DGUV Information 209-016 - Schadstoffe beim Schweißen und bei verwandten Verfahr...

Online-Shop für Schriften

Jetzt bei uns im Shop bestellen

Jetzt bestellen
Abschnitt 1.6, 1.6 Verbindliche Grenzwerte (nach TRGS ...)
Abschnitt 1.6
Schadstoffe beim Schweißen und bei verwandten Verfahren (bisher: BGI 593)
Titel: Schadstoffe beim Schweißen und bei verwandten Verfahren (bisher: BGI 593)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 209-016
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 1.6 – 1.6 Verbindliche Grenzwerte (nach TRGS ...)

Die TRGS 900 "Arbeitsplatzgrenzwerte" enthält für zahlreiche Stoffe Grenzwerte (AGW) für die zeitlich gewichtete durchschnittliche Konzentration der Stoffe in der Luft am Arbeitsplatz in Bezug auf einen gegebenen Referenzzeitraum.

Der AGW gibt an, bei welcher Konzentration eines Stoffes akute oder chronische schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit im Allgemeinen nicht zu erwarten sind (§ 3 Abs. 6 GefStoffV). Sie werden vom Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS) aufgestellt.

Um die Belastung des Schweißers durch Schadstoffe am Arbeitsplatz zu begrenzen, d. h. um die Auswirkungen dieser Schadstoffe auf den menschlichen Körperzu minimieren, sind stoffspezifische Grenzwerte festgelegt worden. Aufgrund der technischen Gegebenheiten am Arbeitsplatz, der analytischen und arbeitsmedizinischen Erkenntnisse werden diese Grenzwerte regelmäßig überprüft.

1.6.1 Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) nach TRGS 900

Arbeitsplatzgrenzwerte sind vom neuen Verständnis her so konzipiert, dass bei ihrer Einhaltung akute oder chronische schädliche Wirkungen nicht zu erwarten sind.

Die TRGS 900 "Arbeitsplatzgrenzwerte" enthält für zahlreiche Stoffe medizinisch basierende Arbeitsplatzgrenzwerte.

Allgemeiner Staubgrenzwert

Der Allgemeine Staubgrenzwert unterscheidet zwischen:

  • Grenzwert für die alveolengängige Fraktion (A-Fr) 3 mg/m3 und

  • Grenzwert für die einatembare Fraktion (E-Fr) 10 mg/m3.

Bei Einhaltung des Allgemeinen Staubgrenzwertes ist mit einer Gesundheitsgefährdung dann nicht zu rechnen, wenn nach einschlägiger Überprüfung sichergestellt ist, dass mutagene, krebserzeugende, fibrogene, toxische oder allergisierende Wirkungen des Staubes nicht zu erwarten sind.

Der Allgemeine Staubgrenzwert gilt auch für

  • Aluminiumoxid (außer Rauch),

  • Eisenoxide,

  • Magnesiumoxid (außer Rauch) und

  • Titandioxid.

Der Allgemeine Staubgrenzwert wird als Schichtmittelwert festgelegt und ist für schwer lösliche bzw. unlösliche Stäube anzuwenden, die nicht anderweitig reguliert sind. Der Grenzwert gilt als allgemeine Obergrenze, zusätzlich sind aber die stoffspezifischen Luftgrenzwerte einzuhalten.

Der Grenzwert gilt nicht für lösliche Stäube, ultrafeine und grob-disperse Partikelfraktionen [10].

Bei Stäuben mit ultrafeinen Partikelanteilen und Schweißarbeiten gilt der Allgemeine Staubgrenzwert als Obergrenze, ultrafeine Partikelfraktionen sind nach Vorliegen entsprechender Bewertungskriterien (Grenzwerte) gesondert zu berücksichtigen.

Sofern an Arbeitsplätzen eine Staubkonzentration von 3 mg/m3 (A-Staub) nicht eingehalten werden kann, sind für die Beschäftigten arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen vorzusehen.

Die Beeinträchtigung der Atmungsorgane durch die vorstehend genannten Stäube und Rauche sind Langzeiteffekte und hängen maßgeblich von der Staubdosis ab, welche durch die über einen längeren Zeitraum einwirkende mittlere Feinstaubkonzentration bestimmt wird.

Die Werte sollen die Beeinträchtigung der Funktion der Atmungsorgane infolge einer allgemeinen Staubwirkung verhindern.

1.6.2 Biologischer Grenzwert (BGW) nach TRGS 903

BGW ist der Grenzwert für die toxikologisch-arbeitsmedizinisch abgeleitete Konzentration eines Stoffes, seines Metaboliten (Umwandlungsproduktes im Körper) oder eines Beanspruchungsindikators im entsprechenden biologischen Material, beim dem im Allgemeinen die Gesundheit eines Beschäftigten nicht beeinträchtigt wird [TRGS 903].

Gemäß dieser Definition entsprechen die bisherigen MAK den AGW, die bisherigen BAT-Werte den BGW.

1.6.3 Exposition-Risiko-Beziehungen (ERB)

[Quelle: AGS]

Nach § 10 Abs. 2 der GefStoffV hat der Arbeitgeber sicherzustellen, dass AGW eingehalten werden. Für die überwiegende Zahl der krebserzeugenden Stoffe ist jedoch derzeit kein AGW oder MAK ableitbar. Aus diesem Grund wurde vom AGS ein Gesamtkonzept zur Festlegung risikobasierter Grenzwerte für krebserzeugende Stoffe erarbeitet. In der"Bekanntmachungzu Gefahrstoffen 910 - Richtwerte und Exposition-Risiko-Beziehungen für Tätigkeiten mit krebserzeugenden Gefahrstoffen (BekGS 910)" werden stoffübergreifende Risikogrenzen und stoffspezifische Konzentrationswerte und Exposition-Risiko-Beziehungen, die vom AGS festgelegt wurden, dargestellt. Für 11 Stoffe (z. B. für Benzol oder Benzo(a)pyren, als Leitkomponente in bestimmten PAK-Gemischen) sind Akzeptanz- und Toleranzkonzentrationen aufgeführt, einschließlich deren Begründung, die eine sozialpolitische Konvention darstellt. Der zweite Teil der BekGS 910 beschreibt die wissenschaftliche Vorgehensweise in den Fachdisziplinen "Toxikologie" und "Epidemiologie" zur Ermittlung der Stoffrisiken und Ableitung von Exposition-Risiko-Beziehungen. Mit diesem Konzept soll die Gefährdung durch krebserzeugende Stoffe am Arbeitsplatz auf ein Minimum reduziert werden.

Die 3 durch das Akzeptanz- und das Toleranzrisiko definierten Risikobereiche (niedriges, mittleres, hohes Risiko) wurden Maßnahmenoptionen (gestuftes Maßnahmenkonzept zur Risikominderung) zugeordnet.

1.6.3.1 Risikoabschätzung für Stoffe ohne Exposition-Risiko-Beziehungen (ERB)

[Quelle: Dr. Nies, Dr. Steinhausen, IFA]

Für einige Stoffe wurden bereits Exposition-Risiko-Beziehungen (ERB) durch den Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS) erarbeitet und die zugehörigen stoffspezifischen Akzeptanz- und Toleranzkonzentrationen in der Bekanntmachung zu Gefahrstoffen 910 - BekGS 910 veröffentlicht (siehe Stoffliste). Für viele krebserzeugende Stoffe liegen aber noch keine Werte vor. Sofern kein Arbeitsplatzgrenzwert für einen Stoff vorhanden ist, hat der Arbeitgeber andere geeignete Beurteilungsmaßstäbe in eigener Verantwortung heranzuziehen (siehe TRGS 400).

Die in der nachstehenden Tabelle genannten Konzentrationsschätzungen können dabei als Hilfe dienen, um Arbeitsplatzexpositionen einem Risikobereich nach BekGS 910 zuzuordnen. Sie wurden in Anlehnung an das Risikokonzept des AGS (BekGS 910) aus älteren Unit-Risk-Schätzungen ermittelt (IFA-Handbuch, Kennzahl 120120. 42. Lfg. XII/2002).

StoffKonzentrations-
schätzung
Risiko 4:1.000
bei 40-jähriger
Arbeitsplatz-
konzentration
(in µg/m3)
Konzentrations-
schätzung
Risiko 4:10.000
bei 40-jähriger
Arbeitsplatz-
konzentration
(in µg/m3)
Chrom(VI)0,5 bis 20,05 bis 0,2
Cobalt3,5 bis 60,35 bis 0,6
Nickel (NiO)909
(Auszug aus der Tabelle des IFA, Dr. Nies, Dr. Steinhausen)