DGUV Information 213-002 - Hitzearbeit erkennen - beurteilen - schützen (bisher:...

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Abschnitt 5.1, 5.1 Bewertung der Hitzeeinwirkung unter Verwe...
Abschnitt 5.1
Hitzearbeit erkennen - beurteilen - schützen (bisher: BGI 579)
Titel: Hitzearbeit erkennen - beurteilen - schützen (bisher: BGI 579)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 213-002
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 5.1 – 5.1 Bewertung der Hitzeeinwirkung unter Verwendung der Normal-Effektivtemperatur (NET)

Die NET wird an Hitzearbeitsplätzen angewendet, an denen der Einfluss von Wärmestrahlung vernachlässigt und langärmelige Kleidung getragen werden kann.

Das Nomogramm (Bild 3) zur Ermittlung der NET wurde auf der Basis einer subjektiven Beurteilung verschiedener Kombinationen der drei Grundgrößen Lufttemperatur, erzwungene Feuchttemperatur und Luftgeschwindigkeit erstellt. Gleich bewertete Klimate weisen dieselbe NET auf.

Bild 3: Nomogramm zur Ermittlung der Normal-Effektivtemperatur (NET) nach Yaglou (nach DIN 33403-3 [April 2001])

 

Bild 4: hx-Diagramm

EnergieumsatzBeispiele für Tätigkeiten
Stufe 0
Ruhezustand
EU: 100 - 125 W
AU: 20 - 45 W
Sitzen oder Stehen im Ruhezustand
Stufe 1
Leicht: AU ca. 100 W
EU: etwa 125 - 235 W
AU: etwa 45 - 155 W
Leichte Handarbeit: Schreiben, Tippen, Zeichnen, Nähen, Buchführung
Hand- und Armarbeit: kleine Handwerkzeuge, Inspektion, Zusammenbau oder Sortieren von leichten Gegenständen
Arm- und Beinarbeit: Fahren von Fahrzeugen, Flurförderzeugen oder Kranen unter üblichen Bedingungen, Betätigen eines Fußschalters oder Pedals, Kontrollgänge, Tätigkeiten in Schaltwarten oder Steuer- und Regelanlagen
Stufe 2
Mittelschwer: AU ca. 200 W
EU: etwa 235 - 360 W
AU: etwa 155 - 240 W
Ununterbrochene Hand- und Armarbeit: Einschlagen von Nägeln, Feilen Arm- und Beinarbeit: Fahren von Lkw, Traktoren oder Baufahrzeugen im Gelände
Arm- und Körperarbeit: Arbeiten mit Presslufthammer, Zugmaschinen, Pflasterarbeiten, ununterbrochenes Handhaben von mittelschweren Materialien, Schieben und Ziehen von leichten Karren oder Schubkarren, Schmieden, Eisen gießen mit Hebezeug, Vulkanisieren
Stufe 3
Schwer: AU ca. 300 W
EU: etwa 360 W - 465 W
AU: etwa 240 W - 385 W
Intensive Arm- und Körperarbeit: Tragen von schwerem Material, Schaufeln, Arbeiten mit Vorschlaghammer, Sägen, Bearbeiten von hartem Holz mit Hobel oder Stechbeitel, Graben, Schieben oder Ziehen schwer beladener Handwagen oder Schubkarren, Zerschlagen von Gussstücken, Legen von Betonplatten, Ein- und Aussetzen in der grobkeramischen Industrie, Ofenreparatur im heißen Ofen, Gemenge einlegen von Hand in Glashütten, Eisen gießen (Handguss), Handflämmen
Stufe 4
Sehr schwer: AU > 300 W
EU: ab etwa 465 W
AU: ab etwa 385 W
Sehr intensive Arm- und Körperarbeit mit hohem Arbeitstempo: Arbeiten mit der Axt, intensives Schaufeln oder Graben, Besteigen von Treppen, Rampen oder Leitern

Tabelle 1: Einteilung des Arbeitsenergieumsatzes (AU) und Gesamtenergieumsatzes (EU) nach Tätigkeitsarten (in Anlehnung an DIN EN ISO 8996 (Januar 2005), fett gedruckt in Spalte 1 die Werte aus der BG-Information "Handlungsanleitungen für die arbeitsmedizinische Vorsorge"

Beispiel zur Ermittlung der Normal-Effektivtemperatur:

Gemessen wurden

  • Lufttemperatur: 36 C

  • Luftfeuchtigkeit: 50%

  • Luftgeschwindigkeit: 1 m/s.

Die erzwungene Feuchttemperatur wird mit dem Diagramm (Bild 4) bestimmt. Es ergibt sich eine erzwungene Feuchttemperatur [tw] von 27 C.

Die Normal-Effektivtemperatur kann damit aus Bild 3 ermittelt werden.

Hierzu werden die Lufttemperatur (36 C) und die erzwungene Feuchttemperatur (27 C) durch eine Gerade verbunden, die die Kurvenschar der Normal-Effektivtemperatur schneidet.

Bei einer Luftgeschwindigkeit von 1 m/s ergibt sich eine Normal-Effektivtemperatur NET von 29 C. Mit Hilfe der NET und des Arbeitsenergieumsatzes (AU) kann die Belastung am Arbeitsplatz beurteilt werden. Der Arbeitsenergieumsatz kann nach Tabelle 1 abgeschätzt werden. Der in dieser Tabelle ebenfalls aufgeführte Gesamtenergieumsatz (EU) liegt um den Grundumsatz (etwa 80 W) über dem Arbeitsenergieumsatz.

Zur genauen Ermittlung des Arbeitsenergieumsatzes kann die DIN EN ISO 8996 "Ergonomie der thermischen Umgebung; Bestimmung des körpereigenen Energieumsatzes" herangezogen werden.

Die NET wird als Auswahlkriterium für die Durchführung spezieller arbeitsmedizinischer Vorsorgeuntersuchungen nach dem BG-Grundsatz G 30 "Hitzearbeiten" und Abschnitt 7 eingesetzt.

Tabelle 2 weist in Abhängigkeit vom Arbeitsenergieumsatz und der ununterbrochenen Expositionszeit Richtwerte für die NET aus.

Die Richtwerte unterscheiden zwei Gruppen von Beschäftigten:

  • Akklimatisierte Beschäftigte,

  • gelegentlich exponierte, nicht akklimatisierte Beschäftigte.

Werden die Richtwerte überschritten, sind unabhängig vom Einsatz persönlicher Schutzausrüstungen arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen durchzuführen (siehe Abschnitt 7).

Unabhängig davon ist zu prüfen, ob durch technische oder organisatorische Maßnahmen (siehe Abschnitte 6.1 und 6.2) eine Reduzierung der Belastung möglich ist.

Notwendige Entwärmungsphasen zwischen aufeinander folgende Hitzeexpositionen können nach Abschnitt 6.2.2 abgeschätzt werden.