesattelt,

  • Sattelvormaß,

  • Höchstzulässige Länge: max. 15,50 m;

    wenn die höchstzulässigen Teillängen des Sattelanhängers

    • Achse Zugsattelzapfen bis zur hinteren Begrenzung 12,00 m

      und

    • vorderer Überhangradius 2,04 m

    nicht überschritten werden, max. 16,50 m gemäß § 32 Abs. 4 StVZO,

  • Zulassung der Sattelkupplung für Zwangslenkung des Aufliegers.

(2) Feststellbremse betätigen

Kontrollieren Sie, ob der Sattelanhänger durch die Feststellbremse (Federspeicher) gesichert ist. Der rote Knopf muss gezogen sein.

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(3) Unterlegkeile anlegen

Kontrollieren Sie, ob die Unterlegkeile angelegt sind. Am Anhänger müssen immer Unterlegkeile verwendet werden.

Unterlegkeile dürfen nur an Rädern der starren Achse angelegt sein, nie jedoch an einer lenkbaren Achse oder an einer Liftachse.

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Abb. 21
Unterlegkeile anlegen

(4) Sattelzugmaschine heranfahren

Fahren Sie mit der Sattelzugmaschine möglichst gerade und so weit unter den Auflieger, dass sich das Kipplager der Sattelkupplungsplatte kurz vor der Aufgleitplatte des Aufliegers befindet.

string Hinweis:
Soll ein zwangsgelenkter Sattelanhänger, mit Lenkkeil hinter dem Zugsattelzapfen, aufgesattelt werden, müssen Sie die Sattelzugmaschine gerade (Einfahrsektor deutlich weniger als 10!) vor dem Auflieger ausrichten. Ein Aufsatteln unter größerem Winkel würde nicht funktionieren und an Sattelkupplung, Lenkkeil und Lenksystem zu Schäden führen.

(5) Höhe einstellen

(5a) Bei Zugmaschine mit Luftfederung:

Verstellen Sie die Zugmaschine mittels Luftfederung so weit in der Höhe, dass beim Unterfahren ein Luftspalt (max. 5 cm) zwischen Sattelplatte und Aufgleitplatte besteht.

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Abb. 22
Luftspalt (max. 5 cm) zwischen Sattelplatte und Aufgleitplatte

(5b) Bei Zugmaschine mit Blattfederung:

Prüfen Sie, ob die Sattelanhängervorderkante (Aufgleitplatte) etwa in Höhe der Sattelkupplung der Zugmaschine eingestellt ist. Erforderlichenfalls stellen Sie mittels Sattelstützen nach, und zwar so, dass der Sattelanhänger von der Sattelplatte beim Aufsatteln etwas angehoben wird.

(6) Sattelkupplung öffnen

Überprüfen Sie, ob die Sattelkupplung einfahrbereit ist, ggf. Kupplung öffnen - beachten Sie die Angaben des Herstellers.

(7) Gefahrbereich verlassen

Stellen Sie sicher, dass sich niemand im Gefahrbereich zwischen den Fahrzeugen aufhält!

(8) Zugmaschine einfahren

(8a) Bei Zugmaschine mit Luftfederung:

  • Fahren Sie die Zugmaschine möglichst gerade und fluchtend unter den Auflieger, bis der Sattelzugzapfen vor der Sattelplatte steht, und halten Sie an.

  • Dann heben Sie die Zugmaschine mittels Luftfederung an, bis Kontakt zwischen Sattelplatte und Aufgleitplatte besteht, dabei den Auflieger nicht anheben.

  • Anschließend kuppeln Sie durch erneutes Zurückfahren.

(8b) Bei Zugmaschine mit Blattfederung:

Zugmaschine möglichst gerade und fluchtend einfahren.

string Tipp:
Nach dem Kuppelvorgang: Vorwärtsgang einlegen und durch kurzes Anfahren (Anfahrruck) vorab prüfen, ob der Zugsattelzapfen in der Sattelkupplung verriegelt ist. Dies ersetzt jedoch nicht die Sichtkontrolle nach Arbeitsschritt (10).

Wiederholen Sie den Einfahrvorgang, wenn Sie einen seitlichen Versatz zwischen Zugfahrzeug und Anhänger feststellen.

Müssen Sie bei beengten Platzverhältnissen unter Winkeln aufsatteln, lassen Sie sich einweisen.

Zum Aufsatteln zwangsgelenkter Auflieger siehe Arbeitsschritt (4).

(9) Zugmaschinen-Feststellbremse

Sichern Sie die Zugmaschine vor Verlassen des Führerhauses mit der Feststellbremse.

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Abb. 23
Betätigen der Feststellbremse

(10) Kontrolle

Nach dem Kuppeln müssen Sie kontrollieren, ob die Sattelkupplung ordnungsgemäß geschlossen und gesichert ist.

Liegt die Aufgleitplatte auf der Sattelkupplung ohne Luftspalt auf? Ist dies nicht der Fall, Kupplung wieder öffnen, Sattelzugmaschine vorziehen, Verschluss der Sattelkupplung auf eventuelle Beschädigungen kontrollieren und von vorne beginnen.

Wenn die Sattelkupplung eine selbsttätig einfallende Sicherung des Handhebels hat, z. B. eine Sicherungsfalle, wie beschrieben unter Kapitel 1.4.1 "Sattelkupplungen", kontrollieren Sie, ob die Sicherung eingefallen ist. Beachten Sie die Herstellerangaben.

string Hinweis:
Bei nichtselbsttätiger Sicherung sichern Sie die Betätigungseinrichtung der Sattelkupplung nach den Angaben des Herstellers, z. B. mittels Karabinerhaken.

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Abb. 24
Kontrolle der Sattelkupplung

(11) Verbindungsleitungen anschließen

string Lebenswichtig!
Stellen Sie sicher, dass die Feststellbremsen der Zugmaschine sowie des Aufliegers betätigt und die Unterlegkeile angelegt sind.
Sollte das nicht der Fall sein, kann der Zug nach Anschließen der Vorratsleitung wegrollen.
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Stellen Sie die Anschlüsse vorhandener Verbindungsleitungen (Druckluft, Elektrik, ABS/ABV) her. Achten Sie auf die richtige Reihenfolge beim Anschließen der Druckluftleitungen:

  1. 1.

    Bremsleitung (gelber Kupplungskopf )

  2. 2.

    Vorratsleitung (roter Kupplungskopf )

Achten Sie darauf, dass die Verbindungsleitungen nicht durchhängen und nicht scheuern sowie beim Kurvenlauf nicht zu straffgezogen werden.

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Abb. 25
Anschließen der Verbindungsleitungen

string Tipp:
Im Zweifelsfall nach dem Aufsatteln die Sattelzugmaschine in einen Winkel von ca. 45 zum Sattelanhänger rangieren und dann den Freigang der Leitungen kontrollieren.

(12) Sattelstützen

Bringen Sie die Sattelstützen in Fahrstellung und sichern Sie die Kurbel.

(13) Feststellbremse lösen

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Lösen Sie die Feststellbremse des Sattelanhängers.

(14) Entfernen und verstauen Sie die Unterlegkeile.

(15) Luftfeder/Liftachse

Falls erforderlich:

  • Bringen Sie die Luftfeder von Sattelanhänger und/oder Sattelzugmaschine in Fahrstellung,

  • senken oder heben Sie die Liftachse ab bzw. an, soweit dies nicht selbsttätig geschieht.

(16) Abfahrtkontrolle

Vor der Abfahrt muss der technische Zustand des Sattelzuges kontrolliert werden. Vergewissern Sie sich, dass sich niemand auf der Ladefläche befindet, die Ladetätigkeit vollständig abgeschlossen und der Auflieger abfahrbereit ist. Das ist vor allem wichtig bei Beladung an Rampen und Andocktoren. Klappen Sie ggf. die Park-Warntafel zu.

Abweichendes Aufsatteln

Bei bestimmten Bauformen von Sattelanhängern verbleibt nach dem Aufsatteln kein ausreichender Platz zwischen Sattelzugmaschine und Sattelanhänger zum Anschließen der Verbindungsleitungen, wenn z. B. an der Stirnseite ein Kühlaggregat am Sattelanhänger verbaut ist.
Das "abweichende Aufsatteln" ist ausschließlich bei Sattelanhängern zulässig, bei denen aufgrund der Bauart im aufgesattelten Zustand der Abstand zur Zugmaschine so gering ist, dass von der herkömmlichen Arbeitsweise abgewichen werden muss. Dazu können bereits vor dem Einfahren der Zugmaschine die Verbindungsleitungen angeschlossen werden; erst danach erfolgt das endgültige Aufsatteln. Folgende geänderte Reihenfolge beim Aufsatteln in Anlehnung an die DGUV Vorschrift 70 und 71 "Fahrzeuge" wird als bestimmungsgemäß und arbeitssicher angesehen, wenn gemäß der folgenden sechs Schritte vorgegangen wird:
  1. 1.

    Der Sattelanhänger wird durch Feststellbremse und Unterlegkeile gesichert.

string Hinweis: Eine Feststellbremse, die beim Trennen der Luftleitungen automatisch aktiviert wird, verringert zusätzlich die Gefahr bei einer Fehlbedienung, s. Kapitel 4 "Empfehlungen und Hinweise für die Neubeschaffung von Fahrzeugen".
  1. 2.

    Die Sattelkupplung wird geöffnet, also muss kuppelbereit sein.

  2. 3.

    Die Sattelzugmaschine wird unter den Anhänger gefahren und mittels Luftfederung angehoben, bis ein Kontakt zwischen Kupplungs- und Aufgleitplatte besteht.

  Wichtig: Der Sattelanhänger darf dabei nicht angehoben werden!
  1. 4.

    Vor dem Aussteigen wird die Zugmaschine durch Betätigen der Feststellbremse gesichert!

  2. 5.

    Die Luftleitungen - erst Gelb, dann Rot - und die elektrischen Leitungen werden angeschlossen.

  3. 6.

    Die Verbindung (geschlossene Kupplung) nach dem vollständigen Einfahren kontrollieren.


Grundsätzlich sollten Hersteller von Sattelanhängern mit einschränkenden Anbauten in der Betriebsanleitung Hinweise zum sicheren Aufsatteln geben. Unabhängig davon muss der Unternehmer und die Unternehmerin unter Einbeziehung der Betriebsanleitung im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung ein sicheres Arbeitsverfahren festlegen.

2.3.2 Absatteln

(1) Ist das Absatteln des beladenen Sattelanhängers zulässig?

Prüfen Sie, ob der Sattelanhänger in beladenem Zustand überhaupt abgesattelt werden darf. Beachten Sie dazu die Stützlastangabe auf dem Fabrikschild und eine eventuell vorhandene Aufschrift bzw. Kennzeichnung, s. Kapitel 1.4.3 "Sattelstützen".

Nur den leeren Anhänger absatteln!
Den abgesattelten Anhänger nicht beladen!

 

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Abb. 26
Kennzeichnung an Sattelstützen geringerer Tragfähigkeit

(2) Bodenverhältnisse prüfen

Prüfen Sie vor dem Absatteln, ob die Aufstandsflächen für die Sattelstützen ausreichend tragfähig sind. Falls erforderlich, müssen Sie die Stützfüße unterbauen, z. B. mit einen stabilen Platte.

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Abb. 27
Sattelzug möglichst gestreckt positionieren

(3) Positionierung

Positionieren Sie den Sattelzug möglichst gestreckt, sodass an den Sattelanhänger zum Wiederaufsatteln gerade herangefahren werden kann! Aufsatteln unter Winkelposition ist schwierig und ab einem zu großen Winkel nicht mehr möglich. Besonders wichtig ist dies bei zwangsgelenkten Aufliegern, die unter Winkelstellung nicht gekuppelt werden können. Notfalls suchen Sie sich einen anderen, geeigneteren Abstellplatz.

(4) Sattelzugmaschine mit Luftfederung: etwas anheben.

(5) Feststellbremsen betätigen

Betätigen Sie vor dem Aussteigen aus dem Führerhaus die Feststellbremse der Zugmaschine und anschließend die des Sattelanhängers, roten Knopf ziehen.

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Abb. 28
Betätigen der Feststellbremsen

string Hierzu ein Tipp:
Betätigen Sie die Feststellbremse der Zugmaschine erst, wenn der Sattelzug steht, damit es nicht zu Verspannungen an den Verbindungseinrichtungen kommt.

(6) Unterlegkeile anlegen

Am Anhänger müssen immer Unterlegkeile angelegt werden.

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Abb. 29
Anlegen der Unterlegkeile

Unterlegkeile dürfen nur an Rädern der starren Achse angelegt sein, nie jedoch an einer lenkbaren Achse oder an einer Liftachse.

(7) Sattelstützen ausfahren

(7a) Bei Zugmaschine mit Luftfederung:

Fahren Sie die Sattelstützen so weit aus, dass die Stützfüße Bodenkontakt haben.

(7b) Bei Zugmaschine mit Blattfederung:

Fahren Sie die Sattelstützen so weit aus, dass die Federn der Zugmaschine entlastet werden. Achten Sie darauf, dass der Sattelanhänger nicht von der Sattelkupplung abgehoben wird.

(8) Verbindungsleitungen trennen

Trennen Sie die Verbindungsleitungen (Druckluft, Elektrik, ABS/ABV) und stecken Sie die Stecker und Druckluftköpfe in die Parkdosen.

Achten Sie auf die richtige Reihenfolge beim Trennen der Luftleitungen:

  1. 1.

    Vorratsleitung (roter Kupplungskopf )

  2. 2.

    Bremsleitung (gelber Kupplungskopf )

Setzen Sie die Schutzkappen der Kupplungsköpfe auf.

string Hierzu ein Tipp:
Wendelflex-Verbindungsleitungen können sich ineinander verdrehen, sodass sie bei Kurvenfahrten nicht so entspannen können wie frei schwingende Leitungen. Machen Sie es sich daher zur Regel, nach dem Trennen die Leitungen zu entwirren und einzeln aufzuhängen, um zum Kuppeln jede Verbindung einzeln herstellen zu können. Ineinander verdrillte Leitungen an die Kupplungsköpfe des Sattelanhängers zu "zwingen", ist in höchstem Maße leichtsinnig, da sie einen kürzeren Expansionsweg besitzen und bei extremer Kurvenfahrt abreißen können.

string Noch ein Tipp:
Verbindungsleitungen sollten nicht an Fahrzeugteilen scheuern oder ungesichert herumliegen. Stecken Sie die Kupplungsköpfe und andere Anschlüsse in die vorgesehenen Aufnahmeeinrichtungen.

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Abb. 30
Unterbringung der Leitungen

(9) Sattelkupplung öffnen

Hängen Sie die Sicherung des Betätigungsgriffes, z. B. Karabinerhaken, aus bzw. heben Sie die Sicherungsfalle an.

Öffnen Sie die Kupplung nach Angaben des Herstellers.

(10) Zugmaschine vorziehen.

(10a) Bei Zugmaschine mit Luftfederung:

  • Fahren Sie die Zugmaschine ca. 30 cm vor und halten Sie an.

  • Dann senken Sie die Zugmaschine mittels Luftfederung ca. 5-10 cm ab. Damit wird vermieden, dass das Heck der Zugmaschine beim Ausfahren hochschlägt.

  • Anschließend fahren Sie die Zugmaschine ganz aus.

(10b) Bei Zugmaschine mit Blattfederung:

Trennen Sie die Fahrzeuge durch langsames Vorziehen der Zugmaschine.

(11) Falls erforderlich: Bringen Sie die Park-Warntafel an.

(12) Liftachse absenken

Wenn der abgesattelte Sattelanhänger beladen werden soll, senken Sie die Liftachse ab, soweit dies nicht automatisch geschieht.

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