DGUV Information 209-015 - Instandhalter (bisher: BGI 577)

Online-Shop für Schriften

Jetzt bei uns im Shop bestellen

Jetzt bestellen
Abschnitt 1.1, Sicherheit bei der Instandhaltung
Abschnitt 1.1
Instandhalter (bisher: BGI 577)
Titel: Instandhalter (bisher: BGI 577)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 209-015
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 1.1 – Sicherheit bei der Instandhaltung

Beschaffenheitsanforderungen für Maschinen und Anlagen sind in der EG-Maschinen-Richtlinie bzw. der Maschinenverordnung (9. Verordnung zum Geräte- und Produktsicherheitsgesetz) festgelegt. Danach wird zur Gewährleistung der Sicherheit bei Instandhaltungsarbeiten Folgendes gefordert:

  1. 1.

    Instandhaltungsarbeiten sind bei stillgesetzten Maschinen und Anlagen durchzuführen.

  2. 2.

    Wartungsstellen müssen außerhalb von Gefahrenbereichen liegen.

  3. 3.

    Es müssen Schnittstellen zum Anschluss von Einrichtungen zur Fehlerdiagnose vorhanden sein.

  4. 4.

    Teile, die häufig auszuwechseln sind, müssen für eine problemlose, risikofreie Montage und Demontage ausgelegt sein.

  5. 5.

    Es sind Zugangsmöglichkeiten (Treppen, Leitern, Arbeitsbühnen) vorzusehen, damit Instandhaltungsstellen sicher erreicht werden können.

  6. 6.

    Maschinen und Anlagen sind mit Einrichtungen auszustatten, mit denen eine Trennung von jeder Energiequelle möglich ist. Die Einrichtungen sind eindeutig zu kennzeichnen und müssen gegen unbeabsichtigtes Wiedereinschalten gesichert werden können (Bilder 1-1 bis 1-4).

  7. 7.

    Restenergien müssen nach Trennung ohne Gefahr abgeleitet werden.

Andere Maßnahmen sind zulässig, wenn sie zum gleichen Schutzziel führen.

Die genannten Beschaffungsanforderungen werden in einzelnen Normen konkretisiert. Außerdem werden in Normen für bestimmte Maschinen spezielle Angaben für den Betrieb, die Instandhaltung und die Prüfung gemacht. Insofern ist es wichtig, Instandhalter bereits bei Beschaffung oder Konstruktion von Maschinen und Anlagen zu beteiligen.

Maschinen und Anlagen, die unter den Anwendungsbereich der Maschinenverordnung fallen, sind mit dem CE-Kennzeichen zu versehen (Bild 1-1).

Bild 1-1: CE-Kennzeichen und Sicherheitshinweise im Bereich eines Hauptschalters

Außerdem sind Hersteller verpflichtet, eine Konformitätserklärung abzugeben und eine Betriebsanleitung zu erstellen.

Diese muss nach Anhang I der Maschinenverordnung auch Sicherheitshinweise enthalten zur gefahrlosen Durchführung der

  • Inbetriebnahme,

  • Verwendung,

  • Handhabung,

  • Installation,

  • Montage/Demontage,

  • Rüst- sowie Instandhaltungsarbeiten

    und

  • Störungsbeseitigung.

Zusätzlich müssen Maschinen und Anlagen spezielle Unterlagen (z.B. Schaltpläne) mit Sicherheitshinweisen zur Inbetriebnahme und zur Instandhaltung beigefügt sein.

Betreiber von Maschinen und Anlagen werden in zahlreichen berufsgenossenschaftlichen Vorschriften und der Betriebssicherheitsverordnung verpflichtet, auf der Grundlage von Betriebsanleitungen und betrieblichen Gegebenheiten Betriebsanweisungen zu erstellen. Diese müssen neben Anweisungen für den Normalbetrieb auch besondere Anweisungen für den Sonderbetrieb

  • Einrichten, Rüsten,

  • Probelauf

    und

  • Instandhaltung mit Wartung, Inspektion und Instandsetzung

enthalten.

Betriebsanweisungen können nach folgender Gliederung erstellt werden:

  • Anwendungsbereich,

  • Gefährdungen und Schutzmaßnahmen bei Normal- und Sonderbetrieb,

  • allgemeine Anforderungen an Personen

    und

  • Anweisungen zum Verhalten bei Notfällen.

Betriebsanweisungen sollten insbesondere für größere Einzelmaschinen und Anlagen erstellt werden. Sie sind die Grundlage für die erforderlichen Unterweisungen.

An Maschinen und Anlagen darf mit den Instandhaltungsarbeiten im Bereich Gefahr bringender Bewegungen erst begonnen werden, nachdem

  1. 1

    Gefahr bringende Bewegungen zum Stillstand gekommen sind

    und

  2. 2

    die Energieversorgung unterbrochen ist

    und

  3. 3

    ein unbefugtes, irrtümliches und unerwartetes Ingangsetzen ausgeschlossen ist (durch Abschließen der Hauptbefehlseinrichtung (Bild 1-2) bzw. Trennen von Steckverbindungen und Festsetzen von Teilen, die ihre Lage verändern können, z.B. mittels Bremse, Rücklaufsperre, Rückschlagventil oder Stützen)

    und

  4. 4

    ein Ingangkommen Gefahr bringender Bewegungen infolge gespeicherter Energie verhindert ist (durch Druckfreimachen, Absperren, Absenken, Entspannen)

    und

  5. 5

    physikalische, chemische und biologische Emissionen ausgeschlossen sind (siehe Rang 1, Bild 1-8).

Bild 1-2: Gegen Wiedereinschalten gesicherter Hauptschalter mit Zusatzbügel für Mehrpersonen-Absicherung

Instandhaltungsarbeiten an Maschinen und Anlagen lassen sich nicht immer bei Stillstand durchführen.

So können beispielsweise Fehler häufig nur bei laufender Maschine oder Anlage erkannt werden.

Bild 1-3: Hinweis auf gespeicherte Energie an einer Druckspeicheranlage

Bild 1-4: Schlüssel für die Zugangstür einer automatischen Förderanlage. Erst nach Abschalten des Automatikbetriebes kann der Schlüssel entnommen werden

In diesen Fällen muss die notwendige Sicherheit dadurch gewährleistet sein, dass vorhandene Schutzeinrichtungen benutzt werden, wirksam sind und auch nicht durch Manipulation umgangen werden. Vorhandene Schutzeinrichtungen können z.B. sein: Verkleidungen, Verdeckungen, Umzäunungen, Umwehrungen oder Zweihandschaltungen oder Lichtvorhänge, Lichtschranken, Laser-Scanner, Schaltmatten, Schaltleisten und Pendelklappen (Bild 1-5), siehe Rang 2, Bild 1-8.

Bild 1-5: Unwirksame Schutzeinrichtung

Sind vorhandene Schutzeinrichtungen nicht verwendbar, müssen besondere Zusatzeinrichtungen vorhanden sein, die

  • das Eingreifen in Gefahrstellen entbehrlich machen (z.B. Hilfswerkzeuge, Zangen, Greifer),

  • das zufällige Erreichen benachbarter Gefahrstellen erschweren (z.B. Abtrennungen oder Verdeckungen),

Bild 1-6 a und b: Zustimmungsschalter dreistufig, d.h. Stufe 1: Aus-Funktion (Stellteil nicht gedrückt) Stufe 2: Zustimmungsfunktion (Stellteil gedrückt) Stufe 3: Aus-Funktion (Stellteil ganz durchgedrückt)

  • das schnelle Stillsetzen Gefahr bringender Bewegungen ermöglichen (z.B. Zustimmungsschalter [Bild 1-6 a und b] oder ortsveränderliche Not-Aus-Schalter [Bild 1-7]) oder

Bild 1-7: Ortsbewegliche Steuerung eines Fertigungszentrums

  • die Geschwindigkeit Gefahr bringender Bewegungen herabsetzen, siehe Rang 3, Bild 1-8.

In Ausnahmefällen wird auch der Einsatz von Schutz- und Zusatzeinrichtungen nicht möglich sein.

Der Unternehmer oder der verantwortliche Vorgesetzte hat dann die Gefährdungen zu ermitteln, erforderliche Schutzmaßnahmen festzulegen und deren Einhaltung zu überwachen, siehe Rang 4, Bild 1-8. Hierzu gehören dann auch Instandhaltungsanweisungen, in denen der Arbeitsablauf und die zugehörigen Schutzmaßnahmen festgelegt sind.

Bild 1-8: Rangfolge der Sicherheit vor Gefahr bringenden Bewegungen

Instandhaltungsarbeiten dürfen nur von fachlich geeigneten Personen durchgeführt werden, die mit den Maschinen oder Anlagen vertraut sind. Sie müssen über die auftretenden Gefährdungen und die Schutzmaßnahmen unterwiesen sein.

Im Einzelfall kann es darüber hinaus erforderlich sein, eine Person zu beauftragen, welche die Arbeiten koordiniert oder ständig beobachtet. Außerdem sollte auch an den Notfall (z.B. Befreiung von Personen aus Gefahrstellen oder Bergung von hoch gelegenen Arbeitsplätzen) gedacht werden.