Sicheres Kuppeln von Fahrzeugen (BGI 599)

Online-Shop für Schriften

Jetzt bei uns im Shop bestellen

Jetzt bestellen
Abschnitt II.2 BGI 599, Kuppeln mit selbsttätigen Bolzenkupp...
Abschnitt II.2 BGI 599
Sicheres Kuppeln von Fahrzeugen (BGI 599)
Titel: Sicheres Kuppeln von Fahrzeugen (BGI 599)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: BGI 599
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt II.2 BGI 599 – Kuppeln mit selbsttätigen Bolzenkupplungen

II.2.1
Ankuppeln von Gelenkdeichsel- und Starrdeichselanhängern

Beim Kuppeln mit selbsttätigen Bolzenkupplungen sind die nachfolgend beschriebenen Arbeitsschritte einzuhalten und in der aufgeführten Reihenfolge durchzuführen.

In Kurzform finden Sie diese Arbeitsschritte inAnhang VII.

  1. 1

    Verbindung zulässig?

    Ist die Verbindung Zugfahrzeug - Anhänger überhaupt zulässig? Passen Zugfahrzeug und Anhänger zusammen in Bezug auf

    • Anhängelast?

      (Angabe entfällt künftig bei Neufahrzeugen)

    • höchstzulässige Länge?

      (max. 18 m, unter Einhaltung der höchstzulässigen Teillängen 18,75 m gemäß § 32 Abs. 4 StVZO)

    • D-Wert/Dc-Wert?

      (theoretische Vergleichskraft horizontal zwischen Zugfahrzeug und Anhänger; siehe Seite 6)

    • V-Wert (für Zugfahrzeug und für Anhänger)?

      (theoretische Vergleichskraft vertikal zwischen Zugfahrzeug und Starrdeichselanhänger; siehe Seite 8)

    • Stützlast?

    • Anhängekupplungs- und Zugösengröße?

    • Lage Zugeinrichtung und Anbauhöhe Kupplung, sodass in gekuppeltem Zustand auf ebener, waagerechter Fläche die Zugöse horizontal (waagerecht) ist?

      Horizontal bedeutet in der Regel eine Abweichung von nicht mehr als 3.

    Solche Abweichung von der Horizontalen ist nicht zulässig!

    Fast alle Bolzenkupplungen sind drehbar, allerdings nur schwergängig (also mit hohem Drehmoment). Anhänger mit drehbarer Zugöse dürfen mit solchen Bolzenkupplungen nicht gekuppelt werden.

  2. 2

    Feststellbremse betätigt?

    Anhänger muss durch betätigte Feststellbremse (Spindel- oder Federspeicherbremse) gegen Wegrollen gesichert sein.

    Die automatische Bremsung durch Trennen der Bremsluftleitungen ist nicht ausreichend. Wird nach dem Kuppelvorgang die Vorratsleitung wieder angeschlossen, wird die Bremsstellung des Anhängerbremsventils wieder aufgehoben. Wurde das Zugfahrzeug nicht zuvor durch die Feststellbremse gesichert, setzt sich der Zug bei vorhandenem Gefälle unkontrolliert in Bewegung!

  3. 3

    Unterlegkeile angelegt?

    Sofern die Standfläche nicht vollständig eben und waagerecht ist - und das ist sie nur ganz selten -, müssen zusätzlich Unterlegkeile angelegt sein.

    Unterlegkeile dürfen nur an Rädern der starren Achse angelegt sein, nie jedoch an lenkbarer Achse und an Liftachse.

  4. 4

    Lösen Vorderachsbremse

    Nur beim Gelenkdeichselanhänger

    Beim Gelenkdeichselanhänger muss die Vorderachse drehbar bleiben, also die Vorderachsbremse gelöst sein, um das Hineingleiten der Zugöse in das Fangmaul zu ermöglichen.

    • Bei Anhänger mit Vorderachslöseventil

      1. 1

        Feststellbremse/Federspeicherbremse muss betätigt sein

      2. 2

        Vorderachslöseventil betätigen

        (Bremse lösen)

    • Bei Anhänger ohne Vorderachslöseventil

      1. 1.

        Feststellbremse/Federspeicherbremse muss betätigt sein

      2. 2.

        dann erst Betriebsbremse lösen, nie umgekehrt!

    Sollte die Federspeicherbremse des Anhängers noch nicht betätigt gewesen sein, ist Folgendes zu beachten: Nach Ziehen des Betätigungsknopfes kann es mehrere Sekunden dauern, bis die Federspeicher die Bremsen anlegen. Die Federspeicher-Systeme im Anhänger verfügen in der Regel nicht über Relaisventile wie die Zugfahrzeuge, die den Entlüftungsvorgang beschleunigen. Die Anlage ist erst vollständig eingesteuert, wenn kein Abblasgeräusch mehr zu hören ist. Erst dann das Vorderachslöseventil oder das Betriebsbrems-Löseventil zum Entsperren der Vorderachse betätigen.

    Achtung: Beim Lösen der Vorderachsbremse kann die Zuggabel seitlich herumschlagen, wenn die Räder der Vorderachse nicht auf ebenem, glattem Untergrund stehen!

  5. 5

    Heranfahren

    Mit dem Zugfahrzeug so weit heranfahren, dass noch ca. 1 m Abstand zwischen Kupplung und Zugöse bleibt. Beim Heranfahren kann man sich an der Stellung des linken Vorderrades des Anhängers orientieren, um möglichst gerade zu kuppeln.

    Linkes Vorderrad des Anhängers fluchtet mit linkem Hinterrad des Zugfahrzeugs

  6. 6

    Zugöse ausrichten

  7. 6a

    Zugöse ausrichten beim Gelenkdeichselanhänger

    Wenn die Zugöse zum Fangmaul der Kupplung nur einen geringfügigen seitlichen Versatz aufweist, dann kann die exakte Positionierung durch seitliches Schwenken der Zuggabel bei gelöster Vorderachsbremse erfolgen. Dies ist aber nur auf ebenem, glattem Boden möglich. Anderenfalls: erneut heranfahren!

    Die Höhe der Zugöse prüfen und gegebenenfalls mittels Höheneinstelleinrichtung auf Kupplungshöhe einstellen.

    Höheneinstellung mit HEE

    Auf gar keinen Fall darf die Zuggabel während des anschließenden Ankuppelvorganges von Hand hochgehalten werden (durch eine zweite Person).

    Normalerweise sind bei Zugfahrzeugen und Gelenkdeichselanhängern mit Luftfederung die Zuggabeln in Höhe des Fangmauls eingestellt, wenn die Federungen an Zugfahrzeug und Anhänger in Fahrstellung stehen. Das ist aber nicht immer der Fall, weil z.B. im Zugfahrzeug die Abweichung der Fahrhöhe am Armaturenbrett nicht angezeigt wird oder bei betätigter Feststellbremse die Fahrstellung nicht erreicht wird. Weiterhin kann durch schwergängige Gabellagerung (Schmierungsmangel) oder vorherigen Einsatz eines Zugfahrzeugs mit anderer Kupplungshöhe die Höheneinstellung der Zuggabel verändert sein.

    Nicht auf die Abstellhöhe des Anhängers beim Ankuppelvorgang vertrauen!

    Die meisten Zugfahrzeuge und Anhänger sind heute mit verstellbaren Luftfederanlagen in unterschiedlichen technischen Ausführungen ausgerüstet. Anstatt also mit irgendwelchen Mitteln (auch nicht mittels des lieben Kollegen) eine Zuggabel hoch- oder tiefhalten zu wollen, nutzt der Profi die technischen Möglichkeiten des Zugfahrzeugs, die Höheneinstellung mittels Luftfederung vorzunehmen. Der Kollege darf nur in sicherem Abstand von den zu kuppelnden Fahrzeugen (das heißt in Sicht- und Rufkontakt zum Fahrer) als Einweiser das Verfahren kommentieren. Welche Handzeichen zum Einweisen er zur unmissverständlichen Verständigung mit dem Fahrer verwenden sollte, ist aus Abschnitt III ersichtlich.

    Bei über längere Zeit abgestellten Anhängern und nach Be- und Entladevorgängen ist immer damit zu rechnen, dass die Luftfederanlage und/oder die Bremsanlage drucklos sind oder über äußerlich nicht erkennbare Restdrücke verfügen. Ein mit Balgdruck "leer" abgestellter Anhänger baut während des Beladens in den Bälgen Druck auf, wenn die Hebel der Hub-Senkventile in Fahrstellung belassen wurden. Beim Anschließen der Luftleitungen (bzw. der Lichtleitungen bei elektronisch geregelten Luftfederanlagen) und beim Lösen von Feststellbremsen können solche Federungen plötzlich in Funktion treten.

    An mit Feststellbremse abgestellten Anhängefahrzeugen mit Einarmlenkfedern keine Höhenregulierung mittels Luftfederung vornehmen (etwa für die Höhe der Zugöse), weil sich in diesem Fall die Achse um den Anlenkpunkt dreht und die Federung gegen die festgebremsten Räder arbeitet.

    Luftfederung in Einarmlenkfederausführung

  8. 6b

    Zugöse ausrichten beim Starrdeichselanhänger

    Stütze so einstellen, dass die Zugöse auf die Mitte oder geringfügig auf den unteren Lappen des Fangmauls trifft.

    • Hier: Zugöse zu hoch! Das Lkw-Heck würde beim Kuppeln hochgedrückt werden.

    • Hier: Zugöse zu niedrig! Die Zugdeichsel würde beim Kuppeln hochgedrückt werden.

    • Hier: Zu großer seitlicher Versatz! Der Anhänger müsste beim Kuppeln seitlich über die Stützen verschoben werden.

    Die in solchen Fällen beim Kuppelvorgang auftretenden Krafteinwirkungen können bleibende Schädigungen der Kupplung, der Zugdeichsel, der Zugöse und der Stützeinrichtung hervorrufen.

    • Möglichst punktgenaues Anfahren ohne seitlichen Versatz ist erforderlich:

    Schafft der Fahrer punktgenaues Anfahren nicht alleine, sollte er sich durch einen Einweiser unterstützen lassen. Zu Einweiser-Handzeichen siehe Abschnitt III. Ist kein Einweiser vorhanden, nur in kürzesten Etappen heranfahren und immer wieder kontrollieren!

    Hierzu ein Tipp.

    Wer befürchten muss, dass er die Zugöse des Starrdeichselanhängers verfehlt, misst die aktuelle Entfernung zwischen Zugöse und Fangmaul, nimmt einen Unterlegkeil und positioniert ihn in etwa 30 Zentimeter kürzerem Abstand hinter der letzten Achse des Zugfahrzeugs (hierbei den möglichen Lenkwinkel berücksichtigen). Dann bis vor den Keil fahren und die Position von Zugöse und Fangmaul nochmals überprüfen.

    Noch ein Tipp:

    Wer schon beim Abkuppeln weiß, dass der Ankuppelvorgang schwierig wird, kann sich mit einer "Gedächtnisstütze" helfen: Nach dem Abkuppeln ca. 30 Zentimeter vorfahren und durch seitliches Ablegen eines Stückes Holz oder Anbringen eines Kreidestriches auf dem Boden die Position des linken Vorderrades des Zugfahrzeugs markieren. Dieser Merkpunkt sollte aus dem Seitenfenster gesehen in Höhe der Radnabe auf dem Boden sichtbar sein. Dies ist beim Ankuppeln der späteste Punkt, um anzuhalten und die Lage der zu kuppelnden Teile zu überprüfen.

    Achtung:

    Die Stützlast am Kuppelpunkt des Starrdeichselanhängers darf nie negativ (nach oben gerichtet) sein! Das muss durch richtige Beladung sichergestellt werden.

  9. 7

    Kupplung öffnen

    Durch den Handhebel der Kupplung den Kupplungsbolzen in Stellung "geöffnet" bringen. Dazu den Handhebel bis zum Anschlag durchdrücken bzw. durchziehen (bei Kupplungen mit abwärts gerichtetem Handhebel).

    Durch kraftvolles Drücken am Fangmaul nach rechts und links prüfen, ob dieses arretiert ist (Angaben des Herstellers beachten).

    Bei bestimmten älteren Baureihen erfolgt die Arretierung des Fangmauls erst in einer zweiten Rastposition des Handhebels (siehe Bild).

    Handhebel in zweite Rastposition bringen!

    In der ersten Rastposition ist das Fangmaul noch beweglich und es würde bei nicht exakt mittigem Auftreffen der Zugöse seitlich wegklappen; die Zugöse gleitet dann seitlich ab.

    Es besteht die Möglichkeit, dass die Arretierung für die Mittelstellung defekt ist. Das Fangmaul weicht dann ebenfalls seitlich aus. In diesem Fall ist ein korrekter Kuppelvorgang nicht mehr möglich. Bis zur erfolgten Instandsetzung darf nicht mehr gekuppelt werden.

  10. 8

    Gefahrbereich verlassen

    Aus dem Gefahrbereich zwischen Zugfahrzeug und Anhänger heraustreten!

  11. 9

    Kuppeln

    Durch Zurücksetzen des Zugfahrzeugs kuppeln.

    Muss unter zwei Winkeln gekuppelt werden, sollte eine geeignete Person (Einweiser) den Kuppelvorgang überwachen. Das heißt, mit Blick- und Rufkontakt in sicherem seitlichem Abstand von den Fahrzeugen dem Fahrer die Bewegungsrichtung anzeigen.

    Niemals beim Kuppelvorgang zwischen die Fahrzeuge treten!

    Beim Ankuppeln von Starrdeichselanhängern ist neben dem Seiten- und dem Höhenversatz das Einrasten der Zugöse in der Bolzenkupplung das größte Problem. Es gilt: der Anhänger ist die "feste Größe", das Zugfahrzeug das "Werkzeug".

    Hierzu ein Tipp:

    Sollte die Bolzenkupplung nicht einrasten, kann bei luftgefederten Zugfahrzeugen mit einstellbarer Luftfederung auf den hinteren Achsen diese durch Heben und Senken (bis in die Endstellungen) den Spielraum zwischen Kupplungsbolzen und Zugöse "abfahren". Oft findet der Kupplungsbolzen dann noch seine vorgesehene Position.

    Achtung! Nochmals, weil es so wichtig ist:

    Während des Heranfahrens des Zugfahrzeugs an den Anhänger dürfen sich keine Personen zwischen den Fahrzeugen befinden, selbstverständlich auch nicht zum Hochhalten der Zuggabel!

    Die Anschlüsse für die Verbindungsleitungen (Druckluft, Elektrik, ABS/ABV) sind bei den meisten Zugfahrzeugen unmittelbar an der Schlusstraverse oder darüber bzw. darunter angebaut. Diese Teile sind bei schlecht vorbereiteten Kuppelversuchen besonders gefährdet.

    Den Anhänger von Hand an das Zugfahrzeug heranzuführen kann und darf nicht die Lösung sein. Die Absicht, geringen Sachschaden an diesen Teilen zu vermeiden, hat schon manchen Fahrer das Leben gekostet.

    Und dann gibt es noch die ungeübten, unprofessionellen Fahrer, die nach dem ersten Fehlkuppelversuch aufgeben und den Anhänger auflaufen lassen wollen.

    Unter "Auflaufen lassen" versteht man in diesem Zusammenhang das Heranführen des Anhängers im Gefälle durch Abrollen an das stehende Zugfahrzeug.

    Wegen der extremen Unfallgefahr ist es ohne Ausnahme verboten, Anhänger zum Kuppeln auflaufen zu lassen!

    Der Profi gefährdet notfalls falsch positionierte Fahrzeugteile, aber nie die eigene Gesundheit.

  12. 10

    Zugfahrzeug-Feststellbremse

    Zugfahrzeug mit Feststellbremse festsetzen!

    Wurde der Anhänger nur über die automatische Bremsung durch Trennen der Verbindungsleitungen festgesetzt um ein Wegrollen zu verhindern, setzt sich der Zug nach Anschließen der Vorratsleitung unkontrolliert in Bewegung, auch bei minimalem Gefälle.

    Denn: Lösen der (roten) Vorratsleitung ist wie Bremsen mit der Fußbremse, Anschließen der Leitung ist wie Wegnehmen des Fußes vom Bremspedal - mehr nicht!

  13. 11

    Kontrolle

    Nach dem Kuppeln feststellen, ob die Kupplung ordnungsgemäß geschlossen und gesichert ist

    • durch Sichtkontrolle des Kontrollanzeigers,

      siehe auch Abschnitt I.3 Kontrollanzeiger,

    • bei Dunkelheit durch Ertasten des Kontrollanzeigers,

    • bei Vorhandensein einer Fernanzeige durch Beobachten des Kontrollsignals (Herstellerangaben beachten).

    Kupplung geschlossen und gesichert?

    Ist dies nicht der Fall, Kupplung wieder öffnen, das Zugfahrzeug ein kurzes Stück vorziehen und von vorne beginnen.

  14. 12

    Verbindungsleitungen anschließen

    Anschlüsse vorhandener Verbindungsleitungen (Druckluft, Elektrik, ABS/ABV) herstellen. Auf die richtige Reihenfolge beim Anschließen achten:

    1. 1.

      Bremsleitung (gelber Kupplungskopf)

    2. 2.

      Vorratsleitung (roter Kupplungskopf)

      Gefahr: Sind Sie sicher, dass das Zugfahrzeug tatsächlich mit Feststellbremse gesichert ist? Sollte das nicht der Fall sein, würde der Zug nach dem Anschließen der Vorratsleitung bzw. dem Lösen der Anhänger-Feststellbremse wegrollen!

    3. 3.

      Elektrik

    4. 4.

      ABS/ABV und ggf. weitere Anschlüsse

    Sind die Fahrzeuge mit pneumatischer Schnellkupplung (Produktbezeichnung: Duo-Matic Schnellkupplung) ausgerüstet, ist ein Anschließen der Bremsluftverbindungen in falscher Reihenfolge nicht möglich.

    Darauf achten, dass die Verbindungsleitungen nicht scheuern, nicht zu weit durchhängen und beim Kurvenlauf nicht zu straff gezogen werden.

    Hierzu ein Tipp:

    Den soeben gekuppelten Anhänger mit angeschlossenen Licht- und Luftleitungen löst man gefahrlos mit dem Feststellbremsventil im Führerhaus. Diese Ventile verfügen über eine "Prüfstellung" (Ausnahme: ältere Importfahrzeuge). Diese liegt hinter der Raststellung (Feststellbremsstellung) und bewirkt das Lösen der Anhänger-Betriebsbremse bei bestehender Bremsung des Zugfahrzeugs. Diese Prüfstellung wird je nach Ventilbauart durch Drücken oder Ziehen des Handbremshebels aus der Raststellung eingelegt.

  15. 13

    Höheneinstelleinrichtung/Stütze in Fahrstellung bringen

  16. 13a

    Beim Gelenkdeichselanhänger:

    • Höheneinstelleinrichtung lösen - wenn das die Bauart erfordert.

  17. 13b

    Beim Starrdeichselanhänger:

    • Stütze in Fahrstellung bringen.

  18. 14

    Unterlegkeil(e) entfernen und verstauen

  19. 15

    Anhängerfeststellbremse lösen

    Spindelfeststellbremse bzw. Federspeicherbremse des Anhängers lösen.

    Das Zugfahrzeug muss gebremst bleiben, damit der Zug nicht unkontrolliert wegrollt!

    Gefahr bei mit Luftfeder angehobenen Aufbauten:

    Wenn die Luftfeder auf "Senken" gestellt ist, der Aufbau aber wegen noch gebremster Räder (bedingt durch Kinematik) nicht vollständig abgesenkt ist, dann schlägt beim Lösen der Anhängerbremse der Aufbau herunter. Dies kann besonders bei Wechselbrückenanhängern auftreten.

    Zur Vermeidung zuerst Luftfeder auf "Stop" stellen, dann erst Anhängerfeststellbremse lösen.

    Beachte die Lage der Brems- und Luftfederventile! Hier wird es sehr gefährlich, wenn der weit überstehende Aufbau beim Betätigen des Luftfeder- oder Bremsventils schlagartig herunterkommt.

    Hierzu ein Tipp:

    Zur Schonung der Fahrzeuge sollte nach dem Ankuppeln die Feststellbremse des Zugfahrzeugs (und damit die Betriebsbremse des Anhängefahrzeugs) nur langsam gelöst werden. Hierzu den Bremshebel in die Lösestellung führen und keinesfalls aus der Raststellung springen lassen.

  20. 16

    Anhängerlastventil einstellen

    Anhängerlastventil - soweit bei älteren Anhängern noch vorhanden - richtig einstellen.

    Moderne Anhänger haben automatische Bremskraftregler (ALB), die nicht mehr eingestellt werden müssen.

  21. 17

    Luftfeder/Liftachse

    Falls erforderlich:

    • Luftfeder nachregulieren,

    • Liftachse anheben oder absenken bzw. in Fahrstellung bringen, falls vorher entlüftet,

    • Park-Warntafel abdecken oder entfernen.

  22. 18

    Abfahrtkontrolle

    Vor der Abfahrt vergewissern, dass sich niemand auf der Ladefläche befindet, Ladetätigkeit vollständig abgeschlossen und Anhänger abfahrbereit ist (vor allem wichtig bei Beladung an Rampen und Andocktoren).

    Kurzkuppelzüge

    Beim Kuppeln von Kurzkuppelzügen sind Besonderheiten zu beachten, die der jeweiligen Bedienungsanleitung des Herstellers zu entnehmen sind.

II.2.2
Abkuppeln von Gelenkdeichsel- und Starrdeichselanhängern

Sehr häufig werden unnötig schwierige Ankuppelvorgänge bei Anhängerzügen erforderlich, weil das vorherige Abkuppeln unüberlegt war.

Der Anhängerzug mit Gelenkdeichselanhänger hat zwei Drehpunkte: Kupplungsbolzen und Drehkranzmitte. Daher können sowohl zwischen Zugfahrzeug und Zuggabel als auch zwischen Zuggabel und Anhänger Winkel entstehen.

  1. 1

    Positionierung

  2. 1a

    Positionierung des Gelenkdeichselanhängers

    Den Zug möglichst gestreckt positionieren, sodass an den Anhänger zum Wiederankuppeln gerade herangefahren werden kann! Ankuppeln unter Winkelposition ist schwierig und bedarf vieler Erfahrung. Nötigenfalls einen anderen, geeigneteren Abstellplatz suchen.

    Zug möglichst gestreckt positionieren

    Hierzu ein Tipp:

    Den Anhänger möglichst so abstellen, dass mindestens die doppelte Zugfahrzeuglänge zum späteren Ankuppeln gerade vor dem Anhänger frei verfügbar ist.

    Noch ein Tipp:

    Nicht so abkuppeln, dass das Zugfahrzeug direkt im Bogen vor dem Anhänger weggefahren werden muss - dieser Bogen ist rückwärts fahrend niemals genau so fahrbar. Bei beengten Platzverhältnissen vor dem Zugfahrzeug den Anhänger so abstellen, dass Zugfahrzeug und Zuggabel eine Linie bilden. Beim Ankuppeln orientiert man sich an der Stellung des linken Vorderrades des Anhängers, um Zugöse und Anhängekupplung "in Linie" zu bekommen.

    Wer zum Wieder-Ankuppeln die Zuggabel von Hand seitlich schwenken muss, hat vorher falsch geparkt oder ist zugeparkt worden.

  3. 1b

    Positionierung des Starrdeichselanhängers

    Das Abkuppeln von Starrdeichselanhängern ist häufig schwieriger als das Abkuppeln von Gelenkdeichselanhängern.

    Beim Abkuppeln muss immer so viel Freiraum vor dem Starrdeichselanhänger verbleiben, dass das Zugfahrzeug an den Anhänger fluchtend wieder herangefahren werden kann. Muss später zum Wieder-Ankuppeln trotzdem ausnahmsweise unter einem Winkel herangefahren werden, sollte das nur mit Einweiser geschehen.

  4. 2

    Feststellbremsen betätigen

    Feststellbremse des Zugfahrzeugs und Feststellbremse (Spindel- oder Federspeicherbremse) des Anhängers betätigen.

    Hinweis: je nach Hersteller gibt es zwei verschiedene Arten der Schaltung der Feststellbremse im Zugfahrzeug: mit und ohne Betätigung der Betriebsbremse im Anhänger beim Einlegen der Raststellung.

    Der Anhänger darf keinesfalls nur mit Betriebsbremsung abgestellt werden, weil er sonst bei Luftverlust unvorhersehbar und unkontrolliert wegrollen würde! Der Luftverlust ist oft nur eine Frage der Zeit.

    Der Federspeicher im Anhänger "schlägt" nur selbsttätig zu, wenn kein ausreichender Vorratsdruck mehr vorhanden ist. Anderenfalls spricht der Federspeicher nicht automatisch beim Abkuppeln an, er muss immer separat betätigt werden!

  5. 3

    Unterlegkeile anlegen

    Unterlegkeile anlegen

    Unterlegkeile anlegen, sofern die Standfläche nicht vollständig eben und waagerecht ist (das ist sie nur ganz selten)! Unterlegkeile müssen auch stets dann verwendet werden, wenn der Anhänger be-/entladen werden soll, z.B. mit Gabelstapler, Handhubstapler (dynamische Kräfte)!

    Unterlegkeile nur an Rädern der starren Achse anlegen, nie an lenkbarer Achse und an Liftachse.

    Starrdeichselanhänger sollten immer mittels Feststellbremse und Unterlegkeilen gesichert werden.

  6. 4

    Höheneinstelleinrichtung/Stützen

  7. 4a

    Beim Gelenkdeichselanhänger:

    • Höheneinstelleinrichtung festsetzen, soweit deren Bauart das erfordert.

  8. 4b

    Beim Starrdeichselanhänger:

    • Stütze so weit absenken, bis Zugöse leicht vom Fangmaulgrund freigehoben ist. Vorab feststellen, ob die Aufstandsfläche für die Stütze ausreichend tragfähig ist, ggf. Stütze unterbauen, z.B. mit stabiler Platte.

    • Soweit vorhanden und notwendig (z.B. für vorgesehene Be-/Entladung), heckseitige Stützen absenken.

  9. 5

    Verbindungsleitungen trennen

    Verbindungsleitungen (Druckluft, Elektrik, ABS/ABV) trennen und in "Parkdosen" stecken - soweit solche vorhanden sind. Immer darauf achten, dass die Kupplungsköpfe und Stecker nicht bis zum Boden durchhängen; Verschmutzung vermeiden!

    Verbindungsleitungen trennen ...

    Auf die richtige Reihenfolge beim Trennen der Leitungen achten:

    1. 1.

      Vorratsleitung (roter Kupplungskopf)

    2. 2.

      Bremsleitung (gelber Kupplungskopf)

    3. 3.

      Elektrik

    4. 4.

      ABS/ABV und ggf. weitere Anschlüsse

    Schutzkappen der Kupplungsköpfe aufsetzen.

    ... und in "Parkdosen" stecken

    Sind die Fahrzeuge mit pneumatischer Schnellkupplung (Produktbezeichnung: Duo-Matic Schnellkupplung) ausgerüstet, ist ein Trennen der Bremsluftverbindungen in falscher Reihenfolge sicher vermieden.

  10. 6

    Kupplung öffnen

    Kupplung öffnen, hierzu Handhebel bis zum Anschlag durchdrücken

    (bei Handhebel abwärts: durchziehen).

    Ein häufiger Fehler ist es, beim Abstellen des Anhängers die Feststellbremse im Zugfahrzeug noch während des Ausrollens des Zuges oder aber ruckartig zu betätigen. Dadurch (und auch durch unzureichende Abstimmung der Betriebsbremsanlagen von Zugfahrzeug und Anhänger) steht der Kupplungsbolzen durch eine ziehende oder drückende Zugöse unter Spannung und die Kupplung lässt sich nicht öffnen.

    Hierzu drei Tipps vom Profi

    Erster Tipp:

    Auf ebener Fläche die Anhänger-Betriebsbremse kurz entlüften durch die im Abschnitt "Ankuppeln" unter Arbeitsschritt 12 (Seite 34) bereits genannte Prüfstellung der Feststellbremse. Niemals durch "umgekehrtes" Trennen der Luftleitungen dieses Lösen einrichten.

    Zweiter Tipp:

    Zieht oder drückt der Anhänger in unebenem Gelände, dann zuerst diesen festbremsen. Entspannt wird die Kombination durch sanftes Bewegen des Zugfahrzeugs: Kleinsten (Rückwärts-)Gang einlegen und Betriebsbremse betätigen. Danach Feststellbremse lösen. Betriebsbremse nun langsam lösen und langsamst (!) anfahren, bis das Zugfahrzeug sich etwas - gerade spürbar - bewegt hat (es genügt meist ein Zentimeter), dann wieder die Betriebsbremse und erst anschließend die Feststellbremse betätigen.

    Dritter Tipp:

    Zum Lösen der Spannung zwischen Zugöse und Kupplungsbolzen wird nicht "geruckelt" und schon gar nicht ein "Kollege" zum Öffnen der Anhängekupplung während des Ruckelns genötigt! Für ihn besteht Lebensgefahr! Denn beim Offnen der Kupplung durch die zweite Person könnte diese niemals so schnell die Anhängekupplung in Raststellung führen, dass beim Zurückschwingen des Zugfahrzeugs die Zugöse wieder mit dem Bolzen arretiert wird.

  11. 7

    Zugfahrzeug vorziehen

    Durch Vorziehen des Zugfahrzeugs die Fahrzeuge trennen.

  12. 8

    Achtung beim Starrdeichselanhänger

    Kurze, hochbauende Starrdeichselanhänger (zum Beispiel zweiachsige Dreiseiten-Kippanhänger) besitzen meistens keine Stützen hinter dem Achsaggregat und können unter ungünstigen Bedingungen (Ladungsschwerpunkt zu weit hinten, Steigung als Abstellstandort) hochschlagen.

    Werden solche Anhänger mit Luftfederung abgestellt, kann das allmähliche Entlüften der Bälge eine Höhenverstellung der Zugöse bewirken. Das heißt, dass sich die Höhe der Zugöse verändert, und zwar umso stärker, je länger der Hebel zwischen Zugöse zu Stütze im Verhältnis Stütze zum Achsaggregat ist.

  13. 9

    Kupplung schließen

    Zur Schonung der Kupplung sollte bei längerem Betrieb ohne Anhänger die Kupplung geschlossen werden. Eine Verschmutzung der unteren Buchse wird dadurch vermieden.

    Bestimmte Bauarten von Bolzenkupplungen schließen nach dem Ausfahren der Zugöse selbsttätig, bei anderen erfolgt der Schließvorgang über Betätigung des Handhebels.

    Keinesfalls den Kupplungsbolzen durch Manipulation in der offenen Kupplung (bei Handhebel in der Kuppelstellung) auslösen! Verletzungsgefahr!

  14. 10

    Falls erforderlich: Park-Warntafel anbringen.