DGUV Information 209-016 - Schadstoffe beim Schweißen und bei verwandten Verfahr...

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Abschnitt 5, 5 Gefährdungsbeurteilung beim Schweißen
Abschnitt 5
Schadstoffe beim Schweißen und bei verwandten Verfahren (bisher: BGI 593)
Titel: Schadstoffe beim Schweißen und bei verwandten Verfahren (bisher: BGI 593)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 209-016
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 5 – 5 Gefährdungsbeurteilung beim Schweißen

Für die Festlegung von Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit ist entsprechend § 5 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) eine Beurteilung der für die Beschäftigten mit ihrer Arbeit verbundenen Gefährdung durchzuführen.

Voraussetzung für die Beurteilung der Gefährdung (siehe auch TRGS 400) sowie für die Auswahl der geeigneten Schutzmaßnahmen (siehe auch TRGS 500) bei jeder Verfahrens-/Werkstoffkombination sind die Kenntnisse über die "Emissionsrate" und "chemische Zusammensetzung" des Schweißrauches.

Folgende Faktoren werden in die Gefährdungsbeurteilung einbezogen:

Verfahrensspezifische Faktoren

  • Die Schweißverfahren können hinsichtlich der Partikel nach Emissionsraten (mg/s) in vier Klassen (Emissionsklassen 1 bis 4) eingeteilt werden.

Wirkungsspezifische Faktoren

  • Die Schweißrauche können hinsichtlich der spezifischen Wirkung ihrer Inhaltsstoffe auf den Körper in drei Klassen (Wirkungsklassen A, B, C) eingeteilt werden.

Die Höhe der Gesundheitsgefährdung (niedrige bis sehr hohe) ist von verfahrens-und wirkungsspezifischen Faktoren abhängig (Bild 5-1).

Eine Zuordnungzu den Schweißrauchklassen anhand von Emissionsraten und Wirkung (A 1 bis C 4) enthält Bild 5-2 auf Seite 60.

Arbeitsplatzspezifische Faktoren

  • Dazu gehören insbesondere: räumliche Verhältnisse, Lüftungssituation, Kopf- und Körperposition beim Schweißen.

Bei mittleren, hohen und sehr hohen Emissionsraten (Emissionsklassen 2 bis 4) treten im Atembereich des Schweißers - ohne lüftungstechnische Maßnahmen - Schadstoffkonzentrationen auf, die mehrfach die Grenzwerte überschreiten.

Bei niedrigen Emissionsraten (Emissionsklasse 1) liegen die Schadstoffkonzentrationen im Atembereich des Schweißers erfahrungsgemäß im Grenzwertbereich oder knapp darunter.

Ohne lüftungstechnische Maßnahmen und bedingt durch zusätzliche Gegebenheiten am Arbeitsplatz wird in einigen Fällen die Gesundheitsgefährdung erhöht, z. B. in engen Räumen.

Deshalb sind hier neben Überlegungen zur:

1. Auswahl schadstoffarmer Verfahren

2. Auswahl schadstoffarmer Werkstoffe

- soweit technisch möglich - auch optimale Lösungen für die Lüftungstechnikzu finden und anzuwenden.

Es kann davon ausgegangen werden, dass "keine Gesundheitsgefährdung" vorliegt, sofern die stoffspezifischen Grenzwerte der im Schweißrauch enthaltenen lungenbelastenden und toxischen Stoffe eingehalten sind. Für krebserzeugende Stoffe steht zunächst das Minimierungsgebot im Vordergrund. Die alten TRK-Werte sind durch Maßnahmen deutlich zu unterschreiten. Auf die Wirksamkeitskontrolle von Schutzmaßnahmen entsprechend Nr. 7 TRGS 400 wird hingewiesen.

Durch die Auswahl wirksamer lüftungstechnischer Maßnahmen wird die Gesundheitsgefährdung reduziert oder sogar ausgeschlossen.

Die Zuordnung der Gefährdung in der Tabelle im Bild 5-2 erfolgt nach verfahrens- und werkstoffspezifischen Faktoren. Sie dient als Grundlage für die weitere Beurteilung am Arbeitsplatz und Auswahl der jeweiligen Schutzmaßnahmen.

GefährdungSchweißrauchklasse
I niedrige GesundheitsgefährdungA1
II mittlere GesundheitsgefährdungA 2, B 1, C 1
III hohe GesundheitsgefährdungA 3, B 2, B 3, C 2, C 3
IV sehr hohe GesundheitsgefährdungA 4, B 4, C 4

Bild 5-1: Zuordnung der Gefährdungen zu den Schweißrauchklassen
[Quelle: Spiegel-Ciobanu, BGI 593 Ausg. 2008 nach [17]]

 

 Schweißrauche:
Emissionsklassen/
Emissionsraten
[mg/s]
Beispiele von VerfahrenSchweißrauche: Wirkung
Wirkungsklasse AWirkungsklasse BWirkungsklasse C
Atemwegs- und
lungenbelastende Stoffe1)
z. B.: Fe2O3
Toxische oder toxisch-
irritative Stoffe2)
z. B.: F, MnO, CuO
Krebserzeugende Stoffe2)

z. B.: Cr(VI), NiO
GefährdungGefährdungGefährdung
1< 1z. B. UP3)I (A 1)I (B 1)I (C 1)
< 1z. B. WIG4)II (A 1)II (B 1)II (C 1)
21 bis 2z. B. LaserstrahlschweißenIII (A 2)III (B 2)III (C 2)
32 bis 25z. B. LBH, MAG (Massivdraht)III (A 3)III (B 3)III (C 3)
4> 25z. B. MAG (Fülldraht)IV (A 4)IV (B 4)IV (C 4)
I = niedrige Gesundheitsgefährdung
III = hohe Gesundheitsgefährdung
II = mittlere Gesundheittsgefährdung
IV = sehr hohe Gesundheitsgefährdung
A 1 bis C 4: Schweißrauchklassen
1) Wenn Legierungs- und Umhüllungs-/Füllungskomponenten jeweils < 5 % sind.
2) Wenn Legierungs- und Umhüllungs-/Füllungskomponenten jeweils > 5 % sind.
3) automatisiert
4) Siehe BG-Information "Schweißtechnische Arbeiten mit chrom- und nickellegierten Zusatz- und Grundwerkstoffen" (BGI 855) sowie "BG/BGIA-Empfehlungen für die Gefährdungsbeurteilung nach der Gefahrstoffverordnung: Wolfram-Inertgas-Schweißen (WIG-Schweißen)" (BGI 790-012)

Bild 5-2: Gefährdungsbeurteilung anhand von Emissionsraten und Wirkung; Zuordnung zu den Schweißrauchklassen
(Spiegel-Ciobanu, BGI 593 Ausg. 2008 nach [17])