DGUV Information 209-016 - Schadstoffe beim Schweißen und bei verwandten Verfahr...

Online-Shop für Schriften

Jetzt bei uns im Shop bestellen

Jetzt bestellen
Abschnitt 2.2, 2.2 Partikelförmige Schadstoffe
Abschnitt 2.2
Schadstoffe beim Schweißen und bei verwandten Verfahren (bisher: BGI 593)
Titel: Schadstoffe beim Schweißen und bei verwandten Verfahren (bisher: BGI 593)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 209-016
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 2.2 – 2.2 Partikelförmige Schadstoffe

2.2.1 Lungenbelastende Stoffe

Eisenoxide (FeO, Fe2O3, Fe3O4) - gelten als Stoffe ohne toxische oder krebserzeugende Wirkung. Langzeitige Aufnahme hoher Konzentrationen kann zu einer Staubablagerung in der Lunge führen. Diese Ablagerung ist als Eisenstaublunge oder Lungensiderose bekannt. Sie wird auch als "Tätowierung der Lunge" bezeichnet.

Nach Beendigung der Exposition bilden sich die Eisenablagerungen im Allgemeinen zurück. Bei sehr hohen extremen Konzentrationen und unter sehr schlechten engen Lüftungsverhältnissen kann in seltenen Einzelfällen nach langjähriger Exposition eine Fibrosierung der Lunge auftreten (Siderofibrose). AGW = 3 mg/m3 A/10 mg/m3 E

Aluminiumoxid (Al2O3) - kann zu einer Staubablagerung in der Lunge führen. Unter bestimmten Umständen kann eine Aluminose (Pneumokoniose) auftreten, die nicht reversibel wie die Siderose ist. Dabei ist weniger die Dauer als die Intensität der Einwirkung des Aluminiumoxids von Bedeutung. Reizerscheinungen der Atemwege können ebenfalls auftreten.

AGW = 3 mg/m3 A/10 mg/m3 E

Kaliumoxid, Natriumoxid und Titandioxid (K2O, Na2O, TiO2) - sind als lungenbelastend einzustufen, weil sie zu Staubablagerungen in der Lunge führen können.

AGW = 3 mg/m3 A/10 mg/m3 E

2.2.2 Toxische Stoffe

Manganoxide (MnO2, Mn2O3, Mn3O4, MnO) - beim Auftreten in hohen Konzentrationen können Manganoxide eine reizende Wirkung auf die Atemwege ausüben und zu Lungenentzündungen führen. Bei chronischer Einwirkung können Schäden des Nervensystems wie auch Schüttellähmung auftreten (bei Schweißern bisher nicht bekannt).

AGW = 0,5 mg/m3 E für Mn-Verbindungen

Fluoride (CaF2, KF, NaF und andere) - hohe Konzentrationen führen zu Reizungen der Schleimhäute des Magens und der Atemwege. In Extremfällen, bei chronischer Aufnahme großer Mengen, werden chronische Allgemein- und Knochenschäden beobachtet (bei Schweißern bisher nicht bekannt).

AGW = 1 mg/m3 E

Barium-Verbindungen (BaCO3, BaF2) - sind überwiegend in wasserlöslicher Form im Schweißrauch vorhanden und wirken nach Aufnahme in den menschlichen Körper toxisch. Bei Überschreitung der MAK für lösliches Barium ist eine geringe Barium-Kumulation nicht auszuschließen. In manchen Fällen kann es zu einem Kaliummangel (Hypokaliämie) im Organismus kommen. Eine deutliche Korrelation zwischen externer und interner Barium-Belastung wurde festgestellt.

MAK (DFG) = 0,5 mg/m3 E

Chrom(III)-Verbindungen (Cr2O3, FeCr2O4, KCrF4) - gelten nach allgemeinen beruflichen Erfahrungen als sehr gering toxisch. Es liegen keine Angaben über beim Menschen ausgelöste lokale Reizungen oder Intoxikationen vor. Auch die verfügbaren Tierversuche geben keine Hinweise auf deutliche akute Effekte.

AGW = 2 mg/m3 E

Weitere Metalle in Oxidform - mit toxischer Wirkung:

Kupferoxid, Zinkoxid - können zu Metallrauchfieber führen.

2.2.3 Krebserzeugende Stoffe

Chrom(VI)-Verbindungen - in der Form von Chromaten (und zwar besonders die schwer löslichen) und Chromtrioxid können auf den menschlichen Körper, insbesondere auf die Atmungsorgane, eine krebserzeugende Wirkung haben. Sie sind unterschiedlich in Kategorie 1, 2 oder 3 als krebserzeugende Stoffe eingestuft (siehe Bild 1-12b auf Seite 28/29 "Grenzwerte, Einstufung").

Vor allem ist Chromtrioxid als krebserzeugender Stoff Kategorie 1 eingestuft. Das bedeutet, dass seine Exposition beim Menschen erfahrungsgemäß bösartige Geschwülste verursachen kann.

Zudem wirken die Chrom(VI)-Verbindungen auch schleimhautreizend und ätzend.

Nickeloxide (NiO, NiO2, Ni2O3) - können eine krebserzeugende Wirkung auf die Atemwege haben und sind als krebserzeugende Stoffe Kategorie 1 eingestuft.

Cadmiumoxid (CdO) - wird als krebserzeugender Stoff Kategorie 1 (DFG) eingestuft. Es wirkt als starkes Reizmittel und führt, ähnlich wie die nitrosen Gase, häufig nach geringen Erscheinungen und einem mehrstündigen (20 bis 30 Stunden) symptomlosen Stadium zu einer unter Umständen schweren Lungenwassersucht. Bei Aufnahme größerer Mengen von Cadmiumoxid können meist nach etwa zwei Jahren Veränderungen im Bereich der oberen Atemwege, eine Lungenüberblähung und rheumaähnliche Beschwerdezustände auftreten.

Bleioxid - von der DFG als krebserzeugend Kategorie 2 eingestuft, kann zu Blut- und Nervenve.jpgtungen führen.

Berylliumoxid (BeO) - ist als krebserzeugender Stoff Kategorie 1 (DFG) eingestuft. Beryllium hat eine allgemeine starke.jpgtwirkung. Die Inhalation von berylliumhaltigen Rauchen und Stäuben verursacht starke Reizerscheinungen der oberen Luftwege und ein akutes Metallrauchfieber. In schweren Fällen können chronische entzündliche Erscheinungen des Atemtraktes (chronische Pneumonie) auftreten.

Cobaltoxid (CoO) - ist als krebserzeugender Stoff Kategorie 2 (DFG) eingestuft. Schädigungen der Atmungsorgane sind bei höheren Expositionen nicht auszuschließen.

Vanadiumpentoxid - Von der DFG als krebserzeugend Kategorie 2 eingestuft (siehe Pkt. 1.2.2 Seite 12 dieser BGI). Für diesen Stoff wurden EKA-Werte (Korrelationen zwischen den Stoffkonzentrationen in der Luft am Arbeitsplatz und im biologischen Material) von der DFG aufgestellt. Ist toxisch, hat eine reizende Wirkung auf Augen und Atemwege. Bei höheren Konzentrationen über die MAK können Lungenschädigungen auftreten.

2.2.4 Thoriumdioxid (ThO2)

Thoriumdioxid (ThO2) - ist ein radioaktiver Stoff. Die Inhalation von Rauchen und Stäuben, die Thoriumdioxid beinhalten, führt zu einer inneren Strahlenbelastung.

Schäden können durch die Ablagerung des Thoriums in den Knochen, Bestrahlung der Bronchien und der Lunge auftreten.

Für nicht beruflich strahlenexponierte Personen bei "Arbeiten" (also beim WIG-Schweißen) gilt der Grenzwert für die effektive Dosis in Höhe von 6 mSv pro Jahr. Eine tabellarische Zusammenfassung der Wirkungen der wichtigsten partikelförmigen Schadstoffe auf den menschlichen Körper erfolgt in Bild 2-2 auf Seite 35.

SchadstoffWirkung
2.1 Lungenbelastend
AluminiumoxidStaubablagerungen in der Lunge, Aluminose
EisenoxideStaubablagerungen in der Lunge, Siderose
KaliumoxidStaubablagerungen in der Lunge
Natriumoxid
Titandioxid
2.2 Toxisch
Barium-Verbindungen, löslichetoxisch-Übelkeit
eventuell Kaliummangel
Fluoridetoxisch-Schleimhautreizung
Knochenschäden
Kupferoxidtoxisch-Metallrauchfieber (Kupferrauchfieber)
Manganoxidetoxisch-Schleimhautreizung
Nervenschäden
Zinkoxidtoxisch-Metallrauchfieber (Zinkrauchfieber)
2.3 Krebserzeugend
Berylliumoxidkrebserzeugend
-Metallrauchfieber
chronische Pneumonie
Bleioxidkrebserzeugend
toxisch-Übelkeit
Magen- und Darmstörungen
Nerven- und Nierenschäden
Cadmiumoxidkrebserzeugend
-Schleimhautreizung
Lungenüberblähung
Chrom(VI)-Verbindungenkrebserzeugend (Atmungsorgane)
-Schleimhautreizung
Cobaltoxidkrebserzeugend
-Schädigung der Atmungsorgane
Nickeloxidekrebserzeugend (Atmungsorgane)
TitandioxidVerdacht auf krebserzeugende Wirkung (als einatembare Fraktion); ausgenommen sind ultrafeine Partikel
Vanadiumpentoxidkrebserzeugend
-Reizung der Augen und der Atmungsorgane Lungenschäden
2.4 Radioaktiv
Thoriumdioxidradioaktiv
 -Bestrahlung der Bronchien und der Lunge kann krebserzeugende Wirkung haben

Bild 2-2: Wirkung spezifischer partikelförmiger Schadstoffe in der Schweißtechnik
[Quelle: Spiegel-Ciobanu nach Abschnitt 12.1]