DGUV Information 250-002 - Empfehlungen zur Hepatitis-A-Prophylaxe bei Tätigkeit...

Online-Shop für Schriften

Jetzt bei uns im Shop bestellen

Jetzt bestellen
Abschnitt 4, Arbeitsmedizinische Vorsorge und Schutzstufen f...
Abschnitt 4
Empfehlungen zur Hepatitis-A-Prophylaxe bei Tätigkeiten mit Kontakt zu Abwasser (bisher: BGI 586)
Titel: Empfehlungen zur Hepatitis-A-Prophylaxe bei Tätigkeiten mit Kontakt zu Abwasser (bisher: BGI 586)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 250-002
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 4 – Arbeitsmedizinische Vorsorge und Schutzstufen für Tätigkeiten mit fäkalienbelastetem Abwasser

Kontakt zu fäkalienhaltigen Abwässern beinhaltet die Möglichkeit direkter oraler Aufnahme oder der indirekten Aufnahme von Krankheitserregern und insbesondere HAV über kontaminierte Gegenstände (Schmierinfektion) bzw. das Einatmen fäkalkeimhaltiger Aerosole.

Die Biostoffverordnung legt in § 15a Abs. 1 fest, dass Pflichtuntersuchungen bei nicht gezielten Tätigkeiten nur dann zu veranlassen sind, wenn Erreger tätigkeitsspezifisch auftreten oder fortwährend mit der Möglichkeit ihres Auftretens gerechnet werden muss und die Gefahr einer Infektion für die Beschäftigten deutlich höher ist als bei der Allgemeinbevölkerung.

Zur Risikoabschätzung für bestimmte Berufsgruppen und Tätigkeiten kann zurzeit auf folgende Erfahrungen oder Untersuchungen zurückgegriffen werden:

In einer Untersuchungsreihe von Rumler [1] zur Prävalenz der Hepatitis A bei Kanal- und Rohrleitungsbauern wurde eine grundsätzliche Gefährdung dieses Kollektivs im Gegensatz zu früheren Studien nicht belegt.

Bei einer Untersuchung zur Serokonversion im Installateurhandwerk von Severin-Tölle [2] fanden sich keine Hinweise für eine generell erhöhte Gefährdung bei nur sporadischer Exposition zu fäkalienhaltigen Abwässern.

Untersuchungen von Nübling [3] bestätigen innerhalb eines Kanalarbeiterkollektiv eine Abhängigkeit der Infektionsgefährdung von der Häufigkeit und Dauer der Exposition.

Zur differenzierten Gefährdungsabschätzung sind neben der Regelmäßigkeit der Exposition im Rahmen der Tätigkeit auch die Wahrscheinlichkeit und das Ausmaß der Kontamination von Abwässern mit HAV zu berücksichtigen.

Die Abwasserbelastung wird in erster Linie durch die Zahl der Nutzer der Sanitär- bzw. Abwasseranlagen (Sammelleitungen, Gemeinschaftseinrichtungen) bestimmt.

Außerdem sind epidemiologische Besonderheiten vor Ort, z.B. die Möglichkeit einer Häufung von HAV-Ausscheidern in bestimmten medizinischen und sozialen Einrichtungen, in Betracht zu ziehen.

Hinweise zur Gefährdungsbeurteilung bei Kontakt zu fäkalienhaltigen Abwässern gibt folgendes Ablaufschema:

Abbildung: Gefährdungsbeurteilung bei Kontakt zu Abwässern

Mit diesem Ablaufschema können nur grobe Rahmenbedingungen berücksichtigt werden. Die Arbeitsschutzmaßnahmen sind in jedem Fall nach der konkreten Arbeitsplatzsituation und der Gefährdungsbeurteilung vor Ort festzulegen.

Eine Verpflichtung zu Vorsorgeuntersuchungen gegen HAV besteht nach der Biostoffverordnung in diesen Bereichen nur bei Tätigkeiten mit regelmäßigem Kontakt zu stark fäkalienhaltigen Abwässern bzw. zu fäkalienkontaminierten Gegenständen.

Bei Tätigkeiten mit Kontakt zu Abwässern, die in der Regel nicht fäkalienhaltig sind, z.B. Industrieabwässer, Regen- oder Oberflächenabwässer oder dergleichen, sind keine arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen erforderlich.

Schwierig erscheint es, den "regelmäßigen Kontakt" zu definieren, was erforderlich ist, um Tätigkeiten zuzuordnen, bei denen dies erfahrungsgemäß zutreffen kann.

Regelmäßig könnte definiert werden mit: "An allen oder an der überwiegenden Zahl der Arbeitstage länger dauernde und nicht nur jeweils seltene kurzzeitige Kontakte". Demgegenüber stünden sporadische, nicht arbeitstägige und jeweils seltene, kurzzeitige Kontakte.

Besser ist jedoch, die Begriffe "Tätigkeiten mit geringer und hoher Expositionswahrscheinlichkeit" zu wählen.

Bei regelmäßigen Reinigungs-, Reparatur und Wartungsarbeiten an stark fäkalienhaltigen Abwassersystemen (Rohre, Kanäle, Pumpensümpfe, Sickergruben) oder regelmäßigem Kontakt zu kontaminierten Maschinen, Arbeitsgeräten sowie bei sonstigen Aufnahmemöglichkeiten fäkalienhaltiger Abwässer (Aerosolbildung) dürfte eine grundsätzliche Gefährdung und somit Zuordnung zur Schutzstufe 2 der Biostoffverordnung sowie Erfordernis von Pflicht- Vorsorgeuntersuchungen gegeben sein (hohe Expositionswahrscheinlichkeit).

Bei nur sporadischem Abwasserkontakt, z.B. bei Sanitärinstallation mit gelegentlichen Service, Wartungs-, Instandsetzungs-, Reparaturarbeiten im Abwasserbereich von Einzelanlagen (Verstopfungen), bei Reinigungsarbeiten von Toiletten ohne besondere epidemiologische Besonderheiten, ist in der Regel nicht fortwährend mit der Möglichkeit des Auftretens von HAV zu rechnen (geringe Expositionswahrscheinlichkeit).

Somit wären diese Tätigkeiten der Schutzstufe 1 nach der Biostoffverordnung zuzuordnen, das Befolgen und Einhalten der Hygieneregeln nach den Technischen Regeln für biologische Arbeitsstoffe TRBA 500 "Allgemeine Hygienemaßnahmen; Mindestanforderungen ist ausreichend. Eine arbeitsmedizinische Vorsorge einschließlich Impfangebot ist nicht erforderlich.

Bei nicht auszuschließender Gefährdung durch besondere Umstände (Sammelanlagen, Zahl der Nutzer, epidemiologische Besonderheiten) hingegen, z.B. wenn eine orale Aufnahme bei der Tätigkeit trotz Schutzmaßnahmen nicht auszuschließen ist, kann nach Gefährdungsbeurteilung im Einzelfall auch hier die Zuordnung zu Schutzstufe 2 mit Untersuchungsangebot und gegebenenfalls Impfangebot gerechtfertigt sein.

Zur Gefährdungsabschätzung können zudem die Technischen Regeln für biologische Arbeitsstoffe TRBA 220 "Sicherheit und Gesundheit bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in Abwassertechnischen Anlagen" herangezogen werden. Hier findet sich als Kriterium für eine erhöhte Gefährdung der ausdrückliche Verweis auf regelmäßigen und intensiven Kontakt zu fäkalienhaltigen Abwässern.

Auch die BG-Regel "Umgang mit biologischen Arbeitsstoffen in abwassertechnischen Anlagen" (BGR 145) enthält Informationen zu Tätigkeiten mit möglicher Gefährdung, zu Übertragungswegen, zu technischen und organisatorischen Schutzmaßnahmen.