DGUV Information 205-001 - Arbeitssicherheit durch vorbeugenden Brandschutz (bis...

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Abschnitt 9.2, 9.2 Baustoffklassen
Abschnitt 9.2
Arbeitssicherheit durch vorbeugenden Brandschutz (bisher: BGI 560)
Titel: Arbeitssicherheit durch vorbeugenden Brandschutz (bisher: BGI 560)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 205-001
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 9.2 – 9.2 Baustoffklassen

Der Widerstand bestimmter Materialien gegenüber Feuer führt zur Unterteilung der Baustoffe in Baustoffklassen:

  • Baustoffklasse A
    nicht brennbare Baustoffe

  • Baustoffklasse B
    brennbare Baustoffe

Das unterschiedliche Brandverhalten von Baustoffen erzwingt eine weitere Unterteilung der Baustoffklassen nach der Entflammbarkeit der Baustoffe.

Die Klassifizierung mancher Isolier- und Dämmstoffe zu den jeweiligen Baustoffklassen lässt in Einzelfällen erkennen, dass die Prüfbedingungen mit der praktischen Anwendung durchaus nicht immer verglichen werden können, wie die nachfolgende Schilderung einer falschen Beurteilung des Brandverhaltens aufgespritzter Schaumstoffe für Isolierzwecke zeigt.

Bei Brennarbeiten an einem Lukensüll eines Reparaturschiffes geriet die gesamte isolierte Fläche des achteren Laderaumes schlagartig in Brand. In dem sofort entstehenden ätzenden Qualm kam ein Arbeiter zu Tode. Andere Arbeiter wurden verletzt.

 

BaustoffklasseBauaufsichtliche BenennungBeispiele
A 1nicht brennbare Baustoffe ohne NachweisSand, Lehm, Ton, Kies, Glas, Mineralwolle ohne organische Zusätze, Stahl
A 2nicht brennbare Baustoffe mit besonderem PrüfnachweisBaustoffe mit geringen organischen Bestandteilen
B 1schwer entflammbare Baustoffemineralisch gebundene Holzwolleleichtbauplatten nach DIN EN 13168; andere nur mit besonderem Prüfnachweis
B 2normal entflammbare BaustoffeKork, Holz und Holzwerkstoffe von mehr als 2 mm Dicke; andere nur mit besonderem Prüfnachweis
B 3leicht entflammbare BaustoffePapier, Stroh, Holz bis zu 2 mm Dicke; soweit ohne gegenteiligen Prüfnachweis

Bild 9-2: Baustoffklassen nach DIN 4102-1

Wie konnte es bei dem als "selbstverlöschend" bezeichneten Isolierstoff zu einem solchen Brand kommen?

Die Nachforschungen ergaben, dass im Labor des Herstellers alle Werkstoffproben den Test auf Schwerentflammbarkeit bestanden hatten. Bei einer nach dem Unfall durchgeführten Prüfung konnte die Isolierbeschichtung nach kurzer Einwirkung einer Zündflamme entzündet werden, wobei die beschäumte Fläche des Probestückes, genau wie bei dem Unfall an Bord des Containerschiffes, schlagartig in Brand geriet.

Entscheidend für den Brand an Bord des Schiffes war der Umstand, dass die Isolierung aus aufgeschäumtem Polyurethan in der großflächigen Anordnung in den Laderäumen ein gänzlich anderes Brandverhalten zeigte als die Teststücke im Labor.

Dieser Umstand hat den Besteller der Schiffe veranlasst, anstelle des bisher vorgeschriebenen schwer entflammbaren Materials für die Isolierung "nicht brennbares" Material zu verwenden.

Neue Brandschutzklassen nach DIN EN 13501 "Klassifizierungvon Bauprodukten und Bauarten zu ihrem Brandverhalten"

DIN 4102 ist die klassische, den Bauordnungen zugeordnete Norm, die den Brennbarkeitsgrad von Baustoffen und die Feuerwiderstandsfestigkeit von Bauteilen definiert und so darlegt, wie der in den Bauordnungen geforderte bauliche Brandschutz zu realisieren ist. Sie macht grundsätzlich die Untersuchung des Brandverhaltens durch Normprüfungen zur Pflicht.

Im Unterschied zur bisherigen nationalen Klassifizierung nach DIN 4102-1 stellt das europäische Klassifizierungssystem eine größere Vielfalt von Klassen und Klassenkombinationen zur Verfügung.

Zusätzlich zum Brandverhalten werden die Brandnebenerscheinungen, wie Rauchentwicklung (s1 - s3) und brennendes Abtropfen/Abfallen (d0 - d2) in Klassen eingeteilt. Die europäische Norm ist als DIN EN 13501-1 und DIN EN 13501-2 erschienen.

Bauaufsichtliche BezeichnungBaustoffklasse nach DIN 4102-1EuroklasseAnforderungsniveauBrandstadium
nicht brennbarA 1A 1kein Beitrag zum Brandvoll entwickelter Raumbrandca. 60 kW/m2
 A 2A 2vemachlässigbarer Beitrag zum Brand  
schwer entflammbarB 1Bsehr geringer Beitrag zum Brandeinzelner brennender Gegenstandca. 40 kW/m2
  Cgeringer Beitrag zum Brand  
normal entflammbarB 2Dhinnehmbarer Beitrag zum Brand  
  Ehinnehmbares Brandverhaltenkeine Flamme20 mm Flamme
leicht entflammbarB 3Fkeine Anforderungen  

Bild 9-3: Euroklassen zum Brandverhalten von Baustoffen

Das nationale und europäische Klassifizierungssystem wird für eine Übergangsfrist gleichwertig und alternativ anwendbar sein. In der Bauregelliste erfolgt die Zuordnung der Klassen zu den bauaufsichtlichen Anforderungen an den Brandschutz.

In Bild 9-3 auf Seite 27 sind die Klassen aufgeführt, welche zur Gewährleistung des in Deutschland geltenden Sicherheitsniveaus mindestens einzuhalten sind.

Bei besonderen Anforderungen an die Rauchentwicklung ist die Klasses 1 einzuhalten. Wird ein Baustoff gefordert, der nicht brennend abtropfen oder abfallen darf, ist ein Baustoff der Klasse d0 zu verwenden.

Die nach DIN EN 13501-1 klassifizierten Eigenschaften zum Brandverhalten von Baustoffen entsprechen den darin zugeordneten bauaufsichtlichen Anforderungen in bauaufsichtlichen Verwendungsvorschriften.

Kerninhalt der DIN EN 13501-1 ist die Klassifizierung von Bauprodukten hinsichtlich ihres Brandverhaltens. Diese Beschreibung ist erheblich komplexer als die der DIN 4102-1, die sich primär auf die Brennbarkeit eines Baustoffes bezieht.

Neben den Hauptklassifizierungskriterien der Entzündbarkeit, der Flammenausbreitung und der frei werdenden Wärme werden zusätzlich die Brandparallelerscheinungen der Rauchentwicklung und des brennenden Abfallens/Abtropfens von Baustoffen festgestellt und in mehreren Stufen klassifiziert.

Jeweils drei Klassen für die Rauchentwicklung (s1, s2 und s3) und das brennende Abtropfen/Abfallen eines Baustoffes (d0, d1 und d2) sind festgelegt.

Nach DIN EN 13501 können tragende Bauteile mit raumabschließender Funktion in folgende Feuerwiderstandsklassenklassifiziert werden:

  • Wände mit Raumabschluss
    RE 20, 30, 60, 90, 120, 180, 240

  • Wände mit Raumabschluss und Wärmedämmung
    REI 15, 20, 30, 45, 60, 90, 120, 180, 240

  • Brandwände
    REI-M 30, 60, 90, 120, 180, 240

  • Wände
    REW 20, 30, 60, 90, 120, 180, 240

Die Verwendung von Indizes und zusätzlichen Angaben ist in den jeweiligen Abschnitten der DIN EN 13501 beschrieben.

DIN 18230
"Baulicher Brandschutz im Industriebau"

Das Dokument dient der Ermittlung der rechnerisch erforderlichen Feuerwiderstandsdauer der Bauteile von Brandbekämpfungsabschnitten im Industriebau und ermöglicht insofern dem Bauordnungsrecht (z. B. in der Industriebaurichtlinie) Anforderungen an den Brandschutz zu regeln. DIN 18230-1 gilt für Gebäude oder Teile davon, die für Produktions- oder Lagernutzungen bestimmt sind (Industriebauten).

DIN 18230

Herleitung des KurzzeichensKriteriumAnwendungsbereich
R (Rsitance)Tragfähigkeitzur Beschreibung der Feuerwiderstandsfähigkeit
E (tanchit)Raumabschlusszur Beschreibung der Feuerwiderstandsfähigkeit
I (Isolation)Wärmedämmung (unter Brandeinwirkung)zur Beschreibung der Feuerwiderstandsfähigkeit
W (Radiation)Begrenzung des Strahlendurchtrittszur Beschreibung der Feuerwiderstandsfähigkeit
M (Mechanical)Mechanische Einwirkung auf Wände (Stoßbeanspruchung)zur Beschreibung der Feuerwiderstandsfähigkeit
S (Smoke)Begrenzung der Rauchdurchlässigkeit (Dichtheit, Leckrate)Rauchschutztüren (als Feuerschutzabschlüsse), Zusatzanforderung auch bei Lüftungsanlagen, einschließlich Klappen
C ... (Closing)Selbstschließende Eigenschaft (ggf. mit Anzahl der Lastspiele)Rauchschutztüren, Feuerschutzabschlüsse (einschließlich Abschlüsse für Förderanlagen)

Bild 9-4: Beispiele der wichtigsten Kriterien der europäischen Klassifizierungen für den Feuerwiderstand