DGUV Information 209-014 - Lackierer (bisher: BGI 557)

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Abschnitt 6, 6. Lüftung
Abschnitt 6
Lackierer (bisher: BGI 557)
Titel: Lackierer (bisher: BGI 557)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 209-014
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 6 – 6. Lüftung

Lackieren ist nur bei geeigneter Lüftung zulässig. Was ist nun geeignet? Die Lüftung muss die Bildung einer gefährlichen explosionsfähigen Atmosphäre durch Lösemitteldampf-Luft-Gemische verhindern und sicherstellen, dass der Lackierer keinen Gasen, Dämpfen oder Nebeln in gesundheitsgefährlichen Konzentrationen ausgesetzt wird.

Dies erfordert je nach Lacklösemittel Mindestluftmengen. Um Größenvorstellungen für die Einhaltung des Luftgrenzwertes zu haben, sind die Mindestluftmengen für Toluol und Xylol in der nachstehenden Tabelle zusammengestellt.

 Luftgrenzwert
(TRGS 900 Stand
09/01)
Untere
Explosionsgrenze
Mindestluftmenge
zur Einhaltung des
Luftgrenzwertes
Toluol0,19 g/m346 g/m35,3 m3/g
Xylol0,44 g/m344 g/m32,3 m3/g

Tabelle 6-1: Mindestluftmenge zur Einhaltung des Luftgrenzwertes

Die Lüftung soll sowohl frei werdende Lösemitteldämpfe als auch Spritznebel aus dem Atembereich des Lackierers fernhalten. Auch eine Ableitung in andere betriebliche Räume darf nicht erfolgen. Die Arbeitsplatzlüftung muss mit der Raumlüftung abgestimmt werden. Die Schwierigkeit, diese Aufgabe richtig zu lösen, soll anhand von Lüftungsmaßnahmen für das gelegentliche Lackieren kleiner Teile aufgezeigt werden. Die falsche und richtige Anordnung der Ventilatoren ist aus den Abbildungen zu ersehen.

In der falschen Darstellung (Bild 6-1) ist der Außenwand-Ventilator zu hoch angeordnet. Da Lösemitteldämpfe schwerer als Luft sind, werden sie von dem zu hoch angeordneten Ventilator nicht abgeführt. Außerdem saugt der unter der Hallendecke eingebaute Abluftventilator frei werdende Lösemitteldämpfe nach oben und somit in den Atembereich des dargestellten Lackierers.

Bild 6-1: Gelegentliches Lackieren kleiner Teile (falsche Ventilator-Anordnung)

In der richtigen Darstellung (Bild 6-2) ist zu erkennen, dass sowohl frei werdende Lösemitteldämpfe als auch kleinste Farbtröpfchen (Lackaerosole des Oversprays) von dem am Boden sitzenden Ventilator abgeführt werden. Der in die Halle drückende Zuluftventilator ist bei dieser Maßnahme noch behilflich.

Bild 6-2: Gelegentliches Lackieren kleiner Teile (richtige Ventilator-Anordnung)

Bei der Aufstellung von Farbspritzständen ist darauf zu achten, dass der Abluftventilator für seine Wirkung Zuluft braucht. Dies gilt auch in der winterlichen Jahreszeit bei geschlossenen Fenstern und Türen!

Eine wichtige sicherheitstechnische Maßnahme ist der richtige Standort des Lackierers bei der Ausführung von Lackierarbeiten. Dies soll für das Spritzlackieren großer Werkstücke in einer Spritzkabine erläutert werden: Die Zuluft wird durch eine Filterdecke dem Kabineninnenraum zugeführt. Die am Arbeitsplatz mit Lösemitteldämpfen und Spritznebeln (Lackaerosolen) belastete Abluft wird nach unten abgeführt.

Bild 6-3 zeigt einen falschen Standort: Im Atembereich des Lackierers befinden sich Lösemitteldämpfe und Spritznebel. In diesem Falle müsste mit einer Atemschutzmaske oder-haube gearbeitet werden, wenn es bei diesem falschen Standort bleiben soll.

Bild 6-3: Standort beim Spritzlackieren in einer Spritzkabine

Bild 6-4 zeigt den richtigen Standort des Lackierers in der Spritzkabine: Für den erhöhten Standort müssen geeignete und sichere Arbeitsplätze geschaffen werden, z. B. durch Gerüste, wenn nicht, wie in der Abbildung gezeigt, Hubarbeitsbühnen verwendet werden.

Bild 6-4: Standort beim Spritzlackieren auf einer Hubarbeitsbühne in einer Spritzkabine

Arbeitsplätze auf Gerüsten sind sicher auszuführen. Hierzu enthält die Unfallverhütungsvorschrift "Bauarbeiten" (BGV C 22) umfangreiche Forderungen, aber auch sicherheitstechnische Hinweise. Einen typischen Fehler in der Praxis betrifft das Abstellen frisch lackierter Teile. Häufig genügt die Absaugleistung des Spritzstandes, um frei werdende Lösemitteldämpfe von frisch lackierten Teilen noch mit zu erfassen, wenn diese unmittelbar vor dem Spritzstand stehen.

Immer wieder wird es jedoch falsch gemacht. Der Lackierer stellt die frisch lackierten Teile hinter sich auf Hordenwagen und ähnliche Ablagen. Von den frisch lackierten Teilen dunsten Lösemitteldämpfe ab und werden über den Atembereich des Lackierers hinweg in den Spritzstand abgesaugt (Bild 6-5).

Bild 6-5: Falsche Anordnung beim Abstellen frisch lackierter Teile

Bild 6-6 zeigt ein Beispiel, wo frisch lackierte Teile neben dem Lackierer zum Abdunsten abgelegt sind und die Lösemitteldämpfe am Lackierer vorbei durch die Absaugung erfasst werden. Sollten die Lösemitteldämpfe vom Abluftsystem des Spritzstandes nicht mehr erfasst werden, so müssen die Abdunstbereiche mit besonderen Absaugeinrichtungen versehen werden.

Bild 6-6: Richtige Anordnung beim Abstellen frisch lackierter Teile

Die Wirkungsweise von Lüftungsmaßnahmen kann man mit Strömungsprüfröhrchen sehr gut kontrollieren. Hiervon sollte immer Gebrauch gemacht werden, wenn das Lackierverfahren und die zu lackierenden Werkstücke geändert werden.

Bei dieser Prüfmethode werden aus einem Glasröhrchen Rauche frei, die mit einem Gummibällchen in den Lüftungsbereich geblasen werden. Aus dem Verlauf der Rauchschlieren können die Strömungsverhältnisse beurteilt werden.