DGUV Information 209-014 - Lackierer (bisher: BGI 557)

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Abschnitt 5, 5. Lackierräume und -bereiche
Abschnitt 5
Lackierer (bisher: BGI 557)
Titel: Lackierer (bisher: BGI 557)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 209-014
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 5 – 5. Lackierräume und -bereiche

Für Lackierarbeiten (Verarbeiten von leicht entzündlichen AI- oder entzündlichen - AII-Beschichtungsstoffen) müssen gesonderte Räume vorhanden sein. Nur wenn dies aus betriebstechnischen Gründen nicht möglich ist, kann auch in allgemeinen Arbeitsräumen lackiert werden.

In beiden Fällen wird ein Bereich um den Lackierplatz herum mit 5 m Radius als feuergefährdet angesehen. Siehe auch BG-Information "Lackierräume und -einrichtungen für flüssige Beschichtungsstoffe - Bauliche Einrichtungen, Brand- und Explosionsschutz, Betrieb" (BGI 740).

Explosionsgefährdete Bereiche sind gemäß Anhang 3 der Betriebssicherheitsverordnung nach Häufigkeit und Dauer des Auftretens von gefährlicher explosionsfähiger Atmosphäre in Zonen zu unterteilen. Für Bereiche, die durch Gase, Dämpfe oder Nebel explosionsgefährdet sind, gilt:

  • Zone 0

    umfasst Bereiche, in denen gefährliche explosionsfähige Atmosphäre als Gemisch aus Luft und brennbaren Gasen, Dämpfen oder Nebeln ständig, über lange Zeiträume oder häufig vorhanden ist.

  • Zone 1

    umfasst Bereiche, in denen sich bei Normalbetrieb gelegentlich eine gefährliche explosionsfähige Atmosphäre als Gemisch aus Luft und brennbaren Gasen, Dämpfen oder Nebeln bilden kann.

  • Zone 2

    umfasst Bereiche, in denen bei Normalbetrieb eine gefährliche explosionsfähige Atmosphäre als Gemisch aus Luft und brennbaren Gasen, Dämpfen oder Nebeln normalerweise nicht oder aber nur kurzzeitig auftritt. Die Einteilung explosionsgefährdeter Bereiche an Spritzlackierarbeitsplätzen kann anhand unterschiedlicher Beispiele erfolgen:

Flammpunktkriterium
Beim so genannten Flammpunktkriterium wird zur Zoneneinteilung die Höhe des Flammpunktes der verarbeiteten Beschichtungsstoffe herangezogen. Liegt z. B. der Flammpunkt unter 21C oder wird der Lack betriebsmäßig über den Flammpunkt erwärmt, muss die Einteilung nach Beispiel 1 (siehe Bild 5-1) erfolgen.

Bild 5-1: Beispiel 1 - Zoneneinteilung nach Flammpunktkriterien für Beschichtungsstoffe mit einem Flammpunkt unter 21C oder bei betriebsmäßiger Erwärmung über ihren Flammpunkt

Werden verschiedene Lacke verarbeitet, ist der niedrigste Flammpunkt maßgebend.

Konzentrationskriterium
Inzwischen sind für Lackieranlagen mehrere europäische Sicherheitsnormen veröffentlicht worden, z. B. EN 12215 "Spritzlackierkabinen für flüssige organische Beschichtungsstoffe - Sicherheitsanforderungen". In diesen Normen wird zur Festlegung der Zonen statt dem Flammpunkt die rechnerische Konzentration brennbarer Stoffe in der Kabine/am Spritzstand herangezogen. Für manuelles Spritzlackieren muss die Konzentration dabei immer unter 25 % der UEG (untere Explosionsgrenze) liegen.

Entsprechen die verwendeten Lackiereinrichtungen solchen europäischen Normen, kann die Zoneneinteilung nach Beispiel 2 (siehe Bild 5-2) erfolgen. Vergleicht man die beiden Kriterien, dann ergibt sich für leicht entzündliche Lacke durch das Konzentrationskriterium eine Erleichterung: statt der Zone 1 im Inneren mit umgebender Zone 2 muss nach Konzentrationskriterium nur noch Zone 2 in einem kleineren Bereich festgelegt werden. Voraussetzung ist allerdings, dass die Anlage auch tatsächlich alle Anforderungen der Norm erfüllt und entsprechend gekennzeichnet ist.

Bild 5-2: Beispiel 2 - Zoneneinteilung nach Konzentrationskriterium; rechnerische Durchschnittskonzentration brennbarer Stoffe weniger als 25 % der UEG

Nach Festlegung der explosionsgefährdeten Bereiche und Einteilung in Zonen muss ein Explosionsschutzdokument angefertigt werden (siehe § 6 BetrSichV). Beispiele des Explosionsschutzdokumentes enthält die BG-Information "Lackierräume und Einrichtungen für flüssige Beschichtungsstoffe - Bauliche Einrichtungen, Brand- und Explosionsschutz, Betrieb" (BGI 740).

Jeder Lackierer weiß, dass in seinem Arbeitsbereich "Feuer, offenes Licht und Rauchen verboten" sind. Auf dieses Verbot ist an allen Zugängen, in den Räumen und Bereichen deutlich erkennbar und dauerhaft hinzuweisen, beispielsweise durch das Verbotszeichen mit dem durchgestrichenen Streichholz (Bild 5-3) aus der Unfallverhütungsvorschrift "Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung am Arbeitsplatz" (BGV A 8). Das Verbotszeichen mit der durchgestrichenen Zigarette verbietet nur das Rauchen und ist insofern hier nicht ausreichend.

Bild 5-3: Verbotszeichen P02 "Feuer, offenes Licht und Rauchen verboten"

Alle explosionsgefährdeten Bereiche, also Bereiche, in denen Zonen eingeteilt wurden, sind mit dem Warnzeichen für Explosionsgefahr (Bild 5-4) gemäß Unfallverhütungsvorschrift "Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung am Arbeitsplatz" (BGV A 8) zu kennzeichnen.

Bild 5-4: Warnzeichen W21 "Warnung vor explosionsfähiger Atmosphäre" nach BGV A8